Besondere Grabstätten    Nordfriedhof Düsseldorf


Anfang der 1880er Jahre war ein neuer Friedhof für Düsseldorf unumgänglich geworden. Der ältere kommunale Begräbnisplatz in Golzheim war an seine Grenzen gestoßen und wurde 1887 endgültig geschlossen. Düsseldorf war mit mehr als 100.000 Einwohnern Großstadt geworden, und die Bevölkerungszahl wuchs rasant. Grund war die zunehmende Industrialisierung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Ende dieser stürmischen Entwicklung war vorerst nicht abzusehen. Für die Anlage eines neuen Friedhofs wurde im Juli 1882 ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben, den der Gartenarchitekt Eduard Hoppe aus Pankow bei Berlin gegen starke Konkurrenz für sich entscheiden konnte. Am 1. Mai 1884 gab es bereits die erste Beerdigung. Hoppes Grundidee auf anfangs 15 Hektar ist noch heute gut zu erkennen: Von einem zentralen Eingangsbereich aus folgen in einer Süd-Nord-Achse die erst 1887 gebaute Kapelle und, auf einen Hügel ansteigend, der Ort für ein Hochkreuz, das 1905 aufgestellt wurde. Die Grabfelder in Nähe der Kapelle liegen wie in einem barocken, höfischen Garten, der als Grundriss ein Kreuz aufweist. Weiter entfernte Teile ähneln eher einem englischen Landschaftsgarten. Nach zwei Erweiterungen hat der Friedhof heute eine Gesamtfläche von etwa 70 Hektar. Rund 49.000 Grabstätten mit seither ungefähr 220.000 Beisetzungen zählt der Friedhof derzeit. Zwei große Ehrenfelder für die Toten des Ersten und des Zweiten Weltkriegs ergänzen die individuellen Grabstätten. Ehrengrabstätten für bildende Künstler, Schriftsteller, Theatermenschen und Stifter dokumentieren die Kunst- und Kulturgeschichte Düsseldorfs, ergänzt um Ehrungen verdienter Politiker. Nur ein einziges Ehrengrab gilt der Industriegeschichte, obwohl es gerade die Industriellen waren, die Düsseldorf groß, reich und modern gemacht hatten. Aufwändig gestaltete Grabmäler, nicht zuletzt von Düsseldorfer Bildhauern, deren Werke auch im öffentlichen Stadtbild zu bewundern sind, schmücken die Grabstätten. Sie finden sich insbesondere auf dem im Volksmund so genannten „Millionenhügel“ mit den Feldern 60 bis 64 und in den Feldern 70 bis 75.Seit 1922 ist ein jüdischer Friedhof Teil der Gesamtanlage. Er wird von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf in eigener Regie betreut. Dort finden sich unter anderem ein Grabstein von Heinrich Heines Großmutter mütterlicherseits und die Gräber für die Dichterin Rose Ausländer und für den langjährigen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel.

(Autor: Wulf Metzmacher)

 

 

Quelle: https://www.wo-sie-ruhen.de/friedhoefe?stadt=25&friedhof=28


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Achenbach Andreas, 04 / 2020

Andreas Achenbach der Malerfürst


Andreas Achenbach war ein deutscher Landschaftsmaler der Romantik. Er gilt als eine führende Künstlerpersönlichkeit der Düsseldorfer Malerschule, deren internationaler Ruf zu entscheidenden Anteilen durch das Lebenswerk Achenbachs begründet wurde.

Thema seiner Landschaftsmalereien waren vor allem Seestücke. Sein Bruder Oswald Achenbach dagegen konzentrierte sich auf die Darstellung der Landschaft Italiens. Die beiden Brüder wurden deshalb auch scherzhaft als das „A und O der Landschaftsmalerei“ bezeichnet.

