Melaten - Friedhof Köln, Namen   M  -  S


Die Stätte „Melaten“ wird 1180 erstmals urkundlich erwähnt. Mit Sicherheit schon länger befindet sich hier eine Leprosenunterkunft. Um das Umgreifen dieser höchst ansteckenden bakteriellen Erkrankung zu verhindern, werden die Leprakranken außerhalb der Städte ohne Ansehen von Stand und Vermögen in abgeschottete Unterkünfte eingewiesen. So auch in Köln. Der Begriff „Melaten“ leitet sich vom Französischen „Malade“, also „Krank“ ab. Direkt benachbart liegt eine der Haupthinrichtungsstätten Kölns, die auch durch die Verbrennung von Protestanten und angeblichen Hexen traurige Berühmtheit erlangt. 1767 wird das Leprosenheim aufgelöst und als Landgut weiter geführt.Als Köln 1794 von den napoleonischen Truppen besetzt und in den französischen Staat integriert wird, wird auch das Friedhofswesen reformiert. Laut „Kaiserlichem Dekret über die Begräbnisse“ vom 12. Juni 1804 dürfen Tote nicht mehr innerhalb der Stadtmauern, also in Kirchen und auf Kirchhöfen beerdigt werden. Ferner wird den Kirchen das Beerdigungswesen entzogen und geht auf die Munizipalität über. An der Chaussee nach Aachen wird ein geeignetes, rd. 3 ha großes Grundstück für die Anlage eines Friedhofs gefunden. Der Universalgelehrte Ferdinand Franz Wallraf übernimmt die Planung.Der zunächst rein katholische Friedhof kann am 29. Juni 1810 geweiht werden. Die 1474 errichtete Kapelle des ehemaligen Leprosenheims wird als Friedhofskapelle übernommen. Wallraf entwirft auch die Mauer und das Friedhofsportal, dessen Gestaltung dem monumentalen französischen Revolutionsklassizismus entlehnt ist. In Folge des Wiener Kongresses fällt Köln 1815 an Preußen. 1829 wird der Friedhof auch für Protestanten geöffnet. Das bedingt 1831/32 die erste Erweiterung auf mehr als die doppelte Fläche. Mit dem Bevölkerungswachstum im Zuge von Industrialisierung und Eingemeindungen wird Melaten in mehreren Schritten erweitert. Während die neuen Teile bis 1874 additiv an den jeweiligen Bestand angefügt werden, erfolgt die fünfte Erweiterung von 1884-87 nach einem großzügigen Plan auf fast die doppelte Fläche. Im Mittelteil wird eine zweite Hauptachse von Nord nach Süd hippodromförmig aufgeweitet und schafft hier Platz für exklusive Grabstätten. Diese Nord-Süd-Achse bildet mit der Ost-West-Achse, die nach Westen verlängert wird, einen Kreuzungspunkt, sodass auch hier auf der sog. „Millionenallee“ prunkvolle Grabanlagen entstehen. Im Zweiten Weltkrieg wird Melaten durch unzählige Bomben zerstört. Um die Kriegs- und Nachkriegstoten beerdigen zu können, werden 1948 und 1956 weitere Grabfluren an den Rändern angelegt. Der Haupteingang wird zur Piusstraße und damit an den Anfangspunkt der „Millionenallee“ verlegt. Hier entsteht die großzügige, qualitätsvolle Neue Trauerhalle des Architekten Fritz Schaller.

(Autor: Gerd Bermbach)

 

Quelle: https://www.wo-sie-ruhen.de/friedhoefe?stadt=24&friedhof=27


M

Meistermann Georg,  04 / 2021

Jubilierende Formen, Farben und Lichtklänge

Kleine Einführung in Leben und Werk von Georg Meistermann

          

Die führende Bedeutung von Georg Meistermann (1911-1990) in der internationalen Kunstgeschichte der Glasmalerei ist unumstritten. Hinsichtlich der Kunst des 20. Jahr-hunderts gilt er weltweit als herausragender Glasmaler. Für die Zeit nach 1945 hat er wie kein anderer die Entwicklungen und Leistungen der Glaskunst geprägt. In den USA spricht man vom „german-Meistermann-style“ und in Frankreich nennt man ihn schlicht den „maître de cologne“.

 

Jedoch nicht nur in der gläsernen Kunst, sondern ebenso in der Malerei, Zeichnung und Druckgraphik hat sich Meistermann einen großen Namen gemacht. Ihm und seinem Schaffen ist es mit zu verdanken, dass Deutschland nach dem 2. Weltkrieg wieder Anschluss an die internationale Kunstentwicklung gefunden hat.

 

Dazu kommen seine Verdienste als langjähriger Künstlerbundpräsident und seine viel beachteten wie gefürchteten, wirkungsmächtigen Diskussionsbeiträge als Intellektueller, Kritiker und Streiter in Sachen Kunst, Kultur, Kirche, Menschen-Bild, Gesellschaft und Politik.

 

Noch „vor Joseph Beuys und Klaus Staeck“ zählt der 1911 in Solingen geborene und seit 1949 in Köln lebende Künstler, so der führende deutsche Kunstkritiker Eduard Beaucamp von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „zum raren Potential an Widerspruchsgeist, streitbaren, ja zornigen Moralismus in der deutschen Nachkriegskunst“. Kultur-Staatsminister Julian Nida-Rümelin würdigte anlässlich der Wittlicher Meistermann-Gedächtnisausstellung 2001 den Künstler mit den Worten: „ ... wird uns Meistermann im Gedächtnis bleiben. Ihm und seinem Werk weiß sich die Bundesrepublik Deutschland zu Dank verpflichtet.“

 

„Das Leben des Menschen ist eingehüllt in Farbe.“ So lautet die zentrale künstlerische und kunstphilosophische Erkenntnis von Meistermann. Dieser Grundsatz war gleichzeitig sein künstlerisches Programm. Die Farben mischt sich der Mensch selbst; das Licht hingegen kommt von Gott. Erst das Licht bringt die Farben zum Leben. Das Leuchten der Farben gebiert sich aus dem dialogischen Kräfte-Zusammenspiel von Gott und Mensch.

 

Meistermanns Kunst ist ohne seine tief religiöse, christliche Identität nicht zu verstehen. In all seiner Sinnlichkeit und Leidenschaft war er ein überzeugter rheinländischer Katholik. Das heißt: gegen jede dogmatische Ideologie und für eine schöpferische Lebensfreude, die von Phantasie, Liebe und Spiritualität durchdrungen war. Sein heiß beseelter Glaube an Gott ließ ihn angesichts der Realitäten und der Praxis der Amts-Kirche oft verzweifeln. Mit ebenso hoch temperiertem, heftigen Zorn stellte er unmissverständlich klar: „Ich mache Propaganda für den christlichen Glauben, ich mache ganz sicher keine Propaganda für die Kirche“.

 

Neben seinen freien ölmalerischen und graphischen Werken für den profanen Bereich arbeitete der gläubige Katholik Meistermann mit großer Leidenschaft als künstlerisch moderner Bildtheologe für den sakralen Raum. Mit jubilierenden Farben und kühnen Entwürfen wollte er die Gnade Gottes preisen – stets auf der Suche nach formsprachlichen Lösungen zu Verherrlichung des Schöpfers.

 

So schuf er in seinen Werken eine „mystisch-beseelte Bilderwelt“, in denen konturierende Lienen, lichte Farben und abstrakte Formen zu Bekenntnisformeln einer göttlichen Heilsgewissheit und einer unerschütterlichen Glaubenssicherheit wurden.

 

              

Das zentrale Motiv in der Kunst von Meistermann ist das Raum und Zeit überwindende Schweben der Farbe und Bild-Figur, das regenbogenhaft angelegte Spektrum des Kolorits und der energetische Strich der kraftfeldartigen Liniengebilde. Malerisch dynamische und linear konstruktive Elemente durchdringen einander und stehen in einer subtil austarierten Balance.

 

Dabei werden sowohl gegenständliche als auch ungegenständliche Bildmotive verwendet. Je nach Themenstellung dominieren historische, literarische Figuren oder abstrakte, chiffrenhafte Gewebeformationen das im ständigen Fluss befindliche bildnerische Geschehen. Gerade die zuletzt genannten Erscheinungsformen versuchen den gerahmten, umschlossenen Bildraum imaginär mit unter anderem mäander- oder strahlengleichen Bewegungsimpulsen ins Unendliche zu überwinden, zu öffnen und zu übersteigen.

 

Die Imagination des Nicht-Darstellbaren, das Geheimnis des Unaussprechlichen und eine vage verspürbare Transzendenz verschmelzen in seinen Werken mit jubilierenden Formen, Farben und Lichtklängen zeichenhaft miteinander. Die Fenster Meistermanns werden nicht nur durch ein fernes Licht illuminiert, sondern sie wirken auch umgekehrt wie ein „Fern-Seher“, der unsere Sinne mit neuen „Licht-Blicken“ in eine unbekannte weite Ferne lenken will.

 

Für rund 250 Orte in Deutschland und Europa schuf er über 1000 dieser „Licht-Bilder“ aus Glas. Seine gläsernen „Farb-, Formen- und Linienspiele“ zieren – sowohl in traditionell ikonographischer als auch in abstrahierender Formensprache – mehr als 70 Kirchen und sind dabei Appell, Zeugnis und Postulat zugleich, den Blick von den wechselnden „horizontalen Variablen“ auf die „vertikalen, göttlichen Konstanten“ zu lenken.

 

Über mehr als 40 Meistermann’sche Glasfenster (unter anderem in der Pfarrkirche Sankt Markus und im Alten Rathaus, dort den Fensterzyklus der Vier Apokalyptischen Reiter) verfügt die kleine Eifel-Mosel-Kreisstadt Wittlich. Sie beheimatete auch von 1994 bis 2010 das „Georg-Meistermann-Museum“ mit einem kleinen, repräsentativen Meistermann-Nachlass. Außerdem verfügt sie über eine „Georg-Meistermann-Grundschule“ und alle zwei Jahre verleiht die Stiftung Stadt Wittlich einen „Georg-Meistermann-Preis“.

 

Nach über drei Jahren heftiger öffentlicher Auseinandersetzungen mit der Stadt Wittlich, im Zusammenhang mit der städtischen Jubiläumsausstellung zu Ehren und Würdigung des NS-Künstlers und NSDAP-Parteimitglieds Hanns Scherl (1910-2001), entzog im April 2010 die Meistermann-Familie der Stadt Wittlich nach 16 Jahren Nutzung das Namensrecht für das Georg-Meistermannn-Museum.

 

Die für Wittlich geschaffenen „Apokalyptischen Reiter“ (1954) erinnern in ihrer Motivik an das Grauen des Krieges. In bewusster Auseinandersetzung mit der NS-Zeit schuf damit Meistermann ein Mahnmal gegen jeden fanatischen, politischen Macht-Missbrauch. Unermüdlich forderte er eine verantwortungsbewusste, demokratische und das Individuum stärkende Haltung von Politik und Gesellschaft.

 

Meistermann selbst war in der Zeit des Nationalsozialismus als „entarteter Künstler“ verfemt. Die Erfahrung der eigenen Unterdrückung während dieser Zeit (unter anderem verordneter Studienabbruch, Ausstellungsbehinderungen, Zerstörung zahlreicher früher Bilder) haben ihn ein Leben lang geprägt. Sie veranlassten ihn, politische Prozesse im Nachkriegsdeutschland mit höchster, kritischer Aufmerksamkeit zu verfolgen und Demokratiedefizite und gesellschaftspolitische Fehlentwicklungen in scharfer Form zu benennen.

                                           

Auf gesellschaftspolitischer Ebene forderte er die Kunstschaffenden und Verantwortlichen in Staat, Kirche und Gesellschaft unnachgiebig auf, ihren Beitrag für eine humanere Zivilisation zu leisten. Vor dem Hintergrund der Folgen um die Auseinandersetzungen mit der Scherl-Ausstellung lassen sich die vier Apokalyptischen Reiter im ehemaligen Wittlicher Meistermann-Museum auch als ein aktuelles Meistermann’sches Menetekel zur zeitgenössischen Problematik im Umgang mit der NS-Vergangenheit deuten.

 

Quelle Text: http://www.meistermann-gesellschaft.de/html/georg_meistermann.html

 

Heruntergeladen am 10.04.2021


Millowitsch Willy,  03 / 2021

Willy Millowitsch (* 8. Januar 1909 in Köln; † 20. September 1999 ebenda) war ein deutscher Theaterschauspieler und der bekannteste Kölner Volksschauspieler. Er war Leiter des privaten Kölner Millowitsch-Theaters.

