Alter Friedhof Darmstadt


Der Alte Friedhof in Darmstadt gilt heute als historisch bedeutendster Friedhof in Darmstadt. Er wurde 1828 an der Nieder-Ramstädter Straße auf Bessunger Gemarkung errichtet. Er wurde mehrmals, zuletzt 1894, erweitert. Der Alte Friedhof steht heute unter Denkmalschutz. Mehr als 60 Grabstätten sind als Denkmäler oder Ehrengrabstätten vor einer Veränderung oder Auflösung bewahrt. Auf dem Friedhof befinden sich zahlreiche Grabmäler bekannter Darmstädter Persönlichkeiten.

 

Der Alte Friedhof blieb von Zerstörungen durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont. Da zu Beginn des 20. Jahrhunderts absehbar war, dass der Alte Friedhof nicht mehr ausreichen würde, wurde vom Stadtbaumeister August Buxbaum ein neuer, wesentlich größerer Friedhof in einem Waldstück westlich von Darmstadt, der Waldfriedhof Darmstadt 1913–1922, entworfen.

 Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Alter_Friedhof_(Darmstadt)


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Braun Ernst Dr. ,   11 2020

Ernst Albrecht Braun (* 1857 in London; † 1916 in Darmstadt) war hessischer Politiker, Finanzminister und Innenminister des Großherzogtums Hessen.

 

Ernst Albrecht Braun studierte Rechtswissenschaften und wurde zum Dr. jur. promoviert. Er schlug die Verwaltungslaufbahn im Großherzogtum Hessen ein und war seit 1898 Ministerialrat im hessischen Innenministerium. 1906 wurde er zum Leiter des hessischen Innenministeriums berufen. Er blieb bis 1910 Innenminister (davon 1906 bis 1907 mit dem Titel eines Präsidenten des Innenministeriums und danach eines Innenministers).

 

1910 bis 1916 diente er als Minister der Finanzen in Hessen. Großherzogtum Hessen Das Großherzogtum Hessen, auch Großherzogtum Hessen-Darmstadt genannt, bestand von 1806 bis 1919. Es ging 1806 aus dem Reichsfürstentum der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt hervor. Die regierenden Fürsten entstammten dem Haus Hessen und führten nach der Erweiterung ihres Herrschaftsgebietes um die linksrheinischen Gebiete in Anlehnung an die ehemalige Pfalzgrafschaft bei Rhein den Titel Großherzog von Hessen und bei Rhein.

 

Haupt- und Residenzstadt war Darmstadt; andere wichtige Städte waren Mainz, Offenbach, Worms und Gießen. Das Großherzogtum war von 1815 bis 1866 ein Mitgliedstaat des Deutschen Bundes. Mit seinen nördlich des Mains gelegenen Gebieten gehörte es von 1867 bis 1870 dem Norddeutschen Bund an und war von 1871 bis 1919 ein Gliedstaat des Deutschen Kaiserreichs. Bei Entstehung der Weimarer Republik wurde es in den Volksstaat Hessen umgewandelt, einen Vorläufer des heutigen Landes Hessen.

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Albrecht_Braun


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Eilers Albert,   11 2020

Albert Ludwig Eilers (21. Dezember 1830 in Köthen (Anhalt) – 2. September 1896 in Darmstadt)

 

war ein deutscher Opernsänger (Bass) und Komponist. Albert Eilers studierte zunächst Theologie, später dann Rechtswissenschaft an der Universität Leipzig. Er war Mitglied des Akademischen Gesangvereins Leipzig, dem damals viele Studenten der Theologischen Fakultät angehörten. Dort war er Bass-Solist, wobei seine schöne Stimme entdeckt wurde. Er nahm Gesangsunterricht bei dem bekannten Leipziger Bassisten und Gesangslehrer Wilhelm Pögner und studierte ab 1852 am Mailänder Konservatorium.