Andreas Achenbach, dem der Sankt Petersburger Zeichenlehrer als Sechsjährigem bescheinigt haben soll, dass er bereits alles könne, begann seine akademische Kunstausbildung angeblich schon im Jahr 1827, also mit zwölf Jahren, an der Kunstakademie Düsseldorf bei Wilhelm Schadow, Heinrich Christoph Kolbe und Carl Friedrich Schäffer. Auf einer Ausstellung des Kunstvereins für das Rheinland und Westfalen, den Schadow mitbegründet hatte, erzielte der erst vierzehnjährige Achenbach seinen ersten größeren Erfolg, als er nicht nur zu den ausstellenden Malern gehörte, sondern auch eines seiner Gemälde, Die alte Akademie in Düsseldorf, verkauft wurde. In diesem Bild wählte Achenbach den Ausblick von einem Fenster der Wohnung seiner Eltern im Haus Burgplatz 152. Die Wahl dieses nüchternen Sujets unterstreicht die Eigenständigkeit des Künstlers, denn die Schilderung der „Wirklichkeit“ galt in der Akademie, die unter der Führung von Schadow von idealistischen Konzepten beherrscht war, als eher zu banal und insoweit als unkünstlerisch. Es spricht daher für eine bereits früh gefestigte Künstlerpersönlichkeit Achenbachs, dass er ein „bildunwürdiges“ Thema zum Gegenstand eines Gemäldes machte.

Achenbach umgab sich mit den Spitzen der städtischen Gesellschaft aus Politik, Wirtschaft und Kultur und residierte fürstlich. Wohnung und Atelier unterschieden sich kaum von großbürgerlichen Salons oder den Stadtpalais der Adligen. Achenbach zählte 1848 zu den Begründern des Künstlervereins Malkasten und sorgte gemeinsam mit anderen wohlhabenden Gönnern unter Einsatz erheblicher eigener Mittel für den Ankauf des ehemaligen Landgutes der Familie Jacobi in Pempelfort und dessen Ausbau als dauerhaften Vereinsmittelpunkt. Nach seinem Tod am 1. April 1910 wurde er im Malkasten-Haus aufgebahrt, wo mehrere Tage lang Gelegenheit bestand, von ihm Abschied zu nehmen. Die Düsseldorfer taten es in überwältigendem Maße. Als sich der Leichenzug vom „Malkasten“ zum Nordfriedhof in Bewegung setzte, erlebte Düsseldorf ein Begräbnis wie das Staatsbegräbnis eines Fürsten.

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Achenbach


B


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F

Faccenda / Mancini, 04 / 2020

Einbalsamierte Ehefrau unter dem Bett versteckt.

Am 26. Mai 1930 erhält der Düsseldorfer Stadtoberarzt Dr. Albrecht einen Brief, der ihn in Erstaunen versetzt: Ein gewisser Luigi Mancini teilt ihm mit, er wolle seine Frau aus Genua in sein Düsseldorfer Haus an der Königsallee holen, in dessen Erdgeschoss er ein Weinlokal betreibt. Daran wäre ja an sich nichts Besonderes – wenn die Gattin nicht schon seit zwei Jahren tot wäre. Luigi Mancini lässt den Amtsarzt wissen, seine Gattin Wilhelmina sei einbalsamiert worden und das Haus an der Kö solle mitnichten ihre letzte Ruhestätte werden. Es sei nur eine Übergangslösung, bis er ihr Mausoleum auf dem Nordfriedhof fertiggestellt habe. Dr. Albrecht genehmigt ihm, die Leiche fünf Tage lang in seinem Hause aufbewahren zu dürfen.

Doch plötzlich sollte die Tote nicht mehr auf den Nordfriedhof

„Anfangs zeigte sich die Stadtverwaltung langmütig, ja, bei der Lektüre der amtlichen Schreiben zeigt sich so etwas wie Mitgefühl für den vordergründig untröstlichen Witwer von der Königsallee“, erzählt Stadtarchivar Benedikt Mauer, der die städtische Verwaltungsakt ein den Tiefen seines Stadtarchivs ausgegraben hat. Doch sehr zügig seien Inhalt und Stil der Briefe Luigi Mancinis in ein forderndes, kompromissloses Verhalten gekippt. Denn plötzlich ist der Witwer, der seine Frau inzwischen nach Düsseldorf überführt hat, ganz und gar nicht mehr bereit, die sterblichen Überreste auf den Nordfriedhof zubringen. Wie Mauer berichtet, sei er der Ansicht gewesen, „der Körper seiner Frau sei im Augenblick ihres Todes zu einer Sache geworden und er sei als Alleinerbe zugleich Erbe ihres Leichnams, weshalb er mit diesem verfahren könne, wie er wolle“.

