Köln Südfriedhof


Der Südfriedhof in Köln ist ein städtischer Friedhof im Stadtteil Zollstock, der zum Stadtbezirk Rodenkirchen gehört. Der Friedhof hat eine Gesamtfläche von rund 615.400 m² und ist damit gegenwärtig der größte Friedhof auf dem Kölner Stadtgebiet. Der 1901 entstandene Südfriedhof beherbergt eine Reihe architektonisch interessanter Grabmäler und zählt auch zu den bedeutendsten Grünanlagen der Stadt.

 

Der Südfriedhof wurde in den Jahren 1899 bis 1901 angelegt und am 1. April 1901 für Bestattungen eröffnet. Er war – neben dem fünf Jahre zuvor eingeweihten Kölner Nordfriedhof im Stadtteil Weidenpesch – als Entlastung für den zunehmend voll belegten Melaten-Friedhof konzipiert, welcher bis zum Ende des 19. Jahrhunderts der einzige zentrale nicht-konfessionelle Großfriedhof der inzwischen gut 300.000 Einwohner zählenden Stadt war. Der ursprüngliche Teil des Südfriedhofs war ein etwa 20 Hektar großes, von der Kendenicher Straße, dem Höninger Weg (südlich des Höninger Platzes) und dem Kalscheurer Weg umschlossenes trapezförmiges Areal, wobei die beiden letzteren Straßen im Zuge des späteren Ausbaus des Friedhofs teilweise verlegt werden mussten.

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdfriedhof_(K%C3%B6ln)



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Berbuer Karl,   02 / 2021

Karl Berbuer (* 26. Juli 1900; † 17. November 1977)

 

war ein deutscher Komponist, Krätzchen- und Schlagersänger. Er ist der Schöpfer von Evergreens wie "Heidewitzka, Herr Kapitän" (1936) und des Trizonesien-Liedes ("Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien") (1948), welches sich mit der Nachkriegsaufteilung in drei westliche Besatzungszonen befasst.

 

Am 26. Juli 1900 wurde Karl Berbuer in der Kölner Agrippastraße als Sohn eines Bäckermeisters geboren. Er besuchte die Volksschule im Severinsviertel. Wie schon seine beiden Brüder, machte Berbuer eine Bäckerlehre. Mit 17 wurde er Soldat, kehre 1919 aus der Kriegsgefangenschaft zurück und legte 1929 die Bäckermeister-Prüfung ab. Doch schon kurz nach 1919 debütierte er als Schauspieler im Theater von Wilhelm Schneider-Clauss; dort trug er auch die ersten selbstkomponierten und -getexteten Lieder vor.

 

Von 1924 stammt "Se krijjen uns nit kapott", das schon die Tendenz seiner Texte andeutet: die humoristische Verarbeitung aktueller politischer oder gesellschaftlicher Gegebenheiten. 1926 erhielt er den Preis der Kölner Fastnachtsspiele für "Ich moß jet mit dem Titti tatta jonn". In den 30er Jahren war Karl Berbuer durch den Rundfunk im deutschsprachigen Raum bereits so bekannt, daß seine künstlerischen Verpflichtungen ihm keine Zeit mehr für die Backstube ließen.

 

Ein Riesenerfolg wurde Mitte der 30er Jahre sein "Heidewitzka, Herr Kapitän". Vor dem Hintergrund der schlechten Lebensmittelversorgung durch die Engländer entstand 1946 "Au, yes Marie, au yes, janz Germany hätt Schieß" und auf die Mosel Besetzung bezieht sich "Oh, Mosella" (1918).

 

Karl Berbuer hat in seinen Liedern wie kein Zweiter die Atmosphäre der Nachkriegszeit eingefangen; die Freude der Menschen an den Kleinigkeiten des Lebens, ihre bescheidenen Wünsche in der Zeit des beginnenden Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders, ihre Verbundenheit mit ihrer Heimatstadt Köln und dem Rheinland.

 

"Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien" heißt der Schlager, der in der Karnevalssession 1948/1949 zum Hit wird. Komponiert hat ihn der Kölner Karl Berbuer. Mit "Trizonesien" bezeichnet er das Gebilde aus amerikanischer, französischer und britischer Besatzungszone - aus dem später die Bundesrepublik entsteht. Die Idee für das Lied hat der gelernte Bäckermeister 1947. Er sitzt in der Nähe des Kölner Doms in einem Restaurant, als dort über die sogenannte Bizone gesprochen wird. So wird damals die vereinigte amerikanische und englische Zone bezeichnet. Jemand aus der Runde spricht von "Bizonesien". Berbuer vermutet, dass es wohl bald zu einem Zusammenschluss mit der französischen Zone kommen werde, und kreiert das Wort "Trizonesien".

 

Ärger bei den Alliierten

"Mein lieber Freund, mein lieber Freund, die alten Zeiten sind vorbei, ob man da lacht, ob man da weint, die Welt geht weiter", heißt es im ersten Vers des "Trizonesien-Songs", den Berbuer zum Karnevalsauftakt am 11. November 1948 der Öffentlichkeit vorstellt. "Ein kleines Häuflein Diplomaten macht heut die große Politik, sie schaffen Zonen, ändern Staaten." Der Text ist eine versteckte Anklage gegen die Besatzungsmächte, die offenbar nicht als Befreier vom Nationalsozialismus, sondern als eine Art Kolonisatoren empfunden werden. Die sowjetrussische Zeitung "Prawda" und die englische "Times" reagieren prompt: Die Deutschen würden wieder frech - nach dem von ihnen angezettelten und verlorenen Zweiten Weltkrieg.

 

In einem weiteren Vers wird dem "fremden Mann" beschieden, dass ein Trizonesier Humor, Kultur und Geist habe: "Selbst Goethe stammt aus Trizonesien, Beethovens Wiege ist bekannt. Nein, sowas gibt's nicht in Chinesien, darum sind wir auch stolz auf unser Land." Im Refrain heißt es weiter: "Wir sind keine Menschenfresser, doch wir küssen um so besser." Diese Selbstsicht stößt auf Kritik, da sie wenige Jahre nach dem Holocaust so wirkt, als ob die Mitschuld der normalen Deutschen an der Judenvernichtung durch Nationalstolz relativiert werden soll.

 

Ersatz für Nationalhymne

Bereits nach dem Ersten Weltkrieg ist Bäckergeselle Berbuer 1924 durch ein ähnliches Lied während des Karnevals bekannt geworden. Damals haben die Besatzungstruppen jede karnevalistische Betätigung verboten. Daraufhin singt Berbuer einen "Trotzdem-Schlager". Der Refrain lautet: "Ihr kriegt uns nicht kapott, kapott!" Der Kölner Liedermacher stellt aber anscheinend auch während der Nazi-Zeit Autoritäten in Frage: Wie Berbuer 1966 der "Kölnischen Rundschau" erklärt, begrüßten sich im "Dritten Reich" viele Kölner mit "Heidewitzka", um den obligaten Hitler-Gruß zu vermeiden. Er habe das Schlagwort aufgegriffen und 1936 im den Karnevalshit "Heidewitzka, Herr Kapitän" verarbeitet.

 

Als der "Trizonesien-Song" Ende der 1940er Jahre Furore macht, gibt es noch keine deutsche Nationalhymne. Das Deutschlandlied ist verboten. Darum wird Berbuers Lied auf internationalen Sportveranstaltungen in Köln als Ersatz gespielt.

 

Nach seinem Tod am 17. November 1977 errichtete man ihm zu Ehren im Severinsviertel den Berbuer-Brunnen in Gestalt eines "Möllemer Böötchens"

 

Das Brunnenschiff „Müllemer Böötche“ ähnelt einer umgedrehten Narrenkappe, auch die Figuren hinter der Reling erinnern an den Karneval. Zu entdecken sind zwei Heinzelmännchen, die Kölner Straßenmusiker „Orgels Palm“ (Orgeldreher) und „Fleuten-Arnöldche“ (Flötenspieler), zwei musizierende Deutzer Lappenclowns an der Pauke und am Becken, ein tanzender Funke mit Mariechen und natürlich Berbuer selbst in Karnevalsuniform und mit Narrenkappe auf dem Kopf. Um seinen Hals hängen verschiedene Karnevalsorden. Mutter Colonia überwacht das lustige Treiben der drehbaren Figuren von der Bugspitze aus. Am Bootsrand stehen Notenschrift und Textzeilen aus seinen Werken.

Zu Ehren Karl Berbuers sollte ein lebendiges Kunstwerk auf dem Platz entstehen, genauso lebendig wie seine Lieder. 1987 wurde der Brunnen aufgestellt, gestaltet von dem Aachener Bildhauer Bonifatius Stirnberg.

 

Bonifatius Stirnberg (* 20. Februar 1933[1] in Freienohl) ist ein deutscher Bildhauer.

 

Leben

Er machte ab 1948 eine Lehre als Holzbildhauer und 1951 als Tischler. Beide Ausbildungen wurden erfolgreich mit der Gesellenprüfung abgeschlossen. Daraufhin begann er ein Studium der Raumgestaltung und Bildhauerei an der Werkkunstschule Aachen (früher: Kunstgewerbeschule Aachen), das er 1959 abschloss. 1957 folgte die Meisterprüfung als Holzbildhauer. Ab 1962 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf, u. a. bei Joseph Beuys im Fach Bildhauerei. Seit 1973 hat er ein eigenes Atelier mit angeschlossener Bronzegießerei in Aachen.

 

Bereits 1967 entwarf Stirnberg eine Skulpturengruppe mit beweglichen Elementen. Sein Entwurf wurde damals nicht angenommen und erst 1975 als Puppenbrunnen in Aachen realisiert. Dieser Brunnen mit zahlreichen Figuren aus Bronze, die teilweise bewegliche Gliedmaßen haben, erfreut sich bis heute großer Beliebtheit und stellte für den Künstler den Durchbruch dar. Fortan erhielt er viele Aufträge aus dem In- und Ausland. Seine Brunnen und Skulpturen haben fast immer einen Bezug zur Geschichte oder zu Geschichten der jeweiligen Stadt und gelten stets als Kunst zum Anfassen.