 

 

Anfänge

Willy Millowitsch stammte aus einer alten Schauspielerdynastie. Seine Eltern waren der in Düsseldorf geborene Schauspieler Peter Wilhelm Millowitsch (1880–1945) und dessen Ehefrau, die Wienerin Käthe Plank (1881–1942). Seine Tante war die Schauspielerin und Sängerin Cordy Millowitsch. Schon als Kind hatte er sich mehr für das väterliche Theater interessiert als für die Schule. Bereits 1922 wechselte er ohne Schulabschluss in den Schauspielerberuf. 1940 übernahm er die Leitung der väterlichen Bühne. Dabei war er sehr oft als Regisseur und Hauptdarsteller tätig. 1939 heiratete Willy Millowitsch Linny Lüttgen; die Ehe wurde später geschieden.

 

Die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges hatten das Millowitsch-Theater an der Aachener Straße in Köln nur wenig beschädigt. So wurde der Spielbetrieb auf Wunsch des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer bereits im Oktober 1945 wiederaufgenommen, und bis ins Jahr 1949 fanden täglich Vorstellungen statt. Über viele Jahre leitete Millowitsch das Haus mit seiner Schwester Lucy Millowitsch, mit der er auch jahrzehntelang gemeinsam auf der Bühne stand. Die Geschwister galten als Idealbesetzung, wenn es darum ging, temperamentvolle Paare darzustellen.

 

Am 28. September 1946 heiratete Millowitsch Gerda Feldhoff; sie bekamen vier Kinder: Katarina, Peter, Susanne und Mariele. Bis auf Susanne haben die Kinder das Interesse an der Schauspielerei geerbt; Peter Millowitsch übernahm 1998 die Leitung des Theaters, bis er es am 25. März 2018 aus wirtschaftlichen und Altersgründen schließen musste.

 

Schauspieler

Ab 1949 wirkte er in zahlreichen Kinofilmen mit; der erste war Gesucht wird Majora, der am 2. September 1949 in die Kinos kam. In der Folge trat er in den unterschiedlichsten Filmrollen auf. Seine über 125 Filme (bis 1996) und Fernsehrollen sorgten für zusätzliches Einkommen im Hinblick auf die eher schwankenden wirtschaftlichen Erfolge seines Theaters. Zu den Kinofilmen gehörten insbesondere Drei Mann auf einem Pferd (1957), Zwei Herzen im Mai (1958), Scampolo mit Romy Schneider (1958) sowie in Zum Teufel mit der Penne (1968) als Vater von Hansi Kraus und als Nebendarsteller in der Hollywood-Produktion Hilfe, die Amis kommen an der Seite von Chevy Chase (1985). Seine bekannteste Fernsehrolle war die des Kommissar Klefisch im WDR-Fernsehen ab 7. Januar 1990, die in sechs Folgen bis zum 7. Januar 1996 ausgestrahlt wurde.

 

Die erste deutsche Live-Übertragung eines Theaterstücks erfolgte am 19. Oktober 1953 mit dem Etappenhasen, einem Stück des niederdeutschen Dichters Karl Bunje, in dem Willy Millowitsch die Hauptrolle spielte. Diese Aufführung machte sein Theater überregional bekannt. In den folgenden Jahrzehnten übertrug das Fernsehen zahlreiche Lustspiele aus seinem Hause. Diese wurden zu regelrechten Straßenfegern, was auch an seiner Bühnenpartnerin Elsa Scholten lag, die bereits seit 1920 zum Ensemble des Theaters gehörte. Am 14. September 1968 erlebte man Millowitsch im Rahmen der ARD-Fernsehlotterie in einer Gastrolle auf der Bühne des Ohnsorg-Theaters in Hamburg. Dort spielte er unter der Regie von Hans Mahler den Amtsrichter Dr. Kleinfisch in der Komödie Die Kartenlegerin.

 

Millowitsch unterhielt sein Publikum mit zahllosen von ihm selbst entworfenen und oft vom Fernsehen – dann meist unter der Regie seines Theaterfreundes Karl Wesseler – aufgezeichneten Bühnenstücken über vierzig Jahre lang, oft zusammen mit seiner Schwester und seinen Kindern. Wie er in einem Interview sagte, konnte er allerdings selbst keine Stücke schreiben, was er sehr bedauerte.

 

Millowitsch versuchte sich auch als Schlagersänger. Bei Ariola erhielt er 1960 einen Schallplattenvertrag. Sein erster Titel dort war Wenn dieses Lied ein Schlager wird. Es folgte wenige Monate später sein erster Titel über Alkohol Heut‘ sind wir blau. Sein größter Hit war das Karnevals- und Stimmungslied Schnaps, das war sein letztes Wort vom November 1960, das mehr als 900.000 Mal verkauft wurde. Weitere erfolgreiche Lieder waren Das Herz von Köln (1961), Die Liebe ist vergänglich (1961), Wir sind alle kleine Sünderlein (1964), Heidewitzka, Herr Kapitän (1979) und In meiner Badewanne bin ich Kapitän (1982).

 

Jahrzehntelang gehörte er im Rheinland zu den erfolgreichsten Interpreten von Karnevalsliedern. Bis heute ist das Lied Ich bin ene kölsche Jung von Fritz Weber mit seinem Namen verbunden. 1979 sang er mit Heidi Kabel Der will was von mir, die deutsche Version des Popsongs Stumblin'in von Chris Norman und Suzi Quatro; Peter Orloff übernahm die Produktion der Single.

 

Tod

 

Grabstätte der Familie Millowitsch, Melaten-Friedhof Köln

Willy Millowitsch starb am 20. September 1999 im Kölner St.-Elisabeth-Krankenhaus (Hohenlind) an Herzversagen. Am 25. September 1999 wurde er auf dem Melaten-Friedhof in Köln beigesetzt.[4] Die Totenmesse wurde von Weihbischof Friedhelm Hofmann im Kölner Dom gehalten, was sonst fast ausschließlich kirchlichen Würdenträgern vorbehalten ist. Zum Auszug des Sarges spielte der damalige Domorganist Clemens Ganz eine Improvisation in Moll über sein erfolgreiches Lied Ich bin ene kölsche Jung. Der Trauerzug über Neumarkt und Aachener Straße bis zum Friedhof wurde vom WDR-Fernsehen live übertragen. Sein Nachlass befindet sich heute in der Theaterwissenschaftlichen Sammlung Köln.

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Willy_Millowitsch

Heruntergeladen am 27.03.2021

 


Moest Josef,  05 / 2020

Die Grablegung

Das Grabmal von Josef Moest trägt den Titel
"Die Grablegung". Der Entwurf stammt wahrscheinlich von Moest selbst und entstand 1912. In der Literatur wird es meist als "Pietà" bezeichnet.

 

Das Motiv der Pietà ist in der Bildhauerkunst seit dem frühen 14. Jahrhundert gebräuchlich und wird von der älteren Forschung in Verbindung mit der Entstehung des Andachtsbildes gebracht. Der frömmigkeitsgeschichtliche Ursprung ist in der verstärkten Hinwendung zum Leiden Christi am Kreuz und des Mitleidens seiner Mutter mit ihrem Sohn zu sehen. Der formale Ursprung der Vesperbilder in mehrfigurigen Beweinungsdarstellungen wird immer wieder behauptet, ist aber nicht bewiesen. Die Pietà zählt zu den bekanntesten ikonographischen Darstellungen des Mittelalters.

Auffallend an dieser Pietà ist der ausgezehrte Leib des Toten. Hat der Künstler mit den Augen eines Totkranken gesehen?
"Bereits 2 Jahre vor seinem Tod 1914 hatte Moest einen Entwurf für das eigene Grabmal gefertigt, dessen Darstellung eines ausgezehrten Toten auf merkwürdige Weise an seine Zeichnungen aus Jugendtagen erinnert"

1956 gestaltete der Bonner Bildhauer W.H.P. Simon nach diesem Entwurf die Grabplastik auf dem Grab Moest. Vermutlich sind außer ihm selbst, seine Schwester und deren Sohn bestattet. Heute ist die Grabstelle in Patenschaft übernommen, die Familie Moest ist ausgestorben.

Quelle Text teilweise: https://de.wikipedia.org/wiki/Piet%C3%A0


N


O

Oelbermann Laura und Emil,  03 / 2021

Laura von Oelbermann

 

Laura von Oelbermann, geb. Nickel (* 18. Mai 1846 in Köln; † 3. Juni 1929 ebenda) war eine Kölner Mäzenin und Stifterin von karitativen, protestantischen Einrichtungen insbesondere für Kinder, junge Frauen, Witwen und Kranken. Die von ihr ins Leben gerufenen Stiftungen setzen sich bis heute für die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen ein. Als Anerkennung für ihr soziales Engagement wurde Laura Oelbermann als eine der letzte Personen am 15. August 1918 von Kaiser Wilhelm II. in den Adelsstand erhoben.

 

Leben und Wirken

Laura Nickel wurde in Köln als Tochter eines Bürstenwarenhändlers geboren. Sie besuchte in Köln das Lyzeum der evangelischen Gemeinde an der Antoniterkirche. Im Jahr 1868 heiratete sie den Textilkaufmann Emil Oelbermann, der als Teilhaber der Seidenwarenfabrik Otto Andreae in Mülheim seit Ende der 1850er Jahre in New York und Chicago als Kommissionär arbeitete und lebte. Laura Oelbermann zog mit ihrem Mann nach New York, wo auch drei ihrer fünf Söhne zur Welt kamen.

 

Im Jahr 1878 kehrte die Familie, die in Amerika einen beträchtlichen Reichtum erlangte, nach Köln zurück. In Ermangelung eines angemessenen Wohnhauses residierte die Familie zunächst im Excelsior Hotel Ernst, später im Haus Unter Sachsenhausen 4. Emil Oelbermann beauftragte den Architekten Hermann Otto Pflaume mit dem Bau eines repräsentativen Stadtpalais am Hohenstaufenring, das im Stil der italienischen Renaissance errichtet wurde.

 

Nach dem Tod ihres Mannes (1897) und ihrer Söhne Emil (1869–1870), Paul (1871–1871), Emil Jr (1872–1901), Alfred (1874–1904) und Harry (1877–1897) widmete sich die streng gläubige Protestantin Laura Oelbermann zahlreichen karitativen Aufgaben. Sie gründete Stiftungen und ermöglichte mit großzügigen Schenkungen unter anderem den Bau des ersten evangelischen Krankenhauses in Köln. Sie spendete 150.000 Mark für den 575.000 Mark teuren Krankenhausbau, der 1902 in Weyertal, im Kölner Stadtteil Lindenthal eingeweiht wurde.

 

Auguste-Victoria-Hospital in Jerusalem

Im Jahr 1900 wurde auf ihre Initiative hin die Frauenhilfe, ein evangelischer Hilfsverein, in Köln gegründet. Sie selbst leitete den Verein bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Auch im Rheinischen Provinzialverband der Frauenhilfe war Laura Oelbermann langjährig im Vorstand tätig. Sie organisierte Armenspeisungen, Erholungsmöglichkeiten für Arme und Waisen, vermittelte Arbeit für Alleinstehende Frauen und Mütter und half bei der Sozialarbeit häufig eigenhändig mit.

 

Im Jahr 1906 spendete sie 1.000.000 Mark für die Errichtung des 2.225.000 Mark teuren Auguste-Viktoria-Hospitals auf dem Ölberg in Jerusalem, das 1910 eingeweiht wurde. Dafür wurde sie mit dem preußischen Ölberg-Kreuz geehrt. Im Jahr 1909 engagierte sie sich in der Palästina-Stiftung, die in Jerusalem den Bau einer Haushaltsschule initiierte. Laura Oelbermann gehörte vor dem Ersten Weltkrieg mit einem geschätzten Vermögen von 16–17 Millionen Mark zu den reichsten Einwohnern Kölns.[6] In ihrer Heimatstadt unterstützte sie auch großzügig das kulturelle Leben; so finanzierte sie 1912 eine Forschungsreise nach Asien für das Museum für Ostasiatische Kunst.

 

Laura von Oelbermann war Anfang der 1920er Jahre Eigentümerin von zahlreichen Grundstücken, unter anderem am Hohenstaufenring (Nr. 30, 32, 48, 50, 52, 54 & 57), an der Jahnstraße (Nr. 36, 38), am Mauritiuswall (Nr. 15 und 17) sowie des Hauses Engelbertstraße 88. Bis auf ihr Wohnhaus und dem Grundstück Engelbertstraße 88 verkaufte sie die Grundstücke bis 1925 an den Pariser Geschäftsmann Gayet.