Die Frau ruhte im Zinksarg neben Mancinis Schlafzimmer

Mancini lässt die Stadtverwaltung wissen, seine Frau ruhe in einem Zinksarg neben seinem Schlafzimmer, der sei stets mit frischen Blumen geschmückt und ein hübsch anzusehendes Möbel. Ob und –wenn ja – wann er sie bestatten lassen werde, sei allein seine Sache. „Zudem bemühte er vergleichbare Fälle“, berichtet Mauer weiter. „Seine Argumente reichten vom Reliquienkult bis hin zu Berühmtheiten wie den sterblichen Überresten Arthur Conan Doyles, Giacomo Puccinis oder Richard Wagners. Allerdings war der Leichnam keiner der genannten Personen dauerhaft aufbewahrt worden.“

Obgleich der Witwer Jura studiert hatte und einige Jahre in Mailand als Anwalt tätig war, habe er die Aussichtslosigkeit seines Ansinnens nur begrenzt erkannt: „Er stellte beispielsweise weitschweifig dar, dass es einen grundlegenden juristischen Unterschied zwischen einer Leiche und einer Mumie gebe“, schildert Mauer den weiteren Verlauf der Auseinandersetzung.

Doch dann verlor die Stadtverwaltung ihre Geduld

Das Verständnis der Düsseldorfer Stadtverwaltung für den Witwer ist lange schon der Entschlossenheit gewichen, die Leiche aus dem Haus an der Königsallee herausszuholen. Unterstützung kommt von der Verwandtschaft der Verstorbenen: Die hat ebenfalls die Geduld verloren und drängt die Stadtverwaltung, auf eine zügige Beisetzung Wilhelminas hinzuwirken.

Reportage über den Düsseldorfer Fall in der „Süddeutschen Sonntagspost“

Auch die Presse hatte mittlerweile von dem Fall erfahren und machte Druck: „Ein für die Süddeutsche Sonntagspost tätiger Journalist verfasste eine lange Reportage. Es gelang ihm nicht nur, mit Mancini zu sprechen, sondern auch den Sarg im zweiten Stock des Restaurant und Wohngebäudes in Augenschein zu nehmen, der mittlerweile seit acht Wochen dort stand“, sagt der Stadtarchivar, der aus dem Artikel zitiert: „Auf einem wenig hohen Podest steht der Sarg. Weiße Seide umschlingt einige Palmwedel, die auf dem Sargdeckel liegen. ‚Meiner innigst geliebten Frau. Willkommen‘. So steht es auf der Seide. Dann sieht man ein Täfelchen mit dem Namen, mit den Jahreszahlen, […]schaut durch ein ovales Fensterchen in das Innere des Sarges, auf den zweiten Sarg, einen Zinksarg, der die Leiche birgt.“ Der Stadtanzeigerbeklagt: „Wie konnte man einem solch lästigen Ausländer gegenüber [...] eine solche Lammesgeduld an den Tag legen?“

Damit ist es nun jedoch vorbei: Die ungemeine Hitze von rund 35 Grad nimmt Polizeikommissar Sohn zum Anlass, den Witwer aufzusuchen und sich nach dem Wohlbefinden der Verstorbenen zu erkundigen – derartige Temperaturen sind schließlich keine idealen Voraussetzungen für die Aufbewahrung einer Leiche im Wohnzimmer. Das scheint auch Mancini eingesehen zu haben: Er erklärt dem Beamten, er habe seine Gemahlin am Vortag bestatten lassen.

