Melaten - Friedhof Köln, Namen   G - L


Die Stätte „Melaten“ wird 1180 erstmals urkundlich erwähnt. Mit Sicherheit schon länger befindet sich hier eine Leprosenunterkunft. Um das Umgreifen dieser höchst ansteckenden bakteriellen Erkrankung zu verhindern, werden die Leprakranken außerhalb der Städte ohne Ansehen von Stand und Vermögen in abgeschottete Unterkünfte eingewiesen. So auch in Köln. Der Begriff „Melaten“ leitet sich vom Französischen „Malade“, also „Krank“ ab. Direkt benachbart liegt eine der Haupthinrichtungsstätten Kölns, die auch durch die Verbrennung von Protestanten und angeblichen Hexen traurige Berühmtheit erlangt. 1767 wird das Leprosenheim aufgelöst und als Landgut weiter geführt.Als Köln 1794 von den napoleonischen Truppen besetzt und in den französischen Staat integriert wird, wird auch das Friedhofswesen reformiert. Laut „Kaiserlichem Dekret über die Begräbnisse“ vom 12. Juni 1804 dürfen Tote nicht mehr innerhalb der Stadtmauern, also in Kirchen und auf Kirchhöfen beerdigt werden. Ferner wird den Kirchen das Beerdigungswesen entzogen und geht auf die Munizipalität über. An der Chaussee nach Aachen wird ein geeignetes, rd. 3 ha großes Grundstück für die Anlage eines Friedhofs gefunden. Der Universalgelehrte Ferdinand Franz Wallraf übernimmt die Planung.Der zunächst rein katholische Friedhof kann am 29. Juni 1810 geweiht werden. Die 1474 errichtete Kapelle des ehemaligen Leprosenheims wird als Friedhofskapelle übernommen. Wallraf entwirft auch die Mauer und das Friedhofsportal, dessen Gestaltung dem monumentalen französischen Revolutionsklassizismus entlehnt ist. In Folge des Wiener Kongresses fällt Köln 1815 an Preußen. 1829 wird der Friedhof auch für Protestanten geöffnet. Das bedingt 1831/32 die erste Erweiterung auf mehr als die doppelte Fläche. Mit dem Bevölkerungswachstum im Zuge von Industrialisierung und Eingemeindungen wird Melaten in mehreren Schritten erweitert. Während die neuen Teile bis 1874 additiv an den jeweiligen Bestand angefügt werden, erfolgt die fünfte Erweiterung von 1884-87 nach einem großzügigen Plan auf fast die doppelte Fläche. Im Mittelteil wird eine zweite Hauptachse von Nord nach Süd hippodromförmig aufgeweitet und schafft hier Platz für exklusive Grabstätten. Diese Nord-Süd-Achse bildet mit der Ost-West-Achse, die nach Westen verlängert wird, einen Kreuzungspunkt, sodass auch hier auf der sog. „Millionenallee“ prunkvolle Grabanlagen entstehen. Im Zweiten Weltkrieg wird Melaten durch unzählige Bomben zerstört. Um die Kriegs- und Nachkriegstoten beerdigen zu können, werden 1948 und 1956 weitere Grabfluren an den Rändern angelegt. Der Haupteingang wird zur Piusstraße und damit an den Anfangspunkt der „Millionenallee“ verlegt. Hier entsteht die großzügige, qualitätsvolle Neue Trauerhalle des Architekten Fritz Schaller.

(Autor: Gerd Bermbach)

 

Quelle: https://www.wo-sie-ruhen.de/friedhoefe?stadt=24&friedhof=27


G

Gesse  Adolph und Katharina   10 / 2020

Die Grabstätte von Adolph und Katharina Gesse ist selbst für den Melatenfriedhof sehr ungewöhnlich. Man kennt diesen Grabtyp eher von barocken Bischofsgräbern, aber die Statue und der Umhang stellen aus meiner Sicht eher einen Ritter dar. Leider konnte ich zu der Grabstätte bisher nicht viele Informationen finden, aber vielleicht wisst Ihr ja mehr als ich?

Ich freue mich über jede Ergänzung und jede Information von Euch, das gilt natürlich für alle meine Bilder und Geschichten.

 


Gronewald Johann Joseph   04 / 2021

Johann Joseph Gronewald (* 4. März 1804 in Lindlar; † 28. August 1873 in Köln) war ein deutscher Pädagoge für Gehörlose und Gründer der ersten Gehörlosenschule in Köln.

 

Johann Joseph Gronewald wurde 1804 als Sohn des Steinmetz Christian Gronewald und seiner Ehefrau Magdalene Finke in Lindlar geboren.

 

1822 erhielt Gronewald eine Schulamtskandidatenstelle in Porz-Libur. Nach zweijähriger Tätigkeit begann er 1824 seine Ausbildung im Lehrerseminar Brühl und beendete 1826 sein Studium mit der Note „1“. Der damalige Leiter der Schule Dr. Schweitzer empfahl Gronewald eine Ausbildung in Berlin zum Gehörlosenpädagogen, um an den seit 1817 vereinzelt entstandenen „Taubstummenanstalten“ Gehörlose zu unterrichten. 1828 schloss er sein Studium beim Taubstummeninstitut Berlin ab und erhielt eine Anstellung an der Höheren Bürgerschule in Köln und unterrichtete nebenbei in seine Wohnung gehörlose Kinder, wozu ihm vorübergehend eine Stundenermäßigung zugestanden wurde, die ihm jedoch 1831 entzogen wurde. Auf Drängen von Eltern gehörloser Kinder erhielt Gronewald im gleichen Jahr zwei Räume im Kölner Minoritenkloster. Dieses Datum gilt als eigentliches Gründungsdatum der ersten Schule für Gehörlose der Rheinprovinz, die 1850 bereits 50 Schüler zählte.

Gronewald mobilisierte die Spendenbereitschaft Kölner Bürger für die neue „Taubstummenanstalt zu Coeln“.

Der Pädagoge starb unverheiratet am 28. August 1873 in Köln; sein ganzes Vermögen vermachte er der Taubstummenanstalt in Köln. Die Stadtverordnetenversammlung von Köln genehmigte ihm zwei Grabstellen auf Friedhof Melaten und eine Spende für ein würdiges Grabmal (Lit. B).

 

Grabmal der Neorenaissance mit Relief der Darstellung der Heilung eines taubstummen Kindes.

 

Am Sockel die Inschrift: „Hier ruht / Johann Joseph Gronewald / 4erster Direktor der Taubstummenschule zu Coeln / geboren 1804, gestorben 1873 / Zur Erinnerung an die aufopfernde Nächstenliebe, zu welcher er Thätigkeit und / Vermögen dem Wohle der Taubstummen widmete, setzten ihm dieses Denkmal / die Stadt Coeln, die Taubstummenschule und seine Freunde.“

 

Das 1956 neu errichtete und später erweiterte Schulgebäude der Johann-Joseph-Gronewald-Schule steht seitdem in Köln-Lindenthal an der „Gronewaldstraße 1“, benannt zu Ehren des Mannes, der sich durch selbstlose Öffentlichkeitsarbeit und pädagogischen Einsatz ausgezeichnet hatte.

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Joseph_Gronewald

 

Heruntergeladen am 05.04.2021


Grüneberg Hermann,   03 / 2021

Hermann Julius Grüneberg (* 11. April 1827 in Stettin; † 7. Juni 1894 in Köln) war ein deutscher Apotheker, Chemiker und Unternehmer, der als Pionier der deutschen Kaliindustrie und Wegbereiter der mineralischen Düngung in der Landwirtschaft gilt.

 

 

Leben und Werk

Grüneberg war das zweite von sechs Kindern des Orgelbaumeisters August Wilhelm Grüneberg und dessen Frau Caroline Henriette geb. Breslich aus Cammin; einer seiner Brüder war Barnim Grüneberg, der die väterliche Orgelbauwerkstatt fortführte.

 

Hermann Grüneberg besuchte die Elementarschule an der Johanniskirche und später das Gymnasium und die Friedrich-Wilhelm-Schule in Stettin. Sein Berufsleben begann mit der Ausbildung zum Apotheker und der Lehre in der Apotheke Zum Pelikan in Stettin. In dieser Apotheke – einer der größten des Landes – arbeitete Grüneberg längere Zeit im Laboratorium unter der Leitung des Chemikers G. Garbe.

 

Nach geleistetem Militärdienst erhielt Grüneberg im September 1850 das königlich preußische Patent auf eine Vorrichtung zur Zuleitung und Verteilung der zur Bleiweißherstellung erforderlichen Substanzen. Der Aufbau einer Fabrik zur Herstellung von Bleiweiß nach seinem Verfahren in Schweden wurde erfolgreich, so dass er ein ähnliches Werk in Alt-Damm bei Stettin errichtete.

 

Nach dem Studium in Berlin bei Eilhard Mitscherlich und Gustav Rose, sowie in Paris bei Boussignault und Georges Ville folgten Studienreisen durch Deutschland, in die Schweiz, durch Frankreich, England und Schottland, wobei er Erfahrungen in circa 130 Betrieben sammelte und notierte. 1860 wurde Grüneberg in Leipzig über die Theorie der Bleiweißproduktion promoviert. Durch seine Forschungen und Experimente erzielte er wesentliche Verbesserungen in Qualität und Eigenschaften von Bleiweiß.

 

Der durch den Krimkrieg ausgelöste Mangel an Salpeter zur Herstellung von Schwarzpulver veranlasste Grüneberg, erstmals künstlichen Kalisalpeter durch Zersetzen von Natronsalpeter mit Pottasche in einer von ihm erbauten großen Anlage in Bredow bei Stettin zu produzieren. Durch seine Erfindung wurde ein Fabrikationszweig in Deutschland eingeführt, der den ausländischen Bengalsalpeter fast gänzlich ersetzte.

 

Der Chemiker Hermann Grüneberg und der Kaufmann Julius Vorster gründeten am 1. November 1858 die Firma Vorster & Grüneberg in Kalk bei Köln, die sich später als Chemische Fabrik Kalk GmbH zu einem der führenden Großunternehmen der chemischen Industrie Deutschlands entwickelte. Im Februar 1859 begann in Kalk die Produktion von Kalisalpeter nach dem Grüneberg´schen Verfahren.

 

Im Mai 1859 begann Grüneberg mit Versuchen zur Darstellung des schwefelsauren Kali aus den Staßfurter resp. Anhaltinischen Abraumsalzen aus den Abraumsalzen der Salzbergwerke. 1861 und 1862 wurden von Vorster & Grüneberg Kalifabriken in Staßfurt und Leopoldshall in Betrieb genommen. Am 30. August 1862 wurde das königlich preußische Patent Nr. IV 8062 erteilt. 1865 wurde erstmals Pottasche nach dem sonst nur zur Sodaerzeugung angewandten Leblanc-Verfahren produziert. Auf den Weltausstellungen in Paris und Philadelphia wurden die Grüneberg´schen Produkte für ihre besondere Qualität und Reinheit mit Goldmedaillen ausgezeichnet. Auf Ausstellungen in Wien, Harlem, Porto, Chemnitz, Metz, Köln und Stettin erhielt die Firma Silber- und Bronzemedaillen, sowie in London eine Honorable Mention.