 

1854 wurde er an die Dresdner Hofoper verpflichtet, wo er als Oroveso in Norma debütierte. 1855 sang er am Stadttheater Hamburg den Marcel in Die Hugenotten, außerdem Pietro in Die Stumme von Portici und Don Basilio in Der Barbier von Sevilla. Es folgten Engagements am Stadttheater Bremen (1856–1858) und am Deutschen Theater Prag (1858–1865), wo er insbesondere als Kaspar in Der Freischütz, als Lysiart in Euryanthe und als König Heinrich in Lohengrin große Erfolge feiern konnte. Von 1865 bis 1882 war er als festes Ensemblemitglied am Hoftheater Coburg engagiert. Im August 1876 sang er bei den ersten Bayreuther Festspielen auf Einladung Richard Wagners den Fasolt in Das Rheingold. Ab 1882 war er am Hoftheater Darmstadt engagiert.

 

1882 gastierte er am Her Majesty’s Theatre in London in der ersten vollständigen Aufführung des Nibelungen-Rings unter der musikalischen Leitung von Anton Seidl. 1882–1883 ging er mit reisenden „Richard-Wagner-Theater“ von Angelo Neumann auf eine große Europa-Tournee. Eilers war auch als Komponist tätig. Während seines Engagements am Deutschen Theater in Prag komponierte er nach einer Vorlage von Heinrich Zschokke die komische Oper Die St. Johannisnacht, die 1867 in Coburg uraufgeführt wurde. Er schrieb auch eine einaktige Operette, sowie Ouvertüren, Messen, Chorstücke und Lieder. Auf Eilers’ Anregung wurde 1859 in Prag die Gesellschaft der Künstler und Kunstfreunde „Schlaraffia“ gegründet. Seine beiden Söhne Albert (1859–1939) und Franz (1861–1929) wurden ebenfalls Opernsänger.

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Eilers_(S%C3%A4nger,_1830)


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Flotow Friedrich Adolf Ferdinand von,   11 2020

Friedrich Adolf Ferdinand von Flotow (* 27. April[1][2] 1812 in Teutendorf; † 24. Januar 1883 in Darmstadt)

 

war ein deutscher Opernkomponist. Leben Friedrich von Flotow (Nr. 258 der Geschlechtszählung) gehört zu den bekanntesten Vertretern der seit 1241 urkundlich nachgewiesenen Familie Flotow, die zum mecklenburgischen Uradel zählt. Er wurde geboren als zweites von vier Kindern und ältester Sohn des Gutsbesitzers und preußischen Rittmeisters Wilhelm von Flotow (1785–1847; Nr. 174) auf Teutendorf (heute ein Ortsteil von Sanitz) und Wendfeld und dessen Frau, Caroline Sophie Rahel, geb. von Böckmann (1792–1862).

 

Beide Eltern waren musikalisch gebildet. Der Vater spielte Flöte, die Mutter Klavier. Von seiner Mutter erhielt Flotow im Privatunterricht seine ersten Musikkenntnisse. Sein Vater hatte für Flotow eigentlich eine diplomatische Laufbahn geplant, doch als sein musikalisches Talent offenbar wurde, ließ sein Vater ihn auf Empfehlung des Klarinettenvirtuosen Ivan Müller die Laufbahn eines Musikers einschlagen. Von 1828 an studierte er am Conservatoire de Paris Komposition bei Anton Reicha und Klavier bei Johann Peter Pixis. Dort freundete er sich unter anderem mit Charles Gounod und Jacques Offenbach an.