Ehemann versteckte die Tote vor der Polizei unter dem Bett

Aber ganz können es die Beamten noch nicht glauben, sie haken nochmals nach und erhöhen den Druck. Man fordert Auskunft darüber, wo genau die Leiche bestattet worden sei. Da gesteht Luigi Mancini, gar nicht bestattet habe er sie: Unter dem Bett hat er seine verstorbene Frau versteckt. Für die Polizei steht fest, dass die Leiche noch am gleichen Tag aus dem Haus gebracht werden muss. Die Beamten verlassen das Gebäude, um alles in die Wege zu leiten. Bei ihrer Rückkehr stehen sie vor einer verriegelten Tür, Mancinis Mitarbeiter versuchen, mit der Leiche durch den Hinterausgang zu fliehen. Doch den Beamten gelingt es, durch die Toilette des Weinlokals ins Haus einzudringen und die Mumie auf den Nordfriedhof zu bringen. Dort wird die Verstorbene von ihren Geschwistern identifiziert. „Offensichtlich hatte sich die mumifizierte Leiche recht gut erhalten– zumindest zwei Anwesende konnten sie zweifelsfrei erkennen, eine dritte war sich da nicht ganz so sicher. Ein gewaltsamer Tod konnte ausgeschlossen werden, Wilhelmina war unstrittig einem Krebsleiden erlegen“, erzählt Benedikt Mauer. Von dem Mausoleum, das Mancini der Stadtverwaltung angekündigt hatte, war und ist allerdings weit und breit nichts zu sehen: Wie Mauer recherchierte, gab es das angekündigte Grabmal wohl noch nicht einmal in der Planungsphase.

Auch heute noch liegt Wilhelmina Mancini im Familiengrab ihrer Eltern auf dem Nordfriedhof

Wilhelmina Mancini wird im Familiengrab ihrer Eltern beigesetzt. „Der aus Carrara-Marmor geschlagene Grabstein ist bis heute einer der schönsten auf dem nicht eben kleinen Nordfriedhof“, findet Mauer. Von den tragischen Jahren zwischen ihrem Tod und dem Ankommen in ihrer letzten Ruhestätte erzählt der Grabstein allerdings nichts.

Es befindet sich auf dem Nordfriedhof, Am Nordfriedhof 1, im Feld 74.

 

 

Quelle Text : https://www.nrz.de/…/wand-an-wand-im-haus-an-der-koenigsall…


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Henkel Fritz, 06 / 2020

Fritz Henkel war Chemiker. 1876 hatte er in Aachen mit der Produktion von Waschmitteln begonnen, diese zwei Jahre später jedoch nach Düsseldorf verlegt. Und hier befindet sich bis heute der Stammsitz des Unternehmens, dessen Aktienmehrheit sich noch immer in Familienhand befindet. Die Firma Henkel ist in über 75 Ländern tätig mit den Hauptgeschäftssäulen Wasch- und Reinigungsmittel, Kosmetik und Körperpflege sowie Klebstofftechnologien. Von all den anderen großen Unternehmen seit der Industrialisierung Düsseldorfs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist Henkel fast das einzige, das überdauert hat. Große Namen wie Poensgen, Schiess, Heye, Piedbœuf, Haniel und Lueg sind bereits seit längerer Zeit in Düsseldorf nicht mehr präsent.

Das Grabmal Henkel ist wohl das monumentalste auf dem Nordfriedhof, dennoch sind in der Gruft nur zwei Familien beigesetzt worden, die des Firmengründers Fritz Henkel und die seines gleichnamigen Sohnes.

