Melaten - Friedhof Köln, Namen   T  -  Z


Die Stätte „Melaten“ wird 1180 erstmals urkundlich erwähnt. Mit Sicherheit schon länger befindet sich hier eine Leprosenunterkunft. Um das Umgreifen dieser höchst ansteckenden bakteriellen Erkrankung zu verhindern, werden die Leprakranken außerhalb der Städte ohne Ansehen von Stand und Vermögen in abgeschottete Unterkünfte eingewiesen. So auch in Köln. Der Begriff „Melaten“ leitet sich vom Französischen „Malade“, also „Krank“ ab. Direkt benachbart liegt eine der Haupthinrichtungsstätten Kölns, die auch durch die Verbrennung von Protestanten und angeblichen Hexen traurige Berühmtheit erlangt. 1767 wird das Leprosenheim aufgelöst und als Landgut weiter geführt.Als Köln 1794 von den napoleonischen Truppen besetzt und in den französischen Staat integriert wird, wird auch das Friedhofswesen reformiert. Laut „Kaiserlichem Dekret über die Begräbnisse“ vom 12. Juni 1804 dürfen Tote nicht mehr innerhalb der Stadtmauern, also in Kirchen und auf Kirchhöfen beerdigt werden. Ferner wird den Kirchen das Beerdigungswesen entzogen und geht auf die Munizipalität über. An der Chaussee nach Aachen wird ein geeignetes, rd. 3 ha großes Grundstück für die Anlage eines Friedhofs gefunden. Der Universalgelehrte Ferdinand Franz Wallraf übernimmt die Planung.Der zunächst rein katholische Friedhof kann am 29. Juni 1810 geweiht werden. Die 1474 errichtete Kapelle des ehemaligen Leprosenheims wird als Friedhofskapelle übernommen. Wallraf entwirft auch die Mauer und das Friedhofsportal, dessen Gestaltung dem monumentalen französischen Revolutionsklassizismus entlehnt ist. In Folge des Wiener Kongresses fällt Köln 1815 an Preußen. 1829 wird der Friedhof auch für Protestanten geöffnet. Das bedingt 1831/32 die erste Erweiterung auf mehr als die doppelte Fläche. Mit dem Bevölkerungswachstum im Zuge von Industrialisierung und Eingemeindungen wird Melaten in mehreren Schritten erweitert. Während die neuen Teile bis 1874 additiv an den jeweiligen Bestand angefügt werden, erfolgt die fünfte Erweiterung von 1884-87 nach einem großzügigen Plan auf fast die doppelte Fläche. Im Mittelteil wird eine zweite Hauptachse von Nord nach Süd hippodromförmig aufgeweitet und schafft hier Platz für exklusive Grabstätten. Diese Nord-Süd-Achse bildet mit der Ost-West-Achse, die nach Westen verlängert wird, einen Kreuzungspunkt, sodass auch hier auf der sog. „Millionenallee“ prunkvolle Grabanlagen entstehen. Im Zweiten Weltkrieg wird Melaten durch unzählige Bomben zerstört. Um die Kriegs- und Nachkriegstoten beerdigen zu können, werden 1948 und 1956 weitere Grabfluren an den Rändern angelegt. Der Haupteingang wird zur Piusstraße und damit an den Anfangspunkt der „Millionenallee“ verlegt. Hier entsteht die großzügige, qualitätsvolle Neue Trauerhalle des Architekten Fritz Schaller.

(Autor: Gerd Bermbach)

 

Quelle: https://www.wo-sie-ruhen.de/friedhoefe?stadt=24&friedhof=27


T

Trimborn Balduin   03 / 2021

Cornelius Trimborn

Cornelius Balduin Trimborn (* 8. Januar 1824 in Bergheim; † 17. Februar 1889 in Köln) war Jurist und Mitglied des Deutschen Reichstags.

 

Leben

 

Grabstätte Familie Trimborn, Melaten-Friedhof Köln

Trimborn besuchte das katholische Gymnasium an Marzellen in Köln von 1837 bis 1845 und studierte Rechtswissenschaften der Universität Bonn von 1843 bis 1846. Während seines Studiums wurde er 1843 Mitglied der Burschenschaft Fridericia Bonn, 1844 war er Mitstifter der Burschenschaft Alemannia Bonn. 1846 wurde er Auskultator beim Landgericht Düsseldorf, 1848 Referendar daselbst und später in Köln. Ab 1851 war er Rechtsanwalt in Köln. Er war Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses für den 2. Wahlkreis des Bezirks Düsseldorf (Stadt Krefeld) mittels Nachwahl im Frühjahr 1880 bis zum Ende der Legislaturperiode 1882 und ab 1886. Für den gleichen Wahlkreis war er auch Mitglied des Deutschen Reichstags für die Deutsche Zentrumspartei. Beide Mandate endeten mit seinem Tode.

 

Cornelius Balduin Trimborn war verheiratet mit Antoinette Clementine Trimborn geb. Pauli, mit der er 15 Kinder hatte, eines davon war der Politiker Karl Trimborn. Im Kölner Stadtbezirk Altstadt-Süd ist die Balduinstraße nach ihm benannt. Seiner Frau Antoinette (1827–1903) ist die Antoniastraße in Köln-Kalk gewidmet.

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Cornelius_Trimborn

Heruntergeladen am 24.04.2021

 


Tuluweit Elke, Danke für jede Stunde    05 / 2020

Danke für jede Stunde

Eine wundervolle Skulpturen-Gruppe des Kölner Künstlers Hannes Helmke.

Leben

 

Nach einer Holzbildhauer-Lehre absolvierte Hannes Helmke, geboren 1967 in Heidelberg, an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter ein Aufbaustudium freie Kunst, das er im Sommer 1998 abschloss. Seitdem lebt und arbeitet Hannes Helmke als freischaffender Bildhauer in Köln. Die Sommermonate verbringt er auf der Insel Spiekeroog; die dort herrschende Ursprünglichkeit und Freiheit im täglichen Leben, das in der Natur-Sein sind wichtige Kraft- und Inspirationsquellen. Alle Entwürfe entstehen auf Spiekeroog und werden in Köln in Bronze umgesetzt.

Werk

Das künstlerische Thema von Hannes Helmke ist der Mensch und dessen Standpunkt in der Welt. Der Körper ist dabei Ausdruck des Ich-Seins und der Eigenwahrnehmung. Helmkes ursprüngliche Inspiration waren die langgezogenen Abendschatten der menschlichen Gestalt. Die Arbeiten mit extrem überlängten Gliedmaßen und sehr großen Füßen der ersten Schaffensjahre haben sich inzwischen zu naturalistischer proportionierten Figuren entwickelt. Der Grundgedanke ist aber nach wie vor: Wie stehen Menschen im Leben? Wie präsentiert sich der Mensch der Welt, in beobachteten und unbeobachteten Momenten, alleine und in der Gruppe bzw. Masse? Füße und Beine stehen bei Hannes Helmke für den Lebensmenschen, der Körper darüber für den Geistmenschen. Die plastischen Ohren sind Sinnbild der Verbindung mit der Welt, des Wahrnehmens; ebenso die großen handelnden Hände. Im Verzicht auf ein Gesicht wird Helmkes Wunsch nach größtmöglicher Assoziation des Betrachters deutlich.

Mehr zu dem Künstler und den wunderschönen Arbeiten findet Ihr auf der Webseite

https://hannes-helmke.de

 

 Quelle Text: https://www.wikiwand.com/de/Hannes_Helmke


U

Urbach Maria Catharina    04 / 2021

Tochter von
Johann Peter Joseph Valckenberg * 7.12.1764 Eygelshoven (Holland), † 21.2.1837 Worms, katholisch

Weinhändler

Werdegang:

kam 1784 aus Eygelshoven bei Aachen nach Worms, Lehrling bei dem Handelsherrn und Ratsherrn Georg Friedrich Schuler, 1787 Bürger und Krämer in Worms

1792 unter den französischen Truppen erstmals Mitglied des Munizipalitätsrats in Worms

seit 1786 Weinhändler, erwarb er 1808 aus Kirchenbesitz eine Parzelle der Weinberge in den Liebfrauenmilchgärten rund um die Wormser Liebfrauenkirche

begründete die Weinhandlung „Peter Joseph Valckenberg“ in Worms und ließ ein Weingut erbauen.

14.4.1813-21.2.1837 Bürgermeister der Stadt Worms

Abgeordneter des hessischen Landtags

 

Tochter

Maria Katharina Urbach, geb. Valckenberg, 1794-1819, verheiratet Worms 14.5.1812 mit Caspar Joseph Urbach, 1777-1838, Kaufmann und Weinhändler in Köln.


Bildhauer

Johann Joseph Mannebach (* 1765 in Köln; † 4. Juli 1832 ebenda) war ein deutscher Bildhauer und Steinmetz.