 

In den folgenden Jahren erhielt Grüneberg kaiserliche Patente zur Darstellung von Strontiumcarbonat (1878), von Schönit (1879) und zur Extraktion von Schönit aus Kainit (1882).

 

Ausgehend von den Erkenntnissen Justus von Liebigs war Hermann Grüneberg maßgeblich an der Einführung der mineralischen Düngung in der Landwirtschaft durch Versuche, Vorträge und Veröffentlichungen beteiligt. Gemeinsam mit den französischen Chemikern Boussignault und Ville führte er erstmals Gefäßversuche für die Düngung ein. Die von ihm herausgegebene Düngetafel wurde für Jahrzehnte ein unentbehrliches Hilfsmittel für die Landwirtschaft.

 

Grüneberg konstruierte den Grünebergschen Apparat zur kontinuierlichen Destillation von Ammoniak aus bis dahin ungenutzten Quellen – dem bei der Herstellung von Leuchtgas in den Großstädten anfallenden Gaswasser. Der Apparat wurde am 10. Mai 1878 vom Kaiserlichen Patentamt unter der Nr. 5255 patentiert und in circa 100 Anlagen weltweit betrieben. Es folgten Patente für Österreich, Ungarn, Italien, Frankreich, Großbritannien und die USA. Vorster & Grüneberg bauten Ammoniakfabriken in Raderberg, Köln-Nippes, Düsseldorf, Dortmund und Essen. Die größten Anlagen wurden in Leipzig, Hamburg, Moskau und Sankt Petersburg betrieben.

 

Hermann Grüneberg war Mitglied des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und Gründungsvorsitzender sowie späteres Ehrenmitglied des Kölner Bezirksvereins des VDI.   Gemeinsam mit dem Kölner Unternehmer Eugen Langen gründete er den Westdeutschen Verein für Erfindungsschutz, den späteren Deutschen Patentschutzverein. Er war später Mitbegründer und zweiter Vorsitzender des Deutschen Chemieverbandes. Er war Vorsitzender der Berufsgenossenschaft Sektion IV (Rheinland und Westfalen) und Vertreter der chemischen Industrie im rheinischen Eisenbahnrat.

 

Ein Jahr nach seiner Ernennung zum Kommerzienrat verstarb Grüneberg und wurde auf dem von dem Berliner Architekten Otto March und dem Bildhauer Robert Toberentz gestalteten Familiengrab in der Mittelallee des Kölner Melaten-Friedhofs beigesetzt. An ihn erinnern die Grüneberg-Schule und die Grünebergstraße in Köln-Kalk sowie eine Marmorbüste von Hugo Lederer im Kölnischen Stadtmuseum.

 

Robert Toberentz (* 4. Dezember 1849 in Berlin; † 31. Juli 1895 in Rostock) war ein deutscher Bildhauer.

 

Leben

1867 bis 1869 studierte Toberentz an der Berliner Kunstakademie und danach zwei Jahre im Atelier von Johannes Schilling in Dresden.

 

Von 1872 bis 1875 ging er nach Rom, wo er allmählich immer mehr eine realistische Richtung in seinen mythologischen Genrefiguren und Gruppen einschlug, z. B.: „Ein Satyr mit Amor“, „Perseus verhüllt das Haupt der Medusa“, „Römischer Hirt“ (Nationalgalerie Berlin) und andere. Nach seiner Rückkehr aus Italien kam er wieder nach Berlin und war von 1879 bis 1885 Leiter des Meisterateliers für Bildhauerei am Schlesischen Museum der Bildenden Künste in Breslau.

 

1885 bis 1889 hielt sich Toberentz in Amerika auf und kehrte 1890 über Paris wieder nach Berlin zurück. Den Professorentitel erhielt er 1895 in Berlin.

 

Am 31. Juli 1895 starb Robert Toberentz während einer Reise in Rostock. Sein Grab befindet sich auf dem St.-Marien- und St.-Nikolai-Friedhof I im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg.

 

Er war mit der Rodin-Schülerin Catherine Toberentz verheiratet.

 

Schaffen

1875 brach er mit seiner älteren Richtung, die sich im Rauch'schen Idealstil bewegt hatte, und arbeitete in der Weise von Reinhold Begas im engen Anschluss an die Natur. Die ersten dieser Arbeiten waren die Marmorfigur einer Elfe und ein Faun mit Amor, denen 1878 die Bronzefigur eines ruhenden Hirten (in der Berliner Nationalgalerie) folgte. Auch seine sehr treffend charakterisierten Porträtbüsten wurden gerühmt.

 

Am 12. November 1887 wurde der monumentale Brunnen in Görlitz mit der sogenannten „Muschelminna“ eingeweiht, eine bronzene Frauenfigur mit einer Wasser spendenden Muschel über dem Kopf. Der Name „Muschelminna“ entstand aus dem Volksmund, der die auf dem Marmorsockel befindliche Bronzestatue so bezeichnete. Die Statue wurde während des Zweiten Weltkriegs eingeschmolzen. Seit 1994 ist eine originalgetreue Nachbildung auf dem Brunnen zu sehen.

 

1891 entstanden in Berlin die lebensgroße nackte Figur einer altgriechischen Bildhauerin, ein auf einem Ruhebett schlafendes Mädchen und das Reiterstandbild des Kaisers Barbarossa für die Kaiserpfalz Goslar.

 

Nach dem Tode des Bildhauers Martin Paul Otto wurde Robert Toberentz 1893 die Vollendung des Lutherdenkmals für Berlin übertragen, an dem vornehmlich der Kopf Luthers und die Sitzfiguren von Ulrich von Hutten und Franz von Sickingen sein eigenes Werk sind. Nach dem Einschmelzen sämtlicher Begleitfiguren der Denkmalsanlage und der Zerstörung des Platzes im Zweiten Weltkrieg wurde die erhaltene Lutherfigur in der Stephanus-Stiftung in Berlin-Weißensee aufgestellt. Die Rückführung des Denkmals an die Marienkirche in die Nähe seines ursprünglichen Standorts auf dem Neuen Markt im Marienviertel fand im Oktober 1989 kurz vor dem Fall der Berliner Mauer statt.

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Gr%C3%BCneberg

https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Toberentz

Heruntergeladen am 22.03.2021

 


Guilleaume Franz Carl   04 / 2021

Franz Carl Guilleaume (* 30. Dezember 1834 in Köln; † 1. Dezember 1887 ebenda) war ein deutscher Unternehmer und Gründer des Carlswerks. Er wird „der Jüngere“ genannt, um ihn von seinem Großvater Franz Karl Guilleaume (1789–1837) zu unterscheiden.

 

Leben

 

Franz Carl Guilleaume wurde am 30. Dezember 1834 in Köln als Sohn von Theodor Guilleaume (1812–1879) und Wilhelmine Dahmen (1811–1838) geboren. Er besuchte in Köln die höhere Bürgerschule und die Gewerbeschule. Nach einem Studium an der Universität Lüttich lebte er zeitweise in Belgien und England.

 

Im Jahr 1859 heiratete er Antoinette Gründgens (* 5. November 1837, † 1922). Antoinette war in Aachen geboren als Tochter des Aachener Kaufmanns und Eisengroßhändlers Arnold Gründgens (1794–1875) und Lucia Urlichs. Sie war eine Tante von Gustaf Gründgens.

 

Franz Carl und Antoinette hatten drei Söhne und zwei Töchter.

 

Wirken

 

Im Jahr 1860 wurde Franz Carl Guilleaume Teilhaber und 1865 alleiniger Inhaber der Firma Felten & Guilleaume. 1874 gründete er das Carlswerk in Köln-Mülheim als Produktionsstätte für Fahrdrähte, Freileitungsseile aus Kupfer und Aluminium, Leitungsdrähte und Starkstromkabel. Franz Carl Guilleaume baute die Firma Felten & Guilleaume zu einem der größten Unternehmen auf dem Gebiete der Drahtfabrikation aus. Er war maßgeblich verantwortlich für die Einführung von Gußstahldrahtseilen im Bergbau, der Weiterentwicklung des Stacheldrahtes für Gitter und Zäune und der Konstruktion vieladriger Kabel für die Telefonie. Franz Carl Guilleaume gehörte 1881 zu den Gründern des Vereins der Industriellen für den Regierungsbezirk Köln.

 

Eine sehr bemerkenswerte und spannende Firmengeschichte gibt es hier 

https://de.wikipedia.org/wiki/Felten_%26_Guilleaume

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Carl_Guilleaume

Heruntergeladen am 25.04.2021


H

Hagen Louis / Ludwig Levy  03 / 2021

Louis Hagen

Louis Hagen, gebürtig Ludwig Levy (geboren 15. Mai 1855 in Köln; gestorben 1. Oktober 1932 ebenda) war ein deutscher Bankier, der mit seiner Bank Industriepolitik betrieb und dadurch zur deutschen Wirtschaftselite aufstieg.

 

Werdegang

Seine Eltern waren Hermann Abraham Löb (dann: Levy; * 1825, † 1873), der seit 1852 mit Johanna Coppel (* 1832, † 1902) verheiratet war, deren ebenfalls jüdische Eltern in Solingen eine Stahlwaren- und Waffenfabrik betrieben. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor (neben Louis u. a. Carl, Fanny, verh. mit Maximilian Kempner, Albert und Elise). Louis Levy besuchte das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (Köln) und für zwei Semester die Handelshochschule in Antwerpen, bevor er bei Jacob Freiherr von Landau in dessen Bank- und Handelshaus Jacob Landau in Berlin seinen Ausbildungsweg im Bankfach begann. Nach dem frühen Tode seines Vaters trat Louis Levy 1873 in die väterliche Bank „Bankhaus A. Levy & Co.“ ein und fungierte dort seit 1877 als Teilhaber. Das Kölner Bankwesen war damals führend im Westen durch die Finanzierung der Industrialisierung im Rheinland und Ruhrgebiet. Hier residierten insbesondere Sal. Oppenheim (seit 1789), Bankhaus J. H. Stein (1790), A. Schaaffhausen’scher Bankverein (seit 1791) oder das Bankhaus I. H. Herstatt (seit 1793).

 

Aufstieg der Bank

Louis Levy bemühte sich um das Bankgeschäft mit der industriellen Unternehmenskundschaft, wodurch er seine Frau Anna Emma Hagen (* 20. August 1866, † 14. Februar 1929) kennenlernte. Deren Vater Gottfried Hagen (*1829, † 1900) war ein angesehener Kölner Metallhändler und Bleirohrfabrikant. Im Jahr 1886 heiratete Levy seine Verlobte Anna Emma Hagen, konvertierte zum Katholizismus und nahm 1893 ihren Familiennamen Hagen an.