 

Bereits zu Lebzeiten verfügte Laura von Oelbermann testamentarisch, dass das Inventar ihres Hauses Hohenstaufenring 57 nach ihrem Tode versteigert werden soll und der Erlös der Versteigerung ihren Stiftungen zugutekommen soll. Die Versteigerung des Mobiliars und der umfangreichen Kunstsammlungen wurden vom 11. bis 14. Dezember 1929 vom Kunsthaus Lempertz am Neumarkt in Köln vorgenommen. Unter den versteigerten Objekten waren 57 Perserteppiche, 169 Stück Mobiliar, 700 kunstgewerbliche Gegenstände darunter ein 600-teiliges Meißner Service, über 90 Meißner Statuen und Figurengruppen, 12 KPM - Moccatassen als Geschenk von Königin Auguste Victoria, Steinzeug aus dem Westerwald, Siegburg und Raeren. Unter den 120 versteigerten Gemälde waren Bilder von Camille Jean Baptist Corot (Schlösschen am Wasser), Théodore Rousseau (Flußdurchzogene Abendlandschaft mit Bauerngehöft im Vordergrund), Wilhelm Leibl (Bildnis des Vetters Dr. Karl Leibl; Kopf eines Bauernmädchens, Bauerngehöft zwischen den Bäumen, Trinkender Mann mit Becher und langer Tonpfeife), Hans Thoma (Schwarzwaldlandschaft mit Hirtenkinder), Franz von Lenbach (Bildnis von Hans Makart), Max Liebermann (Reiter in den Dünen), Franz von Defregger (Ball auf der Alm) sowie von Berthe Art (Blumenstück).

 

Das Haus Hohenstaufenring 57 wurde nach ihrem Tod zu einer Pension für erwerbstätige evangelische Mädchen und zu einem Veranstaltungsort für evangelische Jungfrauenvereine umgebaut. Im Jahr 1931 zogen die ersten der 60 Bewohnerinnen in die einfach ausgestatteten Räume ein.[5] Das umgebaute Stadtpalais überstand den Zweiten Weltkrieg und wurde bis Ende der 1970er Jahre als Berufstätigenheim der Oelbermann-Stiftung genutzt. Anfang der 1980er Jahre wurde die Oelbermannsche Villa abgerissen, um auf dem Grundstück ein Geschäftshaus zu errichten.

 

Laura von Oelbermann wurde auf dem Kölner Melaten-Friedhof neben ihrem Mann begraben. Das Grabmal wurde im Auftrag von Laura von Oelbermann nach dem Tod ihres Mannes 1897 von Karl Janssen entworfen und wurde im Zweiten Weltkrieg teilzerstört. An der Umrandung des Grabmals finden sich Erinnerungsplatten für ihre früh verstorbenen Söhne. Die Grabinschrift für Laura von Oelbermann neben ihrem Mann lautet: Frau Emil von Oelbermann. Laura geb. Nickel. Vor dem Krieg zählte das Familiengrab Oelbermann zu den größten figürlichen Grabstellen auf dem Friedhof Melaten, das auf dem Podest mit der Inschrift:

Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe dem die Welt gegründet ward. (Joh.17,24) versehen ist.

 

Trotz der testamentarischen Verfügung Laura von Oelbermanns, dass die Stadt Köln das Grabmal zu Allerheiligen, Totensonntag und den Sterbetagen geschmückt werden soll, verfiel das Grabmal zusehends und wurde erst 2009 umfassend instandgesetzt.

 

Schenkungen und Einrichtungen der Stiftungen Laura von Oelbermanns

Nach dem Tod ihres Mannes und ihrer Söhne tätigte Laura Oelbermann umfangreiche Schenkungen, unter anderem 150.000 Mark für den unverzüglichen Baubeginn eines evangelischen Krankenhauses in Köln, 42.500 Mark für das deutsche Hospital in New York, je 10.000 Mark für das Wöchnerinnen-Asyl und für den Verein für die Feriencolonien, 8.000 Mark für den Kinderhort in der Kölner Südstadt, 6.000 Mark für die deutsche Kirche in Jerusalem, 5.000 Mark für die Armenverwaltung als Weihnachtsgabe, je 4.000 Mark für verschiedene evangelische Kirchen und den Verein zur Fürsorge für die Blinden in Köln, 3.500 Mark für das evangelische Kinderheim in Köln, 3.000 Mark für den Wohltätigkeitsverein, 2.000 Mark für den evangelischen Frauenverein und je 1.000 Mark für den Gefängnisverein und den Verein der weiblichen Angestellten.

 

Nach dem Tod ihres Sohnes Emil JR tätigte sie 1901 weitere umfangreiche Schenkungen, unter anderem 24.000 Mark für die Kölner Frauenhilfe, 20.000 Mark für den Bau des evangelischen Krankenhauses, 10.000 Mark zur Linderung der Arbeitslosigkeit, je 4.000 Mark als jährliche Zuwendung zur Ausstattung der evangelischen Krankenhauskapelle und zur Einrichtung des syrischen Waisenhauses in Jerusalem sowie je 2.000 Mark für den Verein für Volkswohl und für den Wohltätigkeitsverein.

 

Durch eine weitere großzügige Schenkung Laura Oelbermanns in Höhe von 1.000.000 Mark konnte am 28. April 1913 im Beisein der Prinzessin Charlotte von Sachsen-Meiningen in der Severinstraße 158 das Charlottenhaus, ein Kinder- und Waisenheim sowie ein Säuglings- und Mütterheim eingeweiht werden, dessen Unterhalt aus den Stiftungsgeldern von Frau Oelbermann bestritten wurde.

 

Im Jahr 1916 überwies sie der evangelischen Gemeinde Köln 1.000.000 Mark zum Bau der Auguste-Victoria-Kinderkrippe in der Overstolzenstraße 23 und des Emilienhortes in der Händelstraße 25, die am 22. Oktober 1916 eingeweiht wurden. Nach ihrem Tod wurde in der Volksgartenstrasse 46/48 ein Mütterheim eingeweiht. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Einrichtungen teilweise weitergeführt. Aus den Geldern der Oelbermann-Stiftungen wurden u. a. die Tagesklinik in der Pionierstraße und ein Jugendhaus in Buchheim finanziert.

 

Die am 1. Januar 1930 eingetragene Emil- und Laura Oelberman-Stiftung sowie die Laura-von-Oelbermann-Stiftung besteht als gemeinnützige Stiftung bis in die Gegenwart. Die Zinsen des Stiftungskapitals wurden satzungsgemäß als jährlichen Unterstützung für die Hinterbliebenen evangelischer Pfarrer verwandt. Die Geschäftsführung ihrer Stiftung liegt in    der Hand des Evangelischen Stadtkirchenverbandes Köln.

 

Karl Janssen (Bildhauer)

 

Karl Ludwig Rudolf Janssen, auch Carl Janssen (* 29. Mai 1855 in Düsseldorf; † 2. Dezember 1927 ebenda), war ein deutscher Bildhauer und Hochschullehrer.

 

Leben

Karl Janssen stammte aus einer Künstlerfamilie. Sein Vater Theodor Janssen war Kupferstecher, sein Bruder Peter Janssen war Maler. Bei ihm bekam Karl Janssen erste Unterweisungen in den Künstlerberuf. Von 1872 bis 1881 studierte er an der Königlich-Preußischen Kunstakademie in Düsseldorf bei August Wittig. 1878 gewann er ein Rom-Stipendium; die Reise trat er aber erst 1881 an und blieb bis 1884 in Italien, um sich dort weiter zu bilden. Sein erstes bedeutenderes Werk ist die Büste des Industriellen Poensgen (1883) für dessen Erbbegräbnis auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof. 1884 wurde er zusammen mit Josef Tüshaus (1851–1901), den er 1874 an der Akademie kennengelernt hatte, beauftragt, für den Besuch Kaiser Wilhelm I. in Düsseldorf die Plastik Vater Rhein und seine Töchter zu schaffen, die den Düsseldorfern so gut gefiel, dass die beiden zwölf Jahre später – also 1897 – beauftragt wurden, eine dauerhafte Fassung in Bronze als Brunnen zu fertigen. Ein Jahr zuvor hatte er den Auftrag für ein repräsentatives Kaiser-Wilhelm-Reiterstandbild ebenfalls zur allgemeinen Zufriedenheit gelöst.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg schuf Karl Janssen für die Henkel-Familie ein Kriegerdenkmal, das an die gefallenen Mitarbeiter erinnern sollte und auf dem Werksgelände in Düsseldorf-Holthausen aufgestellt wurde. Sein letztes bedeutenderes Werk ist eine Trauernde im Art-déco-Stil für das Mausoleum der Familie Henkel (1925). Auf dem Nordfriedhof in Düsseldorf haben noch weitere seiner Werke die Zeiten überdauert.

 

Karl Janssen wurde zum Professor ernannt und übernahm 1895 den Lehrstuhl von August Wittig an der Kunstakademie Düsseldorf. Er gilt als ein charakteristischer Vertreter des Neubarocks im Rheinland. Bekannte Janssen-Schüler waren:

  

Quellen Text:

https://de.wikipedia.org/wiki/Laura_von_Oelbermann

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Janssen_(Bildhauer)


Ostermann Willi,  03 / 2021

Wilhelm „Willi“ Ostermann (* 1. Oktober 1876 in Mülheim am Rhein (heute Köln); † 6. August 1936 in Köln) war ein Komponist und Texter von Heimat- und Karnevalsliedern hauptsächlich in Kölscher Mundart, die er auch selbst als Krätzchensänger vorgetragen hat. Zu seinen bekanntesten Stücken gehört Heimweh nach Köln (Ich möch zo Foß noh Kölle gon).

 

Leben

Kindheit und Jugend

Ostermann wurde in Mülheim am Rhein geboren. Auf dem Gelände seines Geburtshauses steht heute die Feuerwache 9 in Köln-Buchheim. Ostermann war der Sohn des Eisenbahners Peter Ostermann und seiner Frau Gertrud, geb. Paas. 1878 zog die Familie nach Deutz, wo man dem Vater, der bei der Bergisch-Märkischen Eisenbahn beschäftigt war, eine bessere Stelle angeboten hatte. Da Deutz in dieser Zeit Garnisonsstadt war, kam Willi Ostermann in frühester Kindheit in Kontakt mit den durchziehenden Militärmusikkapellen.

 

Ostermann besuchte von 1883 bis 1891 die katholische Volksschule in Deutz. Zu dieser Zeit erhielt er aufgrund seiner roten Haare den Spitznamen „Ostermanns-Fuss“ oder auch „dä jlöhndije Fuss“ (jlöhndije = „glühende“, Fuss = „der Fuchs“, auf Kölsch das Wort für „der Rothaarige“). Mitschüler berichteten später, er habe bereits in der Schule mundartliche Parodien auf Gedichte angefertigt und stets die neuesten Karnevalslieder auswendig gewusst.

 

Nachdem sein Vater keine Lehrstelle als Schlosser für ihn bekommen konnte, begann Ostermann eine Lehre im Elektrohandwerk, wurde aber schon nach einigen Monaten wegen Konflikten mit seinem Lehrherrn entlassen. Daraufhin erlernte er in einer Druckerei in Deutz den Beruf Stereotypeur und Galvanoplastiker, was seinen eigenen Wünschen eher entsprach. Bis 1900 war er vermutlich in diesem Beruf tätig, genaueres hierüber ist nicht bekannt.

 

Karriere

1895 wurde Ostermann Mitglied in einer Laientheatergruppe. Er hatte bereits Erfahrungen mit einem Puppentheater gesammelt und trug bei Familienfeiern und in Gasthäusern in Deutz eigene Gedichte und Lieder vor. Dadurch hatte er auch einen Nebenverdienst; er bemühte sich jedoch seit Abschluss seiner Lehre um feste Engagements in Varietés oder Theatern. Erstmals bekannt wurde Ostermann 1899 durch sein Lied Et Düxer Schötzefeß (Das Deutzer Schützenfest), das er während eines Auftritts beim Deutzer Schützenverein vortrug:

 

Jo nom Düxer Schötzefeß, do loß mer gonn,

wenn de Lappe vun de Stivvele fleute gonn,

jo om Düxer Schötzefeß, do eß et schön,

do mäht Freud un Spaß sich selvs die älteste Möhn!

 

Ostermann konnte keine Noten lesen und schreiben, sondern brachte seine Kompositionen singend auf Tonträger (anfangs Wachswalze oder Zinkplatte). 1903 heiratete er Katharina Maria Striebeck; diese Ehe wurde wieder geschieden. In den Jahren darauf entdeckte ihn der Vorsitzende einer Kölner Karnevalsgesellschaft, der ihm vorschlug, einen Karnevalsschlager für die Session 1906/1907 zu schreiben. In Zusammenarbeit mit dem Komponisten Emil Neumann, Kapellmeister am Kölner Reichshallentheater, entstand so der Titel Däm Schmitz sing Frau eß durchgebrannt (Die Frau vom Schmitz ist durchgebrannt), dass der Rosenmontagserfolg 1907 wurde. Das Stück bestand aus einem einleitenden Marsch von Neumann und Ostermanns Lied als Trio. 1908 gewann Ostermann den Preis für das beste Lied in Kölner Mundart mit Wä hätt dat vun d’r Tant gedaach! (Wer hätte das von der Tante gedacht), zu dem der Schlagerkomponist und Kapellmeister Emil Palm die Musik beigesteuert hatte. Palm war es, der viele Ostermann-Kompositionen in Noten übertrug.