Bei Betrachtung des Grabmals mag die zentrale weibliche, weiße Figur an Henkels „weiße Dame“ denken lassen, die zu einem der ersten Bilder geschickten Marketings wurde. Gestaltet wurde die Skulptur von dem Bildhauer Karl Janssen. Es ist eines seiner Spätwerke. Auf einem hohen Thron sitzt die weibliche Figur, die Augen geschlossen und in den Händen Mohnkapseln haltend – eine Allegorie des ewigen Schlafes. In ihrer Haltung erinnert sie an eine Figur aus dem Pergamon-Museum in Berlin, an die sogenannte „Thronende Göttin aus Tarent“, die als Unterweltgöttin Persephone gedeutet wurde. Die Wangen des Throns tragen weitere Bildwerke: Zur Linken ist Gott Merkur zu erkennen, der Götterbote und Gott der Kaufleute, zur Rechten eine weibliche Gestalt mit Öllampe und Laborgeräten zu Füßen. Beide Darstellungen nehmen Bezug auf die Profession der hier Bestatteten. Karl Janssens Tochter Gerda hatte übrigens Hugo Henkel geheiratet, einen Sohn des Patriarchen. Das war ohne Zweifel nützlich bei der Auftragsvergabe des Grabmals. Der Tempelbau stammt von dem Architekten Walter Furthmann, der so etwas wie der Haus- und Hofarchitekt der Firma Henkel war. Die Verwaltungsgebäude in Düsseldorf-Holthausen im Stil der Rheinischen Backsteinarchitektur sind ein Markenzeichen für ihn. Hier im Grabmal umzieht unterhalb der aufsitzenden Kuppel ein dreiteiliges Relief mit den bekannten Sternkreiszeichen die Rückwand. Sie sollen kosmologisch den Todesschlaf in den Lauf des Weltalls einbetten. Entstanden ist die gesamte Grabanlage schon einige Jahre vor dem Tod der Beigesetzten, im Jahr 1925.

 

Quelle Text: https://www.wo-sie-ruhen.de/friedhoefe?stadt=25&friedhof=28


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Kalenborn  Heinz und Margret, 04 / 2020

 

„Abschied“ von Fritz Schaper

Diese wundervolle Gruppe auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof ist eine echte Sensation und wird eigentlich „kaum“ beachtet. Die bewegende Gruppe wurde im Jahr 1915/17 in Berlin für einen Düsseldorfer geschaffen, der den frühen Tod seiner jungen Frau beklagte. Das Grab gammelte viele Jahre vor sich hin und der Sockel war bereits tief im Boden versunken. Es gab lange Zeit keinen Hinweis auf den Bildhauer und es gibt bis heute keinen Namen zu der verstorbenen Düsseldorferin.

Erst durch eine Bestandsaufnahme und Fotoarbeiten für eine Patenschaft, wurde die Gruppe freigelegt, am Sockel hat man die Signierung F. Schaper gefunden.

Fritz Schaper (* 31. Juli 1841 in Alsleben (Saale); † 29. November 1919 in Berlin; vollständiger Name: Hugo Wilhelm Fritz (Friedrich) Schaper) war ein deutscher Bildhauer und Medailleur des ausgehenden 19. Jahrhunderts und ein Vertreter der Berliner Bildhauerschule. Ab 1875 lehrte er als Leiter des Aktsaals für Bildhauerei und von 1880 bis 1890 als Professor an der Berliner Kunstakademie.

Schaper wurde geboren als vierter Sohn des Pastors Friedrich Gottfried Peter Schaper und dessen Frau Antonie Schaper geb. Heiligenstädt. Am 6. Januar 1848, als Fritz noch keine 7 Jahre alt war, starb sein Vater, und seine Mutter zog mit ihren sieben Kindern nach Halle (Saale). Bereits im darauffolgenden Jahr am 14. Juli 1849 verstarb auch sie, und die Kinder wurden bei verschiedenen Familien untergebracht. Fritz Schaper wuchs bei Graf Kielmannsegg auf, zuerst auf dem Land, dann wieder in Halle. Dort besuchte er die Realschule der Franckeschen Stiftungen. Mit 15 Jahren ging er ab und absolvierte eine Steinmetzlehre bei C. A. Merckel. Dabei zeigte sich sein Talent, und der Wunsch entstand, Bildhauer zu werden.