 

Die Gründung der Kölner Land- und Seekabelwerke im Mai 1898 erforderte hohen Kapitalbedarf, der durch Vermittlung von Louis Hagens Bank mit einer 50%igen Aktienbeteiligung von einem Bankenkonsortium gedeckt und vom Konsortium 1901 an Felten & Guilleaume veräußert wurde. Der Beteiligungserwerb förderte das Wachstum dieses Kölner Unternehmens. Hagen war 1903 wesentlich an der Schaffung eines Kartells in der Sprengstoffindustrie beteiligt. Die Vereinigten Stahlwerke van der Zypen waren 1903 aus der Fusion der Wissener Bergwerks- und Hütten-AG mit dem Kölner Stahlwerk Gebr. van der Zypen hervorgegangen, wobei Hagen maßgeblichen Anteil an den Fusionsbemühungen zugeschrieben wird. 1913 finanzierten das Bankhaus A. Levy & Co. („Levybank“) und Oppenheim dem neu gegründeten „Deutschen Verlagsverein“ die Übernahme des Scherl-Zeitungsverlags für 8 Millionen Mark, um ihn vor dem Erwerb durch einen liberalen Verlag zu schützen. Im Januar 1908 bot Hagen sein Thyssen-Aktienpaket dem Industriellen Hugo Stinnes an, der jedoch ablehnte. Nach 1918 erwarb Louis Hagen zusammen mit Thyssen, Klöckner und Otto Wolff von Amerongen hieran die Aktienmehrheit von der Deutschen Bank AG; bis 1923 verfügte Hagen zusammen mit Otto Wolff über die Aktienmehrheit, die er dann 1924 Otto Wolff alleine überließ. Hagen hatte auch Bankverbindung zum Eschweiler Bergwerksverein, an dessen Fusion mit dem Luxemburger Stahlunternehmen Arbed 1913 er maßgeblichen Anteil hatte, was ihm einen Verwaltungsratsposten bei Arbed einbrachte. Als das Unternehmen seines Schwiegervaters 1922 in eine Aktiengesellschaft umwandelte, war die Levybank zur Stelle (das Unternehmen blieb jedoch überwiegend in Familienbesitz). Die Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb befand sich 1925 in einer Krise, die durch Liquiditätskredite von der Darmstädter und Nationalbank und dem Bankhaus Levy abgewendet werden konnte. Durch Louis Hagen wurde das Bankhaus A. Levy zu einem der bedeutendsten Privatbankiers der Weimarer Republik.

 

Mandatstätigkeit und Ämter

Hagen gehörte zu den Bankiers, die ihre Firmenkontakte untereinander verknüpften („big linkers“). Seine Hauptaufgabe bestand in der Bündelung industrieller Interessen, die zahlreiche Fusionen förderte. Die Kontakte zur Industrie brachten nicht nur seiner Bank Geschäfte, sondern führten zu einer Vielzahl von Aufsichtsrats- und Verwaltungsratsposten für Hagen. Diese ermöglichten ihm einen tieferen Einblick in das jeweilige Unternehmen und ausgedehnte Kontrollmöglichkeiten. Er vereinigte 1912 insgesamt 39 Aufsichtsratsmandate, 1927 bereits 58 Mandate auf sich, zum Höhepunkt 1930 waren es sogar 93. Deswegen wird er von Historikern – neben Jakob Goldschmidt, der bis zu 123 Aufsichtsratsmandate belegte, als „König der Aufsichtsräte“ tituliert.

 

Daneben nahm Louis Hagen zahlreiche öffentliche Ämter wahr. 1904 wurde er zum Kommerzienrat, 1916 zum Geheimen Kommerzienrat ernannt. Seit 1906 war er Mitglied der Handelskammer zu Köln, 1912 wurde er zu deren stellvertretendem Vorsitzenden und 1915 erstmals zum Präsidenten gewählt. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Tode 1932 inne. Zwischen 1909 und 1929 war er Stadtverordneter, 1921 bis 1930 Mitglied im Preußischen Staatsrat. Außerdem war er im Hauptausschuss des Deutschen Industrie- und Handelstages, im Vorläufigen Reichswirtschaftsrat und im Rheinischen Provinziallandtag vertreten und war ferner Mitglied im exklusiven Generalrat der Reichsbank. Von 1922 bis zu seinem Tod war er "Förderndes Mitglied" der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.

 

Kontakte zu Konrad Adenauer

1919 wechselte Hagen zur Zentrumspartei, in der auch der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer Mitglied war. Hagen war nachfolgend aktiv in die deutsche Politik involviert. Er war insbesondere am Versuch beteiligt, das Rheinland zu einem mindestens währungspolitisch autonomen Staat innerhalb der deutschen Republik zu machen. Den „Aufzeichnungen zu den Friedensverhandlungen von Versailles im Jahre 1919“ des Generalkommissars der deutschen Friedensdelegation, Ministerialdirigent Hans Simons, zufolge waren am 6. Juni 1919 aus Köln der Regierungspräsident Karl von Starck, OB Adenauer, der Bankier Louis Hagen sowie einige Abgeordnete anwesend. Hagen führte Verhandlungen mit Frankreich über die Errichtung einer Rheinisch-Westfälischen Notenbank, wie aus seinem Brief vom 31. Dezember 1923 an den damaligen Reichskanzler Wilhelm Marx hervorgeht. Frankreich ging davon aus, dass alle wichtigen Bankiers der besetzten französischen Gebiete bereit seien, eine „Rheinische Notenbank“ zwecks eigener rheinischer Währung („Rhein-Mark“) zu gründen. Im November 1922 gründeten Hagen und OB Adenauer eine Kölner Notgemeinschaft, die die finanzielle Notlage der durch die Inflation betroffenen Kleinrentner lindern sollte. Louis Hagen erwarb privat im Jahr 1904 das Schloss Birlinghoven, in dessen Gästebuch sich OB Konrad Adenauer am 21. Oktober 1917 erstmals verewigte.

 

Krise seiner Bank

Seit 1922 war das Bankhaus Levy in einer Interessengemeinschaft (heute: Ergebnisabführungsvertrag) mit dem Bankhaus Sal. Oppenheim verbunden. Hagen wird 1928 Mitinhaber des Bankhauses Oppenheim. Hagen, der als skrupelloser Spekulant charakterisiert wird, brachte seine Bank ab 1929 in eine sich verschärfende Liquiditätskrise. Im August 1931 hatte die Levybank Auslandsschulden von mindestens 50 Millionen Reichsmark. Schwierigkeiten verursachten die Großkredite an Industrie und Kommunen. Da diese Kredite nicht mehr zu mobilisieren waren, aber die Auslandsgläubiger Rückzahlung verlangten, drohte der Bank Zahlungsunfähigkeit. Diese gefährdete über die Interessengemeinschaft auch Oppenheim, sodass man sich im November 1932 entschloss, die Gewinn- und Verlustgemeinschaft aufzuheben.

 

Zum Höhepunkt der Krise zog sich Louis Hagen 75-jährig 1931 aus dem Bankgeschäft zurück und übertrug seine Aufgaben dem Prokuristen Hermann Leubsdorf, der auch die Gesellschafterfunktion bei Levybank und Oppenheim übernahm. Die Abwicklung des Bankhauses Levy war auf das fragwürdige Geschäftsgebaren Hagens zurückzuführen und hätte nach Auffassung Friedrich Carl von Oppenheims auch ohne „Arisierung“ stattfinden müssen. Das Bankhaus A. Levy wurde bis zum 31. Dezember 1935 fortgeführt, um Gerüchte über einen bevorstehenden Konkurs zu vermeiden. Im „Deutschen Volkswirt“ vom 31. Januar 1936 wurde die Eingliederung des Bankhauses A. Levy in das Bankhaus Sal. Oppenheim & Cie. ausdrücklich aufgrund der sich ergebenden und genutzten „Gelegenheit ..., durch die jetzt vorgenommenen personellen Änderungen den Rest des nichtarischen Charakters zu beseitigen“, begrüßt. Am 31. Dezember 1938 ist das Bankhaus Levy auf Hagens Erben übergegangen und am 10. Januar 1939 endgültig liquidiert worden.

 

Tod

Louis Hagens letzte Amtshandlung war am 30. September 1932 die Einweihung der neuen Kölner Handelskammer und Börse (Unter Sachsenhausen 4; jetzt: Oppenheim), bei der er am Abend einen Schlaganfall erlitt und am 1. Oktober 1932 verstarb. Sein langjähriger Freund Konrad Adenauer hielt am 4. Oktober 1932 die Trauerrede. Er hatte zwei Töchter, die beide in Adelsfamilien einheirateten: Elisabeth (* 20. August 1886; † 16. April 1979) heiratete 1909 Clemens Freiherr von Wrede-Melschede, Maria (1889–1943) heiratete 1911 Robert Freiherr von Dobeneck und nach dessen Tod in zweiter Ehe 1932 Stanislaus Graf Strachwitz von Groß-Zauche und Camminetz.

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Hagen

Heruntergeladen am 27.03.2021

 

 


Hamm Filio Caspar  04 / 2021

Das Grabmal Caspar Hamms wiederum greift Elemente antiker Plastik auf. Errichtet wurde es zwischen 1818 und 1820 von Peter Joseph Imhoff (1768-1844), teilweise restauriert wurde es später durch Stephan Kaiser.  Auch hier taucht erneut das Symbol der umgedrehten, noch brennenden Fackel auf, auf die sich der junge Todesgenius stützt. Sein rechter Arm umgreift einen obeliskenförmigen Sockel, auf dem ein kugelartiges Element ruht. Ein Mantel bedeckt sowohl das Architekturelement wie auch die Scham des jungen Mannes. Nur noch fragmentarisch erhalten sind die einst imposanten Flügel des Dargestellten, auch das Gesicht ist beschädigt. Die Inschrift ist im Gegensatz zu anderen Grabmälern eher schlicht gehalten. Ähnlich wie beim Grabmal der Familien Pfeifer und Mayer greift Imhoff auch hier auf Skulpturen Bertel Thorvaldsens zurück. 

Quelle Text: https://wallraf.mapublishing-lab.uni-koeln.de/wallraf-in-koeln/melatenfriedhof/die-grabmaeler-aus-wallrafs-zeit
Heruntergeladen am 28.04.2021


Herstatt Iwan-David, Familie  04 / 2021

Unternehmensgeschichte

Die Herstatt-Bank besaß ein Vorläuferinstitut, das auf eine mehr als 100-jährige Historie zurückblicken konnte.

 

Vorläuferinstitut 1792–1888

Die Familiendynastie Herstatt begann in Köln mit Isaak Herstatts (* 21. August 1697 in Eschweiler, † 28. April 1761 in Köln) Antrag auf Aufenthaltserlaubnis am 21. März 1727. Der streng protestantische Hugenotte stammte aus dem flandrischen Valenciennes. Er und seine Nachfahren betrieben Handelshäuser, insbesondere mit Seide. Auch das von den beiden nachfolgenden Brüdern Johann David Herstatt (* 13. Oktober 1740 in Köln, † 2. Januar 1809 ebenda) und Jakob Herstatt (* 29. Januar 1743 in Köln, † 25. März 1811 ebenda) gegründete Bankhaus I. D. Herstatt (Köln, Hohe Pforte 25–27) ging 1782 aus einer Seiden- und Florettbandweberei hervor, wobei die Brüder in den Gründerjahren krisenbedingt das Seidengeschäft sukzessive zugunsten das Kommissions- und Bankgeschäfts zurückdrängten.