 

 

Quellen Text: http://www.cologne-info.de/prominente/karl-berbuer/karl-berbuer.html

https://www.karnevalslieder.de/Karnevalskuenstler/Karl-Berbuer.php

https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag7900.html

https://app.severinsviertel.info/inhalte/karl-berbuer-platz/

https://de.wikipedia.org/wiki/Bonifatius_Stirnberg

 


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Fassbender Jean und Annie,   02 / 2021

Noch keine Information vorhanden


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Günther Peter,   02 / 2021

Peter Günther Radrennfahrer (1882-1918)

 

Peter Günther war ein Radrennfahrer aus Köln und der letzte große deutsche Steher- Star der ersten Generation. Der mehrmalige Deutsche Meister wurde 1911 in Dresden inoffizieller Weltmeister und 1914 Europameister. Im Oktober 1918 stürzte er tödlich bei einem Rennen auf der Radrennbahn in Düsseldorf - Oberkassel.

 

Peter Günther wurde am 29.8.1882 in Betzdorf an der Sieg als Sohn eines Eisenbahnbeamten geboren. Er erlernte den Beruf eines Mechanikers, zog nach Köln und fand Arbeit bei den Allright - Fahrradwerken. Gründer dieser Werke war Georg Sorge (1868-1954), der selbst Radsportler gewesen war und 1893 bei der ersten Austragung der 582 Kilometer langen  Distanzfahrt Wien-Berlin den zweiten Platz belegt hatte. Mit der Förderung seines Chefs begann Günther 1902 als "Wertpreisfahrer" (Amateur) Sprintrennen zu fahren.

 

Bei der Kölner Meisterschaft im August 1902 schlug er seinen Lokalrivalen Willy Schmitter, mit dem er auch gemeinsam im Tandemrennen fuhr. Im Frühjahr 1903 versuchte sich Günther erstmals als Steher und war so erfolgreich, dass er im Mai desselben Jahres, wiederum mit Unterstützung seines Arbeitgebers, ins Profilager wechselte:  Heinrich Otto, der bei den Allright-Werken als Meister arbeitete, baute ihm ein Führungsmotorrad und wurde sein Schrittmacher. 

 

Doch schon am 05.06.1903 stürzte Günther bei einem Rennen gegen einen Franzosen aus Mauritius mit dem Künstlernamen "Vendredi" (= Freitag) und dem Deutschen Max Heiny vor heimischen Publikum auf der Radrennbahn in Köln-Riehl (die sich an der Stelle des heutigen Zoos befand) und verletzte sich so schwer, dass die Ärzte um sein Leben fürchteten.

Nach mehreren Monaten konnte sich Günther zwar erholen, doch im Laufe seiner weiteren Karriere beendete er Rennen oft nur unter Schmerzen und benötigte einen speziell angefertigten Sattel.

                                                                                                                     

Rennfahrer und Schrittmacher beschlossen zunächst, nie wieder eine Rennbahn zu betreten, wurden aber im Frühjahr 1904 entgegen aller Vorsätze rückfällig. Im Laufe seiner Karriere stürzte Günther noch viele Male, mindestens zweimal sehr schwer. Er nahm auch an einem Rennen in Köln am 07.10.1913 teil, bei dem ein Rennfahrer und ein Schrittmacher ihr Leben verloren, während er selbst unverletzt blieb.

 

Am 9. Juli 1904 ereignete sich beim "Großen Preis vom Rhein" ein schwerer Unfall, der noch Folgen hatte: Aus Günthers Freundschaft mit Schmitter war inzwischen eine Rivalität geworden - die Fans teilten sich sogar in eine "Schmitter-Partei" und eine "Günther-Partei". Die Schrittmacher der beiden Fahrer, die diese Gegnerschaft begeistert unterstützten und anfeuerten, versuchten sich während des "Großen Preis vom Rhein" gegenseitig abzudrängen. Fahrer und Schrittmacher stürzten, aber alle Beteiligten blieben unverletzt.

 

Die "Schmitter-Partei", die ohnehin in der Mehrheit war, gab anschließend Günthers Schrittmacher die Schuld, was ihm in Köln einige Zeit lang Sympathien kostete. Willy Schmitter wurde 1905 bei einem Rennen in Leipzig getötet. 

 

Dreimal - 1905, 1911 und 1912 - wurde Günther Deutscher Steher-Meister und 1914 Europameister.

59 Siege zwischen 1906 und 1910 machten ihn - gemessen am Preisgeld - zum dritterfolgreichsten deutschen Fahrer jener Jahre. Im Jahr 1907 heiratete er seine Frau Wanda (1885-1963). Die Ehe blieb kinderlos.

 

Im Mai 1910 eröffnete er das "Café Günther" in der Kölner Bischofsgartenstraße 8 (heute befindet sich an gleicher Stelle das "Hotel Mondial"). 1911 errang er in Dresden den Titel "Weltmeister", der allerdings mit einem Makel behaftet war:

 

Der deutsche Radsportverband war aus Protest gegen angebliche Fehlentscheidungen bei den Weltmeisterschaften im Jahr zuvor aus dem Weltradsportverband ausgetreten und veranstaltete eine eigene Steher-Weltmeisterschaft, an der allerdings neben 17 Deutschen nur zwei Ausländer teilnahmen, der US-Amerikaner Robert Waltour (1878-1949) und der Belgier Vicktor Linart (1889-1977). Das schmälerte aber keineswegs die Begeisterung der Kölner Radsportfans, die Günther am Hauptbahnhof mit einem Fackelzug abholten, zum Viktoriasaal am Waidmarkt fuhren und ihn dort als "Weltmeister" feierten. 

 

Während des Ersten Weltkriegs wird Günther zum Kraftfahrer-Bataillon in Köln einberufen, um bei den Kölner Cito Werken in der Rüstungsproduktion zu arbeiten, so dass er weiter Rennen fahren konnte. Am 9. Juli 1917 schrieb Peter Günther einen Eintrag für die Rubrik "Mein schönstes Radrennen" im "Sport-Album der Rad-Welt".

 

Er sei nie abergläubisch gewesen, aber an das der Zahl 7 anhängende Pech glaubte ich […], und ich habe es stets vermieden, am siebten Tage des Monats zu trainieren oder zu starten. Das Rennen um den „Goldpokal vom Rhein“ fand allerdings am 7.7.1917 statt, was Günther übersehen hatte: Ich hätte wer weiß was darum gegeben, hätte ich nicht fahren brauchen, aber in Cöln durfte ich mich nicht blamieren und so stieg ich in den Sattel.

 

Er beschrieb, wie viel Angst er während des Rennens hatte, das er schließlich mit zwei Runden Vorsprung gewann. Deshalb war dieses Rennen dasjenige, das seinen Ehrgeiz am meisten befriedigte, denn er hatte nicht nur seine Gegner, sondern auch das "Gespenst des Aberglaubens" besiegt. 

 

Etwa ein Jahr später, am 6. Oktober 1918, stürzte Günther auf der Radrennbahn in Düsseldorf-Oberkassel und starb einen Tag später - am 7. (!) Oktober - im Alter von 36 Jahren. Zum Zeitpunkt seines Todes wohnte er in der Severinstraße, wie aus der Todesanzeige im "Kölner Stadt Anzeiger" hervorgeht. Die Zeitschrift "Rad-Welt" schrieb, "der Altmeister der rheinischen Dauerfahrer" sei "seinem Landsmann Schmitter in jenes Reich gefolgt, aus dem kein Sterblicher zurückkehrt".

 

Ende November 1919 wurde über dem Grab von Peter Günther auf dem Kölner Südfriedhof feierlich ein Grabstein in Form eines Sarkophags enthüllt, den der Kölner Bildhauer Franz Brantzky (1871-1945) geschaffen hatte, auf dessen Deckel eine steinerne Sturzkappe liegt.

 

Der Andrang bei der Enthüllung war so groß, dass viele Besucher anschließend zu Fuß zurück in die Innenstadt gehen mussten, obwohl zusätzliche Straßenbahnen eingesetzt worden waren. Die Feierlichkeiten endeten mit einem Requiem in der St.-Apostel-Kirche, auch zu Ehren von Schmitter wurden an dessen Grab auf dem Mülheimer Friedhof  Kränze niedergelegt.

 

Günthers Witwe Wanda, die ihren Mann um fast 50 Jahre überlebte, ruht inzwischen ebenfalls in diesem Grab, auf dem der Sarkophag noch immer zu sehen ist. Am Radstadion in Köln-Müngersdorf erinnert der Peter-Günther-Weg an ihn, in seinem Heimatort Betzdorf eine Straße. Darüber hinaus tragen die Radsportvereine RRC "Günther 1921" e.V. Köln-Longerich 21 und der "RSC 1984 e.V. Peter Günther Betzdorf" seinen Namen. Der Verein "RV Komet Delia 09", zu dessen Mitbegründern Günther gehörte, organisierte über viele Jahre das "Peter Günther Gedenkrennen".

 

Quelle Text teilweise: Franz  Renate, Peter Günther, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/peter-guenther/DE-2086/lido/57c6d99228e9a9.88410577 (abgerufen am 13.03.2021)


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Hummerich Hans-Joachim,   02 / 2021

Das Nazi-Geheimnis der Kölner Gruft

Köln im Frühjahr 1945 – das Dritte Reich ist Geschichte. Die US-Truppen stehen am Dom. Die Naziherrschaft in Köln ist vorbei. Fast!

 

Nazi-Kader sind ins Rechtsrheinische geflüchtet und versuchen dort, die NS-Herrschaft weiter zu verwalten. Es sind die letzten Kriegstage von Köln. Drei Männer suchten während des Zweiten Weltkrieges in geheimer Mission den Kölner Südfriedhof auf. Sie brachten das Vermögen der Stadt Köln in Sicherheit. Als die Amerikaner auf dem Südfriedhof erschienen, war das Geld-Grab leer.  Einer der Männer ist der Kämmerer der Stadt Köln. Prof. Dr. Dr. Oskar Türk. Er ist seit 1936 verantwortlich für Kölns Finanzen. Er ist mit dabei, als Anfang März 1945 die Stadtverwaltung nach Brück verlegt wird. Türk macht weiter bis zum endgültigen Ende.