 

1911 heiratete Ostermann dessen Schwester, die Revuetänzerin Käte Palm. In den Folgejahren setzte er den begonnenen Erfolg fort. Er schrieb Lieder und Karnevalsschlager, verlegte sie selbst und konnte damit seinen Lebensunterhalt bestreiten. Die meisten Lieder trug er selbst vor; einige entstanden jedoch auch für andere Vortragskünstler. Inzwischen wurde er von einer Agentur für Auftritte in ganz Deutschland gebucht. Er beschränkte sich nicht auf rein kölsche Lieder, sondern schrieb auch hochdeutsche Schlager, insbesondere Walzer- und Marschlieder mit den gängigen Themen „Rhein“, „Wein“, „Weib“ und „Gesang“. Mehrere Schallplatten wurden außergewöhnliche Verkaufserfolge; außerdem schrieb er Lieder für Revuefilme.

 

Ein einziger Ostermann-Schlager (Rheinland-Mädel: „Drum sollt’ ich im Leben ein Mädel mal frei’n, dann muss es am Rhein nur geboren sein“) ging dem Spiegel zufolge im Jahr 1927 mit einer Million Auflage durch die Plattenpresse und erwirtschaftete einen Saisongewinn von 130.000 Goldmark. Insgesamt gibt es hiervon in der Entstehungszeit mindestens neun Versionen, erstmals 1927 im Ostermann-Musikverlag in Köln-Sülz erschienen. Robert Koppel brachte den Titel 1929 mit der B-Seite Wenn Du eine Schwiegermutter hast heraus, ebenfalls von Ostermann geschrieben. Als am 6. Mai 1930 der gleichnamige Film in die Kinos kam, war hierin Ostermanns Schunkellied in der Fassung von Schauspieler Werner Fuetterer erneut zu hören.

 

Gegen Ende der 1920er Jahre wurde die wirtschaftliche Lage in Deutschland schlechter. Ostermann hatte weniger und schlechter bezahlte Auftritte. Er verlegte auch Noten und Liedtexte anderer Komponisten und Autoren und schrieb Werbetexte. Außerdem gab er seit Ende 1930 das humoristische Wochenblatt Tünnes und Schäl heraus, das jedoch im Folgejahr wieder eingestellt wurde. 1930 entstand auch der Evergreen Och, wat wor dat fröher schön doch en Colonia (Ach, was war es früher schön in Köln).

 

Ostermanns Beziehung zum Nationalsozialismus ist nicht zuverlässig erforscht. Der Biograph Hans W. Krupp erwähnt zwar die Anekdote eines „Zeitgenosse[n] und längjährige[n] musikalische[n] Weggefährte[n]“, die sich auf ein angestecktes Parteiabzeichen bei Ostermann beziehen soll, betont aber gleichzeitig, dass diese Geschichte allein eine Parteimitgliedschaft nicht belegen könne. Nach Fred K. Priebergs Handbuch Deutsche Musiker lag kein Eintrag über eine Mitgliedschaft in der Zentralen Kartei der NSDAP vor. 1936 nahm Ostermann zusammen mit anderen Künstlern an einer Ferienfahrt der NS-Organisation KdF nach Madeira teil und schrieb aus diesem Anlass das Lied Madeira und das Gedicht Madeirafahrt:

 

Und wenn no dat veezehndäjije Jlöck

es widder vörbei – un mer kömme zoröck

dann hät mer noch eimol su vill Loß am Jeschäff

dat danke mer all dann der K.d.F.

 

Krankheit und Tod

 

Grabstein von Willi Ostermann auf dem Kölner Melaten-Friedhof

Sein letztes Gastspiel gab Ostermann im Juli 1936 in Bad Neuenahr, wo er auf der Bühne im Kurhaus einen Zusammenbruch erlitt und sofort in das Kölner Krankenhaus Lindenburg eingeliefert wurde. Nach einer schweren Magenoperation blieb er dort bis zu seinem Tod und schrieb hier auch sein sogenanntes „letztes Lied“ Heimweh nach Köln, besser bekannt unter der Liedzeile „Ich mööch zo Foß noh Kölle gon“ (Ich möchte zu Fuß nach Köln gehen). Dabei verwendete er allerdings die Melodie einer früheren Komposition „Sehnsucht nach dem Rhein“, die für den Film „Der Traum vom Rhein“ (1933, Regie: Herbert Selpin) entstanden war.

 

Am 6. August 1936 starb Ostermann im Krankenhaus. Bei seiner Beisetzung am 10. August 1936 säumten 35.000 Zuschauer den Trauerzug vom Neumarkt bis zum Melaten-Friedhof an der Aachener Straße. Seine Komposition Och, wat war dat fröher schön doch en Colonia spielte eine Musikkapelle, als Ostermann zu Grabe getragen wurde. Kölns Geschäfte schlossen, bis der Tote im Frack im städtischen Ehrengrab beigesetzt wurde. In einem der Nachrufe am offenen Grab trug der Karnevalist Thomas Liessem zum ersten Mal den Refrain des letzten Ostermann-Liedes Heimweh nach Köln vor. Es sollte nach seinem Tod zu einem seiner bekanntesten typisch melancholisch-kölschen Stimmungsliedern werden:

 

Wenn ich su an ming Heimat denke

un sin d’r Dom su vör mir ston,

mööch ich direk op Heim an schwenke,

ich mööch zo Foß no Kölle gon.

 

Nachlass und Andenken

 

Willi-Ostermann-Denkmal in Königswinter

Am 16. Februar 1939 (Weiberfastnacht) wurde der Willi-Ostermann-Brunnen in der Kölner Altstadt festlich eingeweiht. Der Bildhauer Willy Klein hatte für 38.000 Reichsmark aus einem 14 Kubikmeter großen, aus Bayern angelieferten Muschelkalkblock jene 15 Figuren gemeißelt, die Willi Ostermann in seinen Liedern besungen hatte. Nach 13 Jahren war Ostermann immer noch populär, denn 1949 setzte die Witwe 45.000 Exemplare seiner Kölner Lieder ab.

 

Der textliche und musikalische Nachlass Ostermanns wurde in seinem eigenen Verlag verwaltet, den nach seinem Tod zunächst seine Frau Käte fortführte. Später übernahmen ihn die Musikverlage Hans Gerig KG. Die Willi Ostermann Gesellschaft Köln 1967 e. V. pflegt das Andenken des Künstlers. 1949 wurde in Königswinter im Nachtigallental des Siebengebirges ein Denkmal für Willi Ostermann errichtet.

 

Am Kölner Ratsturm wurde ihm eine Figur gewidmet.

 

Willi-Ostermann-Medaille

Zu Ehren von Willi Ostermann wurde 1967 die Willi-Ostermann-Medaille als höchste Auszeichnung des Kölner Karnevals gestiftet. Sie wird seitdem in unregelmäßigen Abständen für besondere Verdienste um das Kölner Liedgut verliehen und üblicherweise bei der Prinzenproklamation überreicht.

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Willi_Ostermann

 

Heruntergeladen am 03.04.2021


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Pfeifer Emil,  10 / 2020


Pfeifer Emil,  03 / 2021

Pfeifer & Langen

Anfangsphase bis 1926

In der Versuchsanlage auf Gut Fronhof im Kölner Vorort Ossendorf wurde am 31. Oktober 1851 erstmals Zucker aus Rüben gekocht. Emil Pfeifer, der das Gut im Jahre 1840 erworben hatte, und sein Partner August Joest beschäftigen in dieser Anfangsphase fünf Mitarbeiter, die die Rüben von 51 Bauern aus der Umgebung zu Zucker verarbeiteten. Nach dem Ausscheiden von August Joest im Jahre 1853 firmiert das Unternehmen in „Emil Pfeifer & Cie.“ Emils Sohn Valentin wurde dann 1865 Mitgesellschafter. Im Jahre 1868 kam es zu der für die Firmengeschichte entscheidenden Einbeziehung des Ingenieurs und Erfinders Eugen Langen, der in Ossendorf seinen patentierten Knochenkohleofen erstmals in der Praxis erprobte.

Am 19. April 1870 wurde die Firma Pfeifer & Langen in Köln durch Emil Pfeifer, seinen Sohn Valentin Pfeifer und Eugen Langen gegründet. Letzterer war der bedeutendste Sohn des Kölner Zuckerindustriellen Johann Jakob Langen. Der Chronik des Unternehmens aus dem Jahre 1870 zufolge schrieb der Siedemeister Conrad Moll unter anderem:

„… Als verantwortlicher Leiter galt Herr Eugen Langen, den man täglich fast überall sehen konnte. Unermüdlich überwachte er die fortschreitenden Arbeiten, kontrollierte an Hand der Zeichnungen und erteilte seine Ratschläge …“

Ein Jahr später nahm die Zuckerfabrik Elsdorf den Betrieb auf. Direktor der Fabrik war Eugen Langen, der dort 1872 die Verarbeitung von Zucker zu Würfeln „Langensches Würfelverfahren“ erfand und ein Jahr später ein preußisches Patent erhielt. Die 1869 in Betrieb genommene Eisenbahnlinie Düren–Neuss ermöglicht dem Werk Elsdorf auch den Antransport von Rüben aus entfernt gelegenen Anbaugebieten, die für Pferde- und Ochsengespanne kaum oder nur schwer zu erreichen waren.

1879 gründete Pfeifer & Langen in Euskirchen eine zweite Rübenzuckerfabrik. Um 1880 galt das Werk Elsdorf als internationale „Musteranstalt“ und wurde das größte Zuckerunternehmen Westdeutschlands. 1884 erfolgte die Gründung einer Betriebskrankenkasse, die 1996 mit der BKK Anker-Lynen-Prym fusionierte und aus der später die Actimonda BKK hervorging.

1883 ist das Gründungsjahr der Zuckerfabrik Lage und Errichtung der Hauptverwaltung von Pfeifer & Langen in Köln.

Im Jahre 1894 erfolgte die Stilllegung der 1851 von Emil Pfeifer in Ossendorf errichteten Fabrik. Die Entwicklung der Stadt Köln hatte zunehmend das landwirtschaftlich nutzbare Umland verringert. 1905 erwarb Pfeifer & Langen Aktien im Wert von 70.000 Mark an der Zuckerfabrik Elsen bei Grevenbroich. Zwei Jahre später erfolgte die Umwandlung von einer Offenen Handelsgesellschaft in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). 1909 kaufte Pfeifer & Langen die Zuckerfabrik Elsen ganz auf.

1926 bis 1989

1926 schlossen sich die Unternehmen Pfeifer & Langen und vom Rath & Breth zu einem Unternehmen zusammen und die Firma P. Schwengers & Söhne aus Uerdingen wurde aufgekauft. Im selben Jahr werden die Marke „Kölner Zucker“ sowie das Logo aus zwei gestreiften Zuckerhüten, die an die Türme des Kölner Doms erinnern, markenrechtlich eingetragen. Gleichzeitig wurde Pfeifer & Langen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Zu der neuen Aktiengesellschaft gehörten die Werke in Elsdorf, Euskirchen und Elsen und die Raffinerie Uerdingen. Die Fabriken Ameln, Wevelinghoven und Dormagen waren mit Mehrheitsbesitz und Lieferverträgen an die neue Aktiengesellschaft gebunden. Bereits 1928 gingen die Werke Ameln und Wevelinghoven vollständig in den Besitz der Firma Pfeifer & Langen über. Und 1930 ging auch der Aktien-Verein für Zuckerfabrikation, Dormagen in Pfeifer & Langen auf.

Kölner Kandis von Pfeifer & Langen

1928 stellt Pfeifer & Langen erstmals Kandis her und führt die erste Kristallzucker-Packmaschine für 1-kg-Pakete ein. Sie bringt es auf eine Leistung von 5.000 Pakete in acht Stunden. Noch heute ist Pfeifer & Langen Marktführer bei Kandisprodukten.

Im Jahre 1931 wurde das Werk Elsen bei Grevenbroich stillgelegt. Nachdem 1933 der in Bankbesitz befindliche Aktienteil von der Pfeifer & Langen AG erworben worden war, erfolgte die Umwandlung zurück in eine GmbH.