 

Johann David Herstatt führte das Unternehmen ab 1782 ohne seinen Bruder weiter. Als Bankier wird Johann David Herstatt erstmals im Ratsprotokoll der Stadt Köln vom 27. Januar 1792 erwähnt. Die Herstatt-Bank war zusammen mit dem A. Schaafhausen’schen Bankverein während der französischen Besatzungszeit in Immobiliengeschäfte aus Säkularisation involviert. Sie verfügte 1796 über ein Eigenkapital von 100.000 Reichstalern, das im Jahr 1810 auf 260.000 angewachsen war. Erst ab 1815 wurden ausschließlich Bankgeschäfte betrieben, und zwar insbesondere das Warenwechselgeschäft und der Kontokorrentkredit. Bankkunden waren die Montan-, eisenverarbeitende und Textilindustrie in der Region. Seit 1818 bestand eine Kooperation der Herstatt-Bank mit den Kölner Privatbanken J. H. Stein und A. Schaafhausen’scher Bankverein.

 

In der dritten Generation führte Friedrich Peter Herstatt (* 25. September 1775 in Köln, † 7. Mai 1851 ebenda) die Bankgeschäfte, der sich als Teilhaber 1798 seinen Schwager Ludwig Gottfried von den Westen (* 13. August 1766, † 1. September 1845 Köln) und ab 1837 Heinrich Ziegler holte. Zusammen mit den Kölner Bankhäusern Stein, A. Schaafhausen und Sal. Oppenheim gründete die Herstatt-Bank 1818 die Rheinschifffahrts-Assekuranz-Gesellschaft, aus der 1845 die Agrippina-Versicherung hervorging. Spätestens seit 1834 gehörte Friedrich Krupp zu den Bankkunden, als die Herstatt-Bank einen Kontokorrentkredit von 8.000 Talern zur Verfügung stellte und zur Hausbank emporstieg.

 

Auch Felten & Guilleaume gehörte zu den Bankkunden. Auch an den Gründungen der kapitalintensiven Eisenbahnen war die Herstatt-Bank beteiligt; es begann 1837 mit der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft und setzte sich mit der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft 1841 fort. Als am 5. März 1839 die Kölnische Feuer-Versicherungs-Gesellschaft ihre Konzession erhält, gehören Simon Oppenheim (Sal. Oppenheim), Heinrich Ziegler (Herstatt-Bank), Wilhelm Ludwig Deichmann (Teilhaber bei A. Schaafhausen) und zwei andere Kölner Bankiers zu den Gründern. Aus ihr ging die Colonia-Versicherung und die heutige AXA Versicherungen hervor. Im März 1843 hat Herstatt auch an der Gründung der ersten deutschen Rückversicherung, der Kölnische Rückversicherungs-Gesellschaft, mitgewirkt. Ab 1849 ist eine Emissionstätigkeit für Anleihen belegt, als die Herstatt-Bank sich an einer Kölner Stadt-Anleihe beteiligte; 1856 folgten Aktienemissionen wie die der Vulkan AG für Hüttenbetriebe und Bergbau, jedoch schien sich Herstatt bei größeren Emissionen im Gegensatz zu den anderen Kölner Privatbankiers zurückzuhalten.

 

Sohn Johann David Herstatt (* 28. Mai 1805 in Köln, † 31. Januar 1879 ebenda) führte die Bankgeschäfte nunmehr in der vierten Generation weiter und war 1831 bis 1879 Präsident der Kölner Handelskammer. Dessen Sohn Friedrich Johann David Herstatt (* 29. September 1831 in Köln, † 17. Januar 1888 ebenda) starb früh an Lungenentzündung, sein einziger Sohn Johann David (* 27. März 1887 in Köln, † 4. November 1955 ebenda) war erst knapp 1 Jahr alt – die familiäre Übertragungskette auf den jeweils ältesten Sohn hatte nicht mehr funktioniert. Mangels Nachfahren wurde deshalb am 15. März 1888 das Bankhaus I. D. Herstatt nach über 100-jähriger Geschäftstätigkeit vom Bankhaus J. H. Stein übernommen und nachfolgend im Namen vom Bankhaus Stein liquidiert. Damit endete vorerst die Existenz des Bankhaus I. D. Herstatt. Es residierte bis 1888 in einem repräsentativen Gebäude in der Hohe Pforte 25–27/Ecke Sternengasse, das 1929 abgebrochen wurde.

 

Der Aufstieg und Fall des neuen Bankhauses Iwan Dawid Herstatt

 

Die Geschichte des steilen Aufstiegs und tiefen Falls des Bankhauses Iwan David Herstatt beginnt 1955, als Iwan David Herstatt mit seinem Jugendfreund, dem Versicherungserben Hans Gerling, die kleine Kölner Privatbank Hocker übernimmt. Fünf Millionen Mark Bilanzsumme hat sie und ist vor allem dafür bekannt, die Inhalte der Klingelbeutel Kölner Kirchen zu verwahren.

 

Herstatt sieht seine Bestimmung erfüllt: Er entstammt einer Bankiersfamilie, die nur mangels Nachfolger ihr Institut 1888 verkauft hatte. Er selbst machte eine Lehre bei der Deutschen Bank und baute nach dem Krieg die Kölner Filiale der BFG auf.

 

Die winzige Bank I.D. Herstatt wächst rasant: Nur ein Jahr nach der Übernahme weist ihre Bilanz 72 Millionen Mark aus, 1973 sind es zwei Milliarden Mark. Das freut Hans Gerling: Ihm gehören über 80 Prozent der Bank. Insbesondere zwei Gründe hat das Wachstum: den Patriarchen Herstatt und die Devisenabteilung.

 

Als Vatertyp beschreiben ehemalige Mitarbeiter den 1,96 Meter langen Herstatt. Und als geborenen Verkäufer. Er ist bissig, er kann klüngeln. Seine Konditionen sind immer einen Tick besser als die der Konkurrenz. In über 80 Vereinen ist er aktiv. Im Karneval ist der Bankier omnipräsent: Mehrere Sitzungen an einem Abend sind kein Problem.

 

Vielleicht ist der 16. Dezember 1973 der Höhepunkt im Berufsleben des Iwan David Herstatt. Er feiert seinen 60. Geburtstag mit über 1 000 Gästen. Es gibt Kölner, die eröffneten extra ein Konto, um noch eine Einladung zu bekommen. Eigentlich herrscht Fahrverbot an jenem Tag, die Ölkrise. Doch die Gäste halten eine Sondergenehmigung in Händen. Als die Kapelle spät abends aufhören will, sagt Herstatt: "Spielt weiter." Und sie spielt weiter.

 

Niemand weiß, ob das Geburtstagskind sich da schon sorgt um die Bank. Vermutlich nicht. Wahrscheinlicher ist, dass er Warnzeichen ignoriert. Denn die Rolle des Patriarchen liebt er, die tägliche Morgenkonferenz gleicht oft genug einer Stammtischrunde. Kritik? Nicht erwünscht.

 

Längst aber brennt es in jenem Dezember 1973 auf der "Raumstation Orion". So nennen die Herstatt-Mitarbeiter den Devisen-Handelsraum mit seinem futuristischen Tisch in Form einer abgeschnittenen Pyramide. In der Mitte flackern Daten über Monitore, flapsig werfen Händler mit Kauderwelsch um sich: "Zehn Kisten für die Comba Frankfurt" oder "90 für Opidüss" heißt es da. Was so viel heißt wie: zehn Millionen für die Frankfurter Commerzbank und einen Kurs von 90 für Sal. Oppenheim in Düsseldorf.

Das Geschäft mit Währungen ist relativ neu: Erst 1971 schwanken die Wechselkurse europäischer Währungen zum Dollar wieder. Und es ist ein für damalige Verhältnisse schwer zu durchblickendes und Nerven aufreibendes Treiben. Für Herstatt ist das Dollar-Kaufen und-Verkaufen das entscheidende Wachstumsdoping. 24 Milliarden Mark setzt die Bank 1973 im Devisenhandel um - 12-mal mehr als ihre Bilanzsumme.

 

Der Kapitän der Orion heißt Dany Dattel, offizieller Titel: Leiter der Devisenhandelsabteilung. Fotos aus jener Zeit zeigen einen etwas fülligen Mittdreißiger mit hoher Stirn, Wuschelkopf und großer Nase. 1958 beginnt er als Lehrling bei Herstatt. Früh entdeckt er den Devisenhandel - und steigt auf. "Goldjunge" nennt ihn der alte Herstatt. Eine Zeit lang läuft es glänzend. Bald zockt jeder in der Kölner Zentrale mit und pumpt zusätzlich Geld in den Währungshandel - sogar der Pförtner. Lehrlinge fahren Porsche.

 

1973 aber ist das Jahr, in dem der Dollar hin und her zuckt: 3,15 D-Mark, 2,28, 2,70. Und im Ausland fragen sich erstmals Händler der Großbanken, ob die kleine Privatinstitution in Köln nicht ein "zu großes Rad dreht" - erst durch die Herstatt-Pleite wird der Begriff zum sprachlichen Allgemeingut. Immer schwerer wird es für Dattel, Geschäfte abzuschließen, um die enormen Schwankungen auszugleichen. Sein Team greift zum Betrug: Eine Abbruchtaste an den Computern sorgt dafür, dass zwar Belege ausgeworfen werden, Verlustgeschäfte aber nicht in die Buchhaltung kommen. "Mein Vater hat erst am 10. Juni von diesen Geschäften erfahren", berichtet Iwan Davids Sohn Johann David Herstatt später. Es ist der Tag, an dem Dattel beichtet.

 

Ein Nachrechnen ergibt: Der Bank droht ein Verlust von 470 Millionen Mark. Hans Gerling verspricht Hilfe, allein aber kann er das Loch nicht stopfen. Während Herstatt die WestLB in letzter Minute zu Hilfe rufen will, pocht Gerling auf Gespräche mit den Konkurrenten Deutsche, Dresdner und Commerzbank - ein Fehler. Sie fordern Sicherheiten von Gerling, er soll Aktien verpfänden. Doch der Schulfreund beugt sich nicht dem Willen der Großbanken - das Aus für Herstatt.

 

Wilde Szenen spielen sich in Köln ab. Vor den Herstatt-Filialen versammeln sich die um ihr Geld bangenden Kunden. Im Dezember kommt es zur größten Gläubigerversammlung der Nachkriegsgeschichte: Die Kölner Sporthalle ist prall gefüllt, bis weit nach Mitternacht wird diskutiert.

 

Das Erstaunliche: 82 Prozent der Gelder werden von den Insolvenzverwaltern gerettet, eine fast sensationelle Quote. Heute gilt es als sicher, dass Herstatt hätte überleben können - wenn die Großbanken ein Interesse daran gehabt hätten. So aber veränderte der Fall der Goldjungen die Bankenlandschaft auf immer: Privatbanken haben es in den folgenden Jahren erheblich schwerer, der Einlagensicherungsfonds wird als Rettungsboot gegründet, die Bankenaufsicht verändert.