 

Leben

Johann Joseph Mannebach war der Sohn eines Niedermendinger Steinhauers. Nach seiner Steinmetz- und Bildhauerausbildung war er zunächst in Wien tätig, bevor er in Köln ein Atelier für Bildhauerarbeiten eröffnete. Gemäß den Kölner Adressbüchern ist er zumindest von 1822 bis 1835 mit seiner Werkstatt in der Severinstraße 203 nachweisbar gewesen. Als er im Alter von 67 Jahren verstarb, ging seine Werkstatt an seinen Sohn, den Bildhauer Johann Louis Peter Mannebach (1797–1842) über. Mannebach war mit Antonia Quadt von der Landskron verheiratet, die aus einem alten Wiener Adelsgeschlecht stammte. Mit ihr hatte er zwei Kinder.

 

Quelle Text: „Valckenberg, Johann Peter Joseph“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/1123984794> (Stand: 15.4.2021)

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Joseph_Mannebach


V

Vorster Friedrich Julius    03 / 2021

Die Sprengstoff-Fabrik

Es begann mit einem Besuch aus Pommern. Am 1. November 1858 erreicht der aus Stettin kommende Hermann Julius Grüneberg Köln. Dem Dom fehlen noch beide Türme, und die erste Brückenverbindung zwischen Deutz und der anderen Rheinseite wird erst ein Jahr später eröffnet. Also muss Grüneberg mit dem Schiff übersetzen. In der Rheingasse 13 trifft der Apotheker und Chemiker den Kaufmann Julius Vorster, mit dem er zuvor schon in Briefkontakt gestanden hatte.

 

Vorster betreibt eine, wie es seinerzeit heißt, „Drogenhandlung“. Dort verzeichnet er für seinen Bengalsalpeter eine seit Jahren steigende Nachfrage. Dieses Kaliumnitrat wird in Sprengmitteln eingesetzt, die beim boomenden Bergwerks-, Zechen- und Tunnelbau benötigt werden. Doch es gibt Engpässe. Mitte der 1850er Jahre verhängen die Engländer im Zuge des Krim-Kriegs für ihre südasiatische Kolonie ein totales Ausfuhrverbot von Salpeter. Vor diesem Hintergrund ist Grüneberg für Vorster ein hochinteressanter Mann. Schließlich weiß der Chemiker aus Pommern, wie man Kaliumnitrat selber herstellen kann.

 

„Schon seit 1854 hatte Grüneberg in Stettin eine kleine Fabrik betrieben, in der er Kalisalpeter gewann“, so der Historiker Fritz Bilz, der sich seit mehr als zehn Jahren mit der Geschichte Kalks beschäftigt. Gleich bei ihrer ersten Begegnung an jenem 1. November 1858 fassen die beiden den Entschluss, gemeinsam eine Fabrik zu gründen: „Vorster & Grüneberg“. Die Wahl des Standorts fällt auf „Kalk bei Deutz“ - zu jener Zeit noch ein Vorort von Köln mit knapp tausend Einwohnern, einigen Höfen, ein paar Ziegeleien und Kiesgruben - und einem Eisenbahnanschluss mit Verbindungen ins rechtsrheinische Hinterland. Das Unternehmer-Duo ersteigert eine stillgelegte Eisengießerei, und schon im Februar 1859 beginnt mit zehn Mitarbeitern die Produktion von Kalisalpeter und, als Nebenprodukt, Soda.

 

Die Firma erlebt einen raschen Aufstieg. „Aus 5500 Zentnern Kalisalpeter im Jahr 1859 wurden innerhalb von fünf Jahren mehr als 48 000 Zentner“, so Fritz Bilz. Schon 1860 kaufen die Firmengründer weitere Grundstücke dazu. Das Kaliumnitrat findet nicht nur Verwendung in Sprengstoffen, sondern auch als Dünger. Der inzwischen promovierte Grüneberg sowie Vorster erkennen, dass die Landwirtschaft auch Phosphat- und Stickstoff-Dünger benötigt. 1865 nehmen sie entsprechende Produkte ins Programm. Das Kalker Unternehmen wird das erste überhaupt in Deutschland, das Kalium-, Stickstoff- und Phosphorverbindungen für die Düngung herstellt - und damit die drei wichtigsten Pflanzennährstoffe. Die späteren Mehrstoffdünger Kamp und Kampka sind viele Jahre lang Klassiker.

 

Am 1. Juli 1892 wird aus Vorster & Grüneberg die Chemische Fabrik Kalk GmbH (CFK). „Als Kalk 1910 eingemeindet wurde, hatte es 27 639 Einwohner, und die CFK war mit über 1000 Mitarbeitern dort längst der zweitgrößte Arbeitgeber nach der Maschinenbauanstalt Humboldt“, so der Historiker Bilz. Im Ersten Weltkrieg schrumpft die Zahl der Mitarbeiter von 800 auf 70, der Zweite Weltkrieg bringt so große Schäden, dass die Produktion erst 1948 wieder in Gang kommt. Die 50er Jahre bescheren dem Unternehmen Rekordzahlen. 1820 Arbeiter und 540 Angestellte weist die Chronik für 1958 aus. Die brauchen einen großen Speisesaal. „Dieser wurde auch für viele Großveranstaltungen, etwa im Karneval, genutzt und hieß im Volksmund Kalker Gürzenich“, wie Bilz anmerkt. Zur gleichen Zeit beginnt auch die Umwandlung von einem Familienunternehmen zu einer Aktiengesellschaft. Die Salzdetfurth AG übernimmt schrittweise bis 1960 die gesamte CFK. Das beflügelt zunächst das Geschäft, bauen die neuen Inhaber doch die Düngemittelpalette weiter aus und nehmen auch Tierfutterprodukte auf Phosphatbasis ins Programm auf. 1970 schließt sich die Salzdetfurth mit der Kali und Salz AG (K+S) zusammen, die wiederum eine mehrheitliche BASF-Tochter ist.

 

Der Niedergang beginnt in Schüben. 1985 wird die Produktion der Bromchemikalien eingestellt, aus denen Kunden Flammschutzmittel für Kunststoffe produzieren. 1988 folgt der Stopp der Düngerproduktion, 1993 der von Soda und Calciumchlorid, und am 31. März 1993 heißt es im „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Chemische macht dicht.“ In den sechs Jahren zuvor war der Umsatz um die Hälfte zurückgegangen. Die letzten 600 Mitarbeiter können noch bis zum Frühjahr 1994 bleiben. So lange läuft noch die Produktion von Futterphosphat. Danach verbleibt nur noch eine kleine Vertriebsgesellschaft mit wenigen Mitarbeitern, die einige ehemalige CFK-Kunden weiterhin mit zugekauftem Soda beliefern. Sie existiert bis heute. Einige CFK-Anlagen werden anderswo weiterbenutzt, etwa in Polen und Brasilien. Als Letztes fällt im März 2001 die 1894 errichtete, einst denkmalgeschützte, 200 Meter lange Düngemittelhalle, deren Halleninnerem Werner Strodthoff in einem Beitrag für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ noch im Dezember 1996 eine „atemberaubende Raumwirkung“ bescheinigte. Danach bleibt nur noch der 1904 errichtete Wasserturm. Ein letztes, 42 Meter hohes Wahrzeichen der „Chemischen“.

 

Den heutigen Besuchern der 2005 eröffneten Köln-Arcaden dürfte er zwischen Parken und Shoppen vielleicht noch auffallen, aber seine Geschichte und die des Grundstücks wird vielen kaum bekannt sein. Gut einen Kilometer weiter, am Beginn der Olpener Straße, sind die Büros der letzten verbliebenen CFK-Mitarbeiter. Soda gehört nach wie vor zum Verkaufsprogramm, Kaliumnitrat, dessen Produktion die einstige Geschäftsidee von Julius Vorster und Hermann Grüneberg war, dagegen nicht mehr. Seit Ende September zählt K+S, der Eigentümer der CFK, zur ersten deutschen Börsenliga, dem Dax. Die Gründer immerhin haben ihre ewige Ruhe an prominenter Stelle gefunden. Beide liegen, jeweils in Familiengräbern, in der Mittelallee auf dem Melaten-Friedhof. Vorster starb 1876, Grüneberg 1894. In Kalk erinnern bis heute die Namen zweier Straßen an die beiden Industriellen.

 

Julius Vorster

Friedrich Julius Vorster (* 29. April 1809 in Hamm; † 10. Oktober 1876 in Kalk bei Cöln) war ein deutscher Unternehmer der Chemieindustrie und Mitgründer der Chemischen Fabrik Kalk.