1945 wurde die Zuckerfabrik Elsdorf zunächst von den amerikanischen Truppen beschlagnahmt. 1950 wurden im Werk Wevelinghoven erstmals eine fahrbare Rüben-Kippe und Stapelanlage benutzt.

Einen ganz neuen Weg ging das Unternehmen in seinem Werk Dormagen 1951. Dort wurde Poly-Glucose – Dextran genannt – produziert. Hierbei handelte es sich um einen Blutplasma-Ersatzstoff. 1965 erfand Pfeifer & Langen den Gelierzucker und schreibt damit Lebensmittelgeschichte. Dieser wurde später auch von Lizenznehmern im In- und Ausland hergestellt. Aus Zuckerrübenschnitzeln wurde im Werk Dormagen 1966 erstmals ein Futtermittel entwickelt. Das Herstellungsverfahren und die Zusammensetzung des Produktes wurden patentiert. Gleichzeitig erfolgte der Aufkauf der Sirupfabrik Gebrüder Langen, Köln-Braunsfeld, und der Zuckerraffinerie und Kandisfabrik Gebrüder Tintelnot in Vlotho. Schon 1969 wurden diese beiden Betriebe stillgelegt und die Aufgaben wurden vom Werk Euskirchen übernommen.

Auch für die weiterverarbeitende Industrie erweitert Pfeifer & Langen sein Sortiment. Seit den 60er Jahren gibt es einen anwendungstechnischen Beratungsdienst, bestehend aus Chemikern und Technologen, der in Zusammenarbeit mit den Kunden Lösungen für die Entwicklung und Herstellung von produktgerechten Zuckern erarbeitet.

1970 feierte Pfeifer & Langen 100-jähriges Bestehen. Zu dieser Zeit hatte das Unternehmen rund 1.800 Beschäftigte. Die Geschäftsführer, und zugleich persönlich haftende Gesellschafter, im Jubiläumsjahr waren: Joachim Pfeifer, Arnold Langen, Helmut Börner, Jaspar Frhr. v. Maltzan und Günther Tintelnot.

Im Jahre 1972 wurde die Krüger GmbH & Co. KG gegründet, an der sich Pfeifer & Langen wenig später zu 50 % beteiligte. Sie stellt Instantgetränke, Diätprodukte und Babynahrung her. Ebenfalls 1972 erfolgte die Gründung eines gemeinsamen Tochterunternehmens mit der Pfanni-Werke Otto Eckart AG, München. Hierbei brachte Pfeifer & Langen seine Kartoffel-Chips-Produktion mit ein. Das neue Unternehmen firmiert seit 1980 unter dem Namen Convent Knabbergebäck GmbH Co KG, aus der später die Intersnack-Gruppe wurde. 1973 wurde in Köln ein neues Hauptverwaltungsgebäude errichtet. Zusammen mit der Zuckerhandelsunion GmbH, Berlin, gründet Pfeifer & Langen 1974 die Spezialzucker-Raffinerie in Lage und baut das Geschäft mit flüssigem Zucker weiter aus. 1977 erfolgte der Bau einer neuen Zuckerfabrik im niederrheinischen Appeldorn, womit das nördliche Rheinland für den Rübenanbau erschlossen werden sollte. Zwei Jahre später wurde die Zuckerproduktion im Werk Dormagen eingestellt.

Im Jahre 1982 wurde die Opekta GmbH erworben. Diese stellt pektinhaltige Produkte für die Herstellung von Marmeladen und Fruchtgelees her. Im Jahre 1989 hat Pfeifer & Langen 50 % Anteile an die Schwartauer Werke und 1991 die zweiten 50 % an die Herbstreith & Fox verkauft.

Die Lippe-Weser-Zucker AG wurde im Jahre 1986 erworben. Dabei wurde das Werk in Lage ausgebaut, während das Werk in Emmerthal geschlossen wurde. Lage ist die einzige Fabrik im Unternehmen, die ausschließlich Weißzucker herstellt. In den folgenden Jahren wurden die Zuckerfabrik Düren und Brühl erworben, die kurz danach schlossen (1987 und 1989). 1991 wurde das Werk in Ameln geschlossen und 1995 erfolgte die Stilllegung des Werkes in Wevelinghoven. Gleichzeitig war in den verbliebenen Werken die Produktion fast verdoppelt worden.

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Pfeifer_%26_Langen

 


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Rath vom Familie,  03 / 2021

Leben

Die Familie vom Rath geht zurück auf Peter aus'm Schlippen († 1630), der in Unterbarmen rechts der Wupper den Hof „auf'm Rath“ bewirtschaftete. Seine Urenkel Hermann (1666 – 1751) und Peter (1675 – 1724) begründeten den Unterbarmener bzw. Elberfelder Stamm der Familie. Johann Jakob d. Ä. (1755 – 1819), Enkel Hermanns aus dem Unterbarmener Stamm und Betreiber der Seifenfabrik „Bredt & Co.“ in Schwelm, eröffnete 1778 in Duisburg ein Speditionsgeschäft, das 1797 als „vom Rath & Bredt“ mit der Schwelmer Unternehmung vereinigt wurde. Zu Beginn des 19. Jh. ging er zur Produktion von Tabak, Seife und Zichorien über.

 

Da Johann Jakob d. Ä. dem bis zur Wende vom 18. zum 19. Jh. nur in geringen Mengen konsumierten Zucker in und um Duisburg ein größeres Absatzgebiet geschaffen hatte, gründeten seine Söhne, vornehmlich Johann Jakob d. J. (1792 – 1868) und Johann Peter (1795 – 1866), 1822 die erste Zuckerraffinerie in Duisburg („Joh. Jakob vom Rath & Söhne“).

 

Die beschränkten Entwicklungsmöglichkeiten des Unternehmens in Duisburg bewogen Johann Jakob d. J. und Johann Peter 1834 zur Übersiedlung nach Köln. Hier entwickelte sich die Firma „Gebr. vom Rath“ bis Anfang der 1840er Jahre zur zweitgrößten Zuckerraffinerie der Rheinmetropole. Die seither stetig wachsende Konkurrenz der Rübenzuckerverarbeitung, eine vorteilhaftere Steuergesetzgebung und das Verbot des gleichzeitigen Betriebs von Raffination und Rübenzuckerproduktion führte 1855 zum Zusammenschluss der alten Duisburger Firma Joh. Jakob vom Rath & Söhne, der Kölner Gebr. vom Rath und den Kölner Raffineuren „Karl Joest & Sohn“ sowie „Gebr. Carstanjen“. 1864 fusionierten sie zum „Rhein. Actien-Verein für Zuckerfabrikation“ mit späterem Hauptsitz in Dormagen.

 

Die Kölner Raffinerie Gebr. vom Rath wurde 1858 stillgelegt, die Duisburger Fabrik selbständig unter den jüngeren Brüdern Johann Jakobs d. J., Gustav (1807 – 1881) und Theodor (1808 – 1876) weitergeführt. 1867 etablierten die Vettern Arthur (1832 – 1901), Sohn Johann Peters, und Julius (1838 – 1900), Sohn Carls, eines jüngeren Bruders Johann Peters, nochmals eine Rübenzuckerfabrik in Elsen (Rheinland).

 

Diese und der Rhein. Actien-Verein für Zuckerfabrikation gingen nacheinander an „Pfeifer & Langen“ über. In Koberwitz (Schlesien) gründete Johann Jakob d. J. 1851 erneut eine Rübenzuckerfabrik („Joh. Jakob vom Rath & Co., Breslau“) mit ausgedehnter Landwirtschaft, 1904 aufgegangen in „vom Rath, Schoeller & Skene“. Gegenüber seinem Bruder Johann Peter zeichnete sich Johann Jakob d. J. als der agilere Unternehmer aus, besonders auch durch seine Beteiligungen an fremden Unternehmen der rhein. Industrie. So war er Aufsichtsratsmitglied beim A. Schaaffhausen'schen Bankverein, der Concordia Lebensversicherung, der Rhein. Eisenbahngesellschaft, der Köln. Baumwollspinnerei und -weberei sowie der Rhein. Zeitung, alle mit Sitz in Köln.

 

Vor seiner Übersiedlung nach Köln war Johann Jakob d. J. Präsident der Duisburger Handelskammer und Mitglied des Stadtrats. Eugen (1823 – 97), sein ältester Sohn, und Emil (1833 – 1923), Sohn Johann Peters, engagierten sich im Rhein. Actien-Verein für Zuckerfabrikation als Aufsichtsratsvorsitzender bzw. Leiter der Fabrik Dormagen.

 

Emils früh verstorbener Sohn Felix (1866 – 1905) widmete sich nach abgeschlossenem Jurastudium der Musik und studierte Komposition in München bei Ludwig Thuille. Dort gehörte er zu einem Freundeskreis um Richard Strauß, Ludwig Thuille, Max Schillings, Albert Langen und Walter Heymel (Gründer d. Insel Verlags). Sein Vater gründete die „Felix vom Rath-Stiftung“ zur Förderung begabter Musiker. Bruder Gerhard (1830 – 88) war Professor für Mineralogie an der Univ. Bonn. Er stiftete in Köln die Arbeitersiedlung Wilhelmsruhe und gehörte als korr. Mitglied seit 1871 der Preuß. Akademie der Wissenschaften an, seit 1880 auch der Leopoldina. Seine wichtigsten Forschungsgebiete bezogen sich auf die Kristallographie, wobei er zahlreiche neue Mineralspezies entdeckte und beschrieb, u. a. den Tridymit.

 

Der zweitälteste Sohn Johann Jakobs, Wilhelm (1824 – 85), war seit 1848 Teilhaber des Handelshauses „Deichmann & vom Rath“ und 1877 Mitgründer der „Amstel Suiker Raffinadery“ in Amsterdam. Sein Sohn Walther (1857 – 1940), verheiratet mit Maximiliane (1864 – 1942), Tochter des Chemie-Industriellen Wilhelm Meister (1827 – 95), trat nach einem rechtswissenschaftlichen Studium 1886 in den Aufsichtsrat der Farbwerke „Meister, Lucius & Brüning“ ein und war 1902 - 1925 Aufsichtsratsvorsitzender der nachfolgenden „Farbwerke Hoechst AG“ sowie 1926 - 1932 stellv. Aufsichtsratsvorsitzender in der 1925 gegründeten „I. G. Farben A. G.“. Der enge Freund des Fürsten Bismarck gehörte dem Aufsichtsrat mehrerer Unternehmen des Frankfurter Raums an sowie dem preuß. Abgeordneten- und Herrenhaus. Walthers Tochter Eugenie (* 1889) war verheiratet mit Dr. Louis Leisler Kiep (1884 – 1962), stellv. Aufsichtsratsvorsitzender der Farbwerke Hoechst AG und Geschäftsführer der „vom Rath Adminstration Co. Ltd. m. b. H.“ in Frankfurt/M.

 

Adolf (1832 – 1907), Neffe Johann Jakobs d. J. und Johann Peters, wurde erfolgreicher Bankier in Berlin und Mitbegründer der „Dt. Bank“. Aus dem Elberfelder Stamm zeichnete sich Peter v. R. (1792-1861) durch den Kauf des Ritterguts Lauersfort in Moers b. Krefeld aus.

 

In allen Generationen versippten sich die Rath`s. mit anderen bedeutenden Unternehmerfamilien, in der Generation Johann Jakobs d. J. mit den rhein. Familien Bredt, Böninger, Carstanjen, Davidis und Merrem. Johann Jakobs d. J. Kinder und Enkel heirateten in die Kölner Familien Deichmann, Joest, Langen, Michels, v. Mallinckrodt, Mumm v. Schwarzenstein, Schnitzler und Stein ein. Nachkommen des Peter v. R. aus Moers heirateten ein in die teils adligen Familien der Krefelder Seidenfabrikanten von d. Leyen, de Greiff und Scheibler sowie den Bankiers v. Beckerath. Peters Urenkel Erich (* 1881) und Gustav (* 1888) wirkten in Bonn als Direktor der Universitätsbibliothek bzw. als Fabrikdirektor.

 

Im 20. Jh. traten besonders hervor Ernst (1909 – 38), Ewald (1906 – 86) und Karl (1915 – 86). Ernst, Urenkel des Gustav, trat 1934 in den Auswärtigen Dienst des Dt. Reichs ein. Den Vorbereitungsdienst absolvierte er als persönlicher Sekretär seines Onkels Roland Köster (1883 – 1935). wurde er als Legationssekretär an die Botschaft nach Paris beordert. Seine Ermordung am 7.11.1938 durch Herschel Grynszpan (* 1921) benutzte das NS-Regime als Vorwand für die „Reichskristallnacht“.