 

Im Jahr 1830 war Flotow für kurze Zeit nach Deutschland zurückgekehrt. Hier komponierte er seine ersten dramatischen Werke: Pierre et Cathérine, Rob Roy und La duchesse de Guise, die er dann in Paris nicht ohne Mühe zur Aufführung brachte. Die Frische der Melodien und der heitere Sinn, der sich in diesen Werken aussprach, fanden Anklang, und unaufgefordert übertrug ihm 1838 der Direktor des Théâtre de la Renaissance die Komposition des zweiten Aktes der Genreoper Le Naufrage de la Méduse, die binnen Jahresfrist 54 Mal aufgeführt wurde. Auf diese Opern folgten in kurzen Zwischenräumen Le forestier (1840), L’esclave de Camoëns (1843) und das in Gemeinschaft mit Friedrich Burgmüller und Edouard Deldevez komponierte Ballett Lady Harriet (1844).

 

1844 konnte er mit der in Hamburg uraufgeführten Oper Alessandro Stradella seinen ersten großen Erfolg vermelden. Zusammen mit seiner 1847 in Wien uraufgeführten Oper Martha oder Der Markt von Richmond bildet sie den Grundstock für Flotows (bis Mitte des 20. Jahrhunderts) hohen Bekanntheitsgrad. Die Libretti der beiden Opern stammten von Friedrich Wilhelm Riese (Pseudonym: Wilhelm Friedrich), der beim Schreiben auf ältere Werke, die unter der Mitarbeit von Flotow entstanden, zurückgriff. So basiert der Text von Martha auf Lady Harriet. Von Flotows spätere Opern, wie zum Beispiel Die Großfürstin (1850, Libretto von Charlotte Birch-Pfeiffer), Rübezahl (1853, Libretto von Gustav Gans zu Putlitz) oder Albin (1856, Salomon Hermann Mosenthal), konnten keinen nachhaltigen Erfolg erringen und erscheinen nur als blasse Reproduktionen der früheren Werke.

 

1848 kehrte Flotow wieder nach Mecklenburg zurück, um das Erbe seines Vaters anzutreten. Am 21. August 1849 heiratete er Elisabeth von Zadow (1832–1851). Im November 1855 heiratete er nach dem frühen Tod Elisabeths die Tänzerin Anna Theen (1833–1872), die ihm drei Kinder, Wilhelm (1855–1872), Friedrich (1857–1918) und Karoline (1851–1864), gebar. Inzwischen war Flotow 1855[4] zum Hoftheaterintendanten in Schwerin berufen und zum großherzoglich mecklenburgischen Kammerherrn ernannt worden. Zur Einweihung des Neuen Schweriner Schlosses komponierte er 1857 die Oper Johann Albrecht, Herzog von Mecklenburg. Aus dieser Schaffensperiode stammt auch La Veuve Grapin. 1863 gab er seinen Posten auf und zog nach Wien, wo er in die Künstlergemeinschaft Die grüne Insel eintrat, für die er viele Lieder komponierte. Später beteiligte sich Flotow an der Gründung der deutschen Genossenschaft dramatischer Autoren und Komponisten, die, ähnlich der heutigen GEMA, die Urheberrechte der Komponisten schützen sollte.

 

Nachdem von Flotow sich in Wien 1867/68 von seiner Frau Anna hatte scheiden lassen, heiratete er am 9. August 1868 ihre Schwester Rosina Theen (1846–1925). Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor. Von 1870 bis 1872 wohnte Flotow in der Wiener Neustadt in der Wiener Straße 31. Von 1880 an lebte Flotow bei seiner Schwester Bernhardine Rößner in Darmstadt, wo er eine Villa erworben hatte. Dort starb er fast gänzlich erblindet am 24. Januar 1883 – drei Wochen vor Richard Wagner

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Flotow


G


H

Hoffmann Emil,   11 2020

Ernst Emil Hoffmann (* 17. Januar 1785 in Darmstadt; † 22. Mai 1847 ebenda)