Zur weiteren Ausbildung ging Schaper 1859 nach Berlin und besuchte dort zwei Jahre die Berliner Kunstakademie. Dort übte er sich unter anderem im anatomischen Zeichnen und Zeichnen nach der Antike. Gleichzeitig wurde er 1860 ein Schüler des Bildhauers Albert Wolff. Ebenso wie Wolff, der ein Freund und Schüler des kurz zuvor verstorbenen Christian Daniel Rauch gewesen war, nahm Schaper sich Rauch zum Vorbild für sein weiteres künstlerisches Schaffen. Zu seinem 23. Geburtstag bekam Schaper sein elterliches Erbteil ausgezahlt, was ihm mehr finanzielle Unabhängigkeit einbrachte. 1865/1866 schuf er sein erstes eigenständiges Werk, die Gipsgruppe Bacchus und Ariadne. 1867 reiste er zur Weltausstellung in Paris. Anschließend gründete er sein erstes eigenes Atelier an der Großen Präsidentenstraße, übersiedelte aber bald in die Albrechtstraße. Er bekam noch im gleichen Jahr einen Auftrag für eine Borussia und zwei Löwen am Kriegerdenkmal in Halle, das 1872 enthüllt wurde. Zunächst blieben jedoch große Aufträge noch aus.

In den 1870er Jahren beteiligte sich Schaper häufig an Künstlerwettbewerben.

Ein wichtiger Erfolg war der 1. Preis bei dem Wettbewerb um das Berliner Goethe-Denkmal 1871, mit dessen Ausführung er zwei Jahre später beauftragt wurde, und das 1880 im Tiergarten enthüllt wurde. 1875 wurde er Leiter des Aktsaals für Bildhauerei unter Anton von Werner. Diese Position verschaffte ihm ein sicheres Einkommen und höheres Ansehen.

Es folgten weitere bedeutende Aufträge, unter anderem für das Kölner Bismarck-Denkmal, das Braunschweiger Gauß-Denkmal und Hamburger Lessing-Denkmal. Auch schuf Schaper in dieser Zeit erste Büsten.

Quelle zu Fritz Schaper: http://www.ipernity.com/doc/26252/48687070

 


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Liertz Adolf, Architekt, 06 / 2020

Adolf Liertz entwarf eine der bemerkenswertesten Hallenbauten auf der kleinen Weltausstellung 1902 in Düsseldorf. Die Ausstellungshalle der Vereinigten Waggon- und Lokomotivfabriken Düsseldorf, eine dreischiffige Anordnung von gleichwertigen Hallen, deren Binder als Sichelträger ausgebildet waren. Die Außenwände waren mit Dreiecksspitzen abgestrebt. Während der orkanartigen Stürme im Jahre 1901 stürzte die Konstruktion bei der Montage zweimal ein.

Die drei mächtigen Hallen von je 90 Metern Länge und 13,50 Metern Spannweite, bedeckten eine Fläche von rund 3800 Quadratmetern, die sowohl durch Oberlichter, wie seitliche Fenster in den Lang- und Kopfseiten, außerordentlich reichlich beleuchtet waren. Hier haben seinerzeit die leistungsfähigsten Waggon- und Eisenbahnhersteller, eine Reihe ihrer besten Erzeugnisse zur Anschauung gebracht.

Auch viele Wohnhäuser im Stadtbild von Düsseldorf und Oberkassel, stammten aus den Entwürfen von Adolf Liertz. Leider wurden die meisten Gebäude während der Kriegsjahre zerstört oder wurden auf Grund ihres Alters abgerissen.

Das Grabmal stammt von Leo Müsch, einem bemerkenswerten deutschen Bildhauer aus Düsseldorf. Leo Müsch sammelte seine ersten Erfahrungen im Atelier von Julius Bayerle und studierte danach an der Kunstakademie Antwerpen. 1866 bis 1871 arbeitete er im Atelier von Christian Mohr in Köln und danach bis 1875 bei August Wittig in Düsseldorf. In seiner Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf in der Bildhauerklasse von August Wittig gehörten zu seinen Mitschülern unter anderen Alexander Zick, Heinrich Hoffmeister, Georg Neumann (* um 1842) aus Hildburghausen, der Niederländer Willem van Kempen, Karl Janssen und Max Reinhart.

Quelle Text teilweise: 

https://de.wikipedia.org/wiki/Leo_M%C3%BCsch


M


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Nitribitt Rosemarie, 06 / 2020

Ein unscheinbares Grab, aber was für eine Geschichte!