 

Ewald, Sohn von Johann August und Adele, geb. Weber, wurde 1939 Amtsgerichtsrat in Duisburg, 1948 Oberlandesgerichtsrat in Düsseldorf; 1949 gehörte er zu den Mitbegründern des dt. Richterbundes. Seit 1951 Mitglied des Bochumer Stadtrats, leitete er bis zu seiner Pensionierung das Rechtsreferat. 1955 - 73 stand er der Historischen Kommission des Kartellverbands kath. dt. Studentenvereine vor. Der Kunsthistoriker Karl (1915 – 86), Sohn des Julius, wirkte 1950 - 70 als Kulturdezernent in Frankfurt/M..

 

 

Quelle Text: Oepen-Domschky, Gabriele, "Rath, vom" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 170-72 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139116001.html#ndbcontent

Heruntergeladen am 19.03.2021


Rodenkirchen Heinrich,  05 / 2020

Der Grabengel

Nach altem Glauben behüten und begleiten sie die Toten auf ihrem letzten Weg in die jenseitige Welt und bewachen ihre Grabstelle. Sie dienen dabei als Grabschmuck und spenden den Hinterbliebenen Frieden, Geborgenheit und Trost. Besonders häufig findet man sie auf Gräbern von Kindern. Die Grabengel oder Friedhofsengel schlagen sinnbildlich eine Brücke zwischen dem Verstorbenen und seinen Angehörigen, Freunden und Verwandten.

Dieser wundervolle Grabengel sitzt auf dem Grab von Heinrich Rodenkirchen, einem Fabrikanten aus Köln. Er war zweiter Eigentümer der Eisen- und Metallgusswerke Gebrüder Rodenkirchen.

Ende des Jahres 1919 erwarb der Fabrikant Heinrich Rodenkirchen die heutige Villa Malta im Kölner Stadtteil Rodenkirchen. Die Villa entstand 1904/05 unter dem Namen „Villa Antonia“ für den Bauherrn Eduard Steisel, damaliger Bürgermeister der Gemeinde Rondorf (später „Rodenkirchen“), nach einem Entwurf des Architekturbüros Gebrüder (Fritz und Karl) Schauppmeyer.

Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus in „Villa Maria“ umbenannt. Nach 1963 war hier das seinerzeit gegründete Institut für angewandte Arbeitswissenschaft ansässig, bevor die Villa mehrere Jahre leer stand. 1971 ging sie in den Besitz des Malteserordens über, der ihr den heutigen Namen verlieh.

Quelle Text teilweise: Wikipedia


Richartz Johann,  10 / 2020

Johann Richartz, der Vater von

Johann Heinrich Richartz, dem Begründer des Wallraf Richartz Museums in Köln.

Der edle Mann, der in hochherziger Gesinnung seine Vaterstadt mit dem Prachtbau eines neuen Museums beschenkte, war am 17. November 1797 zu Köln geboren und starb daselbst am 22. April 1861. Er widmete sich dem Kaufmannsstande und setzte seines Vaters Geschäft in exotischen Häuten fort, das durch das Hinzutreten von Gesellschaftern einen großartigen Aufschwung gewann. 

 

Die Firma J. H. Richartz & Co. stand in direkter Verbindung mit den La-Platastaaten und hatte daselbst zum Zwecke der Einkäufe von Wildhäuten ihren fest domizilierten Vertreter. Ein reicher Ertrag war der Lohn des geschäftlichen Wirkens, und als sich R. 1851 ins Privatleben zurückzog, fand er sich im Besitze eines sehr bedeutenden Vermögens. Sein einfaches, anspruchsloses Wesen konnte bis dahin die öffentliche Aufmerksamkeit nicht auf ihn lenken, wenngleich er gegen alle Menschen wohlwollend war und in mehreren Fällen, wo es galt, ein ohne Verschulden gefährdetes Familienleben zu retten, mit fürstlicher Freigebigkeit eintrat. 

 

Die freudigste Überraschung bereitete er seinen Mitbürgern, als in der Gemeinderatsitzung vom 3. August 1854 der Oberbürgermeister Stupp den Gemeindevertretern den Inhalt eines von demselben Tage datierten Schreibens von R. mittheilte, worin derselbe sich erbot, „zur Bestreitung der Baukosten eines neuen städtischen Museums Anfangs nächsten Jahres an die Stadtkasse die Summe von einmalhunderttausend Thalern gegen eine jährliche Rente von vier vom Hundert einzuzahlen“. Er fügte diesem Anerbieten hinzu, dass die erwähnte Rente mit seinem Tode erlöschen und das Capital der Stadt als freies Eigentum verbleiben solle. Dem Geschenkgeber wurde von dem Collegium der innigste Dank ausgesprochen und in das Protokollbuch die Erklärung aufgenommen, das derselbe sich um seine Vaterstadt hochverdient gemacht habe. Die Bürgerschaft beeilte sich, ihm am nächstfolgenden Abend durch einen glänzenden Fackelzug ihre Dankbarkeit zu beweisen. 

 

Die Zustände des Kölner Museums, d. h. des der Stadt als Geschenk überwiesenen Wallraf'schen Kunstnachlasses, waren von traurigster Art und riefen vielfache ebenso bittere als wohlbegründete Tadelsäußerungen hervor. In einem alten, verkommenen Gebäude in der Trankgasse war zwar ein Theil der Gemälde und die antiken Skulpturen aufgestellt und sonntäglich dem Publikum, bei freiem Eintritt, die Anschauung gestattet; in fast gleicher Anzahl aber lagen die Gemälde, darunter manches sehr wertvolle, in einer Remise, in Stallungen und auf Korridoren aufgetürmt und den Einflüssen der Witterung und allen beschädigenden oder zerstörenden Zufälligkeiten preisgegeben. R. war bisher von der Pflege der Kunstliebhaberei ferngeblieben, obwohl sein Gemüht für die Eindrücke des Großen, Schönen und Edlen stets empfänglich gewesen war. Ein aus Freundesmund vernommenes Wort des Tadels, dass die reiche Stadt Köln keinen Sinn und keine Dankbarkeit für das herrliche Vermächtnis ihres Wallraf habe, und eine daran geknüpfte leise, kaum im Ernst gemeinte Aufmunterung an R., hier als Retter aufzutreten, zündete in seinem patriotischen Herzen und rief den festen, hochherzigen Entschluss zur Abhülfe bei ihm hervor. 

 

Er blieb bei seiner ersten Gabe nicht stehen. Jeden Gedanken, der darauf hinzielte, dem Bauwerk einen reicheren Schmuck zu verleihen, griff er auf und stellte, wenn er ihn zweckmäßig fand, die Mehrkosten bereitwillig zur Verfügung, sodass der Gesamtbetrag der Schenkung sich auf nahezu zweimalhunderttausend Thaler beläuft. Auch für die Herstellung der neben dem Museumsgebäude gelegenen schönen Minoritenkirche, die sich dem Baustil des ersteren harmonisch anschließt, gab er eine beträchtliche Summe. Dem hochverdienten Manne wurden nun von allen Seiten Beweise der Anerkennung und Verehrung zu Theil. 

 

König Friedrich Wilhelm IV. verlieh ihm den Titel eines königlichen Kommerzienrates und den roten Adlerorden 3. Classe. Die Universal Society for the encouragement of arts and industry übersandte ihm im Juni 1857 eine goldene Medaille und die königliche Akademie der Künste zu Berlin ernannte ihn zu ihrem Ehrenmitglied. Das Museum, zu dessen Baumeister er seinen Freund Joseph Fetten berufen hatte, ging seiner Vollendung entgegen und der 1. Juli 1861 wurde für die Eröffnungsfeier bestimmt. Da erkrankte R. plötzlich um die Mitte des April an einem heftigen Brustleiden, das in wenigen Tagen dem Leben des unvergesslichen Mannes ein allzu frühes Ziel setzte. Als er die Stunde der Auflösung herannahen fühlte, wollte er nicht scheiden, ohne nochmals über das Grab hinaus von seinem Mitgefühl für unverschuldetes Elend, seiner Liebe zur katholischen Kirche und zu seiner Vaterstadt, sowie von seiner Begeisterung für die Kunst Zeugnis abzulegen. 

 

In seinem letzten Willen bestimmte er hunderttausend Thaler zur Gründung einer städtischen Irrenanstalt, jedoch so, dass die Zinsen zehn Jahre lang zur Erwerbung von Gemälden älterer und neuerer Meister für das Museum verwandt werden sollen. Zum Ausbau der Minoritenkirche wurden nochmals 9000 Thaler angewiesen, der Dom erhielt 2500 Thaler, ebenso viel die Pfarrkirche zu St. Jacob, und zur Dotation einer Freistelle an der rheinischen Musikschule vermachte er 2000 Thaler. Mit Ergebung nahm er die höhere Fügung auf, dass er den Tag nicht erleben sollte, auf den er sich so lange und so herzlich gefreut. Die ganze Stadt war wie niedergeschmettert durch die Kunde von seinem Tode. Er erhielt seine Grabesstätte auf dem Friedhof zu Melaten neben Wallraf, mit dem er, wie verschieden auch ihre Lebenswege und Bestrebungen waren, in dem Charakterzuge zusammentraf, dass sie mit begeisterter Liebe ihrer Vaterstadt zugetan waren. 

 

König Wilhelm und die Königin Augusta drückten unterm 24. April mit eigenhändigen Schreiben der Stadt Köln ihre Teilnahme an dem Verluste des würdigen Mannes aus, „der das, was Redlichkeit und Rechtlichkeit ihm an Glücksgütern zuführte, auf das Edelste. Wohltätigste und Uneigennützigste zum Wohl seiner Mitbürger verwandte und seiner Vaterstadt das Vorbild echten Gemeinsinnes hinterlässt“. An dem Wohnhause des Verstorbenen (auf dem Blaubach) ließ die Stadt eine Gedenktafel anbringen.

Quelle: Merlo, J. J., "Richartz, Johann Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 28 (1889), S. 421-423 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116508752.html...

http://www.ub.uni-koeln.de/cgi-bin/getimage.exe?CISOROOT=/totenzettel&CISOPTR=4092&DMSCALE=100.00000&DMWIDTH=8000&DMHEIGHT=8000&DMX=0&DMY=0&DMTEXT=&REC=2&DMTHUMB=1&DMROTATE=0


Sauer Alfred / Blum Familie  03 / 2021

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S

Schier, Christian Samuel  05 / 2020

Das erste Kölner Karnevalslied hat seinen Ursprung in Thüringen!

Diese wundervolle Harfe hat mich neugierig gemacht und den Namen habe ich schon mal irgendwo gelesen.

Christian Samuel Schier
(* 31. März 1791 in Erfurt, † 4. Dezember 1824 in Köln) brachte 1823 in Köln zur Inthronisierung des „Helden Karneval“ (heute: „Prinz Karneval“) die Cölner Melodie heraus, die als erstes Karnevalslied Kölns gilt.

Die Historie der Kölner Karnevalslieder beginnt - geschichtlich belegt in Köln, von dem gebürtigen Erfurter Christian Samuel Schier.

Schier wurde als Handwerkersohn in Erfurt geboren. Nach der Militärzeit als Leutnant in den Befreiungskriegen ging er an die Universität Jena. Dort wurde er zum begeisterten Burschenschafter und nahm seine schriftstellerische Tätigkeit auf. Wohl in Jena wurde er zum Dr. phil. promoviert. Er war Teilnehmer des Wartburgfestes, sah sich jedoch 1817 in Deutschland so unsicher, dass er sich zur Flucht nach New York City in die USA entschied. Der musikalisch begabte Schier, der unter anderem als Chorknabe ausgebildet war und Harfe spielen konnte, hatte dadurch die Möglichkeit, sich dort durch seine Unterhaltungsgabe zu verdingen.

Schier kehrte 1820 nach Deutschland zurück und ließ sich in Köln als Privatgelehrter nieder. Er wurde abermals für seine Unterhaltungsgabe und Geselligkeit bekannt, daneben aber auch für die Umgestaltung des Kölner Karnevals. Er erkrankte bereits kurz nach seiner Rückkehr und verstarb 1824.


Sensenmann, Johann Müllemeister  , 03 / 2018


Sensenmann, Johann Müllemeister,   04 / 2021

Der Sensenmann und sein Fröschlein

English below

Zwischen den aufwendig verzierten Grabmälern findet man auch Skulpturen, die sogar für Melaten außergewöhnlich sind. Das Berühmteste ist wohl die Grabstätte mit dem über zwei Meter großen Sensenmann, der dem Besucher verdeutlicht, dass man sich immer noch auf einem Friedhof befindet und der Tod allgegenwärtig ist. Die Statue ist ein weiteres Beispiel für die teilweise recht ungewöhnlichen Figuren und Schicksale auf dem Melatenfriedhof. Der dargestellte Tod wurde Ende des 19. Jahrhunderts für den wohlhabenden Kaufmann Johann Müllemeister hergestellt. Für die Bewahrung des instabilen Sensenmanns hat in diesem Fall die Steinmetzfamilie mit dem passenden Namen Steinnus gesorgt. Vor über 30 Jahren hat Johann Steinnus die Patenschaft für die berühmte Skulptur übernommen. Wendet man seinen Blick vom schaurigen Skelett ab, erblickt man neben dem Sensenmann einen kleinen Gedenkstein, der nachträglich hinzugefügt wurde. Johann Steinnus Sohn Martin starb mit nur elf Jahren. Ein Frosch wurde auf dem Kindergrab platziert, denn der Junge wurde "Fröschlein" genannt.