 

war ein deutscher Unternehmer und Politiker. Ernst Emil Hoffmann, Sohn des Darmstädter Oberkriegsrats Hans Wilhelm Hoffmann (1754–1813) und der Elisabeth Friederike Dorothea, geb. Stürtz (1753–1805), absolvierte von 1795 bis 1800 das Gymnasium seiner Heimatstadt, erlernte anschließend das Kaufmannshandwerk und errichtete 1806 in Darmstadt ein Spezereigeschäft, das er aber bald wieder aufgab. Er trieb nun ausgedehnten Handel mit den verschiedenartigsten Waren, lieferte Gewehre für das Militär und spekulierte glücklich mit Staatspapieren. So kam er rasch zu einem großen Vermögen, das ihm das Betreten der politischen Laufbahn ermöglichte, während derer er sich durch seinen Einsatz für Volksfreiheit und die Förderung der öffentlichen Wohlfahrt auszeichnete. 1809 verheiratete er sich mit der acht Jahre jüngeren Karoline, geb. Leusler, mit der er zwölf Kinder hatte. Seine Tochter Emma Johanette heiratete den Lehrer und Landtagsabgeordneten Gottlieb Wilhelm Soldan.

 

Im Verlaufe des deutschen Freiheitskampfes gegen Napoleon beteiligte sich Hoffmann 1813 an der allgemeinen Landesbewaffnung Hessens sowie der Errichtung eines freiwilligen Jägerkorps, von dessen Mitgliedern er sechs Mann auf eigene Kosten ausrüstete und ihnen für Unglücksfälle lebenslange Pensionen zusicherte. Ferner wurde er Befehlshaber des ersten darmstädtischen Landwehrbataillons. 1817 trug er viel zur Milderung der Hungersnot in Hessen bei, indem er bedeutende bare Kapitalien verschenkte, Kollekten veranstaltete und Lebensmittel unentgeltlich oder zu ermäßigten Preisen an Notleidende vergab.

 

Politisch freiheitlich gesinnt, unterstützte Hoffmann 1820 die Verabschiedung einer hessischen Verfassung. Beim Ausbruch des griechischen Unabhängigkeitskrieges gegen die osmanische Herrschaft war er sehr zugunsten der Griechen tätig. So begab er sich 1822 als Bevollmächtigter sämtlicher deutscher Philhellenen-Vereine nach Marseille, um dort die Einschiffung der nach Griechenland reisenden Freiwilligen in die Wege zu leiten Für seinen Einsatz erhielt er das erbliche griechische Ehrenbürgerrecht. 1823 gründete er eine Militärvertretungsgesellschaft für das Großherzogtum Hessen, die bis 1835 bestand. 1826 wurde Hoffmann auf dem hessen-darmstädtischen Landtag zum Abgeordneten der zweiten Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen gewählt. Weil er aber in großer Zahl lithographierte Schreiben herausgab, in denen er den Wählern riet, nur unabhängige und liberal gesinnte Männer zu Deputierten zu wählen, wurde er auf Betreiben von Minister Grolmann wegen Einmischung in die Wahlen und Majestätsbeleidigung gerichtlich belangt und so daran gehindert, in die Kammer einzutreten. Erst nach drei Jahren wurde er am 29. August 1829 völlig freigesprochen und konnte nun Mitglied der Ständeversammlung werden. Dort war er äußerst aktiv und stellte u. a. mehrere liberale Anträge, etwa die Pressefreiheit in inländischen Angelegenheiten und die Aufhebung des Zölibats für katholische Geistliche.

 

Bald erwarb er sich die nötigen Kenntnisse in der Administration und im Gesetzwesen, wusste auch bei seinen Reden die Zuhörer zu fesseln. In den Landtag von 1832 wurde Hoffmann abermals, und zwar nach und nach von sechs Bezirken, gewählt, obgleich er mit der exaltierten liberalen Partei zerstritten war. Kurz nach dessen Eröffnung brachte er einen Antrag wegen der Bundesbeschlüsse vom 28. Juni 1832 ein, stellte wiederholte Anträge für Pressefreiheit und wegen Abänderung mehrerer unzweckmäßiger Verfassungsparagraphen und sprach sich gegen den Schlossbau aus. Als Helfer der Armen und Bedrängten war er bei den Darmstädtern sehr beliebt, den Regierungsverantwortlichen jedoch aufgrund seiner liberalen Gesinnung und rastlosen Tätigkeit zunehmend unangenehm.