 

Leben

Vorster eröffnete nach einer kaufmännischen Lehre in Köln eine florierende Chemikalienhandlung. Nach dem Eintritt des Teilhabers Harhaus firmierte sie unter Vorster & Harhaus. Später hieß sie dann Julius Vorster. Einen bedeutenden Teil seines Umsatzes machte Vorster mit Salpeter, das er aus Bengalen einführte, und das für Sprengstoff im Bergbau und im Tunnelbau benötigt wurde. Mitte der 1850er Jahre stoppte Großbritannien wegen des Krimkrieges die Ausfuhr dieser Chemikalie. Der so entstandene Engpass war ein Motiv, 1858 zusammen mit Hermann Grüneberg die Chemische Fabrik Kalk zu gründen. Grüneberg brachte das Know-how mit, wie man Pottasche als Ersatz für Salpeter im industriellen Maßstab herstellen kann.

 

 

Vorster war mit Wilhelmine geb. Röhrig (1818–1883) verheiratet. Beide hatten mehrere Kinder. Er war Stifter des Evangelischen Krankenhauses in Köln. Begraben ist er auf dem Melatenfriedhof. Nach ihm wurde in Kalk die Vorsterstraße benannt.

 

 

Quellen Text:

https://www.ksta.de/traditions-fabrik-die-sprengstoff-fabrik-13085082
https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Vorster


W

Waffenschmidt "Fritz" und Anni    03 / 2021

Die Gruft der Familie Waffenschmidt fällt durch ein gebogenes Wandmosaik der Ölbergszene (Jesus mit seinen Jüngern) auf. Hier stand früher eine hohe Skulptur, die im Krieg zerstört wurde. Als das Ehepaar Waffenschmidt, Gründer des Unternehmens SATURN, zu Lebzeiten die Gruft übernahm, ließ es dieses Mosaik anfertigen. Inzwischen sind beide dort begraben. Auffällig auch die Deckplatte der Gruft aus Glas.  Der Durchblick auf die darunter liegende Gruft wird allerdings durch dicke Tropfen Kondenswasser behindert.

 

Rechts auf der kleinen Bank sitzt Anni Waffenschmidt, dazu gibt es eine kuriose Geschichte, wobei ich allerdings nicht weiß ob sie wahr ist. Während der Bauarbeiten an der Grabstätte soll Anni Waffenschmidt zu Ihrem Mann „Fritz“ gesagt haben, „In das dunkle Loch bekommst Du mich nicht rein“, er hat geantwortet, „Dann bleibst Du eben draußen“ und nun sitzt sie auf der Bank.

 

Friedrich „Fritz“ Wilhelm Waffenschmidt (* 3. März 1925 in Brühl-Pingsdorf; † 26. März 2017 in Bensberg) war ein deutscher Unternehmer und Gründer der Unternehmen Saturn und „Hansa-Foto“.

 

Werdegang

Zwischen 1946 und 1948 besuchte er die Ingenieurschule in Köln. Im Juli 1949 heiratete er Anni Kühl (* 29. Juni 1924 in Berzdorf; † 27. Juli 2017 in Bergisch Gladbach-Bensberg), die er in der Tanzschule kennengelernt hatte. Zu jener Zeit war Waffenschmidt im elterlichen Elektrohandel beschäftigt, den er im Oktober 1950 verließ. Er wechselte zum Bonner Unternehmen Kleine-Erfkamp & Co., einem der führenden Elektro-Großhändler in Westdeutschland. Im Oktober 1955 gründete er die Kölner Filiale der noch größeren Elektrofirma Stratmann (Hagen), deren Kölner Filiale nach kurzer Zeit umsatzstärker als die Hagener Zentrale wurde. Am 21. März 1959 besuchte Waffenschmidt den selbst ernannten „größten Schallplattenhändler der Welt“, Sam Goody in New York City. Die hier gewonnenen Eindrücke bestärkten seine Auffassung, dass zumindest im Tonträgermarkt der Großhandel keine Zukunft mehr habe. Die Größe des Einzelhandels musste so dimensioniert werden, dass ein Großhandel obsolet würde.

 

„Erfolgskaufmann“ nannte sich Friedrich Wilhelm (Fritz) Waffenschmidt, wenn er nach seinem Beruf gefragt wurde.  Das war der Gründer von Saturn und Hansa-Foto gewiss. Ebenso gewiss ist, dass ihm das nie zu Kopfe gestiegen ist. „Geldverdienen war nie die eigentliche Antriebsfeder für mein Tun, sondern Existenzangst“, sagte er in einem Rundschau-Gespräch 1984. „Ich bin ein Mensch, der auf der Suche und zur Selbstkritik fähig ist“, sagte er noch. Damals war sein Haus am Hansaring mit über fünf Millionen Kunden pro Jahr der größte Kölner Publikumsmagnet nach dem Dom. Und Waffenschmidt stand kurz vor der Unterschrift, mit der er sein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 200 Millionen Euro, fast 500 Mitarbeitern und regelmäßig zehn bis 14 Millionen Mark Überschuss an ein Konsortium von Kaufhof und verschiedenen Versicherungsunternehmen verkaufte.

 

Preisbindung einfach ignoriert

„Ich weiß, woher ich komme“, erklärte Waffenschmidt sein vergleichsweise leises Auftreten. Am 3. März 1925 wurde er in Brühl-Pingsdorf geboren. Hier trat er in den elterlichen Elektrohandel ein, den er aber 1950 verließ, um in bei Großhändlern zu arbeiten.  1961 machte er mit seiner Ehefrau Anni, die er 1949 geheiratet hatte, den Elektrohändler Saturn auf. Zusammen mit der 1968 gegründeten Hansa-Foto krempelte er die Branche um.

 

Den Verbrauchern ist er mit Niedrigpreisangeboten in Erinnerung. Denn Waffenschmidt ignorierte die damals gültige Preisbindung. Die Konkurrenz fürchtete ihn. Als er 1972 ein in den USA erlerntes Selbstbedienungskonzept für Schallplatten auf den deutschen Markt brachte, verkaufte er das Vinyl nicht für 22 Mark, sondern für 14,50 Mark. So nahm er Organisationsformen des Discounts vorweg. Manager und Geschäftsführer anderer Handelsunternehmen kamen nach Köln, um die Konzepte und Strategien vor Ort zu studieren.

 

Bei einem Minimum an Kosten blieb ihm eine schmale, aber offenbar ausreichende Marge.  Aufwendige Werbung hielt er für verzichtbar. Er setzte auf Niedrigpreisen, Mund-zu-Mund-Propaganda für seine „größte Schallplatten-Schau der Welt oder später „größte Video-Schau der Welt. Behauptungen, die er einige Male auf Verlangen von Wettbewerbsvereinen unter Beweis stellen musste.  Auf dem geschäftlichen Höhepunkt verkauften seine Frau und er Im März 1984 das Unternehmen. Es gehe dem kinderlosen Ehepaar um die Nachfolgefrage und die Sicherung der Arbeitsplätze, erklärte er damals. Seine Frau und er blieben noch bis Ende 1985 in der Geschäftsführung und siedelten dann nach Florida über. Die ehemaligen Mitarbeiter konnten sich freilich alle zwei Jahre noch eine „Dankeschön“- Sonderzahlung freuen.

 

Engagement für den Sport

Am öffentlichen Leben nahm Waffenschmidt kaum teil. Er fürchtete in seiner aktiven Zeit um seine Handlungsfreiheiten. Freilich warb er nicht nur dafür, mehr Geld für den Sport und weniger für Kultur auszugeben. Mit großer Begeisterung engagierte sich Fritz Waffenschmidt für den Basketball. Als sich der ASV Köln seine Bundesliga-Mannschaft wegen des teuren Leichtathletik-Sportfestes nicht mehr leisten konnte, wurde der Saturn-Chef als möglicher Sponsor angesprochen.

 

„Man sagte mir damals, wenn ich mit 100 000 D-Mark einsteigen würde, könnte ich mir eine starke Mannschaft leisten, mit dem doppelten Betrag um die Meisterschaft mitspielen. Das haben wir dann auch bald getan, allerdings habe ich dafür einen wesentlich höheren Betrag aus meiner Privatschatulle aufwenden müssen“, erinnerte sich Fritz Waffenschmidt einmal.

 

Letztlich waren es viele Millionen, die der bodenständige Unternehmer zusammen mit seiner Basketball-begeisterten Ehefrau Anni zwischen 1977 und 1988 in die Basketballer investierten. Während dieser Zeit gewann die Mannschaft des BSC Saturn Köln vier deutsche Meisterschaften, drei Pokalsiege und spielte im Europapokal großartig auf.

 

Außerdem verlor Fritz Waffenschmidt, der auch ein großer Fan von schnellen Autos und Modelleisenbahnen war, sein Herz an den Trabrennsport. Bei diesem Engagement gelang es ihm auch, Ausgaben und Einnahmen in etwa in der Waage zu halten. Zwar gab er einerseits mehr als eine halbe Million D-Mark für den Kauf von Pferden aus, gewann aber mit dem Champion-Sieger Brendy, der ihm zu 50 Prozent gehörte, anteilig rund eine Million.