 

"Ab dem Tag hat mein Vater eigentlich nicht mehr gelebt", sagt Johann David Herstatt über den 26. Juni 1974. Nur eines ließ ihn weitermachen: der Kampf um die Familienehre. Erst wird er zu einer Haftstrafe verurteilt, ebenso wie Dattel. Gegen beide werden aber die Revisionsverfahren aus gesundheitlichen Gründen später eingestellt: Dattel leide unter einem KZ-Syndrom, sagen seine Ärzte - als Vierjähriger verbrachte er einige Monate in Auschwitz, diese Erinnerung sei wieder aufgebrochen. Herstatt attestierten die Fachleute ein "Pickwick-Syndrom": Wurde er geistig nicht gefordert, schlief er ein. Am Ende bleibt es bei zwei Jahren Haft auf Bewährung für Herstatt.

 

In seinem Buch "Der Untergang" stellt er später seine Sicht der Dinge dar. "Die Bank ist zum Teufel. Mir ist nichts geblieben. Ich lebe von meinen Kindern, die mich das aber nicht fühlen lassen", sagte er 1994 in seinem letzten Interview dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Iwan David Herstatt stirbt mit 81 Jahren am 9. Juni 1995. Was ihn bis zuletzt traf: "Der Dattel läuft frei herum."

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Herstatt-Bank

Handelsblatt

https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/banken/hintergrund-der-aufstieg-und-fall-des-bankhauses-i-d-herstatt-seite-2/3111138-2.html

Heruntergeladen am 04.04.2021

 

 


Herstatt Friedrich Peter, Familie  04 / 2021

Hier ruht die 3. Generation der Familie Herstatt, Geschichte wie vor.

Hochzeit, Tod im Bunker  05 / 2020

Tod im Bunker unter dem Melaten-Friedhof

Sie sind erst seit wenigen Stunden verheiratet. Den Abend will das Paar mit etwa 100 Freunden und Verwandten in einer Gaststätte an der Aachener Straße in Lindenthal ausklingen lassen. Eine Hochzeitsfeier mitten in Kriegszeiten. Es ist Montag, der 30. Oktober 1944, als um 20.37 Uhr plötzlich Sirenen losheulen. Fliegeralarm.

Hastig verlässt die Gesellschaft das Lokal. Männer, Frauen und Kinder flüchten über die Straße auf den Friedhof Melaten. Sie finden Zuflucht in einem Tiefbunker neben der kleinen Kapelle, gleich hinter der Friedhofsmauer – ein so naheliegender wie fataler Entschluss. Denn wenig später schlägt eine Bombe genau vor dem Eingang auf. Sie zerstört den Luftschacht – die Schwachstelle des Bauwerks. Es ist ein unglaublich tragischer Zufall.

Eine Druckwelle fegt durch die 50 Meter lange unterirdische Röhre. Sie lässt den Menschen, die sich auf niedrigen Holzbänken Schulter an Schulter aneinander gekauert haben, keine Chance. Ihre Lungen platzen. Die gesamte Hochzeitgesellschaft ist auf der Stelle tot.

Heute erinnert nur noch eine kleine Gedenkstätte neben der Kapelle an das dramatische Ereignis vor 71 Jahren. Der Eingang zum Bunker liegt ein paar Meter weiter, in der Nähe des Verwaltungsgebäudes.

Eine enge Treppe führt drei Meter hinab bis vor eine schwere, rostige Eisentür. Der Eingang ist erst nach dem Krieg angelegt worden, um den Bunker zugänglich zu machen. Der ursprüngliche Zugang, den die Bombe verwüstet hat, ist von oben nicht mehr zu sehen.

Kaum einer kann sich erinnern
„Eine ganz schlimme Geschichte“, sagt Friedhofschef Peter Lejeune und dreht den Schlüssel im Schloss. Eine Geschichte, die nahezu in Vergessenheit geraten ist. Die Namen der Opfer sind nicht bekannt, Hinterbliebene nicht aufzutreiben.

In keiner Chronik ist das Ereignis erwähnt, auch im Internet finden sich nur spärliche Hinweise. Selbst alteingesessene Kölner, die ihre Kindheit während des Zweiten Weltkriegs in Ehrenfeld oder Lindenthal verbracht haben, reagieren überrascht, wenn sie von der Existenz eines Bunkers unter Melaten erfahren. An das Schicksal der Hochzeitsgesellschaft kann sich niemand mehr erinnern.

Friedhof von Bomben verwüstet
Zwischen 20.37 Uhr und 22.18 Uhr gingen 4000 Sprengbomben und 200.000 Brandbomben auf Köln nieder, notiert Peter Simon in seiner Statistik „Köln im Luftkrieg 1939-1945“. Fast eintausend Bomber flogen über die Stadt hinweg, 554 Menschen starben – etwa drei Prozent aller 20 000 Kölner, die im Zweiten Weltkrieg umkamen.

Fast 5000 Wohnhäuser wurden in knapp zwei Stunden beschädigt, die meisten in Ehrenfeld, Lindenthal, Klettenberg, Braunsfeld und Sülz. Ein Sprengsatz zerstörte St. Mechtern in Ehrenfeld, das Universitätsviertel wurde nahezu ausgebombt, ebenso das Dreifaltigkeitskrankenhaus und die ehemalige Wehrmachtskommandatur in der Heliosstraße.

Auch Melaten wurde schwer verwüstet. Der Bunker war offenbar nicht der einzige Ort, in dem Menschen Zuflucht suchten. „Es war damals in der Nachbarschaft bekannt“, erzählt eine alteingesessene Ehrenfelderin, „dass sich in den großen Familiengruften entlang der Millionenallee Juden versteckt hielten.“ Im Schutz der Dunkelheit hätten Anwohner sie mit Essen und Trinken versorgt. So absurd es klingen mag – aber womöglich hat der Friedhof in jener Nacht auch einigen Menschen das Leben gerettet.

 Quelle Text: https://www.ksta.de/koeln/lindenthal/spurensuche-angstroehre-von-melaten-sote-23308986

Heruntergeladen 05 / 2020


I

Imhoff Hans / Familie  03 / 2021

Hans Imhoff (* 12. März 1922 in Köln; † 21. Dezember 2007 ebenda) war ein deutscher Schokoladen-Fabrikant. Er gründete das nach ihm benannte Imhoff-Schokoladenmuseum in Köln.

 

Kindheit und Nachkriegsjahre

Hans Imhoff war der Sohn von Fritz Imhoff, einem Schlossermeister für Stahlkonstruktionen und Kirchenfenster, und Charlotte Imhoff (geborene Gallé). Nach Besuch der dreijährigen Handelsschule begann er in Köln eine kaufmännische Lehre. Er meldete sich danach als Freiwilliger bei der Kriegsmarine in einer Kriegsberichterstattereinheit. Aufgrund eines Augenleidens wurde er 1943 als Marinesoldat ausgemustert und kehrte nach Köln zurück. Im gleichen Jahr heiratete er seine erste Frau Irmgard Lenz, mit der er zwei Kinder hatte. Er arbeitete zunächst in einer Autowerkstatt und wechselte 1944 zum Kölner Fahrzeugproduzenten Ford. Im Oktober 1945 erhielt Imhoff von den Besatzungsmächten die Genehmigung, in Alf (Mosel) einen Lebensmittelgroßhandel zu errichten, der kurze Zeit später zum größten Lebensmittelversorger in der Region aufstieg. Im Juni 1948 gründete er in Bullay eine Schokoladen- und Pralinenfabrik mit einer auf dem Schwarzmarkt erstandenen Schokoladenmaschine und avancierte zum ersten deutschen Nachkriegsmillionär. Das Unternehmen wuchs ständig, im Jahre 1958 beschäftigte Imhoff bereits 400 Mitarbeiter.

 

Nach Köln kehrte er 1964 zurück, um hier die Süßwaren-Kette „Punkt und Pünktchen“ zu gründen, die er danach mit der „Susi Süßwaren-Fachgeschäfte“ verschmolz. Nach dem Wegfall der Preisbindung für Tafelschokolade im August 1964 schloss er einen Lizenzvertrag mit dem Schokoladenhersteller Chocolat Tobler über die Produktion einer Jahresmenge von 3.000 t Schokolade und erreichte ein Jahr später einen Umsatz von 30 Millionen Mark. Diese Lizenzvereinbarung wurde für viele Jahre zum Kerngeschäft seines Unternehmens.

 

Expansion durch Stollwerck

Bisher hatte Imhoff ausschließlich No-Name-Produkte hergestellt. Er übernahm 1969 erstmals mit der Hildebrand, Kakao- und Schokoladenfabrik in Berlin – Deutschlands ältester Schokoladenfabrik – das Markenprodukt „Scho-Ka-Kola“. Im Januar 1972 übernahm er die Kölner Stollwerck AG, die sich zu diesem Zeitpunkt in einer Unternehmenskrise befand. Stollwerck wies zu jener Zeit bei einem Umsatz von 100 Millionen DM einen Verlust von 10 Millionen DM aus. Imhoff erwarb 46,5 % der Stollwerck-Aktien von der Deutschen Bank AG. Auf einer dramatischen Hauptversammlung wurde er am 21. Dezember 1972 als Sanierer präsentiert. In den folgenden Jahren sanierte er das Unternehmen gründlich durch eine klare Markenpolitik und ein knappes Sortiment (von über 1.200 Artikeln wurde auf 190 gestutzt) zu einem der führenden europäischen Schokoladenkonzerne.

 

Im Jahre 1974 verkaufte Imhoff das 57.356 m² große Stollwerck-Betriebsgelände und das sanierungsbedürftige Verwaltungsgebäude im Kölner Severinsviertel an den Kölner Finanzmakler und Immobilienkaufmann Renatus Rüger für 25 Millionen DM, obwohl der Wert in einem Gutachten auf lediglich 5,5 Millionen Mark geschätzt worden war. Zusätzlich flossen für die Verlegung nach Westhoven 10 Millionen Mark Fördermittel der Stadt Köln. Im Gegenzug erhielt er von Rüger neben dem Erlös noch 36 % der Stollwerck-Aktien (Gegenwert 23,5 Millionen DM), insgesamt 48,5 Millionen DM. Hans Imhoff hielt damit 82,5 % an der Stollwerck AG. Nachdem die Stadt das Gelände am 3. Oktober 1974 zum Sanierungsgebiet erklärt hatte, erwarb sie es von Rüger am 4. Juli 1978 für 40 Millionen Mark. Nach der Grundsteinlegung am 18. April 1975 zog das Unternehmen im Dezember 1975 an den neuen Standort nach Köln-Westhoven. Die Rüger gehörende Abschreibungsgesellschaft WITAG finanzierte die dortigen Baukosten durch Investorenkapital. Ab 20. Mai 1980 wurde das verlassene alte Stollwerck-Gelände besetzt, um den drohenden Abriss zu verhindern. Doch ab Juli 1987 wurden Maschinenhalle und Annosaal abgerissen und der Anno-Riegel umgebaut.