 

1834 wurde Hoffmann erneut in die Kammer gewählt, aber der Wahlbestechung angeklagt; allerdings erklärte ihn die Kammer mit 35 gegen zwei Stimmen für definitiv zulässig. Auch diesmal entwickelte er eine große Aktivität, trat in Finanzfragen mehrmals den Interessen des Hofes entschieden entgegen, bekämpfte besonders die Theorien des Regierungskommissars August Konrad Freiherrn von Hofmann wegen des Steuerbewilligungsrechts der Stände und drang darauf, das Ausgabebudget deutlich zu kürzen. Zum folgenden Landtag wurde er nicht wieder gewählt. In der gegen ihn geführten Untersuchung wurde er beschuldigt, dass er einem Diener namens Wesp eine Anzahl ausgefüllter Stimmzettel zur Bevollmächtigtenwahl zur Verteilung gegeben habe, dass Wesp vier Wählern aus seinem Bekanntenkreis 17 Kreuzer bezahlt habe, um diese zur Annahme solcher Stimmzettel zu bewegen, und dass Wesp dafür von Hoffmann zwei Taler erhalten habe.

 

Nach eineinhalbjähriger Untersuchung dieser unbewiesenen Bestechungsaffäre wurde Hoffmann 1836 nur ab instantia entbunden. Trotz der Bemühungen seines Anwalts, einen definitiven Freispruch zu erwirken, sah das Darmstadter Hofgericht den Prozess endgültig für erledigt an, so dass Hoffmann nicht mehr Abgeordneter werden konnte. Die Regierung hatte so mit Hilfe der Justiz die Beendigung seiner parlamentarischen Laufbahn erreicht. Durch das auf dem Landtag von 1835 zustande gekommene Gesetz, das allein dem Staat das Geschäft der Militärvertretung zueignete, erlitt Hoffmann einen großen materiellen Schaden, weshalb er sich im November 1838 an die zweite Kammer wendete und daraufhin zumindest teilweise entschädigt wurde. 1836 gab er die erste Anregung zum einige Jahre später auf Staatskosten erfolgten Bau der Main-Neckar-Eisenbahn. Für seine Vaterstadt zeigte er sich als langjähriges Mitglied des Gemeinderats (1828–42) sehr tätig. In der Sache der Göttinger Sieben war er ebenfalls aktiv. Für die Betroffenen des schweren Brandes in Hamburg 1842 trieb er durch Sammelaktionen finanzielle Mittel auf. Er starb am 22. Mai 1847 im Alter von 62 Jahren in Darmstadt. 1852 wurde auf dem Friedhof in Darmstadt seine Marmorbüste aufgestellt.

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Emil_Hoffmann

Hügel Heinrich von,   11 2020

Georg Heinrich von Hügel (* 7. August 1828 in Mainz; † 2. August 1899 in Berlin)

 

war ein deutscher Architekt und Eisenbahn-Bauunternehmer.

 

Leben

 

Nachdem Heinrich von Hügel 1850 in Darmstadt eine „spezielle Prüfung im Baufach“ abgelegt hatte, fand er von 1854 bis 1856 Beschäftigung beim Eisenbahnbau in der Pfalz. Danach machte er sich in den 50er/60er Jahren des 19. Jahrhunderts einen Namen als leitender Architekt (Direktions-Architekt) der Bayerischen Ostbahn. In dieser Funktion plante und errichtete er für seinen Arbeitgeber Eisenbahntrassen und die dazugehörenden Betriebsgebäude. Hierzu zählte auch der 1859 eröffnete Regensburger Hauptbahnhof, der aber bereits 1886 einem weiter nördlich gelegenen Neubau im Stil der Neorenaissance weichen musste.