 

Oskar Türk packt gegenüber den Amerikanern aus

Als alles vorbei ist, zitiert die US-Militärverwaltung den Kölner Spitzenbürokraten (der nicht Mitglied der NSDAP war) zu sich. Türk hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Sie spielt in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1944.

 

In jener Nacht waren drei Männer in geheimer Mission auf dem Kölner Südfriedhof erschienen. Zielstrebig schritten sie zum Grab der Familie Hummerich. Zwei waren Sparkassendirektoren, der dritte Mann war Türk selbst. Auf Befehl der vom Kriegsverlauf alarmierten Kölner NS-Gauleitung führten die Männer einen Plan aus: Sie brachten das Vermögen der Stadt Köln in Sicherheit. Die NSDAP-Gauleitung hatte zwar empfohlen, das Geld und die Wertpapiere im Wert von mehreren Hundert Millionen Reichsmark in eine andere Stadt zu bringen. Türk hielt es aber für klüger, das Geld in Köln zu verstecken – in einem Grab. So wurde es dann auch gemacht. Auf Empfehlung des Leiters der Friedhofsverwaltung wurde eine Gruft mit massivem Gewölbe als Depot ausgesucht. Die Wahl fiel auf die repräsentative Grabstätte Hummerich. Die Männer öffneten den im Jugendstil verzierten Metalldeckel und packten den städtischen Schatz hinein. Türk gab den beiden Bankern die Erlaubnis, der Stadtverwaltung nach Kriegsende den Verwahrort bekanntzugeben. Offenbar war dies schon geschehen, als Oskar Türk die Amerikaner nun auf den Südfriedhof führte, denn das Geld-Grab war leer. „Die Stadtverwaltung hatte das Geld schon herausgeholt“, erzählte Türk Jahrzehnte später einem Redakteur vom „Kölner Stadt-Anzeiger“, dem er die ganze Geschichte erstmals anvertraute.

 

Oskar Türk zum Bürgermeister von Köln gewählt

Türk (1893-1978) wurde im Nachkriegs-Köln Mitglied der FDP, wurde Abgeordneter im NRW-Landtag und erreichte wieder ein hohes Kölner Amt: Der Stadtrat wählte den gebürtigen Schwaben als einen der Vertreter des SPD-OB Theo Burauen zum Bürgermeister. In einem Beitrag aus dem Jahr 2020 in der Zeitschrift der Kölner FDP (Kölnliberal) heißt es über ihn: „Auch wenn die volle Reputation von Oskar Türk kurz nach Kriegsende scheinbar bereits wiederhergestellt war, sollte aber eins bewusst sein: Kämmerer in der größten Stadt des Rheinlandes zu Zeiten der NS-Diktatur gewesen zu sein, quasi der Finanzminister der Stadt Köln, bedeutete eine hohe Verstrickung in den Führerstaat Adolf Hitlers.“


Die Grabstätte ist signiert mit Adalbert Hertel einem deutschen Bildhauer

Adalbert Christian Maria Hertel (* 26. Mai 1868 in Münster; † 27. April 1952 in Köln) war ein deutscher Bildhauer und Kirchenmaler.

 

Leben

Familie und berufliche Tradition

Adalbert Hertel entstammte der Familie von Hilger Hertel, des aus Köln stammenden nachmaligen Diözesanbaumeisters im westfälischen Münster, deren Mitglieder sich in ihren beruflichen Interessen über Generationen der bildenden Kunst zuwandten. So hatten sich seine älteren Brüder Bernhard und Hilger ebenfalls der Architektur zugewandt und schufen zahlreiche Kirchen und Profanbauten, die sie vorzugsweise im neugotischen Stil entwarfen.

 

Adalbert Hertel war drittältester Sohn aus der Ehe Hilger Hertels und führte als letzten seiner Vornamen wie sein Vater den Namen Maria. Über Hertels frühe Zeit wurde nicht berichtet, jedoch wurde eine Ausbildung in Karlsruhe angegeben und in Düsseldorf von 1886 bis 1888 an der Kunstakademie in der Bildhauerklasse von August Wittig.

 

Wirken als Kölner Familienbetrieb

Hertel heiratete wahrscheinlich schon in Karlsruhe, da dort sein erster Sohn geboren wurde. Er wurde später in Köln ansässig und hatte mehrere Söhne. Der älteste war Kurt Hertel (1895–1944), der in Frankreich fiel, zuvor jedoch wie sein Vater in Köln als Bildhauer arbeitete (mehrere Ehrenmale im Siegkreis) und zudem als Maler zahlreiche Persönlichkeiten porträtierte. Ein weiterer Sohn war Bruno Hertel (1900–1969), der sich in Köln als Architekt niederließ und für seine Brüder verschiedene Grabmale entwarf. Es folgte noch Hellmuth Hertel (1903–1959), der in der Bayenthaler Schillerstraße als Leiter des Ateliers „A. Hertel“, einer Werkstatt für Bildhauerei und Christliche Kunst, tätig war.

 

Als Arbeiten des Ateliers entstanden Malereien in den Kirchen St. Peter und Hl. Kreuz (?) in Köln, St. Audomar in Frechen, sowie Arbeiten in Großbüllesheim, Vicht und Garzweiler.

 

Adalbert Hertel schuf 1914 den Genovevabrunnen, den die Fabrikantenwitwe Martin in Auftrag gab und der Stadt Mülheim am Rhein stiftete. Er blieb dem heutigen Kölner Stadtteil Mülheim erhalten.

 

Quelle Text zu Adalbert Hertel: https://de.wikipedia.org/wiki/Adalbert_Hertel

Quelle Text: Von Ayhan Demirci

https://www.express.de/koeln/nach-jahren-enthuellt-das-nazi-geheimnis-der-koelner-gruft-36465818

 

Heruntergeladen am 28.02.2021


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Kreutzmann Karl-Heinz,   02 / 2021

Karl-Heinz Kreutzmann

Zwischen 1969-1972 und 1985-1993 ist Pater Karl-Heinz Kreutzmann (4. Januar 1943 - 21. März 1999) zunächst als Kaplan an Herz Jesu und später in der Obdachlosen-Seelsorge aktiv. Durch seine Arbeit im Benedikt-Labre-Verein und seine Bemühungen um die Integration von Obdachlosen ist Pater Kreutzmann auch nach seinem frühen Tod noch weit über die Pfarrgrenzen hinaus bekannt.

 

Mich hat aber interessiert wer Benedikt Labre (1748-1783) war

 

Der Nichtsesshafte

Wenn sonst ein Pennbruder, Bettler oder Landstreicher beerdigt wird, geht meistens nur der Priester hinter dem Sarg her. Als man im April 1783 Benedikt Labre beerdigte, der in seinem ganzen Leben niemals etwas anderes war, glich der Trauerzug durch die Straßen Roms eher einem Triumphzug. Schon unmittelbar nach seinem Tod liefen die Straßenjungen durch die Stadt: „Der Heilige ist gestorben! Der Heilige ist gestorben!“ Die Bevölkerung Roms wartete nicht darauf, was der Vatikan dazu sagte. Tausende von Menschen aus allen Ständen kamen, um den toten Bettler zu sehen. Dabei hatte der Mann seit Jahren kaum ein Wort verloren.

 

Wie Benedikt auf die Straße kam, ist rasch erzählt; wie die Bevölkerung Roms hinter der Fassade der Dreckklamotten den heiligen witterte, weiß hingegen kein Mensch zu sagen. Benedikt Labre wurde am 26.März 1748 in Amettes (Departement Pas-de-Calais) in Nordfrankreich geboren. Seine Eltern waren einfache Leute, betrieben auch einen kleinen Laden. Was man landläufig über die fromme Kindheit und Jugend des kleinen Benedikt liest, vergisst man am besten schnell. Tatsache ist: Sein früher Versuch, in die Priesterlaufbahn zu gelangen, endete nicht gerade rühmlich an der unüberwindlichen Abneigung des Jungen gegen philosophische Logik.

 

Einmal aus der Bahn gewöhnlicher Lebensläufe, begann der junge Mann mit einer offensichtlich echten Begeisterung für das Klosterleben, und dann gleich in seiner strengsten Form, zu schwärmen: Benedikt Labre wollte Trappist werden. Eine dreijährige Irrfahrt führte ihn zu den verschiedensten Klöstern. Meistens wurde er gleich an der Pforte abgewiesen – „zu jung“, „zu schwach“ – , zweimal wurde er auch aufgenommen. Einmal erhielt er sogar den Ordensnamen „Frater Urban“. Aber nach spätestens sechs Monaten war das Klosterleben jedes Mal zu Ende. Die Gesundheit und die Psyche spielten nicht mit.

 

Dann im Jahr 1770 muss ein geheimnisvolles Ereignis im Leben des jungen Mannes stattgefunden haben. Seinen Eltern schreibt er noch nach Hause, er würde nun um Aufnahme in italienischen Klöstern ersuchen. Tatsächlich aber hat er das nicht mehr getan. Irgendein Ereignis musste ihm klargemacht haben, dass sein Platz auf dieser Erde nicht im Kloster war, sondern, – ja, wo? Auf der Straße. Benedikt Labre einen Ort gesucht, wo er hingehörte, und Gott gab ihm „keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen konnte“. Endlich hatte er verstanden.

 

Dreizehn Jahre zog Benedikt Labre dann als der Bettler und Pilger Gottes durch Europa, von Deutschland bis Spanien. In Einsiedeln in der Schweiz kann man heute noch seinen in Rom ausgestellten Reisepass sehen. Er tat nichts dagegen, dass er körperlich vollkommen verkam; Ungeziefer nistete in seinen Kleidern; ein unerträglicher Gestank ging von ihm aus. In allem wurde er „Abschaum“, „Gosse“, „Dreck“. Seine Ernährung entnahm er in aller Regel den Abfällen. Ein Müllmensch würde man heute sagen.