Between the elaborately decorated tombs, there are also sculptures that are exceptional even for Melaten. The most famous is probably the tomb with the more than two-metre tall Grim Reaper, which makes it clear to visitors that they are still in a cemetery and that death is omnipresent. The statue is another example of the sometimes quite unusual figures and fates in the Melatenfriedhof. The depicted death was made at the end of the 19th century for the wealthy merchant Johann Müllemeister. In this case, the stonemason family with the appropriate name Steinnus took care of the preservation of the unstable Grim Reaper. More than 30 years ago Johann Steinnus took over the sponsorship of the famous sculpture. If you turn your gaze away from the eerie skeleton, you will see a small memorial stone next to the Grim Reaper, which was added later. Johann Steinnus son Martin died when he was only eleven years old. A frog was placed on the child's grave, because the boy was called "Froggy".

Quelle Text: https://koelner-denkmaeler.online-redakteure.com/html/oberkalkofen_melatenfriedhof.html

 


Steingass Toni, 05 / 2020

Toni Steingass wurde am 13.4.1921 in Köln in der Nähe des Friesenplatzes geboren und war durch seine Familie schon musikalisch vorbelastet. Sein Urgroßvater Mütterlicherseits war der Stabstrompeter Reinhold Fellenberg, der von Schlesien nach Köln versetzt wurde und vom Kölner Karneval gleich begeistert war. Er wurde in dieser Zeit zum bedeutendsten Karnevalsmusiker. Einige seiner Werke sind auch heute noch jedem bekannt, so z.B. der Marsch der Roten Funken (Ritsch Ratsch de Botz kapott) , der Marsch der blauen Funken und den Mariechentanz.

Musikalisch angehaucht war auch Tonis Vater, der einen Pianohandel betrieb und seinem Sohn eine musikalische Ausbildung ermöglichte.
Den Krieg überlebte Toni, dank seiner künstlerischen Fähigkeiten, in der Etappe. Durch diese „Vorbildung“ konnte er sich nach dem Krieg , als er sich in Nippes niederließ, über Wasser halten. Anfangs verdiente er sich in Niehl als Kneipenmusiker sein Geld, bevor er von 1947 bis 1953 regelmäßig im Sommer in Borkum in der Tusculum Bar musizierte. Daneben hatte er eine Anstellung in der St. Pauli Bar auf dem Eigelstein, die aber für einen Alleinunterhalter zu groß war. Toni sah sich gezwungen noch zwei Kollegen zu arrangieren, woraus schon 1946 das Steingass Terzett entstand, welches bis 1971 bestand. Als zweiter Mann fungierte während der gesamten Zeit Franz-Josef Schmitz, der dritte Mann wechselte dagegen dreimal. Der erste, Bernd Sperl wanderte nach Amerika aus, der zweite, Heinz Oepen setzte neben der Musik sein Studium fort, erlangte den Dr. Titel und brachte es später bis zum Programmdirektor beim ZDF. Der dritte war Karl Heinz Virnich, welcher bis zum Schluß dabei blieb.
Wie gesagt hielt sich Toni Steingass in den Sommermonaten in Borkum auf, doch zur Winterzeit und speziell zu Karneval eroberte er, neben den Kneipen, auch die ersten wiedereröffneten Säle in Köln. So war er im Sartory und im Tazelwurm als musikalischer Alleinunterhalter angestellt. Sein 1950 vorgestelltes Schunkellied „Der schönste Platz ist immer an der Theke“ brachte nicht nur den Durchbruch und wurde nicht nur in Köln ein Erfolg, sondern verbreitete sich, dank Rundfunk, in die ganze Welt. Der Text wurde in viele Sprachen übersetzt, darunter sogar ins Japanische. Weil kein Verlag dieses Lied, wegen zu wenig Anspruch, übernehmen wollte, gründete Steingass seinen eigenen Verlag. Durch den Erfolg des „Theke“ Lieds schuf er in Folge einen Titel nach dem anderen, bis es bis zu seinem Tot 419 waren. Jedem im Ohr dürften unter anderem die Lieder „ Hura Hura der liebe Jung ist wieder da“ oder „Leckerchen Zückerchen“ sein. Für mich eines seiner schönsten Lieder, in dem die ganze Ausdruckskraft der Kölschen Sprache zum Ausdruck kommt ist „Dä Kölsche Explezier“ in der die Atmosphäre der Markthalle beschrieben wird.

Toni Steingass kämpfte, teils vergebens, gegen den Verfall des Kölschen Kulturguts. Die Entwicklung der neudeutschen Gesellschaft verdrängte immer mehr die Kölsche Volkskunst, bis nur noch der Karneval übrig blieb.
Toni wurde schon früh für den Rundfunk entdeckt. Seit 1950 spielte er für den WDR 40 Kindersendungen ein, welche etwas von der Kölschen Eigenart und Tradition vermittelten. Ab 1958 entstand bei Radio Luxemburg das musikalische Wechselspiel mit Camillo Felgen.
Ab 1963 lief, wieder auf dem WDR, die Sendung „Kölsche Leedcher – Kölsche Verzällcher“.
Seiner Überredungskunst ist es ebenfalls zu verdanken, das bei EMI Kölsche Langspielplatten herausgegeben wurden, die zu einem nicht unerheblichen Erfolg führten.
Ab 1968 strahlte der WDR die Sendung „So klingt´s bei uns im Rheinland“ aus, welche Steingass sechs Jahre lang moderierte.
Ebenfalls 1968 machte Steingass auch eine Tournee durch Amerika und er hatte bei den dortigen Auswanderern einen riesen Erfolg.
Seit 1965 wirkte Toni auf dem Altermarkt zur Karnevalseröffnung am 11.11. bei der Ostermann Gesellschaft immer mit. 1972 wurde auf seine Idee hin das erste Funken Biwak der roten Funken auf dem Neumarkt veranstaltet, welches auch heute noch am Karnevalsamstag stattfindet. Ebenfalls seiner Idee verdanken wir den Weihnachtsmarkt auf dem Altermarkt.
Als Anerkennung seiner Leistungen für das Kölner Brauchtum erhielt er 1977 die goldene Ostermannmedaille.
Von 1972 an, nach dem Ende des Steingass Terzett, trat er bis zu seinem plötzlichen Tot 1987 mit seinem Sohn Heli noch als „Die Steingässer, die Lebenskünstler aus Köln“ auf.

 

Quelle Text:
https://332542.forumromanum.com/member/forum/forum.php?action=ubb_show&entryid=1099045058&mainid=1099045058&USER=user_332542&threadid=1122458946


Seydlitz von, Friedrich Anton Florian ,    05 / 2020

Friedrich Anton Florian von Seydlitz

Königlich Preußischer General-Major

„Ich bin ein General, holt mich hier raus“ mag Anton von Seydlitz entsprechend dem leicht abgewandelten Titel von Dirk Bachs „Dschungelcamp“, gedacht haben, als dieser neben ihm bestattet wird. Ein größerer Gegensatz ist kaum denkbar: Hier der hochdekorierte preußische Generalmajor, dort der schrille, rheinisch-gemütvolle Komödiant. Anton Florian Friedrich Freiherr von Seydlitz entstammt schlesischem Uradel. Sein Vater ist Forstmeister zu Aken, nahe Magdeburg. Nach Pagenzeit am preußischen Hof, Kadettenausbildung und Mitgliedschaft in einem Feldjägerregiment wird er von Oberst Yorck zum persönlichen Adjutanten erwählt. An seiner Seite kämpft er im 4. Koalitionskrieg 1806/07 gegen Frankreich und im Russlandfeldzug 1811/12 zunächst an der Seite Napoleons. Das verbindet - zwischen Yorck und von Seydlitz entwickelt sich eine persönliche Freundschaft. Nach mehreren Jahren als Oberst im besetzten Frankreich kehrt er nach Preußen zurück.
Bemerkenswert ist, dass von Seydlitz für seine militärischen Verdienste sowohl die höchsten preußischen Auszeichnungen „Pour le Mérite“ und das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhält, als auch, 1817, das Französische Offizierskreuz der Ehrenlegion für die schonende Behandlung der Bevölkerung während der Besatzung. Bereits schwer erkrankt, zieht von Seydlitz mit dem IV. Armeekorps an den Rhein, wo er 1832 stirbt. Er wird als „vollendet schöner Mann“ beschrieben, dessen „äußerer Erscheinung auch sein Inneres entspricht.“
Letzteres verbindet ihn mit Dirk Bach, der für sein karitatives Engagement z. B. für die Aidshilfe oder Amnesty International, nicht nur in Köln, geehrt und geliebt wird. Sicherlich ist es dem seit je her offen schwul lebenden Dirk Bach auch nicht unangenehm, neben einem „vollendet schönen Mann“ seine letzte Ruhe gefunden zu haben. Dirk Bach, der nie eine Schauspielschule besucht hat, erhält seine erste Rolle in „Prometheus“ am Kölner Schauspielhaus, wo er über Jahre Ensemblemitglied ist. Bühnenerfahrung sammelt er bei freien Theatern in ganz Europa. Schließlich gelingt der Durchbruch mit der „Dirk Bach Show“. Es folgen Serien, wie „Lukas“, die Rolle als „Pepe“ in der Sesamstraße und immer wieder tragische und komische Rollen auf der Bühne und im Fernsehen. Über viele Jahre gehört Bach zu den beliebtesten Komikern im deutschsprachigen Raum. Er stirbt 2012 an Herzversagen. Eine 1832 gepflanzte, fast 200-jährige Platane überragt als ältester und dickster Baum Melatens die Gräber von Dirk Bach und Anton von Seydlitz. Dessen Grabmal ist ein mächtiger Steinzylinder, der mit einem korinthischen Prunkhelm mit Schweif und Schwert aus Bronze bekrönt ist.

Quelle Text: https://www.wo-sie-ruhen.de/friedhoefe?stadt=24&friedhof=27


Schanzleh  (roter Stein)  Heckmann (schwarzer Stein)     07 / 2020

Grabstätte der Familie Schanzleh, roter Stein

(Friedhof Melaten)

und

Grabstätte der Familie Heckmann / Zaum, schwarzer Stein
Alter Friedhof Viersen Löh

 

Der Sohn des promovierten Gymnasiallehrers und Historikers Friedrich zur Bonsen und dessen Frau Maria Elisabeth, geborene Hömberg, wurde in Fredeburg geboren. Rudolf zur Bonsen schloss das Studium der Rechtswissenschaften mit der Promotion ab. Er wurde 1909 Gerichtsreferendar in Hamm, später in Haltern und Münster. 1914 wurde er zum Gerichtsassessor befördert und im selben Jahr zum Kriegsdienst eingezogen. Er wurde bis zum Ende des Ersten Weltkriegs bei der Zivilverwaltung in Belgien eingesetzt.
Ab 1919 arbeitete er bei der Regierung und anschließend beim Oberpräsidenten in Königsberg (Preußen). Danach wechselte er im September 1919 als Regierungsassessor zum Regierungsbezirk Köln. Dort wurde er 1922 unter Vizepräsident Karl Budding zum Regierungsrat ernannt, dessen rechte Hand er im Verkehr mit den Besatzungsmächten war. Später wurde er als Beisitzer und schließlich dann Vorsitzender im Bezirksausschuß Köln. Am 1. Mai 1932 trat er in die NSDAP ein. Am 22. Februar 1933 wurde er als Regierungsvizepräsident, am 24. April 1933 als kommissarischer und am 15. Juni 1933 Regierungspräsident berufen. Im Frühjahr 1934 wurde er nach persönlicher Auseinandersetzung mit Hermann Göring über Kultur- und Kirchenpolitik, zunächst in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Aufgrund scharfer Kritik in ausländischer Presse wurde er acht Tage später, am 20. April 1934 zum Regierungspräsidenten des Regierungsbezirks Stettin ernannt. In Stettin wurde er in scharfem Widerspruch zur Partei am 16. Oktober 1934 mit sofortiger Wirkung erneut in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Im Oktober 1936 wurde von Bonsen zum kommissarischen Präsidenten der Bau- und Finanzdirektion Berlin berufen. Bereits im Dezember 1936 erfolgte zum dritten Mal die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand. Ende 1940 ging er in den endgültigen Ruhestand. Er lebte von 1937 bis 1952 zurückgezogen in Grainau/ Oberbayern.