 

Später machte sich Heinrich von Hügel in München als Architekt selbstständig und erbaute dort das Zeughaus und das Palais des Grafen Schack. Ebenfalls von Hügel erbaut wurden die Villa Kustermann in Tutzing und 1867 das Theater in Franzensbad (heute Františkovy Lázně, Tschechien). In Regensburg erbaute er 1868 nach dem Abbruch der Stadtmauer im Bereich des Grüngürtels der Fürstenallee auf den Fundamenten der Stadtmauer und der Römermauer das erste Stadtpalais im Renaissancestil für den Privatier Johann Gschwendtner. Das vornehm wirkende, an Schinkels Pavillon im Charlottenburger Schlosspark erinnernde Gebäude, beherbergte während der NS-Zeit die Kreisleitung der NSDAP, hieß offiziell „Ostmarkhaus“, wurde aber allgemein nach dem jüdischen Vorbesitzer „Schwarzhaupt-Villa“ genannt.

 

Die Stadt hatte die Villa 1935 für einen Spottpreis der Witwe des Großhändlers Schwarzhaupt abgepresst. Nach dem Krieg wurde die Villa 1955 abgerissen zu Gunsten eines Neubaus für die Industrie und Handelskammer. In Bad Kissingen ließ Heinrich von Hügel von 1878 bis 1880 in Zusammenarbeit mit seinem Bauleiter Wilhelm Carl von Doderer das Spielkasino errichten. Nach seinen Plänen und unter seiner Bauausführung erfolgte 1883 die Fertigstellung des Alice-Hospitals in Darmstadt (Dieburger Straße 21). Zwecks Förderung dieses wohltätigen Projekts verzichtete von Hügel auf sein Honorar.

 

Neben seinen wechselnden Hauptwohnsitzen in München, Wien und Berlin erwarb Hügel 1878 in Darmstadt die „Villa Breitwiesenweg“ als „Sommerwohnung“ (Wahrscheinlich, weil seine erste Frau, Marie Luise Vietor, aus Darmstadt stammte). Dem 1836 von dem Architekten Heinrich Lerch im klassizistischen Stil erbauten Haus fügte Hügel zwei Anbauten an und errichtete daneben noch ein Gartenhaus und Ställe. Zusätzlich legte er einen Park an und erweiterte ihn. Bis auf das Gartenhaus (heutige Adresse: Brahmsweg 8) fiel das Anwesen im Zweiten Weltkrieg den Bomben zum Opfer. Heinrich von Hügel nahm auch an vielen Konkurrenzen teil (z. B. für das Rathaus in München und das Parlamentsgebäude in Den Haag) und stellte auf der internationalen Kunstausstellung in München 1869 zahlreiche Pläne aus. Bei seiner Bauplanung bediente er sich meistens der Formensprache der italienischen Renaissance. Sein Baustil zählt daher zu der Neurenaissance.

 

In das Baugewerbe stieg Heinrich von Hügel 1869 ein, als er gemeinsam mit Michael Sager in München das Bauunternehmen Hügel & Sager gründete. Rasch sehr erfolgreich, expandierte die Firma auch nach Österreich-Ungarn. Im Staatsauftrag errichtete sein Unternehmen in fast allen Reichteilen Bahnstrecken. Als Beispiele können genannt werden: Die Pustertalbahn (1869–1871): Eine normalspurige, eingleisige Eisenbahnstrecke im Pustertal zwischen Franzensfeste und Innichen. Die Temeswar-Orsowa-Bahn (1876–1878): Eine normalspurige Bahnstrecke, teilweise entlang der Donau, zwischen den Städten Timișoara nach Orșova im heutigen Rumänien. Die Bosnabahn (1878–1879): Eine schmalspurige, militärische genutzte Feldbahn von Bosnisch Brod (heute Bosanski Brod) nach Zenica. Heinrich von Hügel stieg im Verlauf weniger Jahre zu einem der größten Eisenbahn-Bauunternehmer seiner Zeit auf. In Wien erwarb er ein Palais am Wiener Kolowratring (Seit 1928 Schubertring), welches sich zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt entwickelte. Neben Musikern wie Johannes Brahms und Künstlern wie Caspar von Zumbusch verkehrten dort vor allem die bekanntesten Architekten der Gründerzeit, darunter auch Heinrich von Ferstel und Carl Wilhelm von Doderer. Heinrich von Hügel wurde auf dem Alten Friedhof in Darmstadt bestattet (Grabstelle: III M 90–95). Das Grabmal wurde 1890–1891 von dem Wiener Architekten Max von Ferstel errichtet und ist noch erhalten.