 

In zweijährigem Abstand übernahm nun die Imhoff Industrie Holding AG traditionsreiche und bekannte Schokoladenhersteller wie Eszet (1975), Waldbaur (1977) oder Sprengel (1979). Im Januar 1998 kam die Marke Sarotti von der Nestlé Deutschland AG hinzu, es folgte Gubor im März 1999. Nach der Wiedervereinigung engagierte sich Imhoff in Ostdeutschland. Er übernahm im Januar 1991 den thüringischen Schokoladen- und Süßwarenhersteller „VEB Kombinat Süßwaren“ in Saalfeld/Saale und investierte hier für 240 Millionen DM. Imhoff beschränkte sich nun nicht mehr auf die Schokoladeproduktion, sondern diversifizierte in andere Branchen. Er gründete mit der Firma Larosé (März 1977) ein Leasingunternehmen für Berufskleidung, Hotel- und Krankenhauswäsche und erwarb die ehemalige Bergbau-Gesellschaft Concordia AG (1977).

 

Seine Unternehmen führte er patriarchalisch wie ein Familienunternehmen. Die Hauptversammlungen der Stollwerck AG mit den Minderheitsaktionären verwandelte Imhoff in amüsante Veranstaltungen mit großzügiger Bewirtung und Naturaldividenden in Form von Schoko-Paketen. 1988 machte er in seinem Buch Kakao – Das wahre Gold der Azteken auf den seiner Ansicht nach schädlichen Dualismus zwischen fortschrittlichen und rückständigen Wirtschaftsordnungen aufmerksam.

 

Beim Umzug der Stollwerck-Zentrale im Dezember 1975 nach Köln-Westhoven fiel Imhoff der umfangreiche Fundus an Exponaten auf, die für ein Museum geeignet waren. Er entschloss sich, das erste Schokoladenmuseum zu errichten, das er am 31. Oktober 1993 unter dem Namen Imhoff-Stollwerck-Schokoladenmuseum in Köln eröffnete. Es entwickelte sich zu einem Publikumsmagneten für Köln.

 

Verkauf von Stollwerck

Da es ihm nicht gelang, bei der Stollwerck AG für eine familieninterne Nachfolge zu sorgen, veräußerte er im April 2002 seine – inzwischen auf 96 % angewachsene – Aktienmehrheit an der Stollwerck AG (2001: 2.500 Beschäftigte, 750 Mill Euro Umsatz und 16,3 Millionen Euro Gewinn, Marktanteil 13,5 %, bei Tafelschokolade sogar 24,2 %) für 175 Millionen DM an den Schweizer Schokoladenkonzern Barry Callebaut AG. Die noch freien Aktionäre (4 %) wurden in einem Squeeze-out abgefunden. In Porz-Westhoven wurde bis März 2005 produziert, die dortige Produktion wurde auf die Stollwerck-Konzerntochter Van Houten GmbH & Co. KG nach Norderstedt verlagert. Callebaut hat im Oktober 2011 die drei deutschen Stollwerck-Fabriken an die belgische Baronie-Gruppe veräußert.

 

Hans Imhoff zog sich ins Privatleben zurück; er starb am 21. Dezember 2007 nach langer Krankheit und wurde auf dem Kölner Melaten-Friedhof beigesetzt. Bis zu seinem Tod war er in zweiter Ehe verheiratet mit Gerburg Klara Imhoff (geb. Schmidt) und war Vater von vier Kindern.

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Imhoff_(Unternehmer)

 

Heruntergeladen am 02.04.2021


J


K

Koenigs Familie  03 / 2021

Ernst Friedrich Wilhelm Koenigs

 

Wer von uns hat als Kind nicht davon geträumt, einmal für einen Tag ein tapferer Ritter oder ein edles Burgfräulein zu sein? In einem stattlichen und herrlichen Schloss zu wohnen, das von kühnen Recken umkämpft und gegen die Feinde verteidigt wird. Das muss dann wohl auch der Kölner Gustav Bunge gedacht haben, als er für seine Familie das neugotische Schloss Sinzig zwischen 1854 und 1858 als Sommersitz auf den Ruinen einer sagenumwobenen mittelalterlichen Wasserburg im neugotischen Stil von Baumeister Vincenz Statz für 27.000 Taler erbauen ließ. Bunge hatte das Ruinen-Grundstück 1850, im Jahr seiner Heirat mit Adele Andreae, gekauft. Bunges Initialen „GB“ zieren noch heute die Wetterfahne auf der Turmspitze des Schlosses.

 

Die fünf Kinder aus der Ehe von Gustav Bunge mit Adele, geborene Andreae, wuchsen in dem Schloss auf. Die erstgeborene Tochter Johanna (verh. Johanna Koenigs), die den Kölner Bankier und Kunstmäzen Ernst Königs (1843-1904) heiratete, erbte das Gebäude. Bis in die 1930er-Jahre nutzte die Familie Bunge-Königs das Schloss als Sommersitz.

 

Als eine der letzten Erben der Familie vermachte deren Tochter Elisabeth Johanna Adele von Wedderkop der Stadt Sinzig 1954 das markante Gebäude, das in der Denkmalliste eingetragen ist. Nach Renovierungsarbeiten kamen 1956 das Heimatmuseum und das Stadtarchiv im Schloss unter. Im Turmzimmer mit der historistischen Ausmalung des 19. Jahrhunderts befindet sich das Trauzimmer des Sinziger Standesamts.

 

In der Grabstätte der Familie Koenigs ruhen:

 

Ernst Friedrich Wilhelm Koenigs (* 15. Juni 1843; † 24. Juli 1904 in Köln) er war ein deutscher Bankier. Ernst Koenigs wurde 1871 zum Vorstandsmitglied des A. Schaaffhausen'schen Bankvereins in Köln ernannt. Diese Position behielt er bis 1896, als er in den Aufsichtsrat wechselte.

 

Vorgänger des A. Schaaffhausen’sche Bankvereins ist das 1791 gegründete Handelshaus Abraham Schaaffhausen, welches neben Handels-, Speditions- und Immobiliengeschäften auch Bankgeschäfte betrieb. Inhaber war Abraham Schaaffhausen, der mit seiner Bank eine der ersten und wichtigsten Finanzquellen für die wachsende rheinisch-westfälische Schwerindustrie war. Diese Privatbank gehörte zu den ersten Geldinstituten, die den Aufbau der Montangesellschaften im Ruhrgebiet finanzierten. Zum eigentlichen Kern des Unternehmens wurde ab 1807 das Immobiliengeschäft, durch das später die Krise des Bankvereins ausgelöst werden sollte. Als Abraham Schaaffhausen 1815 davon erfuhr, dass das Rheinland durch den Wiener Kongress Preußen zugeschlagen wurde, soll er entsetzt ausgerufen haben: „Jesses Maria, do hierode mer äver en ärm Familich!“ („Ach jeh, da heiraten wir aber eine arme Familie“). Spätestens seit 1837 gehörte die Bank zu den wichtigsten Finanzierern der Industrie. Sie finanzierte zu dieser Zeit etwa 170 Fabriken, darunter Unternehmen wie Krupp, Hoesch, die Gutehoffnungshütte oder den Eschweiler Bergwerks-Verein. Die Bank war im Rahmen des Kölner Bankwesens neben Sal. Oppenheim und Herstatt maßgeblich beteiligt an der durch Fusion am 9. Juni 1837 zustande gekommenen Gründung der Rheinische Eisenbahngesellschaft AG. Auch die Investitionsfinanzierungen bei Eberhard Hoesch & Söhne zur Errichtung des Schienenwalzwerks in Düren-Lendersdorf 1836 stammen wohl vom Bankhaus Schaaffhausen.

 

Neben Ernst Friedrich Wilhelm Koenigs, seine Frau Johanna Koenigs (geb. Bunge), Tochter von Gustav Otto Bunge und Adele Maria Andreae

 

Sein Vater der Kommerzienrat Franz Wilhelm Koenigs (8. Mai 1819 – 1882), der ab 1832 seine Lehre in der Dülkener Zwirnfabrik seines Onkels Gerhard Mevissen (25. Januar 1776 – 1843) absolvierte.

Seine Mutter Wilhelmine Mevissen (1809–1873), die Schwester Gustav Mevissens, mit dem Franz Wilhelm Koenigs eng zusammenarbeitete.

 

Seine Geschwister

 

Gustav Koenigs (11. Januar 1845 – 1896) seit 1890 Geheimer Oberregierungsrat im preußischen Handelsministerium, zuvor seit 1868 bei der Regierung Düsseldorf tätig. Koenigs war bereits 1872-1874 und 1877 aushilfsweise Hilfsarbeiter im preußischen Handelsministerium gewesen.

(Ruhestätte nicht bekannt)

 

Sein Bruder Felix Koenigs (18. Mai 1846 – 1900), er trat 1866 in das 1857 von Adelbert Delbrück gegründete Bank- und Kommissionsgeschäft Delbrück, Leo & Co. ein, wurde Prokurist und 1878 persönlich haftender Gesellschafter. Felix Koenigs gehörte zu den Gründern und Finanziers der Berliner Villenkolonie Grunewald in den 1890er-Jahren und besaß hier mehrere Grundstücke.       Nach ihm sind der Koenigssee und die Koenigsallee benannt.

 

Elise Koenigs (30. Oktober 1848 – 1932), sie zog nach Berlin, wo es für Frauen im Kaiserreich besonders viele Freiheiten und Möglichkeiten der Weiterbildung gab. Sie nutzte in der Hauptstadt die Chance zu wissenschaftlichem Engagement. Als erste Frau trat sie der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften bei. Als Mäzenin kümmerte sie sich um zahlreiche wissenschaftliche Großprojekte und ermöglichte großzügig deren Finanzierung. So stellte sie beispielsweise für die textkritische Neuausgabe des Neuen Testaments im Kaiserreich rund 200.000 Mark zur Verfügung.

 

Wilhelm Koenigs (22. April 1851 – 1906), studierte ab 1868 an der Gewerbeakademie Berlin und an der Bergakademie Berlin. Er wandte sich der Chemie zu und arbeitete 1871 bei Carl Remigius Fresenius und an der Universität Bonn, an der er 1875 promoviert wurde, nachdem er 1874/1875 in Heidelberg tätig war. Nach der Promotion war er kurz an der Universität Berlin, am Polytechnikum Zürich und ab 1876 an der Ludwig-Maximilians-Universität München, an der er sich 1881 habilitierte und 1892 als außerordentlicher Professor berufen wurde.