 

Am 31. März 1984, auf ihrem geschäftlichen Höhepunkt, verkauften Fritz Waffenschmidt und seine Frau Anni ihre Unternehmen an die Tertia GmbH, an welcher der Kaufhof und einige führende Versicherungsunternehmen beteiligt waren. Bis Dezember 1985 blieben Fritz und Frau Anni Waffenschmidt Geschäftsführer der Holding und übergaben dann ihre Funktion an die Vertreter der neuen Gesellschafter. Im Januar 1986 setzte sich das Ehepaar Waffenschmidt in Florida endgültig zur Ruhe. Das Ehepaar kam häufig während der Sommerzeit nach Köln. Es kehrte 2006 nach Köln zurück, Fritz Waffenschmidt erlitt 2008 einen Herzanfall, verstarb nach langer schwerer Krankheit im März 2017 und wurde auf dem Kölner Melaten-Friedhof beerdigt. Bereits vier Monate später starb auch seine Frau Anni im Alter von 93 Jahren und wurde in der gemeinsamen Familiengruft (Flur 67 an MA) beigesetzt.

Quellen Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Waffenschmidt

https://www.rundschau-online.de/news/wirtschaft/gruender-von-saturn-koelner-unternehmer-fritz-waffenschmidt-gestorben--26301878?cb=1616934100082

https://www.express.de/koeln/fritz-waffenschmidt--86--mr--saturn---willkommen-zurueck-in-koeln--14804888

https://www.express.de/koeln/sie-waren-gute-freunde-wdr-legende-trauert-um--mr--saturn--fritz-waffenschmidt---92--26302460

Heruntergeladen am 28.03.2021

 


Wahlen Jakob / Birkhäuser Johann Wilhelm    04 / 2021

Jakob Wahlen war ein Fabrikant, der aus einer Familie von Guts- und Ziegeleibesitzern im heutigen Vorort Ehrenfeld stammt. Da er mit fast allem, was er anpackt, erfolgreich war, wurde er auch der "Goldene Wahlen" genannt.

Sein Tochter Elisabeth hat Johann Wilhelm Birkhäuser geheiratet, und das Grabmal wird auch von deren Familie genutzt.

Das Monument ist an einer Wegekreuzung platziert und weithin sichtbar. In strahlendem, vielfarbig abgesetztem Weiß entwickelt das mehr als fünf Meter hohe, klassizistische Tabernakel-Grabmal eine Fernwirkung, die einem Blickpunkt, einem Point-de-vue gleichkommt. Auf einem quadratischen Sandsteinpostament, dessen Ecken durch Pfeiler betont sind, sind auf Marmortafeln die Namen der Verstorbenen in Goldschrift eingraviert.

Die vier Marmorsäulen des Tabernakels tragen auf vergoldeten ionischen Kapitellen das mit rot abgesetzten Dreiecksgiebeln und Akroterien geschmückte Dach. Es wird von einem goldenen Kreuz, das von eisernen Posaunen des Jüngsten Gerichts flankiert wird, bekrönt. Sie deuten auf den Christus hin, der als Richter dargestellt ist. Die Skulptur aus Carrara-Marmor stellt Jesus mit bärtigem Gesicht und langem lockigen Haar mit faltenreichem antikisierendem Gewand dar. Vom Baldachin über dem Herrn strahlt auf blauem Grund eine vielstrahlige goldene Sonne als Symbol der höchsten kosmischen Kraft, also Gottes. Die Figur ist dem Kopenhagener Christus von Bertel Thorvaldsen nachempfunden. Der Bildhauer des Grabmals, Johann Joseph Imhoff d. J., hat in Rom ein Jahr im Atelier von Thorvaldsen gearbeitet.

 

Ehrenfelder Bahnhof

 

Am 2. August 1839 fuhr die erste von Köln „Am Türmchen“ ausgehende Eisenbahn quer durch Ehrenfeld bis Müngersdorf. Es war der Anfang der Köln-Aachener Linie die von einem privaten Träger, der rheinischen Eisenbahngesellschaft, erbaut worden war und später Anschluss an die belgische Bahn nach Antwerpen fand. Diese Linie war insofern von größter Bedeutung, als sie die erste Bahn des europäischen Kontinents war, die zwei Staaten miteinander verband. 1840 wurde die Strecke bis Lövenich fortgeführt, 1841 bis Aachen und 1843 bis zur Landesgrenze Herbesthal. Erbauer dieser wichtigen Eisenbahnverbindung war David Hansemann (1790-1864), Kaufmann, Bankier und preußischer Politiker.

 

Im Jahre 1861 nahm Jakob Wahlen mit der Direktion der Rheinischen Eisenbahn Verbindung auf, um die Anlage einer Ehrenfelder Güterstation vorzuschlagen. Am 30. November 1862 kam ein Vertrag hierrüber zustande und im Jahre 1863 konnte die lang ersehnte Güterstation eröffnet werden. Wahlen hatte der Bahn das Grundstück zur Bahnhofsanlage geschenkt. Damit begann der wirtschaftliche Aufschwung von Ehrenfeld. Viele der ortsansässigen Fabriken und Gewerbebetriebe konnten so ihre Rohstoffe empfangen und ihre Güter absenden. In dieser Zeit wuchs auch die Bevölkerung sehr rasch, so dass 1865 auch eine Haltestelle für den Personenverkehr eingerichtet wurde. Ein repräsentatives Bahnhofsgebäude wurde 1867/68 erbaut. 1878 wurde die anrainende Hütten Straße verbreitert und gepflastert. Wahlen sorgte ferner für eine ordentliche Einzäunung des Bahnhofs. Der „neue“ Güterbahnhof Ehrenfelds an der Vogelsanger Straße ging 1899 in Betrieb und ersetzte die alte Güterstation in Ehrenfeld.

 

Johann Wilhelm Birkhäuser

 

Advokat-Anwalt beim Landgericht zu Köln (Sohn von Johann Peter Wilhelm Birkhäuser, * Geistingen 23.06.1777, + Bödingerhof bei Oberpleis 22.04.1864, Gutsbesitzer zu Bödingerhof bei Oberpleis.; Heirat Stieldorf [Kr. Siegburg] 11.07.1797 Maria Magdalena Heider, * Bödingerhof ... 1776, + Bödingerhof 11.04.1818)

 

Johann Joseph Imhoff (der Jüngere)

 

Johann Joseph Imhoff der Jüngere (* 18. März 1796 in Köln; † 6. Juli 1880 Köln-Deutz), war ein deutscher Bildhauer.

 

Leben

Johann Joseph Imhoff entstammt einer bedeutenden Kölner Bildhauer-(„Bilderbäcker“)-Familie, die in fünf Generationen elf Künstler hervorbrachte. Bereits sein Urgroßvater Alexander Wilhelm Imhoff (1689–1760) war Holzschnitzer und sein Großvater, der ebenfalls Johann Joseph Imhoff (1739–1802) hieß, betrieb mit seinen vier Söhnen eine Tonback-Werkstatt, in der die Kunstwerke gefertigt und anschließend in den Öfen gebacken bzw. gebrannt wurden. Sein Vater war der Bildhauer Peter Joseph Imhoff.

 

Johann Joseph Imhoff hielt sich 1821/1822 in Paris auf und studierte von 1824 bis 1825 an der Akademie der Bildenden Künste in München. 1828 schuf er eine Büste des Oberpräsidenten Karl von Ingersleben, die allerdings als verschollen gilt. In der Zeit von 1835/1836 hielt er sich in Italien auf und war als Bildhauer und Modelleur tätig.

 

Es wird berichtet, dass er 1839 und 1848 Statuen und Reliefs mythologischen und religiösen Inhalts in Gips, Marmor und Terrakotta ausgestellt hat. 1844 fertigte er das Grabkunstwerk für seinen Vater auf dem Melaten-Friedhof und er schuf unter anderem die Zentrale Statue auf dem evangelischen Friedhof in Düren, eine überlebensgroße Frauenfigur mit Sanduhr und Schmetterling, sowie 1849 das Modell zu einem Grabmal für Ferdinand Franz Wallraf, in der Colonia seine Büste bekränzt.

 

1857 trat er in das Atelier Scherf in Kalk als Partner ein, dass sich dann Scherf & Imhoff nannte. Mit diesem Eintritt hat er möglicherweise den Schwerpunkt seiner Arbeit in den Bereich der Ton-Modellierung verlegt, weil er hierzu bei Scherf die erforderlichen Arbeitsbedingungen und technischen Voraussetzungen fand. Dort erhielt er auch seinen eigenen Arbeitsbereich, neben seinem in Köln beibehaltenen. Dieser Schritt erfolgte vermutlich aus Alters-, Gesundheits- und finanziellen Gründen.