 

Trotzdem: Ein Psychopath, ein Verrückter war Benedikt Labre nicht. Wenn er einmal redete – und er sprach oft monatelang überhaupt nicht – war seine Rede von unerhörter Klarheit. Einmal sprach er zu einem Priester über seinen Glauben und erwähnte die Dreifaltigkeit. „Was verstehst du ungebildeter Mensch von diesem Geheimnis?“ fuhr ihm der Geistliche dazwischen. „Gar nichts, aber ich bin hingerissen!“, antwortete der Bettler.

 

Als diesen von Gott hingerissenen Menschen lernte ihn schließlich die Stadt Rom kennen. Und in diesem Zustand hat ihn auch der Maler Antonio Cavallucci beobachtet und ein ergreifendes Portrait geschaffen. Nachts schlief Labre in irgendeinem Rattenloch des Colosseums, das damals noch keine Touristenattraktion war, und tagsüber pilgerte er von Kirche zu Kirche, wo er oft stundenlang regungslos im Gebet verharrte. Sein schwacher ausgemergelter Körper kam gerade noch über den Winter 1782 / 1783. Dann brach er am 16. April 1783 in einer Kirche zusammen. Ein Fleischer brachte ihn, der nur noch das Gewicht eines Kindes hatte, zu sich ins Haus, wo er 35-jährig starb. Nur um uns zu sagen, dass wir vor Gott alle Bettler sind und gar nicht mehr als das werden können.

 

Verfasser unbekannt

Quelle Text: http://www.herz-jesu.koeln/index.php/kultur/kirchen

Quelle Text zu Benedikt Labre: https://www.benedikt-labre.de/benedikt-labre/

 

Heruntergeladen am 2.02.2021


Kuhr Ursula,   02 / 2021

Attentat von Volkhoven

 

Das Attentat von Volkhoven wurde am Morgen des 11. Juni 1964 an einer Volksschule im Kölner Stadtteil Volkhoven verübt. Der 42-jährige Frührentner Walter Seifert verletzte mit einem selbstgebauten Flammenwerfer und einer Lanze acht Kinder und zwei Lehrerinnen tödlich. Weiterhin erlitten 20 Kinder und zwei Lehrerinnen schwere Brandverletzungen. Der Täter beging anschließend durch die Einnahme des Pflanzenschutzmittels E605 Suizid.

 

Tatort

 

Das Gebäude der Volksschule

Die Katholische Volksschule in Köln-Volkhoven befand sich am Volkhovener Weg 209–211, zentral innerhalb eines dörflich geprägten Kölner Vororts. Das Schulgelände war zur Straße hin mit einer etwa 1,50 Meter hohen Mauer abgegrenzt, in der sich ein zweiflügeliges Eisentor und eine einflügelige Eingangspforte befanden. Auf dem Schulhof befand sich links, unmittelbar neben der Eingangspforte, ein altes, gemauertes Schulgebäude. Auf der rechten Seite des Schulhofs, etwa 20 Meter von der Mauer entfernt, stand eine eingeschossige Holzbaracke mit vier Klassenräumen. Ihr gegenüber, in der hinteren linken Ecke des Schulhofs, gab es eine weitere Holzbaracke mit zwei Klassenräumen. Das Schulgelände und die Gebäude waren zur Tatzeit frei zugänglich, da das Schloss der Eingangspforte defekt war und Schulen seinerzeit während der Unterrichtszeit nicht gegen unbefugtes Betreten gesichert wurden. Zum Tatzeitpunkt befanden sich acht Lehrkräfte und etwa 380 Kinder in der Schule.

 

Tatablauf

Die zeitliche Abfolge der einzelnen Tathandlungen in der Schule wurde von den Opfern und anderen Zeugen bereits kurz nach der Tat unterschiedlich wiedergegeben. Die nachfolgende Schilderung entspricht der Darstellung des damaligen Leiters der Kölner Kriminalpolizei, Karl Kiehne, die er 1965 in der kriminologischen Fachzeitschrift Archiv für Kriminologie abgegeben hat. Kiehne war weniger als eine Stunde nach dem Attentat selbst vor Ort gewesen.

 

Am Morgen des 11. Juni 1964 begab sich Walter Seifert, in einen blauen Arbeitsanzug gekleidet, auf einem Fahrrad von seiner nicht weit entfernten Wohnung am Volkhovener Weg 154 zu einer Scheune gegenüber dem Schulgrundstück. Er führte in einem Sack verpackt einen Flammenwerfer mit sich, den er aus einer umgebauten Pflanzenspritze selbst gebaut hatte. Darüber hinaus hatte er eine selbst angefertigte etwa 1,50 Meter lange Lanze, ein Schlagwerkzeug aus einem Eisenteil mit daran befestigtem Stahlseil und Handgriff, einen Holzkeil und Sturmstreichhölzer dabei. Er deponierte das Fahrrad, seine Jacke und den leeren Sack in der Scheune, wo sie nach der Tat gefunden wurden.

 

Seifert betrat gegen 9:10 Uhr, kurz vor der „großen Pause“, das Schulgelände. Auf dem Rücken trug er seinen Flammenwerfer und in den Händen die Lanze, das Schlagwerkzeug und den Holzkeil. Er blockierte hinter sich die Eingangspforte mit dem Holzkeil und näherte sich einer Lehrerin, der 67-jährigen Anna Langohr, die am entfernten Ende des Schulhofs eine dritte oder vierte Mädchenklasse im Turnen unterrichtete. Bei der Annäherung des Täters stellte sich die Lehrerin schützend vor die Kinder. Aus etwa sechs Metern Entfernung richtete Seifert einen Flammenstrahl auf die Lehrerin, deren Kleidung in Brand geriet und die sich daraufhin in einem Gebüsch zusammenkrümmte.

 

Seifert wandte sich anschließend nach rechts einem der beiden der Straße am nächsten liegenden Klassenräume zu und richtete die Flammen durch ein geöffnetes Fenster in den Raum. Der Flammenstrahl reichte bis zur gegenüberliegenden Wand und setzte die Kleidung zahlreicher Kinder in Brand, von denen viele auf der Flucht zur Tür ein zweites Mal mit den Flammen in Kontakt kamen. In diesem Raum entstand am Dach ein Feuer, das später von der Feuerwehr gelöscht wurde. Ein Junge konnte durch ein Fenster den Klassenraum verlassen, stolperte jedoch dabei und fiel zu Boden. Seifert setzte den Jungen gezielt in Brand und wandte sich dem zweiten Klassenraum zu. Dort schlug er mit der Schleuder ein Fenster ein und fügte wiederum etlichen Schülern und der 24-jährigen Lehrerin Wiltrud Sch. Brandverletzungen zu. Dabei erlosch die Flamme, da der Tank des Flammenwerfers entleert war. Seifert nahm E 605 zu sich, warf das angebrochene Röhrchen und den für ihn jetzt nutzlosen Flammenwerfer in der Mitte des Schulhofs auf den Boden und ging weiter zum gemeinsamen Eingang des dritten und vierten Klassenraums der Baracke.

 

Eine weitere Lehrerin, Gertrud Bollenrath, hatte zu diesem Zeitpunkt gerade die Baracke verlassen und wurde vor der Tür durch einen Stich mit der Lanze in den Bauch verletzt. Danach lief der Täter zu einem gegenüber, in der hinteren linken Ecke des Schulgeländes, stehenden Pavillon mit zwei Klassenzimmern. Die beiden dort unterrichtenden Lehrerinnen waren auf die Tat bereits aufmerksam geworden und versuchten die Tür zum Gebäude durch Festhalten der Türklinke zu blockieren. Seifert konnte die Tür dennoch aufreißen, wobei die Lehrerin Ursula Kuhr auf den Schulhof stürzte und durch zwei Lanzenstiche in die Oberschenkel verletzt wurde. Sie konnte sich kurz wieder erheben, wurde aber von Seifert durch einen weiteren Stich in den Rücken getroffen.

 

Flucht und Festnahme des Täters

Seifert lief jetzt zum hinteren Teil des Schulhofs, kletterte über einen Zaun und floh mit der Lanze in der Hand über ein freies Feld zu einem nahegelegenen Bahndamm. Dabei wurde er von 20 bis 30 Personen verfolgt. Um 9:38 Uhr traf die erste Funkstreife am Tatort ein, die Feuerwehr war zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Löschen der brennenden Baracke beschäftigt. Aus der Menschenansammlung vor der Schule erhielten die Beamten Hinweise auf den Fluchtweg Seiferts und konnten ihn nach kurzer Verfolgung auffinden. Er hatte sich auf den Bahndamm begeben und hielt seine Verfolger mit der Lanze auf etwa 15 Meter Abstand. Die beiden Beamten der Funkstreife verließen ihr Fahrzeug und versuchten dem Täter den Fluchtweg abzuschneiden. Beim Versuch der Annäherung wurden sie von Seifert mit der Lanze angegriffen; durch den gezielten Pistolenschuss eines Beamten wurde Seifert am Oberschenkel verletzt. Er wurde in die Kölner Universitätsklinik „Lindenburg“ eingeliefert.

 

Todesopfer

Die 24-jährige Lehrerin Ursula Kuhr verstarb innerhalb weniger Minuten am Tatort, ihre 61-jährige Kollegin Gertrud Bollenrath gegen 13:30 Uhr im Heilig-Geist-Krankenhaus. Beide kamen durch schwere Stichverletzungen zu Tode. 28 Kinder und zwei Lehrerinnen wurden durch Brandwunden zum Teil schwer verletzt. Acht dieser Kinder starben während der folgenden drei Wochen: Dorothea Binner am 15. Juni, Klara Kröger und Stephan Lischka am 18. Juni, Renate Fühlen und Rosel Röhrig am 19. Juni, Ruth Hoffmann und Karin Reinhold am 20. Juni und Ingeborg Hahn am 30. Juni.