 

Richard Koenigs (28. März 1856 – 1921) besuchte das Gymnasium in Barmen (Abitur 1870) und studierte nach Ableistung seiner Militärverpflichtungen beim 7. Jäger-Bataillon und Teilnahme am Frankreich-Feldzug ab Ostern 1871 Rechtswissenschaften in Heidelberg, Göttingen, Bonn und Berlin. In Heidelberg war er Mitglied des Corps Rhenania, in Göttingen des Corps Hildeso-Guestphalia. Im September 1875 trat er seinen Vorbereitungsdienst als Gerichtsreferendar in Köln an und wurde nach seiner Ausbildung und Ablegung der großen Staatsprüfung (1881) als Gerichtsassessor am Amtsgericht Köln beschäftigt. Von 1882 bis 1899 war Koenigs Landrat des Kreises Lennep. Anschließend wechselte er als Oberregierungsrat zur Regierung zu Düsseldorf, wo er als Regierungsvizepräsident zum 30. September 1916 in den Ruhestand trat.

(Ruhestätte leider nicht bekannt)

Sowie vermutlich deren Kinder und Enkelkinder.

 

Das Familiengrab der Familie Koenigs wurde 1886 von Ludwig Brunow geschaffen. Carl Ludwig Friedrich Brunow (* 9. Juli 1843 in Lutheran; † 13. Januar 1913 in Berlin-Schöneberg war ein deutscher Bildhauer.

 

Leben

Ludwig Brunow war ein uneheliches Kind von Sophia Brunow, der Tochter des Küsters in Lutheran. Schon früh musste er als Hirtenjunge arbeiten, holte aber mit großem Fleiß in kürzester Zeit seine fehlende Schulbildung nach. Anschließend absolvierte er eine Tischlerlehre in Lübz. Als Geselle arbeitete er in Rostock, dort nahm er auch Zeichenunterricht.

 

Brunow wollte 1866 zunächst nach Amerika auswandern, ging dann aber nach Berlin, um an der dortigen Bauakademie in der Bildhauerklasse bei Eduard Lürssen zu studieren. 1867 wechselte er auf Veranlassung von Friedrich Eggers, der das künstlerische Talent erkannte, an die Akademie der Künste Berlin. 1871/73 arbeitete er als Gehilfe und Mitarbeiter bei Rudolf Siemering und Christian Genschow. Erste Auszeichnung war 1876 die „Große Medaille“ der Weltausstellung in Philadelphia, es folgten im gleichen Jahr das Verdienstkreuz in Gold des Hausordens der Wendischen Krone Mecklenburg-Schwerin und 1893 die Ernennung zum „Großherzoglichen Professor“ mit Verleihung des Ritterkreuzes des Hausordens der Wendischen Krone. 1901 löste Brunow sein großes Atelier auf und zog sich von großen Aufträgen zurück.

 

Quellen Text:
https://www.aw-wiki.de/index.php/Schloss_Sinzig

https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Sinzig

https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Friedrich_Wilhelm_Koenigs

https://de.wikipedia.org/wiki/A._Schaaffhausen%E2%80%99scher_Bankverein

https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Koenigs

https://de.wikipedia.org/wiki/Felix_Koenigs

https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Koenigs

https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Brunow

Quelle Bilder:


Schloss Sinzig: Von Tohma (talk) / Doris Antony, Berlin - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=657867

Ludwig Brunow: Von Bernd Ruchhoeft - Zeichnung, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1300937

 


Korte Familie   04 / 2021

Noch keine Informationen vorhanden


Küpper Karl,   03 / 2021

Georg Karl Küpper (* 2. November 1905 in Düsseldorf; † 26. Mai 1970 in Köln) war ein Büttenredner des Kölner Karnevals. Der als „D’r Verdötschte“ (Kölsch für eine verrückte, verwirrte, tölpelhafte Person auftretende Küpper gilt als einer der wenigen deutschen Karnevalisten, die sich offen gegen die Nationalsozialisten positionierten und sie in ihren Programmen persiflierten.

 

Leben und Werk

Ab 1927 stieg der gelernte Buchdrucker zum Nebenerwerb im Karneval in „die Bütt“ und profilierte sich als Redner im Sitzungskarneval. Während der offizielle Karneval und seine Protagonisten sich unter der NS-Diktatur zu weiten Teilen mit dem Nationalsozialismus arrangierten, stellte Küpper seine distanzierte Haltung zum NS-Regime auf der Karnevalsbühne subtil, aber auch offen zur Schau.

 

Zunächst wirkte Küpper noch bei Unterhaltungssendungen im NS-kontrollierten Radio mit, stellte dies aber später mit der Begründung „Die dunn do immer su komisch ‚Hallo‘ roofe“ – eine Anspielung auf den Hitlergruß – ein. Den von Nationalsozialisten erwarteten Hitlergruß nutzte er auch für eine oft zitierte Nummer auf der Karnevalsbühne: Er betrat die Bühne, hob den rechten Arm und sagte zur Überraschung des Publikums: „Su huh litt bei uns dr Dreck em Keller!“ – „So hoch liegt bei uns der Dreck im Keller!“. Oder er fragte, die Hand erhebend, ob es gerade regnet: „Es et am rähne?“

 

Aufhebung des Redeverbots 1944 durch die NSDAP-Gauleitung Köln-Aachen

Aufgrund seiner Popularität wurde er trotz seiner oppositionellen Haltung weiterhin zu großen Sitzungen eingeladen. Im Jahre 1939 ereilte ihn jedoch ein lebenslanges Redeverbot nach dem Heimtückegesetz wegen Verächtlichmachung des Deutschen Grußes sowie von NS-Würdenträgern und -Organisationen. Er missachtete es, obwohl er sich zeitweise täglich bei der Gestapo zu melden hatte. Um einer drohenden Verhaftung zu entgehen, meldete er sich schließlich zum Dienst in der Wehrmacht. Dort wurde er im Fronttheater eingesetzt, nachdem man sein Redeverbot aufgehoben hatte.

 

Zurück aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft, trat Küpper bald wieder in Köln als Büttenredner auf. Neben den Zuständen unter der Besatzung nahm er in der Nachkriegszeit weiterhin auch den Nationalsozialismus und die aktuelle Politik aufs Korn, behandelte aber auch unpolitische Themen. Überhaupt sah er sich nie als Widerstandskämpfer, sondern als Karnevalist, der mit subversiver rheinischer Mentalität bis an die Grenzen der Narrenfreiheit ging.

 

Nachkriegszeit

 

Grabstätte (Das Todesdatum von Karl Küpper ist falsch angegeben.)

1952 zeigte er in seiner Rede „D’r verdötschte Funk-Reporter“ wieder den Hitlergruß: „Et eß ald widder am rähne!“ Damit spielte er auf die Gefahr der Einflussnahme alter Eliten auf die Inhalte der Karnevalsreden an – in der Tat gewann beispielsweise Thomas Liessem, dessen Äußerungen und Haltungen zum Nachkriegskarneval eine Kontinuität zu seiner einschlägigen Rolle vor 1945 bescheinigt wurde, wieder an Einfluss im Festkomitee Kölner Karneval. Nachdem Küpper in seiner Rede auch die Wiedergutmachungsanträge deutscher Vertriebener aufs Korn genommen hatte, beschlossen sowohl der Festausschuss Kölner Karneval als auch der Bürgerausschuss Kölner Karneval, letzterer in einer pikanterweise von Liessem geleiteten Sitzung, ein faktisches Auftrittsverbot für Küpper, indem sie seine „Entgleisungen“ ablehnten und den Mitgliedsgesellschaften davon abrieten, ihn als Redner zu verpflichten.

 

Ungeachtet dessen feierte Küpper, z. T. mit entschärften Reden, in den 1950er Jahren große Erfolge als Büttenredner. Das Kölner Hänneschen-Theater ließ ihn 1953 als Stockpuppe auftreten.

 

Im Jahr 1960 beendete Küpper seine Bühnenkarriere und betrieb im Anschluss eine Gaststätte in Köln-Kalk.

 

Karl Küpper verstarb 1970 im Alter von 64 Jahren in einem Kalker Krankenhaus. Er war seit 1941 mit Sofie Katharina geb. Hüsgen verheiratet. Die Grabstätte der Eheleute befindet sich auf dem Melaten-Friedhof (Flur 69 A).

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_K%C3%BCpper

Heruntergeladen am 27.03.2021

 


L

Leuffen, Dr.  med  Franz  05 / 2020

Dr. Franz Leuffen, Arzt und Freimaurer

Dr. Franz Leuffen wurde im Jahr 1821 geboren und verstarb im Jahr 1900. Dr. Leuffen war als approbierter königlicher Physikus sowie als Stadt-, Kreis-, und Wundarzt in Köln tätig. Er war auch als Geburtshelfer approbiert.
Er war aber nicht nur Arzt und hochrangiger deutscher Freimaurer, er verfasste mehrere maßgebliche Texte und das preußische Regulativ zur Durchführung von gerichtlichen Leichen-Untersuchungen.

Ich habe einige Zeit gebraucht, das Wort über dem Strahlenkranz zu entziffern.

γνῶσις (Gnosis)

Bedeutet so viel wie Erkenntnis, es wird heute eher mit dem Gnostiker in Verbindung gebracht, also jemandem der eine besondere Kenntnis hat.
Der Olivenzweig und die Schlange sind modernisierte Symbole des Stabes des Asklepios, also dem Zeichen der Ärzte.

Das Auge der Vorsehung (auch allsehendes Auge, Auge Gottes oder Gottesauge) ist ein Symbol, das gewöhnlich als das Auge Gottes interpretiert wird, das alles sieht. Dargestellt wird es als ein von einem Strahlenkranz umgebenes Auge und ist meist von einem Dreieck umschlossen, das auf die Trinität verweist.

Aber wenn man hier genauer hinschaut ist das Pentagramm auf den Kopf gestellt, das Pentagramm steht normalerweise auf zwei Spitzen. Beim umgekehrten Pentagramm bzw. Drudenfuß weist eine Spitze zur Erde. Es ist schon auf zahlreichen altgriechischen Münzen als Symbol des Geheimnisses, der Vollkommenheit oder des Weltalls, bei den alten Druiden, Pythagoreern, Gnostikern und Neuplatonikern abgebildet. Auch wird es als Abzeichen von geheimen Gesellschaften verwendet, sind damit die Freimaurer gemeint?
Die Freimaurerei, auch Königliche Kunst genannt, versteht sich als ein ethischer Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt. Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität.
Um Freimaurer ranken sich viele Mythen, vor allem die Zeichen und Symbole sorgen für viel Interesse an der Geschichte der Freimaurer.
Das Pentagramm wird nicht nur von Satanisten, sondern auch von Freimaurern und einigen Religionen verwendet. Bei den Freimaurern steht der fünfzackige Stern für einen fünffach gebrochenen Lichtstrahl, dessen Anfang zu seinem Ende zurückkehrt.
Das "Auge der Vorsehung" wird ebenfalls nicht nur von den Freimaurern verwendet. Bekannt ist es vor allem von dem Dollar-Schein und wird häufig, aber fälschlicher Weise, mit den Illuminaten in Verbindung gebracht. Für die Freimaurer fordert das Symbol in erster Linie zur Weisheit auf steht für die Wahrheit und das Gewissen.