 

 Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_von_H%C3%BCgel


Hickler Gustav / Familie,   11 2020

Gustav Hickler Kaufmann, Fabrikant * 02.07.1858 Darmstadt t 28.12.1923 Darmstadt Gustav Hickler

 

war der Sohn des aus Darmstadt stammenden Kaufmanns Gustav Hickler sen. (28.07.1818 – 11.06.1889), Inhaber einer gut gehenden Rußfabrik, Beigeordneter der Stadt DA und seit 1884 Kommerzienrat. Hickler sen. hatte 1883 die Samengroßhandlung und Klenganstalt von Heinrich Keller übernommen, die sein Sohn 40 Jahre lang bis zu seinem Tod leitete. Hickler war Mitglied der Großherzoglichen Handelskammer, ebenfalls Kommerzienrat, leidenschaftlicher Jäger, 1901 bis 1921 Vorsitzender des Hessischen Jagdklubs, anschließend Ehrenpräsident. Als Oberschützenmeister der Privilegierten Schützengesellschaft (1884-1897) zeichnete er verantwortlich für die Verlegung des Schießplatzes und Schützenhauses vom Alten Friedhof nach Griesheim.

 

Daneben betätigte sich Hickler als Komponist von Jagdliedern und war lange im Vorstand des Roten Kreuzes tätig. 1892 erwarb er das Schloss in Babenhausen, möglicherweise um den Sitz seiner Firma nach dort zu verlegen, verkaufte es aber 1896 wieder an ein Konsortium Babenhäuser Bürger 1923 wurde die Hicklerstraße im Ostviertel nach Gustav Hickler sen und jun benannt Hicklers Tochter Lili machte sich in DA und Umgebung als Geigerin, Musikpädagogin und Komponistin von Kinderliedern und Singspielen einen Namen

 

Quelle Text: https://www.darmstadt-stadtlexikon.de/h/hickler-gustav.html


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Keller Heinrich,   11 2020

Heinrich Keller

Griesheimer Tannenzapfenbrecher

 