 

Verletzte

Die Überlebenden befanden sich teilweise wochenlang in Lebensgefahr, sie mussten zahlreiche Operationen über sich ergehen lassen. Die erlittenen Verletzungen und die schmerzhaften Behandlungen beeinträchtigten ihr Leben und das ihrer Familien oft über Jahre und Jahrzehnte.

 

Rettungseinsatz

Noch während der Attentäter auf dem Schulgelände war, begannen Schüler und Lehrerinnen, auch die später ihren Verletzungen erlegene Gertrud Bollenrath, die in Brand geratene Kleidung der Kinder zu löschen. Als sich Seifert bereits auf der Flucht befand, gelang es vorbeikommenden Mitarbeitern der städtischen Müllabfuhr, das versperrte Tor aufzubrechen und weitere Kinder mit Decken und Kleidungsstücken zu löschen. Sie stoppten vorbeifahrende Fahrzeuge, die noch vor dem Eintreffen der ersten Rettungskräfte verletzte Kinder in das am nächsten gelegene Heilig-Geist-Krankenhaus im Stadtteil Longerich transportierten. Noch vor der Polizei trafen Einsatzkräfte der Kölner Feuerwehr, des Malteser Hilfsdienstes und der Bundeswehr – in der heutigen Lüttich-Kaserne in Köln-Longerich war eine Sanitätseinheit stationiert – am Tatort ein. Mit deren Fahrzeugen wurden die verbliebenen Verletzten in das Heilig-Geist-Krankenhaus, das weniger als zwei Jahre vor der Tat neu eröffnete Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße in Riehl, das Vinzenz-Krankenhaus in Nippes, alle nur wenige Kilometer vom Tatort entfernt, und in die Kölner Universitätsklinik gebracht.

 

Medizinische Versorgung

Die geretteten Kinder waren durch die Brandverletzungen teilweise so entstellt, dass ihre Identifizierung in den Krankenhäusern Schwierigkeiten bereitete. Die Klinikärzte bemühten sich gemeinsam mit hinzugezogenen Spezialisten über Monate hinweg um das Überleben der Opfer, die Verbrennungen bis zu 90 Prozent der Körperoberfläche erlitten hatten. Für die Behandlung von Hautverbrennungen benötigte medizinische Geräte wurden eigens beschafft. Noch in der Nacht nach dem Attentat wurden Reste der brennbaren Flüssigkeit im Kölner Institut für gerichtliche Medizin analysiert, um für die Behandlung der Verletzten wichtige Informationen zu erlangen. Dies geschah auch in der Sorge, die Flüssigkeit könne einen Säurezusatz enthalten haben.

 

Einen Monat nach der Tat schwebten zehn Kinder weiter in Lebensgefahr, erst eines war aus dem Krankenhaus entlassen worden. Im August waren alle Kinder außer Lebensgefahr, 19 von ihnen und die Lehrerin Anna Langohr befanden sich jedoch weiterhin im Krankenhaus und konnten ihre Entlassung erst in einigen Monaten erwarten. Ein Jahr nach dem Anschlag befand sich ein 13-jähriges Mädchen immer noch im Krankenhaus, alle anderen mussten weiter ärztlich behandelt werden.

 

Täter

Willi Walter Seifert (* 19. Juni 1921 in Köln-Bickendorf; † 11. Juni 1964 in Köln-Lindenthal) zog sich nach seiner Überzeugung als Wehrmachtssoldat in der Kriegsgefangenschaft eine Tuberkuloseerkrankung zu. Nach Kriegsende verbrachte Seifert ein Jahr im Polizeidienst, wurde allerdings wegen seiner Lungenerkrankung als dienstunfähig entlassen. 1953 stellte ein Gutachter der Tuberkulose-Fürsorgestelle der Stadt Köln eine Erwerbsminderung von 30 Prozent fest und schloss einen ursächlichen Zusammenhang mit der Kriegsgefangenschaft Seiferts aus. Daraufhin begann Seifert eine jahrelange Auseinandersetzung mit Amtsärzten und Versorgungsämtern, während der er wiederholt umfangreiche Eingaben verfasste. Seine Schrift Sozialpolitik – Sozialärzte – Sozialmord, in der er mehrere Ärzte scharf angriff, war der Anlass für eine Untersuchung Seiferts durch einen Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, der ihm einen „schizophrenen Defektzustand bzw. paranoide Entwicklung“ bescheinigte. Da Seifert bei der Untersuchung keine Anzeichen für ein gemeingefährliches Verhalten gezeigt hatte, sah der Arzt keine Veranlassung für eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik.

 

Zu Beginn der 1950er Jahre geriet Seifert mit seinem jüngeren Bruder in Streit. Seifert hatte diesem gegenüber den Plan geschildert, unter dem Keller des elterlichen Hauses einen Tiefkeller anzulegen. Sein Plan war es, auf Feldwegen Minderjährige zu entführen, in dem Keller gefangen zu halten und sie „bei Bedarf“ zu missbrauchen. Diese Phantasien äußerte Seifert vor seiner Eheschließung, er hat sich in diesem Zusammenhang Fachliteratur über Erdarbeiten besorgt.

 

Am 7. Oktober 1955 heiratete Seifert. Drei Jahre vor dem Amoklauf, am 11. Februar 1961, starb seine Ehefrau nach einer Frühgeburt an einer Embolie, auch das Kind überlebte nicht. Daraufhin verfasste er eine 120 Seiten umfassende Schrift mit dem Titel Muttermord – Einzelschicksal und Analyse eines Systems, von der er mehrere Exemplare an Behörden und Ärzte schickte. In der Schrift wird deutlich, dass sich Seifert intensiv mit medizinischer Fachliteratur befasst haben muss, die er nun anführte, um seine Schuldzuweisungen zu untermauern. Er griff die Ärzte seiner Frau an, denen er vorwarf, die Embolie falsch behandelt zu haben, und bezeichnete sie als „Mörder“. Die Gesellschaft sei ein „Verbrechersystem“, dessen Grundlagen auch für die Ärzte gültig seien. Er schließt mit den Worten: „Wer mir den Schutz des Gesetzes verweigert, zwingt mir die Keule in die Hand“.

 

Sein soziales Umfeld beurteilte ihn unterschiedlich, einige Nachbarn mieden ihn nach dem Tod der Ehefrau als „verrückt“ und „Sonderling“, andere würdigten seine Hilfsbereitschaft und seine Kinderliebe. Am Tag vor dem Attentat kam es zu einem Streit mit Bauarbeitern, die vor dem Haus Seiferts und dem Nachbarhaus Rohre zu verlegen hatten. Seifert bemängelte, dass die Erdarbeiten nicht vorschriftsmäßig durchgeführt würden. Weitere Hinweise auf die bevorstehende Tat gab es nicht.

 

Vorbereitung des Anschlags

Die Tat hat Seifert nicht spontan begangen, sondern über einen längeren Zeitraum detailliert geplant und vorbereitet. Dies ergibt sich aus der Art der Tatmittel, ausschließlich selbst angefertigte Waffen und Hilfsmittel, bei deren Herstellung er sorgfältig vorging und seine im Berufsleben als Metallhobler und als Waffen-Unteroffizier erworbenen Fähigkeiten einsetzte. Den Flammenwerfer baute er aus einem für das Spritzen von Obstbäumen verwendeten Behälter seiner Eltern, einen Schlauch und einen Verschluss kaufte er und baute ihn für die Montage selbst um. Die brennbare Flüssigkeit war eine Mischung verschiedener Substanzen, darunter gebrauchtes Motoröl, Lackverdünner und Toluol. Zum Bau der Lanze benutzte er einen angeschliffenen Dreikantschaber, den er auf einen Stab montierte. Das Schlagwerkzeug zum Einschlagen der Fensterscheibe bestand aus einer eisernen Pumpenhalterung, an der er ein Stahlseil und einen Handgriff anbrachte. Schließlich bestand der von ihm für das Blockieren der Pforte verwendete Keil aus mehreren passend zusammengefügten Holzstücken, an deren Oberseite ein Stahlband angebracht war. Auf der Unterseite befanden sich Eisennägel, die sich im Boden verankern und ein Lösen des Holzkeils von außen erschweren sollten.

 

Tatgeständnis und Tod

Am Ort seiner Festnahme, während des Wartens auf den Notarzt und im Krankenhaus nach der ersten Versorgung machte Seifert gegenüber dem Leiter der Kölner Mordkommission, Dr. Manfred Gundlach, bruchstückhafte Angaben zum Tathergang und zu seinen Motiven. Auf die Frage nach dem Grund für seine Tat gab er an, dass man ihn habe töten wollen. Er beschuldigte, wie schon in einigen seiner früheren Briefe, mehrere Ärzte namentlich. Er habe weder eines der Kinder, eine der Lehrerinnen noch die Schule gekannt oder „Ärger“ mit ihnen gehabt. Über seine Tat sagte er nur: „Es ist eine böse Sache“, es sei „vielleicht eine verderbte Idee“ gewesen, und auf die Frage, warum er die Kinder angegriffen habe: „das ist zu langatmig“. Die Tat habe er schon lange geplant, die Lanze wollte er acht Wochen zuvor angefertigt haben und den Flammenwerfer wenig früher. Walter Seifert verstarb gegen 20:35 Uhr an der Vergiftung durch das noch auf dem Schulgelände eingenommene Pflanzenschutzmittel. Bei der Obduktion wurde festgestellt, dass Seifert weder an einer aktiven Tuberkulose litt noch in der jüngeren Vergangenheit einen Krankheitsschub erlebt hatte. In der Bevölkerung hieß es zunächst, seine Asche sei anonym verstreut worden. Nach Angaben des Leiters der Kriminalpolizei im Jahr 1965 wurde die Urne außerhalb der Stadt beigesetzt. Einige Jahre später erklärte er hingegen, die Asche sei zunächst im Grab von Seiferts Mutter in der Nähe seiner Opfer beigesetzt worden. Nach Protesten von Seiten der Angehörigen der Opfer habe man die Urne Seiferts an einen anderen, geheim gehaltenen Ort umgebettet.