 

Eine Eigenheit war es, dass er sein Fach unter dem Namen seines in weiten Kreisen bekannten Vaters Peter Joseph Imhoff betrieb und seinen Arbeiten sogar mitunter die Bezeichnung P. J. Imhoff, gleich einer merkantilen Firma, eingrub.

 

Quellen Text: https://de.findagrave.com/memorial/195113459/jacob-wahlen

https://www.wo-sie-ruhen.de/friedhoefe?stadt=24&friedhof=27

https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Joseph_Imhoff_(der_J%C3%BCngere)

https://www.wesener.org/e9367/e9399/e34368/IndivEventRelation42247/EventChildren42689/IndivEventRelation42690/EventChildren42691/

https://www.wgff-tz.de/details.php?id=542886

Ehrenfelder Bahnhof um 1900 (Foto: Wilczek 1983)

Historisches Fotodokument aus dem Jahr um 1900. Bis 1923 fuhr die Eisenbahn ebenerdig durch Ehrenfeld. (Foto: Archiv Bürgervereinigung Köln-Ehrenfeld)

 

Heruntergeladen am 08.05.2021


Westerwelle Guido Dr.    03 / 2021

Guido Westerwelle, (* 27. Dezember 1961 in Bad Honnef; † 18. März 2016 in Köln) war ein deutscher Politiker. Er war Gründungsmitglied und von 1983 bis 1988 Vorsitzender der Jungen Liberalen, von 1994 bis 2001 Generalsekretär und von 2001 bis 2011 Bundesvorsitzender der Freien Demokratischen Partei (FDP). Ferner war Westerwelle von 2006 bis 2009 Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion und Oppositionsführer im Deutschen Bundestag. Von 2009 bis 2013 war er Bundesminister des Auswärtigen im Kabinett Merkel II. Als solcher war er vom Amtsantritt an bis zum Mai 2011 auch Vizekanzler.

 

Ausbildung

Westerwelle wurde 1961 als Sohn des aus Schötmar stammenden promovierten Rechtsanwalts und Volkswirts Heinz Westerwelle (1930–2013) und der aus Bad Salzuflen stammenden Rechtsanwältin Erika Westerwelle (1930–2018) in Bad Honnef geboren. 1964 folgte ein Bruder. Seine Eltern hatten darüber hinaus aus vorherigen Partnerschaften jeweils einen Sohn mit in die Ehe gebracht. Westerwelles Eltern ließen sich in seinem achten Lebensjahr scheiden; er wuchs beim Vater in der Heerstraße in der Bonner Nordstadt auf. Westerwelle besuchte ein Gymnasium, wechselte nach dem ersten Jahr zur Realschule in Königswinter, da seine schulischen Leistungen am Gymnasium als nicht ausreichend erachtet wurden. Die Freiherr-vom-Stein-Realschule in Bonn schloss er 1977 mit der mittleren Reife ab. Nach der Realschule wechselte er auf das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium (EMA) in Bonn, wo er 1980 sein Abitur machte. Zum Wehrdienst wurde er nach eigenen Angaben nicht eingezogen, da er wegen seiner gleichgeschlechtlichen Orientierung ausgemustert worden sei.

 

Danach (ab 1980) begann er ein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Bonn, das er 1987 mit dem ersten juristischen Staatsexamen beendete. Nach dem Referendariat am Amts- und Landgericht Bonn legte er 1991 sein zweites juristisches Staatsexamen ab. 1994 wurde er an der Fernuniversität in Hagen mit einer Dissertation zum Thema Das Parteienrecht und die politischen Jugendorganisationen zum Doktor der Rechtswissenschaften (Dr. iur.) promoviert. Sein Doktorvater war Dimitris Tsatsos. Seit 1991 als Rechtsanwalt zugelassen, arbeitete Westerwelle bis zu seiner Wahl zum Generalsekretär der FDP 1994 in der Bonner Anwaltskanzlei seines Vaters.

 

Parteilaufbahn

Westerwelle war seit 1980 Mitglied der FDP. Hier zählte er zu den Mitbegründern der Jungen Liberalen, die nach dem Koalitionswechsel der FDP 1982 die Jungdemokraten als offizielle Jugendorganisation der Partei ablösten. 1983 wurde er in einer Stichwahl gegen Andreas Reichel als Nachfolger von Hans-Joachim Otto deren Bundesvorsitzender; ein Amt, das er bis 1988 behielt.[9] Ab 1988 gehörte er dem FDP-Bundesvorstand an. Von 1993 bis 1999 war er außerdem Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Bonn. Als sein Vorbild nannte er Hans-Dietrich Genscher.

 

Von 1994 bis 2001 war er unter den Parteivorsitzenden Klaus Kinkel und Wolfgang Gerhardt Generalsekretär der FDP. In dieser Funktion hatte er maßgeblichen Anteil an der Neuformulierung des aktuellen Parteiprogramms, den Wiesbadener Grundsätzen, und leitete die Kommission, die das Programm ausarbeitete.

 

Am 4. Mai 2001 wurde er auf dem FDP-Bundesparteitag 2001 in Düsseldorf mit großer Mehrheit als Nachfolger von Wolfgang Gerhardt zum bis dahin jüngsten Bundesvorsitzenden der FDP gewählt. Er positionierte die Partei vor allem in der Bildungs- und Wirtschaftspolitik. Sein angestrebter Kurs war der einer „unabhängigen Alternative zu CDU/CSU und Rot-Grün“ und die Schaffung einer Äquidistanz zu den beiden Volksparteien. Bei der Bundestagswahl 2002 trat er als erster Kanzlerkandidat in der Geschichte der FDP an. Die FDP zog auf Initiative von ihm und Jürgen Möllemann zum ersten Mal seit vielen Jahren ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf. Der Stimmenanteil der FDP verbesserte sich von 6,2 Prozent, die sie bei der Bundestagswahl 1998 erreicht hatte, auf 7,4 Prozent. Ursprünglich geplant war ein „Projekt 18“ getauftes Wahlziel von 18 Prozent Stimmenanteil, für das Westerwelle im Wahlkampf 2002 mit dem sogenannten Guidomobil um Stimmen kämpfte. Die Art, wie er seine Kampagne bestritt, trug ihm den Vorwurf ein, zu viel „Spaßwahlkampf“ zu führen.

 

2003 wurde Westerwelle als Parteivorsitzender mit 79,8 Prozent der Stimmen der Delegierten wiedergewählt und 2005 auf dem Bundesparteitag in Köln mit 80,1 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. 2007 wurde Westerwelle mit seinem bis dahin besten Ergebnis auf dem Bundesparteitag in Stuttgart mit 87,6 Prozent gewählt.

 

Vor der Landtagswahl 2005 in Nordrhein-Westfalen forderte Westerwelle als einziger Spitzenpolitiker eine Bundestags-Neuwahl für den Fall eines Regierungswechsels in Nordrhein-Westfalen. Bundeskanzler Gerhard Schröder kündigte am 22. Mai 2005 nach der verlorenen NRW-Wahl an, eine vorgezogene Bundestagswahl anzustreben. Die FDP nominierte Westerwelle am Tag darauf zum Spitzenkandidaten der FDP für die Bundestagswahl 2005.

 

Privatleben, Krankheit und Tod

 

Westerwelle mit seinem Lebenspartner Michael Mronz (2009)

Westerwelle hatte einen Bruder, der ebenfalls Rechtsanwalt ist, und zwei Halbbrüder. Er lebte in einem Mehrfamilienhaus in Köln-Braunsfeld und in Berlin-Charlottenburg und war Mitglied der Evangelischen Kirche im Rheinland. Seit 2003 lebte er mit dem Manager Michael Mronz in einer Partnerschaft. Am 17. September 2010 gingen beide im Bonner Standesamt an der Poppelsdorfer Allee eine Lebenspartnerschaft ein. Die Verpartnerung nahm der damalige Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch vor. Bereits 1997 war Westerwelle namentlich in der ersten Ausgabe des Nachschlagewerks Out!, in der homosexuelle Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aufgelistet sind, enthalten, ohne dass er dieser Nennung widersprochen hatte. Sein öffentliches Coming-out hatte Westerwelle jedoch erst im Sommer 2004 durch eine Schlagzeile am 21. Juli in der Bild, nachdem er gemeinsam mit seinem Partner erstmals öffentlich bei einer Feier zum 50. Geburtstag der damaligen CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Angela Merkel auftrat.

Damit war er nach Wowereit (2001) und von Beust (2003) der dritte deutsche Spitzenpolitiker, der vor einer breiteren Öffentlichkeit seine Homosexualität bekannt machte.