Rudolf zu Bonsen wurde als NSDAP-Mitglied im Verfahren der Spruchkammer Garmisch-Partenkirchen als „entlastet“ eingestuft. Er gehörte von 1933 bis 1936 dem Ausschuss des Kölnischen Kunstvereins an.

Beigesetzt wurde er im Familiengrab seiner Frau Olga geb. Schanzleh

Die von Heinrich Stockmann erschaffenen Grabmäler für bedeutende Familien zeigen ein Zusammenspiel von monumentalen steinernen Anlagen und bronzenen, lebensgroßen Figuren.

Auf dem Melatenfriedhof in Köln schuf er für die Familie Schanzleh die gleiche Grabsteinanlage wie für die Familie Joseph Heckmann. Einzig der rote Granit unterscheidet die beiden Grabdenkmäler. Es ist nicht auszuschließen, dass die Familie Heckmann die Grabanlage auf einem Spaziergang über den Friedhof Melaten wahrgenommen hat. Es gab familiäre Kontakte durch Leopold Heckmann sen., der in Köln geboren und aufgewachsen war.
Heinrich Stockmann gehörte zu den Künstlern, die überregional tätig waren. Er verstand es den Zeitgeist in seinen klassizistisch geprägten Entwürfen einzubringen. Dabei traf er in seiner Sepulkralkunst den Geschmack der zu Reichtum gekommenen Oberschicht.
Heinrich Stockmann starb im Jahr 1906 in Bonn.

Quelle Teilweise: https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_zur_Bonsen#mw-head


Syebertz Wilhelm,    03 / 2021

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Stüssgen  Cornelius,    10 / 2020

Liebe Freunde von Orte der Stille,

der Text ist aus dem Jahr 2005 aber wunderbar geschrieben und mit Stüssgen starb eine echt kölsche Marke.

 

„Ich jon zum Stüsschen“ ist in Köln fast zu einem Synonym für „Ich gehe einkaufen“ geworden. Damit ist bald Schluss. Die 1897 von Cornelius Stüssgen gegründete Lebensmittelfirma wird es bis spätestens Ende 2005 nicht mehr geben. Die Rewe-Handelskette strebt eine einheitliche Vertriebslinie an

Beim Stüssgen in der Kölner Severinstraße herrscht trübe Stimmung unter den Kunden. „Der Stüssgen gehört zu Köln, so lange ich denken kann“, sagt eine 68-jährige Rentnerin. Und eine Hamburger Sekretärin, die erst seit einem Jahr in der Stadt am Rhein lebt, erklärt: „Jetzt habe ich mich gerade mal an diesen seltsamen Namen gewöhnt, da wird er auch schon geändert. “Lange werden die Kölner ihre Einkäufe nicht mehr in den liebgewonnenen Supermärkten mit dem gelb-roten Schriftzug tätigen können. Dabei ist der Satz „Ich jon zum Stüsschen“ doch fast schon zu einem Synonym für „Ich gehe einkaufen“ geworden. Aber damit ist es bald vorbei.

Zwar bleiben die Geschäfte selbst bestehen. Der Name muss jedoch weichen. Denn Dieter Berninghaus, neuer Chef der Supermarktkette Rewe, zu der Stüssgen gehört, wartet mit einem veränderten Filialprogramm auf. Unterschiedliche Namen und Konzepte seien einfach teurer als eine einheitliche Vertriebslinie, heißt es bei Rewe. Daher wird Stüssgen kurzerhand umgetauft und heißt in Zukunft miniMal – wie alle Supermärkte der Rewe-Kette.

Verkauf von 4 bis 23 Uhr

Im Spätsommer 1897 schlägt die Geburtsstunde der Stüssgen-Märkte. Unter dem Namen „Kölner Konsum-Anstalt“ eröffnet der frisch gebackene Lebensmittelkaufmann Cornelius Stüssgen seinen ersten Laden. In der Venloer Straße 466 in Ehrenfeld ist das Warensortiment noch sehr begrenzt. Gern kaufen die Kunden – in aller Regel dürften es Kundinnen gewesen sein – aber bereits Produkte wie Reis, Kaffee, Nudeln und vor allem Petroleum.

Zu dieser Zeit herrschen in der „Kölner Konsum-Anstalt“ geradezu moderne Verhältnisse. Zwei Frauen führen das Geschäft. Die Ladenöffnungszeiten sind bis heute ungetoppt: Verkauft wird von vier Uhr morgens bis 23 Uhr nachts. Auch an Sonn- und Feiertagen lädt die „Konsum-Anstalt“ zum Shoppen ein.

Aber so modern geht es denn doch wieder nicht zu. Zwei Frauen, Mutter und Tante, rackern sich im Laden für den einzigen „Mann im Haus“ ab. Dem erst 20-jährigen Cornelius bleibt dadurch jede Menge Zeit, über seine weitere Geschäftsstrategie nachzudenken. Und die heißt schon bald: „Gute Ware für bares Geld“. Mit dem althergebrachten Prinzip „Mal eben anschreiben lassen“ macht Stüssgen Schluss. Und zwar erfolgreich.

Bereits 1899 eröffnet der Begründer der heutigen Supermärkte seine erste Filiale in Brühl. Bis Ende 1904 betreibt er insgesamt zwölf Geschäfte. Und weil sich der Vertriebsradius erweitert hat, heißt die „Kölner Konsum-Anstalt“ inzwischen auch „Rheinisches Kaufhaus für Lebensmittel“. 40 bis 80 Quadratmeter Verkaufsfläche haben die Geschäfte. Zwischen drei und sieben Verkäuferinnen kümmern sich freundlichst um die Kundinnen. Schließlich ist das tägliche Einkaufen, und so sollte es noch lange bleiben, ausschließlich Frauensache.

Eigenmarke „Cornelia“

Hinter dem „weiblichen Muss“ stecken schon bald zwei männliche Köpfe. 1902 lässt Cornelius Stüssgen eine Zentrale für seine „Einkaufskette“ in der Mainzer Straße 32 in Köln erbauen. Etwa zur selben Zeit nimmt er seinen Schwager Josef Geyr ins Boot, der sich von nun an um den internen Geschäftsbetrieb kümmert. Und damit schafft sich der pfiffige Vordenker Stüssgen erneuten Freiraum, um weitere Innovationen zu planen.

Er erfindet das Prinzip der bequemen Verpackung von Lebensmitteln. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Waren wie Reis oder Zucker in Säcken angeliefert. Für den Verkauf mussten die Produkte einzeln entnommen und abgewogen werden. Cornelius Stüssgen lässt die Waren nun gleich im Lager wiegen und in Tüten abfüllen. Und bereitet damit dem Prinzip der Selbstbedienung den Weg, die den Lebensmittelhandel in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts grundlegend verändern wird.

Auch die Eigenmarke, die heute jeden Supermarkt auszeichnet, stammt vom Begründer der Kölner Stüssgen-Geschäfte. Tragen seine Produkte anfangs noch den kaum aussagekräftigen Buchstaben „S“, sind sie wenig später mit einem Markenzeichen versehen. Die Aufschrift „Cornelia“ bezeugt, dass ein Kunde sein Produkt bei Stüssgen erworben hat. Im Jahre 1914 – der Erste Weltkrieg hat gerade begonnen – beliefert die Kölner Zentrale bereits über 108 Filialen im Kölner Raum, im Rheinland, in Westfalen, im Hessischen und in Süddeutschland. Nach Kriegsende und dem Höhepunkt der Inflation im Jahre 1923 bleiben nur noch 57 Stüssgen-Läden übrig. Die befinden sich jetzt ausschließlich im Rheinland. Josef Geyr, Stüssgens tatkräftiger Partner, war bereits 1915 gestorben. Cornelius Stüssgen macht jetzt alleine weiter.

Der inzwischen erfahrene Geschäftsmann schafft es. Am 1. Januar 1928 geht er mit seinem Unternehmen an die Börse. Von nun an firmiert er unter „Cornelius Stüssgen AG“. 1929 zieht die Stüssgen-Zentrale in größere Räume nach Köln-Braunsfeld um. Dort richtet der Geschäftsinhaber Labore für die Veredelung von Waren ein und schafft vier vollautomatische Verpackungsmaschinen an. Zu ihren Rekordzeiten beliefert die Braunsfelder Zentrale 145 Stüssgen-Filialen in der Kölner Bucht.

Auch den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg überlebt die Lebensmittelkette. Immerhin wird die Firma im Oktober 1939 von den Machthabern als Wehrwirtschaftsbetrieb anerkannt; Lebensmittel sind unverzichtbar. Damit hat Stüssgen Anspruch auf Brennstoffe und sonstige Betriebsmittel, die anderen Unternehmen versagt bleiben. Und kann sich trotz der Rationierung vieler Produkte ganz gut halten. Viel schlimmer treffen die Firma Stüssgen die alliierten Bomben, denen die Kölner Zentrale und die Hälfte der Filialen zum Opfer fallen.

Verdrängungswettbewerb

Doch der inzwischen 68-jährige Firmengründer Cornelius Stüssgen lässt sich nicht entmutigen. Gleich nach 1945 macht er sich an den Wiederaufbau seines Unternehmens. Bis zur Währungsreform von 1948 haben bereits über 80 Filialen den Betrieb wieder aufgenommen.

1950 eröffnet Stüssgen den ersten „Tempoladen“. Die Besonderheit ist eine Zentralkasse, an der alle Beträge der eingekauften Waren zusammen erfasst und bezahlt werden können. Zu dieser Zeit eine echte Neuheit, musste doch bisher jede Verkäuferin jeden einzelnen Posten zusammenrechnen. Und musste doch jede einzelne Kundin bei jeder einzelnen Verkäuferin gesondert bezahlen – „Verkäuferin“ und „Kundin“, denn: Einkaufen ist trotz aller Umwälzungen immer noch Frauensache!

Das sollte sich bald ändern. Cornelius Stüssgen, der Begründer der „Kölner Konsum-Anstalt“, stirbt am 24. Juni 1956. Die Entwicklung zu immer größeren Selbstbedienungsmärkten und die Verdrängung der kleinen „Tante Emma-Läden“ musste er nicht erleben. Und auch die Frauen, die alsbald eine andere Position als die „hinter dem Verkaufstresen“ einfordern sollten, hat er nicht mehr erlebt.

In den Achtzigerjahren schlucken immer mehr Großkonzerne kleine Lebensmittelunternehmen, die sich gegen den Kostendruck nicht mehr wehren können. Einer dieser Großkonzerne ist die Rewe-Handelsgruppe. Die erwirbt die Stüssgen AG 1984 und 1989 in zwei Schritten.

Seit der ersten Übernahme von 51 Prozent der Stüssgen-Anteile durch die Rewe-Handelsgruppe sind 20 Jahre vergangen. 20 Jahre, in denen Stüssgen für die Kölner immer noch „der Stüsschen“ war. Nun müssen sie ein neues Synonym für „Ich gehe einkaufen“ erfinden. Ob es mit „Ich jon zum miniMal“ getan ist? Vielleicht in 20 Jahren.

Quelle Text: Geschrieben von ANDREA MARTENS https://taz.de/!722959/

Streifler  Katharina    10 / 2020

Katharina Streifler, Peter Streifler,

Ikonographie:

Nach unten gerichtete Fackel: Eine nach unten gerichtete Fackel mit erlöschender Flamme des Todesgottes Thanatos gilt als Symbol des erlöschenden Lebens.

Die Palme Symbolisiert der Auferstehung. Über die römische Kultur fand der Palmwedel Eingang in die christliche Symbolik. Auf frühen christlichen Grabsteinen fand der Palmzweig als Siegeszeichen über den Tod und den Teufel recht häufig Verwendung. In den letzten 150 Jahren kam der Palmzweig als Sinnzeichen auf unseren Friedhöfen wieder groß in Mode.

Mohnkapseln: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kommt die Darstellung von Mohnblüten und Mohnkapseln in Mode. Der konisch zulaufende Sockel, auf den sich der Engel stützt wird von einem Kreuz bekrönt. In seiner Hand hält er Mohnkapseln, die erneut den Tod als den Bruder des Schlafes symbolisieren.

Der Kranz: In Totenbrauchtum der Ringform oder Kreis ohne Anfang und Ende, steht der Trauerkranz als Symbol für die Ewigkeit und damit auch als Zeichen für ein Leben nach dem Tod. Zum anderen drückt er die Verbundenheit zwischen dem Verstorbenen und den Hinterbliebenen, über den irdischen Tod hinaus, aus.