 

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Attentat_von_Volkhoven


L

Lappe Rudolf / Nattermann August,   02 / 2021

Rudolf Lappe und August Nattermann

 

Gründung

Der erste Hinweis auf die Firma A. Nattermann & Cie. findet sich in der Kölnischen Volkszeitung vom 21. Januar 1906 unter der Rubrik „Handelsregistereintragungen“. Sie hatte die Rechtsform einer oHG mit zwei persönlich haftenden Gesellschaftern, dem Namensgeber August Nattermann und Rudolf Lappe. August Nattermann (* 29. März 1861 in Köln, 9. Dezember 1923 ebenda) studierte Pharmakologie in Köln und richtete mit seiner Frau Augusta Baur im Nachbarhaus seines Schwiegervaters die „Augusta Drogerie“ in der Stephanstraße 13 (nahe St. Maria im Kapitol) ein. Er kannte den offiziellen Arzneimittelkatalog und verfügte über praktische Erfahrung in apothekengerechter Arzneizubereitung. Dieses Wissen nutzte er als 45-Jähriger bei der Gründung eines Pharmaunternehmens. Als Partner fand er den Kaufmann Rudolf Lappe (* 17. April 1878 in Wuppertal-Barmen, 27. Februar 1954 in Köln), der gerade die kaufmännische Ausbildung bei der Kölner Drogenhandlung Coenen & Dr. Schieffer absolviert hatte.

 

Beide begannen, Fertigpräparate mit standardisiertem Arzneigehalt zu entwickeln – ein Novum, das auf dem Markt von Anfang an erfolgreich war. Im März 1909 erschien im Handelsregister Rudolf Lappe als alleiniger Inhaber und führte die Firma Nattermann fort. August Nattermann blieb als Gesellschafter beteiligt und kooperierte indes mit dem Apotheker und Chemiker Heinrich Schieffer, mit dem er seit 1912 unter der Bezeichnung „Dr. Schieffer“ Naturheilmittel wie Stoffwechselsalz, Blutreinigungstee und Eisentinktur vertrieb. August Nattermann forschte weiter bis 1923 und verstarb im Alter von 62 Jahren in Köln.

 

Fabrikunternehmen

Seine Erben und sein Partner Rudolf Lappe führten die Firma fort. 1926 baute die Firma Nattermann an der Eupener Straße 159a-161 die erste eigene Fabrik zur Erforschung, Entwicklung und Herstellung pflanzlicher Arzneimittel. Das Unternehmen stellte zunächst „nicht ethische“, also frei verkäufliche Präparate her, später folgten „ethische“ rezeptpflichtige; es spezialisierte sich frühzeitig auf Arzneipflanzenkunde. Ein frühes Produkt aus diesem Werk war der Blutreinigungstee „Nattermann“. Das Unternehmen baute eine eigene Forschungsabteilung auf, aus der Markenartikel hervorgingen (Biovital ist das Kombinationsarzneimittel mit der längsten Tradition, patentiert 1917; fettzehrender Stoffwechsel-Tee Ramend, 1934; Hustenmittel Bronchicum; Maaloxan gegen Sodbrennen, Magen- und Darmmedikament Colagogum; Lipidsenker Lipostabil). Soja- (Lipostabil), Artischocken- (Colagogum) oder andere pflanzliche Extrakte waren Kern der Nattermann-Forschung.

 

1950 wurden mit 284 Mitarbeitern 4,2 Millionen DM umgesetzt, 1964 mit 654 Beschäftigten 24,4 Millionen Mark. 1974 erzielten 2495 Mitarbeiter einen Umsatz von weltweit 248 Millionen Mark, 1980 waren es rund 2000 Mitarbeiter und 315 Millionen Mark. Seit 1952 gehörte die „Dr. Schieffer Arzneimittel GmbH“ zum wachsenden Nattermann-Konzern. Das Warenzeichen „Phytostandard Nattermann“ galt als eine exakt bestimmbare, gleichbleibende Wirkstoffzusammensetzung und wurde 1956 zum Qualitätssiegel moderner Naturarzneimittel. Als nach der Ärzteschaft auch die anfangs noch zögernden Apotheker die daraus resultierenden Vorteile erkannten, war Nattermanns Aufstieg in die Spitzengruppe der deutschen Pharmahersteller nicht mehr aufzuhalten. Nattermann rangierte schließlich auf Platz 6 der größten Arzneimittelhersteller in der Bundesrepublik. Im Jahre 1958 stellte die Firma die ersten Tuben-Tee-Präparate vor, um das genuine Wirkstoffgefüge der Heilpflanzen zu erhalten.

 

Für den neuen Firmenstandort in Köln-Bocklemünd erfolgte 1965 die Grundsteinlegung in der Nattermannallee 1. Sie wurde – wie viele Kölner Straßen – auf Drängen Kölner Unternehmen nach dem Firmengründer benannt. Bei Erdarbeiten fand man hier die nördlichste bandkeramische Siedlung Kölns aus etwa 4200 v. Chr., die teilweise ausgegraben wurde. Es entstand ein markantes Verwaltungsgebäude auf einer Fläche von 37000 m³ mit Produktionsanlagen und einer Anbaufläche für Heilpflanzen, in das die Firma im August 1967 einzog. 1972 steigerte die Firma ihren Umsatz von 176 auf 193 Millionen DM, der Weltumsatz stieg von 227 Mio. DM auf 244 Millionen DM, wobei sich Nattermann eine starke Marktposition auf den Gebieten Laxativum (Depuran) und Respiration (Bronchicum) verschaffte. 1973 entstand in Bocklemünd ein Pharmawerk, das die über Köln verstreuten Betriebsteile zusammenfasste. Der Sohn des Mitgründers, Rolf Lappe (* 3. Mai 1912 in Köln, † 11. März 1992 ebenda), war bis Mai 1980 Geschäftsführer und wechselte in den Aufsichtsrat. 1981 geriet Nattermann erstmals wegen der so genannten „Negativliste im Gesundheitswesen“ in die Verlustzone, so dass Expansionspläne das mittelständische Familienunternehmen 1981 zum Kauf des US-Pharmazieherstellers „Lemmon Company, Sellersville“ für 20 Millionen US-$ bewogen. Doch die verlustreiche US-Tochter brachte Nattermann noch weiter in die Verlustzone, so dass Nattermann 40 % des Grundstücksbesitzes, insbesondere die Kölner Hauptverwaltung, im Rahmen eines Sale-Lease-Back 1983 für 42 Millionen DM an die Deutsche Anlagen-Leasing GmbH veräußern musste. Der im Jahre 1983 entstandene Gewinn von über 10 Millionen DM stammte überwiegend aus der Realisierung stiller Reserven, die aus der Sale-Lease-Back-Transaktion resultierten. Bis Januar 1985 schloss Nattermann die Konzentration der Fertigungsbetriebe auf dem Firmengelände in Bocklemünd ab, hierfür beliefen sich seit 1965 die Baukosten auf 200 Millionen DM.

 

Im Dezember 1985 konnte die verlustbringende US-Tochter Lemmon zu 13 Millionen US$ an Teva verkauft werden, was die wirtschaftliche Krise von Nattermann jedoch nicht beseitigte. Die Familiengesellschafter waren nicht in der Lage, die aufgelaufenen Verluste auszugleichen.

 

Unternehmensverkauf

In der Folge wurde im September 1986 das Familienunternehmen Nattermann an den französischen Chemie- und Pharmakonzern Rhône-Poulenc verkauft. Im Dezember 1999 fusionierte dieser mit der Hoechst AG und gründete ein neues Unternehmen namens Aventis, das wiederum im Dezember 2004 von Sanofi übernommen wurde. Seitdem gehört nunmehr Nattermann zu Sanofi. Unter der Regie von Sanofi sind an der Bocklemünder Nattermannallee heute 440 Mitarbeiter mit der Produktion von jährlich 100 Millionen Arzneimitteln beschäftigt. Nattermann fertigt rund 15 % seiner Präparate für den deutschen Markt, 85 % gehen in den Export in alle Welt, vor allem nach Frankreich.

 

Das Verwaltungsgebäude wurde im April 2002 in den Biotechnologiepark „BioCampus Cologne“ eingebracht, in welchem Nattermann weiterhin seinen Sitz hat. Die ehemalige Hauptverwaltung wurde bis Januar 2006 saniert.

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/A._Nattermann

 

 

Heruntergeladen am 03.03.2021


M

Mauser Alfons,   02 / 2021

Alfons Mauser (* 25. Mai 1872 in Oberndorf am Neckar; † 11. August 1927 in Köln) war ein deutscher Unternehmer.

 

 

Leben und Werk

Mauser wurde 1872 als zweitältestes von insgesamt sechs Kindern des schwäbischen Erfinders Wilhelm Mauser, einem Mitinhaber der Mauser-Gewehrfabriken, in Oberndorf am Neckar geboren. Alfons war 10 Jahre alt, als sein Vater 1882 verstarb. Nach einer Lehre, die ihn alle Bereiche der Gewehrfabrik führte, entsandte ihn sein Onkel Peter-Paul Mauser 1891 zunächst nach England, später auch in die Vereinigten Staaten, wo er unter anderem bei Pratt & Withney und Remington Steel Produktionstechniken studierte.

 

Nach seiner Rückkehr 1893 schloss Alfons Mauser seine Lehre ab und studierte bis März 1896 an der Technischen Hochschule Stuttgart. Sein Onkel Paul setzte ihn nur an untergeordneter Stelle im Unternehmen ein und lehnte Verbesserungsvorschläge seines Neffen zur Schlagbolzenkonstruktion am Mauser-Gewehr ab, was zum Zerwürfnis zwischen beiden führte. Im Alter von 24 Jahren gründete Alfons Mauser 1896 eine Fabrik für Stahlblechwaren, die er in Abgrenzung zu dem Waffen-Markennamen „Para Bellum“ (lateinisch bereite (den) Krieg vor) nun „Para Pacem“ (Bereite (den) Frieden vor.) nannte. Die Fabrik stellte Stahlgitter, Gartentore und Zaunelemente nach Mausers Patenten her, die er unter dem Namen „Zaunkönig“ vertrieb.