Der rauen Kanten des Grabsteins ähnelt der Oberfläche einer Walnuss. Sie stehen für die unvollkommene Persönlichkeit der Menschen, mit all ihren Ecken und Kanten. Der viereckige kubische Stein steht hingegen für das Idealbild des Menschen. Auf die geraden Steine kann die Gesellschaft sprichwörtlich bauen.
Unter am Sockel fast unscheinbar hinter dem Efeu finden sich weitere Freimaurer Symbole „versteckt“
Das bekannteste Symbol der Freimaurer sind der Zirkel und das Winkelmaß. Es gibt generell keine einzig richtige Deutung der Freimaurer-Symbole, oft werden sie in mehreren Weisen gedeutet. Der Zirkel steht für den Kreislauf des Lebens, für Unendlichkeit, die Unsterblichkeit, aber auch für die Gemeinschaft.
Das Winkelmaß steht mit seinem rechten Winkel für das Führen eines aufrechten Lebens, angelehnt an ein Zitat von Platon, nachdem es "eine königliche Kunst [sei], (auf)recht zu „Leben". Werte wie Geradlinigkeit und Ehrlichkeit werden dadurch ebenfalls symbolisiert.
Nun bleibt noch die spannende Frage nach dem Löwen.
Auf griechisch heißt der Löwe λέων (Léōn), in Latein Leo in und in Hebräisch arjeh. Er ist ein Sinnbild der Unerschrockenheit, der Großmut, der Macht und gelassenen Standhaftigkeit.
Von den Trieben her betrachtet kann er Ausdruck für hohe Energie, Tatkraft und Aggressivität sein. Der Löwe steht als Symbol für die Sonne und die Auferstehung, aber auch als Sinnbild für imperiale Macht.
Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, ob das Gesicht des Löwen, Dr. Franz Leuffen darstellt, oder welcher Bezug das Gesicht zu dem Löwen hat. Es könnten aber auch die Gesichtszüge von Asklepios sein, auch Zeus hatte ähnliche Gesichtszüge.

Noch eine persönliche Anmerkung:

Ich finde es sehr schade, das dieser wundervolle Grabstein gereinigt wurde, ein Bild aus dem Jahr 2019 zeigt die Schlange mit einer wundervollen Patina aus Moos.

 

 


Leven  Adolph,  10 / 2020

Leven  Adolph,  03 / 2021

Adolph Leven

 

"Die Trauernde und der Engel", ja so könnte man die imposante Figurengruppe, auf der Grabstätte der Familie Adolph Leven beschreiben. Wenn Euch ein besserer Titel einfällt, dann schreibt mir doch mal in den Kommentar, ich würde mich riesig freuen.

 

Eine weitausschwingende, nahezu barocke Bronzeplastik einer sitzenden weiblichen Figur und eines Engels, erheben sich mehr als 300 cm hoch. Das Gewand der trauernden Frau liegt reich drapiert über den Stufen des Grabmals. Man kann einer Linie folgen, beginnend bei dem linken Bein der Sitzenden, über ihren erhobenen Kopf, zu dem geneigten Kopf des Engels, seinen Flügeln und der himmelwärts weisenden rechten Hand.

 

Hier handelt es sich noch um eine echte und sehr kostspielige Bronzeplastik, also keine der "neumodischen" Galvano-Plastiken die im 19. Jahrhundert in Mode kamen. Die seriell bzw. fabrikmäßig hergestellten und vor allen Dingen "preiswert" produzierten Figuren, meist in Form einer Trauernden, die das "gesellschaftlich kultivierte Gefühl bürgerlicher Trauer" dargestellt haben, überfluteten von etwa 1873 bis in die 1920er- Jahre die Friedhöfe.

Die Galvanoplastiken sind aber meist schmückendes Beiwerk, z.B. bei einem Monumentalen Grabstein aus Marmor oder Sandstein, nur in wenigen Fällen bilden Galvanoplastiken selbst das Denkmal.

 

 

Zu den Familien Leven und Varain konnte ich nicht viel finden, vermutlich waren sie Kaufleute, Färber, Gerber und Lederwarenhersteller, ihre Spuren verlieren sich in den Kriegsjahren. Auch der hier beigesetzte Dr. Fritz Banzhaf kam vermutlich bei einem Bombenangriff im Februar 1943, in Köln ums Leben.


Leyendecker Familie  04 / 2021

Ernst Wilhelm Leyendecker

 

Wilhelm Leyendecker (geboren am 8. Oktober 1816 in Köln; gestorben am 18. Juni 1891 in Wiesbaden) war ein deutscher Unternehmer und Kommunalpolitiker.

 

Biografie und Firmengeschichte

Die Firma Odenthal & Leyendecker wurde 1843 in der Kölner Altstadt als Bleiröhrenfabrik gegründet. 1854 begann die Produktion von Bleifarben (Mennige, Bleiweiß etc.). 1869, nach dem Ausscheiden Odenthals, errichtete Wilhelm Leyendecker das neue Werk im aufstrebenden Industrievorort Ehrenfeld.

 

Leyendecker ließ sich zwischen 1883 und 1886 ein Wohnhaus am Kaiser-Wilhelm-Ring 34 errichten. Er war Kommerzienrat und auch Lokalpolitiker, von 1879 bis 1888 war er Stadtverordneter der Stadt Ehrenfeld und von 1880 bis 1890 Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Köln. Er setzte sich für moderne Sozial- und Arbeitsbedingungen seiner Arbeiter ein. Sein Sohn Franz Leyendecker gründete gemeinsam mit dem Pfarrer Gerhard Bruders 1899 die Ehrenfelder Arbeiter-Wohnungsgenossenschaft, die heute noch bestehende Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft „Die Ehrenfelder“.

 

Wo sich hinter der ehemaligen Werksmauer heute der Leo-Amann-Park erstreckt, arbeiteten um 1914 etwa 400 Beschäftigte mit dem seit der Antike geschätzten, aber gesundheitsgefährdenden Schwermetall. Die Arbeiter litten an chronischen Verdauungsbeschwerden, Blutarmut, Muskellähmungen, Schwindelzuständen und Koliken. Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug 41 Jahre. Dennoch galten die Vorsorgemaßnahmen bei Leyendecker als mustergültig. Dazu gehörten die Vermeidung von Bleistaub, vom Werk gestellte und regelmäßig gereinigte Arbeitskleidung, separate Räume für Kaffee- und Mittagspausen, wöchentliche ärztliche Untersuchungen und ab 1870 eine Krankenkasse.

 

1915 ging das Unternehmen in Konkurs. Die daraufhin gegründete „Metallverarbeitungsgesellschaft mbH Köln-Ehrenfeld“ wurde 1930 in die „Vereinigte Deutsche Metallwerke AG“ mit Sitz in Frankfurt am Main übernommen. Bis zur Schließung 1969 belastete das Werk die umliegenden Wohnstraßen stark durch Emissionen besonders aus dem Zinkwalzbetrieb.

 

Erhalten blieb von dem Traditionsunternehmen außer der Werksmauer nur das Verwaltungsgebäude an der Venloer Straße (heute Bürgerzentrum Ehrenfeld) sowie ein Wasserturm in dem im Zeitalter des Historismus beliebten, aus England übernommenen Burgenstil. Der Turm wurde 1984 von der Ehrenfelder Bürgergarde Blau-Gold übernommen und restauriert.

 

Blau-Gold-Turm

Trotz starker Beschädigungen im Krieg wurde bis 1969 eine Zinkwalzstrecke unterhalten. Nach dem Abriss der Fabrikanlagen in den 1980er-Jahren bestehen von dem alten Leyendecker-Werk noch zwei Gebäude auf dem Gelände: der ehemalige Wasserbehälter und das Verwaltungsgebäude. Der turmartige Wasserbehälter mit der für Industriebauten der Gründerzeit typischen Zinnenverzierung und den Rundbogenfenstern wurde auf Bestreben der Ehrenfelder Bürgergarde „blau-gold“ von 1904 erhalten und renoviert. Der „Blau-Gold-Turm“ ist das heutige Domizil der Karnevalsgesellschaft, in das ehemalige Verwaltungsgebäude zog das Bürgerzentrum Ehrenfeld, das „BÜZE“ ein.[1]

 

Herbert Leyendecker

Herbert Wilhelm Georg Leyendecker (* 24. Juni 1885 in Köln; † 29. Juni 1958 ebenda) war ein deutscher Philosoph und Galerist.

 

Leben

Herbert Leyendecker wurde als Sohn des Chemikers Ernst Wilhelm Leyendecker, dem Inhaber der Werke für Bleiprodukte und Farben in Köln-Ehrenfeld, und dessen Frau Emmy geb. Hellmers geboren. Nachdem er anfangs von einem Hauslehrer unterrichtet wurde, besuchte er ab 1900 das Gymnasium in Quakenbrück, das er 1906 mit dem Abitur abschloss. In dieser Zeit erhielt er eine eingehende musikalische Ausbildung, widmete sich aber auch der Lektüre philosophischer Texte. Von 1906 bis 1913 studierte er in München, Göttingen und Berlin die Fächer Philosophie, Musikwissenschaft, experimentelle Physik, experimentelle Psychologie und Kunstgeschichte. Das Studium schloss er 1913 mit einer von Alexander Pfänder betreuten Dissertation ab, woran sich ein durch den Kriegsausbruch abgebrochener Studienaufenthalt in Paris anschloss. Von 1914 bis 1916 nahm er am Ersten Weltkrieg als Krankenpfleger, dann bis 1918 als Kriegsfreiwilliger teil, wobei er unter anderem in der Schlacht an der Somme kämpfte.

 

Nach Kriegsende begann er bei Max Scheler in Köln ein Habilitationsvorhaben, das er aber 1922 aufgrund der Inflation unterbrechen musste. Er begann parallel zu den privat weitergeführten Studien, in denen er sich zunehmend der indischen Philosophie widmete, eine Tätigkeit als Galerist, die 1935 in die Eröffnung einer eigenen Galerie mündete. Ab den 1940er Jahren begann er sich mit der Tiefenpsychologie zu befassen, musste aber einen wirtschaftlichen Rückschlag erleben, als Galerie und Wohnung 1943 einem Bombenangriff zum Opfer fielen. Nach dem Krieg eröffnete er erneut eine Galerie für moderne Kunst und betrieb von 1948 bis 1952 eine psychotherapeutische Praxis in Wiesbaden.

 

Sein Nachlass, in dem sich auch umfangreiches Material zu seinem Lehrer Scheler befindet, wird heute in der BSB München aufbewahrt.

 

Familie

Leyendecker heiratete am 18. Juli 1925 in Königsberg die Gemälderestauratorin Clara „Titi“ Cauer (1903–1979), eine Tochter des Bildhauers Stanislaus Cauer. 1936 wurde die gemeinsame Tochter Christine Juliane geboren, die später den Bankier Bernhard von Loeffelholz ehelichte. Leyendecker starb 1958 wenige Tage nach seinem 73. Geburtstag. Die Familiengrabstätte befindet sich auf dem Kölner Melaten-Friedhof.

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Leyendecker

Walter Buschmann / Matthias Hennies / Alexander Kierdorf, 2018, „Bleifarbenfarbrik Leyendecker in Ehrenfeld”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-293773 (Abgerufen: 14. Mai 2021)