Die großartigen Klenganstalten, welche von dem jetzigen Eigentümer, Heinrich Keller, dem Sohne des Gründers, im Jahre 1861, nach den neuesten Erfahrungen und Verbesserungen in angemessenem und schönem Baustile umgebaut und bedeutend vergrößert wurden, bilden mit den neuesten Einrichtungen, namentlich der Dampfdarre, in diesem Geschäftszweige nicht allein die größte Fabrikanlage Deutschlands, sondern auch neben Lawson in Edinburg und Villemorin-Andrieux in Paris die größte der Welt. Das Wort „Kleng“ kommt von klingen; ausklengen bedeutet in der forstwissenschaftlichen Sprache, die Nadelholzsamen durch Wärme und nachfolgendes Dreschen aus den Zapfen bringen, klingend herausspringen machen. Wenn man das Ohr an die geschlossenen Räume in der Fabrik legt, worin auf Horden die Samenzapfen der Nadelhölzer eingeschlossen sind, so könnte man beinahe sagen, dass sich bei der Geschwindigkeit und den Veränderungen der Dichtigkeit der Wärme, durch die sich die Samenkapseln unter verschiedenen Klängen öffnen, eine „eigentümliche Musik“ hören lasse. Keller’s Anstalt befasst sich hauptsächlich mit dem Ausklengen von Kiefern-, Fichten- und Lärchenzapfen. Diese werden im Herbst und Winter von dem weniger bemittelten Teile der Landbevölkerung, namentlich Griesheims, in den umfangreichen Nadelholzwaldungen gebrochen und zum Verkauf in die Fabrik gebracht. Zu diesem Zwecke beschäftigt dieselbe während der Wintermonate bei einer vollkommenen Ernte nahezu eintausend Menschen, welche sich über das ganze Großherzogtum Hessen und einen Teil der angrenzenden Länder verbreiten und dabei einen willkommenen und lohnenden Verdienst finden. Mit der Klenganstalt sind mehrere Zweiggeschäfte verbunden, welche für deren Rechnung arbeiten. Diese befinden sich zu Nieder-Ingelheim und Manbach in Rheinhessen, zu Iggelheim und Sand in Rheinbaiern und Lützelwiebelsbach im hessischen Odenwald.

 

Die Tannenzapfenbrecher, namentlich die Griesheims, die sich in größere und kleinere Genossenschaften in den Kiefernwaldungen zwischen Rhein, Main und Neckar verteilen, sind in grobe Leinwand gekleidet. Wollene Kleidung würde ihnen bei Besteigung von oft hundert Fuß hohen Bäumen hinderlich sein. Bei rauer und regnerischer Witterung schützt ein ausgetragener Soldatenmantel die Glieder und eine leichte Mütze den Kopf. Mit den an kernhaften Stiefeln oder Gamaschenschuhen angebrachten Steigeisen klettern diese „Tannenvögel“, an Kühnheit, Gewandtheit und Sicherheit mit Eichhörnchen und Spechten wetteifernd, mit kräftigen, weithin hörbaren Tritten pfeilschnell zu den Kronen der Bäume, bis zu den schlankesten Wipfeln empor und das Knicken der Zweige, an welchen die Zapfen sich befinden, verkündet die rege Arbeit. In einem leinenen, über die Schulter geworfenen Sack sammeln sie die Zapfen und die, welche sie mit ihren Armen und Händen nicht erreichen können, werden mit ihrem einzigen Werkzeuge, einer Stange, die einen Zoll dick und acht bis zehn Fuß lang, an einem Ende mit einem Haken versehen ist und beim Steigen im Knopfloch getragen wird, von den schwankenden und höchsten Zweigen „heruntergeangelt“. Hat der fleißige Arbeiter mit den harzduftenden Tannenzapfen seinen Sack gefüllt, so fährt er von seinem luftigen Throne ebenso schnell und sicher wieder zur Erde herab und schüttet seinen Sack voll auf Haufen, wärmt sich an dem mit Tannenzapfen unterhaltenen Feuer, und so geht die Arbeit bis zur einbrechenden Abenddämmerung fort. Heinrich Keller (Fabrikant) Johann Heinrich Keller (* 25. Dezember 1826 in Darmstadt; † 27. November 1890 ebenda) war ein deutscher Kaufmann, hessischer Politiker und Abgeordneter der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen. Heinrich Keller war der Sohn des Kaufmanns Johann Heinrich Keller und dessen Ehefrau Anna Adelheid, geborene Straß. Keller, der evangelischen Glaubens war, war Fabrikant und Samenhändler in Darmstadt-Bessungen und heiratete Helene geborene Zöller (1827–1906). Er wurde mit dem Titel eines Kommerzienrates ausgezeichnet.

 

Quelle Text: https://de.wikisource.org/wiki/Seite:Die_Gartenlaube_(1867)_133.jpg#/media/Datei:Die_Gartenlaube_(1867)_b_133.jpg https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Keller_(Fabrikant)

 


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