 

Am 20. Juni 2014 wurde bekannt, dass Westerwelle an einer akuten Leukämie erkrankt war.[ Die Krankheit wurde zufällig im Rahmen einer Voruntersuchung zu einer Knie-Operation diagnostiziert, die auffällige Veränderungen im Blutbild zeigte. Unmittelbar nach der Diagnose begann Westerwelle eine Chemotherapie im Universitätsklinikum Köln. Seinen ersten öffentlichen Auftritt nach der Krebsdiagnose hatte Westerwelle einen Monat später beim Reitturnier CHIO Aachen. Nach viereinhalb Monaten stationärer Behandlung, bei der auch eine Stammzelltransplantation im September 2014 durchgeführt worden war, wurde Westerwelle im November 2014 aus dem Krankenhaus entlassen.

 

Über diese Zeit veröffentlichte Westerwelle 2015 gemeinsam mit Dominik Wichmann das Buch Zwischen zwei Leben. Zur Vorstellung des Buches absolvierte er im Herbst 2015 zwei Fernsehauftritte und gab dem Spiegel ein ausführliches Interview. Ab Ende November 2015 wurde er erneut stationär im Kölner Universitätsklinikum in Lindenthal behandelt. Dort erlag er am 18. März 2016 den Folgen seiner Krankheit.

 

Das Grab von Guido Westerwelle

Westerwelle wurde am 2. April 2016 nach einer ökumenischen Trauerfeier in der römisch-katholischen Basilika St. Aposteln auf dem Melaten-Friedhof in Köln beigesetzt. Der katholische Prälat Karl Jüsten, wie Westerwelle 1961 in Bad Honnef geboren und seit frühester Kindheit mit ihm bekannt, hielt zusammen mit dem evangelischen Prälaten Martin Dutzmann den Trauergottesdienst. Martin Dutzmann hatte die liturgische Leitung, die Predigt hielt Karl Jüsten.

 

Quelle Text Auszug: https://de.wikipedia.org/wiki/Guido_Westerwelle
Heruntergeladen am 18.03.2021


Wisdorf / Kolvenbach    03 / 2021

Noch keine Informationen vorhanden


Winter Friedrich / Familie    03 / 2021

Vom Thurmbräu zum Brauhaus Winter und zur Richmodis-Brauerei

 

Wenn sich zwei Brauereien zusammenfinden, ist das - besonders in der Bierstadt Köln - noch keine große Sache. So fusionierten im Fall der Richmodis-Brauerei die beiden Traditions-Brauhäuser Thumbrauerei Franz Dünwald und das Brauhaus Friedrich Winter. Das dann dieses Unternehmen von einer dritten, der Privatbrauerei Gaffel übernommen wurde, ist das schon einer genauen historischen Aufarbeitung wert. Besonders, da auch die Privatbrauerei Gaffel über eine lange Tradition verfügt. Dass die Richmodis-Brauerei heute gemeinsam mit der Privatbrauerei Gaffel braut, ist sowohl stadt- als auch bierhistorisch interessant und wert dokumentiert zu werden.

 

Betrachtet man zuerst die historischen Daten des Brauhaus Zum Turm in der Herzogstraße 18, so ergibt sich folgender Sachverhalt:

 

1277 erwirbt der Brauer Theodor de Sligen das Brauhaus auf der Herzogstraße an der Ecke zum Perlenpfuhl gegenüber der Steitzeuggasse von einem Henricus Koch in Erbpacht. Da wir wissen, daß das Braurecht immer an das Haus (die Immobilie) und nicht an die Person gebunden war, ist es sehr wahrscheinlich, daß hier bereits vorher ein Brauhaus bestand.

 

1283 das Haus von Theodor de Sligen gekauft. 1293 erwirbt Thilmann de Sligen (sehr wahrscheinlich der Sohn Theodors de Sligen) das Brauhaus.

1296 Schenkung des Anwesens an das Hl. Geist-Haus (Hospital in der Dompfarre).

1305 die Witwe Elisabeth de Sligen, wiederverheiratet mit dem Kürschner Johann de Cleve, bestätigt die Schenkung.

1319 nimmt Winand de rufo Leone (Vom roten Löwen) das Brauhaus in Erbpacht. Das Haus führt aber weiterhin den Namen Theodor de Sligens.

1420 taucht zum ersten Mal für das Brauhaus (domus braxatoris) des Theodor de Sligen der Hausname Zum Turm auf.

1455 wird Reynart von Vijlke als Pächter des Brauhauses genannt. Eigentümer und Vergeber der Erbleihe ist nach wie vor das Hl. Geist-Haus.

1491 Jacob von Brügge ist jetzt Besitzer des Brauhauses Zum Turm.

1563 wird das Brauhaus Zum Turm im Buch des berühmten Kölner Chronisten Hermann von Weinsberg erwähnt.

 

Soweit die detaillierten Aufzeichnungen in den Schreinsbüchern der Pfarre St. Kolumba. Über eine andere Quelle wissen wir den weiteren Werdegang des Brauhauses Zum Turm in der Herzogstraße. Es ist dies das Kölner Brauer-Kataster, das seit dem Jahre 1838 geführt wird. Hierin werden alle Brauhäuser in Köln mit ihren jeweiligen Besitzern in chronologischer Reihenfolge bis heute Tag geführt. Anschließend die Eintragungen im Kölner Handelsregister. Hier sind die Eintragungen über das Brauhaus Zum Turm (auch Thurmbräu genannt) in der Herzogstr. 18

 

Dünwald, Franz, Brauerei 1908-1918 Errens, Carl, Brauerei (neu gegr.) 1924-1924 Dünwald, F. "Thurmbräu" GmbH 1924-1930 Winter, Friedr. Richmodis-Bräu 1934-1944 Richmodis-Bräu u. Brauhaus Friedr. Winter (neu) 1950-1976 Richmodis-Bräu u. Brauerei Friedrich Winter GmbH & Co. KG. 1976-1881 Richmodis-Bräu vorm. Friedrich Winter GmbH 1981-1997 Richmodis-Bräu GmbH DATO

 

Aus dem Jahre 1921 stammen Informationen von Lambert Macherey in seinem Buch: "Kölner Kneipen im Wandel der Zeit" über das Brauhaus in der Herzogstraße, die etwas von den wirklichen Eintragungen abweichen, den historischen Sachverhalt aber im Kern richtig wiedergeben:

 

Zur Geschichte des Brauhauses Franz Dünwald (Herzogstraße, Ecke Perlenpfuhl). AIs der derzeitige Besitzer Franz Dünwald zum Bau seiner Brauerei schritt, fanden sich bei der Ausschachtung bedeutende, aus römisch-fränkischer Zeit herrührende Mauerreste vor; ebenso stammen auch die Fundamente des Vorderhauses aus frühester Zeit. Die Herzogstraße (platea Ducis) später Herzgensgasse - nach dem dort ansäßig gewesenen Patriziergeschlecht der Herzen zog sich von "vor St. Columba" zur Schildergasse. In der Mitte wurde diese Straße wie noch heute von der "Stritgassen" und dem "perlenpohl", auch Dravergasse genannt, geschnitten. Letztere eine schmale Straße, an der Hoben Straße (damals: Unter Wappensticker) beginnend, hatte in der Mitte eine Kleine Platzbildung, auf welche der "Pütz" (Brunnen) oder "Pfuhl" aber - wie Archivar Fuchs launig schreibt - feine Perlen (Abfall) lagen.

 

Am Schnittpunkt genannter Straßen, an Stelle des jetztigen Hauses Dünwald standen um 1200 zwei Steinhäuser. Hier wohnte Th. de Sligen. Braxator (Brauer), der 1277 das Anwesen von Henerici Coci in Erbpacht nahm und 1278 unter Niederlegung der vorhandenen Scheunen und Nebengebäude ein Brauhaus mit Zubehör errichtete. Im Vorderhause befand sich die Schänke. TH. de Sligen war der 65. Bierbrauer, der vom Rat konzessioniert wurde. Das Geschäft scheint floriert zu haben, denn schon sechs Jahre darauf (1283) erwarb er das Ganze käuflich, um es nach zehn Jahren (1293) an Herrn Graloc, nuntius officialium St. Columba, in Erbleihe zu geben und später (1296) in Form einer Schenkung zugunsten des Stiftes Zum Hl. Geiste demselben ganz zu übertragen. Nach seinem Erstbesitzer hieß das Haus "Zom Slyen" bis, zum ersten Male in einer Urkunde vom Jahre 1455, auch die Bezeichnung "Zo deme Toren" vorkommt. In der Schreinseintragung (Schrein, dem heutigen Kataster entsprechend) von 1485 steht: Haus zo deme Torn, met drey Häuschen gegenüber deme Pötz". Aus diesen Schreinseintragungen geht hervor, daß der Besitz um drei Häuschen, welche auf der Stelle des heutigen Gartens gelegen haben, vergrößert worden war und somit das Areal dem heutigen Besitzstand entsprochen haben dürfte.