 

1898 verlagerte Alfons Mauser den Firmensitz seines Unternehmens mit Hilfe seines Schwiegervaters nach Köln-Ehrenfeld. Neben den „Zaunkönig“-Produkten fertigte er dort ab 1900 nun auch Körbe aus Stahlband, die für den Transport von dickbäuchigen Glasballons benötigt wurden, in denen flüssige chemische Vorprodukte wie Säuren transportiert wurden. 1903 entwickelte Mauser zudem luftdicht verriegelbare Stahlfässer aus Eisenblech für die chemische Industrie und die Erdölindustrie, die unter dem Namen „Mauser-Patent-Fässer“ Bekanntheit erlangten.

 

1921 erwarb Mauser eine ehemalige Karbidfabrik im hessischen Waldeck, die er mit Produktionsstraßen für Stahlfässer umgestaltete. Das Unternehmen florierte und wurde zu einem der größten Arbeitgeber der Region. Bald wurden hier auch Gasflaschen, Behälter, Tanks und eine Vielzahl von Produkten für die Landwirtschaft gefertigt. 1922 verlegte Mauser den Firmensitz von Köln-Ehrenfeld nach Brühl im Rheinland und firmierte das Unternehmen zur Mauser-Werke GmbH um.

 

Alfons Mauser starb 1927 im Alter von 55 Jahren und wurde auf dem Kölner Südfriedhof beigesetzt. Seine Söhne führten die Geschäfte des Unternehmens in Form einer Familien-Holding fort.

 

Nach Mausers Tod entstand die Alfons und Maria Mauserstiftung, die sich für soziale Belange der Mitarbeiter und ihrer Angehörigen engagierte.

 

Die Generation der Söhne diversifizierte die Produktpalette des Unternehmens. 1929 begann im Werk Waldeck die Produktion von Stahlmöbeln, zusätzlich wurde die Fassproduktion ausgeweitet. In Harburg, Neuwied und Herdecke entstanden große Fertigungsstätten, zudem stellten Tochtergesellschaften in Brasilien (Rio de Janeiro und Sao Paulo), in Portugal (Sapem/Lissabon) sowie in den Niederlanden (Werk Vreeland) Mauser-Patent-Fässer her. Ab 1930 fertigen die Mauser-Werke Freischwinger-Stahlrohrstühle nach eigenen Entwürfen an, die jedoch ihre gestalterische Nähe zu Entwürfen des Bauhauses nicht verleugnen konnten. Es folgten langwierige Rechtsstreitigkeiten mit verschiedenen Patentinhabern wie Mies van der Rohe (1936) sowie nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem im Designsegment konkurrierenden Möbelhersteller Thonet (bis 1961).

 

Im Zuge der Verlagerung kriegswichtiger Rüstungsbetriebe zogen 1944 die Henschel-Flugmotorenwerke in die Produktionshallen von Waldeck ein, wofür die Fassproduktion eingestellt werden musste. Nach dem Krieg nutzten die Mauser-Werke die wegen der Umstellung auf Kriegsproduktion zuvor eingelagerten Tonnen- und Fassproduktionsstraßen zur Produktion hochwertiger Möbel und Büroausstattungen. Das Mauser-Rundform-Programm bot Schreibtische, Konferenztische, Clubtische und Aktenschränke an. Im Werk Waldeck wurden Stahlrohr-Sitzelemente wie Einzelstühle und mehrsitzige Clubbänke hergestellt. Anfang der 1950er Jahre kamen die Sitzmöbel Mauser-Libelle (Formgestaltung Walter Papst) sowie der Mauser-Schmetterling auf den Markt, die Designikonen der Nachkriegszeit wurden. Die seit 1929 von Mauser produzierten Möbel im Stil des Mid-century modern sind heute gesuchte Design-Klassiker. 1953 erbaute die Firma ein eigenes Büromöbelwerk in Korbach. Noch 1997 galt Mauser als mengenmäßig führender Büromöbel-Hersteller in Deutschland.

 

1979 wandelte sich die Mauser-Werke GmbH im Zuge einer Kapitalerhöhung in die Mauser-Waldeck Aktiengesellschaft. Die Unternehmerfamilie Mauser trennte sich von ihren Aktienanteilen, was für das Unternehmen wechselnde Mehrheitsverhältnisse unter den Eigentümern und abweichende Produkt- und Unternehmensstrategien zur Folge hatte. Beteiligt waren unter anderem die Rothenberger Gruppe (1988–1992), Rheinmetall (1992–2000) und Ahrend NV (2000–2002).

 

Die Produktpalette der Mauser Waldeck AG wurde mit den Jahren kleiner, da Linien teilweise eingestellt oder in neue Eigentümergesellschaften integriert wurden. Der Unternehmensbereich Transportlösungen wurde in Brühl als Mauser-Group weitergeführt. Das Unternehmen in Waldeck, das unter anderem die Mauser-Möbel produzierte, geriet 2002 in die Insolvenz und wurde liquidiert. Der Standort war bereits im Jahr 2000 geschlossen worden. Der Markenname Mauser - Möbel und Sitzkultur wird im Zuge eines Management-Buy-outs verkauft. Die Sitzmöbelsparte wurde 2003 von der heutigen Mauser SitzKultur GmbH & Co KG in Twistetal-Berndorf übernommen, die weiteren Teile der Mauser Office GmbH gingen 2004 in das Eigentum der Vauth-Sagel Gruppe aus Brakel-Erkelen über, die sich heute Mauser Einrichtungssysteme GmbH & Co. KG nennt und ihren Sitz in Korbach und Beverungen hat.

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Mauser_Waldeck

https://de.wikipedia.org/wiki/Alfons_Mauser

 

Heruntergeladen am 27.02.2021


N

Nöcker Adolf und Froitzheim Melchior,   02 / 2021

Adolf Nöcker / Melchior Froitzheim

 

Adolf Franz Gerard Nöcker (* 16. August 1856 in Köln; † 27. April 1917 ebenda) war ein deutscher Architekt in Köln. Sein Neffe war der Architekt Peter Franz Nöcker.

 

Die Villa Sachsenring 34 war ein in der Kölner Neustadt-Süd gelegenes Wohnhaus, das 1885/86 nach Entwürfen des Kölner Architekten Adolf Nöcker für den Rentier Melchior Froitzheim (1830–1914) im Stil der Neorenaissance erbaut wurde.

 

Leben

 

Nöckers Grab auf dem Kölner Südfriedhof

Nöcker studierte an der Technischen Hochschule Aachen und der Technischen Hochschule (Berlin-)Charlottenburg. Dort war er unter anderem Schüler von Franz Ewerbeck, Karl Henrici und Julius Raschdorff. Ab 1880 arbeitete er als Architekt in Köln. Von 1904 bis 1917 war er Stadtverordneter in Köln als Vertreter der Zentrumspartei. Er gehörte zu den Gründern des Bundes Deutscher Architekten, des Meister-Wilhelm-Bundes und des Vereins Ars Sacra.

 

Adolf Nöcker starb im Alter von 60 Jahren und wurde auf dem Kölner Südfriedhof (Flur 20) beigesetzt.

 

 


O

Mathieu Olbertz,   02 / 2021

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P

Moritz Carl (Architekt des Kölner Operhauses),   02 / 2021

Carl Moritz (Architekt)

 

Carl Moritz (* 27. April 1863 in Berlin; † 23. August 1944 in Berg (Starnberger See)) war ein deutscher Architekt und Immobilien-Unternehmer.

 

Leben

 

Grabstätte der Familie Mathie (ehemals: Carl Moritz)

Carl Moritz studierte Architektur an der Technischen Hochschule Charlottenburg und legte nach einem Referendariat im öffentlichen Bauwesen das 2. Staatsexamen ab. 1894 begann er seine Karriere als selbstständiger Architekt in Berlin, im selben Jahr führte ihn eine Studienreise nach England, ein Jahr darauf nach Italien. Von 1896 bis 1898 war er Stadtbauinspektor beim städtischen Hochbauamt in Köln. Ab Herbst 1898 war er als freischaffender Architekt in Köln tätig. Er gründete in Köln bis in die 1930er Jahre insgesamt acht Architekturbüros bzw. Firmen, wobei er eng mit den Architekten Albert Betten und Werner Stahl zusammenarbeitete. 1934 setzte er sich zur Ruhe und ließ sich am Starnberger See nieder, dort verstarb er 1944.

 

Moritz wurde auf dem Kölner Südfriedhof (Flur 24) beigesetzt. Nach Ablauf der Ruhefrist übernahm die Familie Mathie die Grabstätte als Patenschaftsgrab. Die alte Grabinschrift zu Carl Moritz ist nicht mehr vorhanden.

 

Werk

 

Architekt des alten Kölner Opernhauses, 1902

 

Einen großen Teil seines Schaffens machen Bankgebäude aus: In seiner Laufbahn entwarf Carl Moritz ca. 40, die meisten für den Barmer Bankverein, für den er als eine Art Hausarchitekt arbeitete. Weiterhin sind nicht weniger als ca. 50 Villen und ungefähr 15 Wohnsiedlungen von ihm bekannt. Außerdem plante Moritz ca. 20 katholische Sakralbauten und sieben Theater – beides Bauaufgaben, für die er als gefragter Spezialist gelten kann. 1908 scheiterten seine Pläne zur Erbauung eines „Sportpalastes“ nahe dem Rheinufer im linksrheinischen Köln mit Radrennbahn und Eisbahn, da sich nicht genügend Aktionäre fanden.[2] Daneben war er sehr an der Ausbildung der nachkommenden Generationen interessiert. Er hielt während seiner Laufbahn viele Vorträge und schrieb mehrere Publikationen.

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Moritz_(Architekt)
Quelle Postkarte: https://de.wikipedia.org/wiki/Oper_K%C3%B6ln#/media/Datei:K%C3%B6ln_-_Rudolfplatz_Opernhaus,_Postkarte_um_1910,_RBA.jpg


Q


R


S

Sion Hans / Jean,   02 / 2021

Johann „Hans“ Sion (* 24. März 1911 in Köln; † 3. Januar 1998 ebenda) war ein deutscher Bierbrauer und Lokalpolitiker. Er entwickelte die Kölsch-Marke Sion-Kölsch weiter und machte sie bekannt.