 

Dieses ist auch auf dem Stadtplan Mercators von 1571 deutlich erkennbar. Später beschert uns Wilhelm Scheben in seiner Geschichte der Zunft der Brauer mit recht interessanten Angaben bezüglich der Familie Dünwald. 1587: "Ich habe gefunden, daß die meisten, welche sich im Laufe der Zeit dem Brauergewerbe zugewandt haben, vom Lande stammten und bald bei ihrer Aufnahme auch nur der Vorname mit dem Geburtsort eingeschrieben wurde (z.B. Peter van Lennep, Johann van Weydben, Jacob van Meirhem ) Später fiel das Wörtchen van weg und der Ortsname wurde Familienname. So hat "Ruitger Duinwalt sin Ampt und broderschaff gewunnen op St. antonius Dag 1588". Unter den "neue ampttzbrödere" von 1592 - 95 finden sich die Namen von Ludtwich und Heirmann Duinwald (1587), Josep Duinwaldt (1593), Geudert und Joist Duinwaldt (1587). Demnach wäre der mittelalterliche Stamm der Familie des heutigen Besitzers in Dünwald zu suchen, was tatsäch1ich durch Urkunden und heute noch bestehende Verwandtschaften dort und im Zonser Lande Bestätigung findet.

 

Soweit Lambert Macherey und Wilhelm Scheben über die Brauerei in der Herzogstraße, die sich dann mit dem Brauhaus Winter zum Richmodis-Bräu zusammenfinden sollte. Auch bei dieser beginnt die Geschichte des Hauses mit den Eintragungen in den Schreinsbüchern: Schildergasse II - südlich zwischen St. Agatha und Antonsgasse. Aus diesen Angaben geht hervor, daß an dieser Stelle bereits im Jahre 1398 ein Brauhaus gewesen sein muß, das "Zu Parijs" hieß und im Besitz des Klosters Weiher und danach des Klosters von St. Mauritius. Seit dem Jahre 1441 heißt es allerdings: vormals ein Brauhaus. Danach findet man in den Schreinsbüchern keine Eintragung mehr zu dem Haus (Nr. 37). Auch bei Wilhelm Scheben findet man in den Jahren bis zum Jahre 1888 keine Hinweise auf die Brauerei in der Schildergasse. Doch das Brauerkataster gibt hier schon eher Auskunft:

 

Winter, Friedrich. Brauer, Schildergasse 37 1877-1891 Winter, Friedrich Brauhaus Lindenthal (vorher Johannisstraße) 1891-1893 Brauhaus Friedrich Winter, Classen-Kappelmann-Str. 26/28 (79a) 1893-1968

 

Doch prüfen wir auch hier, was Lambert Macherey im Jahre 1921 zum Brauhaus Friedrich Winter schreibt: Das Brauhaus Friedrich Winter in Köln-Lindenthal (Jetziger Inhaber: Paul Jos. Winter) hat sich im Laufe weniger Jahrzehnte aus einer Kölner Heimbrauerei zu einer der leistungsfähigsten Großbrauereien Westdeutschlands entwickelt. Der Gründer Friedrich Winter übernahm zunächst 1874 das Ursulsbräu (Jetzt "Birrebäumche") und kaufte 1877 das Stammhaus Winter an der Schildergasse. Im gleichen Jahre erwarb er in Köln-Lindenthal große Lagerkeller in der Classen-Kappelmann-Straße, wo er dann 1887 eine jetzt mit allen neuzeitlichen Einrichtungen versehene Großbrauerei erbaute, die wiederholt Vergrößerungen und Erweiterungen erfuhr. Der Ruf ihrer Biere sicherte ihr einen überaus starken Absatz. Nach dem Tode des Gründers 1913 übernahm der älteste Sohn Paul Joseph Winter den Brauereibetrieb, der unter seiner Tatkräftigen Leitung einen weiteren Aufschwung erlebte. - Soweit Lambert Macherey aus dem Jahre 1921. Nach dem Umzug der Brauerei von der Schildergasse nach Lindenthal diente das Brauhaus auf der Schildergasse ausschließlich als Gaststätte. Es entwickelte sich im Laufe der Jahre zu dem führenden Brauhaus in Köln.

 

Im Jahre 1920 rückte das Brauhaus Winter sogar ins Blickfeld der internationalen Kunstszene, als hier die heute berühmten Maler Arp, Johannes T. Baargeld, Max Ernst und Hoerle zum ersten Mal ihre avantgardistische Kunstrichtung DADA ausstellten. Man hatte sich von Seiten des Brauhauses bewußt engagiert und somit einen nicht unbedeutenden Beitrag zum Durchbruch der modernen Kunst geleistet. Dank dieser Toleranz und dem großen Mut der Familie Winter, einer neuen revolutionären Kunstrichtung ihre Brauhaus-Räume zur Verfügung zu stellen, konnten Künstler wie der später weltberühmt gewordene Max Ernst zum ersten Mal an die Öffentlichkeit treten. Der späte Lohn dafür ist eine anerkennende Erwähnung in jedem kunstgeschichtlichen Werk der Gegenwart.

 

 

Auch das Brauhaus Winter auf der Schildergasse wurde im Zweiten Weltkrieg ebenso wie die Brauerei in Köln-Lindenthal, durch Bomben zerstört. Die Brauerei und das Brauhaus wurden als solche nicht wieder aufgebaut, die Brauaktivitäten wurden in die Herzogstraße 18 verlegt, wo sie dann bis zur Auslagerung nach Köln-Porz verblieben. Das Firmengebäude in der Innenstadt wurde bis auf das denkmalgeschützte Sudhaus abgerissen und in ein Geschäftshaus mit Hotel umgebaut. Damit verschwand ein Stück der jahrhundertealten Kölner Brautradition aus der Stadt und lebt heute nur noch in diesen Zeilen weiter. (FM)

 

Quelle Text: https://www.koelner-brauerei-verband.de/historie/historische-koelsche-brauhaeuser/vom-thurmbraeu-zum-brauhaus-winter-und-zur-richmodis-brauerei.html
https://www.koelner-brauerei-verband.de/fileadmin/user_upload/images_historie/d09-richmodis.jpg


Winters Johann Christoph    04 / 2021

Johann Christoph Winters (* 23. November 1772 in Bonn; † 5. August 1862 in Köln) war ein Schneider aus Bonn und der Begründer des Hänneschen-Theater in Köln.

 

Leben

Johann Christoph Winters erlernte das Schneiderhandwerk in Bonn und erhielt am 24. Juli 1798 den Gesellenbrief. Seine Wanderjahre als Schneidergeselle führten ihn nach Antwerpen, wo er das flämische Puppenspiel kennenlernte. Um die Jahrhundertwende kam er nach Köln. Dort heiratete er am 22. Juni 1800 Elisabeth Thierry („Lisette“ genannt), die Tochter eines Kölner Kaufmanns. In Köln sesshaft geworden, finanzierte Johann Christoph Winters seinen Lebensunterhalt in den Sommermonaten mit Maler- und Anstreicherarbeiten. In den Wintermonaten versuchte sich Winters im Puppenspiel für kleine Kinder.

 

Im Jahre 1803 beantragte Johann Christoph Winters beim Kölner Maire (Oberbürgermeister) Johann Jakob von Wittgenstein die Erlaubnis „ein Krippenspiel für kleine Kinder anzustellen“. Er hoffte so „wegen Abgang anderen Verdienstes hiermit auf redliche Art sein Brot zu gewinnen“ und berief sich dabei auf eine Vorjahresgenehmigung. Folglich wird die Gründung des Hänneschen-Theaters auf das Jahr 1802 datiert. Da die Konzession nur für einen Winter gewährt wurde, stellte Winters jeden Winter erneut einen Antrag auf Spielgenehmigung.

 

„...habe ich ein schönes eingerichtetes Bobbenspiel, welches allen Menschen wohl gefällt, weil ich auf keine einzige verführerische Art, kein Mensch mit meinem Spiel, beleidige, weil ich vor alle unartige anständt besorget bin, denn mein Spielhaus ist wohl mit Licht versehen und auch zwei aufmerksamen Männern, welche gute Subordination beibehalten. Dieses Spiel ist eine gute Erfindung für mich, weil ich in dem betrübeten Winter meine Frau samet der drey Kinderen nothdürftig ernähren kann. Übrig ist davon nichts, da der Eingang nur ein Stüber ist.“

– Johann Christoph Winters: Aus einem Antragsschreiben

 

Das erste feste Haus als Spielstätte für sein Stockpuppentheater bezog er 1804 in der Mauthgasse in der Kölner Altstadt. In den nachfolgenden Jahren wechselten die Spielstätten häufig, vornehmlich zwischen Pferdeställen und Lagerräumen, blieb jedoch stets im Bereich der Kölner Altstadt und wurde nie zur Wanderbühne.

 

Winters hatte trotz häufig wechselnder Spielstätten von Anfang an Erfolg. In den 1820er Jahren wurden Stücke wie

Die Wahl oder der neue Bürgermeister,

Die Kunst, alte Weiber jung zu machen,

Der Rülbs oder der betrunkene Bauer,

Die Belagerung der Marienburg oder

Der Jud im Weinfass aufgeführt.

 

Johann Christoph Winters griff mit seinem Spiel die tagesaktuellen Ereignisse mit parodierendem Spott nach dem Motto: „Wat morgens passeet kütt ovends op et Tapeet“ auf.

 

Mit wachsender Beliebtheit des Theaters wuchs auch die Akzeptanz in den Kreisen des Kölner Bildungsbürgertums; so haben der Kunstsammler Matthias Joseph de Noël und der Universitätsdirektor Ferdinand Franz Wallraf auch Stücke für das Theater geschrieben.

 

Johann Christoph Winters schuf für seine Geschichten zahlreiche Charaktere, wobei Tünnes und Schäl heute zu den Kölschen Originalen gehören. Während die Figur des Tünnes bereits seit 1803 zum Ensemble des Theaters gehört, ist die Figur des Schäl erst seit den 1850er Jahren Teil des Hänneschen-Theater. Die Figur des Schäl ist wohl als Persiflage auf den innerstädtischen Puppenspielkonkurrenten von der Schäl Sick Franz Andreas Millewitsch entstanden, der 1843 in Deutz ebenfalls ein Puppentheater eröffnete. Trotz der abweichenden Schreibweise handelt es sich bei diesem um einen direkten Vorfahren des bekannten Volksschauspielers Willy Millowitsch. Das Hänneschen, das zunächst nur als Intermezzo-Figur in den Krippenspielen auftrat, gilt heute als Protagonist und Identifikationsfigur des Theaters. Johann Christoph Winters und seine Frau Lisette spielten die Charaktere der Großeltern Besteva und Bestemo selbst. Winters pries selbst das in der Kölner Bevölkerung beliebte Volkstheater als Kölsches Nationatheater an.

 

Seit dem ersten Kölner Rosenmontagszug 1823 ist das Ensemble des Hänneschen-Theater dem Karneval eng verbunden, sowohl beim Karnevalszug selber als auch in der alljährlichen Puppensitzung, einer Persiflage auf den Sitzungskarneval.

 

Obwohl sich das Hänneschen-Theater in der Kölner Bevölkerung großer Beliebtheit erfreute, lebte Johann Christoph Winters und seine Frau in ärmlichen Verhältnissen und nahmen an den jährlichen Armenspeisungen des Bürger-Comitees teil. Johann Christoph Winters starb am 5. August 1862 und wurde in einem Armengrab auf dem Kölner Melaten-Friedhof beerdigt.

 

Nach dem Tode Winters, führte zunächst der Steinhauer Peter Josef Klotz (* 1830 in Mainz), der seit 19. September 1849 mit einer Enkelin Winters verheiratet war, das Theater weiter. Als Peter Josef Klotz im selben Jahr starb setzte seine Witwe den Spielbetrieb an wechselnden Spielorten weiter fort. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Hänneschen-Theater fester Bestandteil des Kölner Kulturlebens; zahlreiche Industrielle, wie Max von Guilleaume unterstützten die Puppenbühne großzügig mit finanziellen Zuwendungen. Unter der Schirmherrschaft des Kölner Oberbürgermeisters Max Wallraf und mit Unterstützung durch die Geschichtsvereine Heimatverein Alt-Köln und den Kölnischen Geschichtsverein wurde 1912 ein Ausschuss zur Förderung des Hänneschen-Theaters gegründet. Im Oktober 1913 konnte mit Hilfe der Unterstützung des Ausschusses und der Vereine zwei Stücke von Wilhelm Räderscheidt – Et Gespens beim Mählwurms Pitter und Hännesje on d´r Duud aufgeführt werden. Nach dem Tode des letzten Familienmitgliedes im Jahre 1919 wurde das Theater geschlossen.

 

Auf Bestreben von Konrad Adenauer und Carl Niessen gründete sich 1925 eine Kommission zur Wiederbelebung der Kölner Puppenspiele, dank der am 9. Oktober 1926 das Theater unter der Trägerschaft der Stadt als Puppenspiele der Stadt Köln, im Rubenshaus, in der Sternengasse 10 wieder eröffnet wurde. In diesem Haus verbrachte der Maler Peter Paul Rubens seine Kindheit und im Jahre 1642 verstarb dort die französische Ex-Königin Maria von Medici. Seit dem 29. Juli 1938 befindet sich das Hänneschen-Theater, mit einigen Unterbrechungen in der Kriegs- und Nachkriegszeit, am Eisenmarkt in der Kölner Altstadt.

 

Im Oktober 1991 wurde der Kölner Schule für Kinder- und Jugendliche mit somatischen und psychischen Erkrankungen, im Beisein des Oberbürgermeisters Norbert Burger, der Name „Johann-Christoph-Winters-Schule“ verliehen. Auf Initiative von Wolfgang Oelsner dem damaligen Direktor schuf, anlässlich des 200-jährigen Bestehens des Hänneschen-Theater im Jahre 2002, der Bildhauer Stefan Kaiser (* 1956) ein Gedenkmal Johann Christoph Winters auf dem Kölner Melaten-Friedhof.

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Christoph_Winters

 

Heruntergeladen am 07.04.2021


X


Y


Z

Zims "Heimat kölscher Helden"    10 / 2020

Familie Zims

Die Gaststätte "Zum Sankt Peter" Heumarkt 77 50667 Köln, wurde 1920 von Johann Zims erworben. Später als "Haus Zims" und heute als "Gilden im Zims" genannt.

Drehen wir die Uhren um 850 Jahre zurück. Anno 1163 datiert die erste Erwähnung des Haus Nr. 77 am Heumarkt als „Minnefusshaus“. Der historischen Überlieferung nach hieß das Haus 1351 „Zabelbank“. Rund 400 Jahre später, anno 1568, lässt Ratsherr Wilhelm Peter Terlaen von Lennep das Haus „Zum Sankt Peter“ mit der prächtigen Fassade neu errichten.

1920 erwirbt Johann Zims das Gebäude und eröffnet eine Gaststätte. Schnell erfreut sie sich großer Beliebtheit. Die Zäsur kommt 1943: Nächtliche Luftangriffe zerstören das Haus. Es brennt vollkommen aus, nur die Fassade hält Stand. Die Familie Zims flüchtet in den Tiefkeller – und wird verschüttet. Nach Tagen des Wartens wirft Johann Zims eine Münze in den Kellerbrunnen. Er hat nur einen Wunsch: die Rettung seiner Liebsten.

Das Wunder geschieht: Alle werden geschwächt, aber unverletzt geborgen. Der Wunschbrunnen aber, wie er genannt wird, kann noch heute im Keller bewundert werden. Voller Elan baut die Familie das Haus 1946 wieder auf. Die Gäste lassen nicht lange auf sich warten. Zum berühmten Radrennfahrer Hans Zims, dem „König der Nächte“, gesellen sich viele Sportler. So wird das Haus Zims in den 1950er Jahren zum „Treffpunkt des Sports“.

Zurück in die Gegenwart: 2006 baut Enkelsohn Hans-Willi Zims das Gasthaus um. Bei der Modernisierung soll im Keller Platz für ein größeres Kühlhaus geschaffen werden. So stößt er auf die vergessenen, beim Wiederaufbau zugeschütteten Gewölbekeller, deren Fundamente in die Römerzeit zurückreichen. Die Restaurierung dauert fast drei Jahre.

Seit dem 24. November 2009 ist das neue Gilden im Zims eröffnet. Auf vier Ebenen und zwei Terrassen finden bis zu 1.000 Personen in einem modernen, aber typisch kölschen Brauhaus Platz. In der „Heimat kölscher Helden“ können Gäste zudem noch einiges über Kölner Originale erfahren.

Das Brauhaus Gilden im Zims befindet sich teilweise auf historischem Mauerwerk aus der Römerzeit, sieben Meter unter dem Niveau des heutigen Heumarkts. Die freigelegten Wände, mit Wandstärken bis zu 1,80 Meter und unterschiedlichen Mauerwerksverbanden, bestehen größtenteils aus Basaltlava, gebrannten Mauerziegeln und Granitgestein. Teilweise noch aktive Brunnen wurden im Zuge umfassender Umbaumaßnahmen von 2006 bis 2009 restauriert. Das Haus ist eine Station des historischen Kölner Brauhauswanderwegs. Als Außenstelle des Kölner Karnevalsmuseums beherbergt das Gebäude eine karnevalistische Dauerausstellung.

Quelle: https://gilden-im-zims.de/de/home/historie und https://de.wikipedia.org/wiki/Gilden_im_Zims