 

Leben

Sions Vater Jean erwarb 1912 die Gaststätte in Köln, Unter Taschenmacher 5, verstarb jedoch schon 1915. Unter Taschenmacher 5 wurde bereits von Richardus Comes 1287 erbaut, als die Straße noch „An Rindshuderen“ hieß und auf die Verarbeitung von Rinderhäuten hinwies. Vornehm wurde sie dann umbenannt in „Inter Corduanarios“, also „bei den Corduan Lederverarbeitern“ – unter Taschenmacher.

 

Eine Erbengemeinschaft führte das Brauhaus bis 1928, als es vom Brauereibesitzer Georg Risch, der die Witwe von Jean Sion geheiratet hatte, übernommen wurde. Dieser. Er übergab die Geschäfte 1936 schließlich an seinen Stiefsohn, der die elterliche Brauerei fortführte. Am 30. Mai 1942 wurde sie bei einem Bombenangriff völlig zerstört. Neben seinem Jurastudium erwarb Sion auch den Titel des Braumeisters. 1945 begann er, mit einer Kölsch-Kampagne seine Brauerei-Kollegen von der Bedeutung des obergärigen Bieres für die Stadt zu überzeugen. Am 13. April 1951 fand die Einweihung des zerstörten Brauhauses an alter Stätte statt. Zwischen 1948 und 1983 war er Erster Vorsitzender des Kölner Brauerei-Verbandes. 1961 wurde er Stadtverordneter, ab 28. März 1963 Bürgermeister von Köln für eine Legislaturperiode. Er war Mitbegründer der 1986 unterzeichneten Kölsch-Konvention.

 

Hans Sion gehörte 1997 zu den Initiatoren des Kölner Brauhauswanderwegs und verstarb kurz danach 1998. Beerdigt wurde er im Familiengrab auf dem Kölner Südfriedhof (Flur 8). Sein Sohn Hans Georg Sion führt seitdem die Geschäfte des Brauhauses weiter. Genau genommen ist es kein Brauhaus, da nach der Zerstörung 1942 nicht mehr selbst gebraut wird. Sion gehört vielmehr seit 1994 zum „Kölner Verbund“ (Holding Brau & Brunnen), das gemeinsam mit den Marken Gilden-, Kurfürsten- und Sester-Kölsch in der Bergischen Löwen-Brauerei in Köln-Mülheim gebraut wird.

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Sion

 

Heruntergeladen am 27.02.2021


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Wolff - Limper Familie,   02 / 2021

Eugen Wolff / Franz Benno Wolff-Limper

 

Die Grabstätte Wolff-Limper, besteht aus einem feinen neoklassizistischen Tempietto (Muschelkalk), in dessen Sturzinnenseite das Kölnische Wappen sowie Handwerk- und Schifffahrtsymbole mit aufgenommen sind (circa 1915).

Tempietto (italienisch für Tempelchen) bezeichnet kleine Bauwerke in Tempelform, meist als Rundtempel mit Säulen und Kuppel ausgeführt.

 

Sidol – ein Unternehmen mit Weltgeltung

 

Braunsfeld war im Vergleich zu Müngersdorf ein ganz junger Vorort. Den Namen erhielt er von Ferdinand Leopold Braun (1804-1892), der als Fuhrknecht von Aachen nach Köln zog und hier 1835 in die Unternehmerfamilie Nakatenus einheiratete. Seit 1845 verdiente er in der ersten Phase der Industrialisierung viel Geld mit neu konzessionierten Ziegeleien an der Kitschburger Straße („Mühlenweg“), Christian-Gau-Straße („Ziegelweg“) und an der später nach ihm benannten Braunstraße. 1864 beantragte Ferdinand Braun beim Bürgermeister von Efferen, für die 14 inzwischen entstandenen oder im Bau befindlichen Häuser auf seinen Grundstücken einen eigenen Ortsnamen. So wurde „Braunsfeld“ am 20. April 1864 offiziell beurkundet.

 

Nördlich der Aachener Straße überwogen bis ins frühe 20. Jahrhundert die Ackerflächen. Auf Grund und Boden des ehemaligen, Pauli gehörenden Maarhofs entstand vor dem Ersten Weltkrieg ein Wohnviertel mit ansehnlichen Bürgerhäusern („Pauliplatz“). Die erste Industrieansiedlung in Braunsfeld erfolgte 1903 durch die Orivit AG, die von Ehrenfeld kam und an der Eupener Straße einen Fabrikneubau bezog. Im gleichen Jahr gründeten Oskar Siegel und Eugen Wolff in der Eifelstraße in der südlichen Neustadt eine chemische Fabrik für Reinigungs- und Lösungsmittel, die 1910 ihren Standort zunächst nach Nippes verlegte, aber bereits im Folgejahr zur Eupener Straße in die Nachbarschaft von Orivit zog. Hier entstand 1911 der erste backsteinerne Fabrikbau von Siegel & Co., die wegen ihres damals gängigsten Produkts, Sidol, eines Metallputzmittels, fortan Sidol-Werke hießen. Außer dem Metallputzmittel wurden nach 1918 viele neu entwickelte chemische Reinigungs- und Pflegeprodukte angeboten, darunter das Bohnerwachs „Sigella“. Die Herstellung aller Produkte erfolgte noch im Handbetrieb, wobei die rasch steigenden Fertigungszahlen dringend eine Mechanisierung der Produktionsabläufe, d.h. insgesamt ein moderneres Fabriksystem erforderlich machten.

 

Das weitläufige Sidol-Gelände, das tief von der Eupener Straße bis zur Herbesthaler Straße reichte, bot ausreichend Platz für alle notwendigen Erweiterungsinvestitionen einschließlich Neubauten. Als die Inflation überstanden war, setzte man diese Pläne mit Hilfe des in Köln und gerade auch in Braunsfeld sehr anerkannten Architekten Otto Müller-Jena (1875-1958) in die Tat um. Otto Müller stammte aus Jena und machte sich 1900 als Architekt in Köln selbstständig. Drei Jahre später gehörte er zu den Gründern der Kölner Ortsgruppe des Bundes Deutscher Architekten (BDA). 1906 heiratete Müller-Jena in die bekannte Kölner Architektenfamilie Wiethase ein. Vor dem Ersten Weltkrieg baute er in Köln das Verwaltungsgebäude der Colonia Versicherung am Rheinufer; 1914 war er mit wichtigen Arbeiten auf der Kölner Werkbund-Ausstellung vertreten.

 

Den Inhabern der Sidol-Werke war Müller-Jena durch seine 1921 bis 1924 entstandenen kleinen Villenbauten in der Malmedyer und in der Eupener Straße bekannt, die er mit der nach 1918 gegründeten „Barbarossa Gesellschaft für Wohnungsbau mbH“ errichtete.

Müller-Jena erhielt von den Sidol-Werken den Auftrag, entsprechend den gestiegenen Produktionsanforderungen mehrere moderne Industriebauten in Eisenbeton-Bauweise zu planen, darunter ein Maschinenhaus, einen Bunker für Braunkohle, eine Heizkesselanlage, einen Wasserturm, chemische Laboratorien, eine Wachsschmelze, eine Halle zur Blechwarenherstellung für die eigenen Lösungsmittel, eine Druckerei, alles nach neuesten technischen Erkenntnissen, vollautomatisch, durchrationalisiert mit Fließbandsystemen, wirklich avantgardistisch im Stil des „neuen Bauens“.

 

Die Neubauten der Sidol-Werke entstanden 1926 bis 1928 auf einer winkelförmigen Grundfläche in vier Geschossebenen mit breiten Fensterbändern. Die Fassaden erhielten einen glatten weißen Kalkputz. Das Fabrikensemble wurde in der Fach- wie in der Lokalpresse enthusiastisch gelobt und als in seiner Art für das Rheinland äußerst selten herausgestellt.

 

Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatten die Sidol-Werke bei kontinuierlichem Wachstum 4 000 Beschäftigte. Es gab inzwischen Zweigniederlassungen in Amsterdam, Brüssel, Barcelona, Florenz, Lissabon und Warschau. Oskar Siegel gehörte nur bis 1922 zum Eigentümerkreis. Seit 1937 wurde das Unternehmen vom Sohn des Mitgründers Eugen Wolff (1878-1937), Franz Benno Wolff-Limper, geleitet. Einen Wermutstropfen in der erfolgreichen Geschichte von Sidol bedeutete es zweifellos, dass während des Zweiten Weltkrieges auch hier Zwangsarbeiter, vornehmlich aus Polen, eingesetzt waren. 1943 zerstörten Luftangriffe Teile der Fabrikbauten, insbesondere die älteren aus Backstein an der Eupener Straße. 1946 bis 1951 vollzog sich der Wiederaufbau der chemischen Fabrik mit dem Kölner Architekten Valentin Pollack (1900-1994). Ein eingeschossiges Versandhaus und ein Trafohaus mit Werkshalle wurden neu errichtet. Die beiden markanten Pförtnerhäuschen in Rundbauweise mit ihren typischen kleinen Fenstern entstanden 1949. Grundlage des gesamten Fabrikensembles blieb auch jetzt das von Otto Müller-Jena in den zwanziger Jahren realisierte Konzept des „neuen Bauens“.

 

1969 fusionierten die Sidol-Werke mit den Thompson-Werken in Düsseldorf zur „Thompson-Siegel GmbH“. Aber bereits 1971 übernahm der Düsseldorfer Waschmittelhersteller Henkel & Cie. das gesamte Unternehmen. Seit Beginn der acht­ziger Jahre wurde die Produktion komplett von Köln nach Düsseldorf verlagert. Sidol wird noch heute von Henkel hergestellt.

 

Quelle Text: https://www.buergerverein-koeln-muengersdorf.de/ortsgeschichte/von-sidol-zu-park-linn%C3%A9/

 


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