Die Prostituierte Rosemarie Nitribitt

Die Prostituierte Rosemarie Nitribitt wurde 1957 erwürgt. Bis heute ist der Täter unbekannt. Neu aufgetauchte Akten belegen eine belastbare Spur in eine reiche Industriellenfamilie.

Ein Stück deutscher Nachkriegsgeschichte

"Die Nitribitt" ist bis heute ein Name. Erich Kubys Streifen "Das Mädchen Rosemarie", verfilmt mit Nadja Tiller in der Hauptrolle, lockte acht Millionen Zuschauer ins Kino. Sie war die Edelhure der jungen Bundesrepublik. Ihr Leben und ihr Sterben sind ein Stück deutscher Nachkriegsgeschichte.

Wer sie 1957 tötete, konnte nie ermittelt werden. Nie gab es eine Verurteilung. Nicht einmal wurde festgestellt, wann der unbekannte Mörder ihre Kehle zudrückte. Kriminalbeamte haben bei der Beweisaufnahme geschlampt und beim Betreten der stickigen Wohnung, in der Nitribitts Leiche lag, erstmal die Fenster aufgerissen. Ein fataler Anfängerfehler mit der Folge, dass der genaue Todeszeitpunkt kriminaltechnisch nicht mehr bestimmbar war. Es war nicht der einzige.

Neue Spuren in alten Akten

Doch natürlich können Mörder auch nach sechs Jahrzehnten entlarvt werden. Das geht heute zum Beispiel über eine DNA-Analyse – wenn noch Asservate vorhanden sind. Oder über alte Fahndungsakten, die man für vernichtet oder verschollen hielt und die nach einer Ewigkeit ausgerechnet im Keller eines Polizeipräsidiums in einer spinnennetzverhangenen Ecke aufgestöbert werden.

Im spektakulärsten Mordfall der Fünfziger Jahre hat es diesen Zufallsfund gegeben. Frankfurter Staatsanwälte, so wird zumindest erzählt, wollten Mitte 2013 gegen einen Altpapierhändler wegen angeblich von ihm verhökerter Dokumente ermitteln. 22 Akten tauchten als Beifang auf – samt Fotos, Wohnungsschlüssel und einem Schamhaar. Es waren die polizeilichen Vernehmungsprotokolle und Beweisstücke der Mordsache Nummer 68331/57, Rosemarie Nitribitt.

Der Spross einer ehrbaren Familie

Wer im Leseraum des hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden in diesem Aktenberg blättert, stellt überrascht fest: Es gibt eine durchaus belastbare, aber nie sehr konkret verfolgte Täterspur im Stapel gilbbrauner Schreibmaschinenseiten. Sie führt in eine der bekanntesten Industriellendynastien Deutschlands, die der Stahlbarone von Bohlen und Halbach. Der Name Krupp ist besser bekannt.

Es ist der Allerheiligentag des Jahres 1957 nahe dem Eschenheimer Tor im Norden der noch immer stark kriegszerstörten Frankfurter City. Nachbarn ist aufgefallen, dass sich die Brötchentüten vor der Wohnung einer jungen Frau stapeln. Das ist ungewöhnlich. Die Dame hat sonst häufigeren Besucherverkehr. Am Nachmittag erscheint die alarmierte Kriminalpolizei. Sie meldet danach an das Bundeskriminalamt im nahen Wiesbaden: "Am 1.11.1957, gegen 16.30 Uhr, wurde in dem Appartementhaus Stiftsstraße 36 in ihrer Zweizimmerwohnung die Prostituierte Rosemarie Nitribitt ermordet aufgefunden. Der Tod trat durch Erwürgen ein. Vor der Tat hat ein kurzer Kampf stattgefunden."

Eine tiefe Wunde am Hinterkopf weist auf den Kampf hin. Und dann noch: Der Tatbestand lasse keine Festlegung der Tatzeit zu. Das ist dreist. Die Beamten verschweigen den Kollegen vom BKA die Panne mit den geöffneten Fenstern – eine Irritation, die die Hoffnungen des Täters noch übertrifft. Er hatte nach dem Mord die Heizung auf 30 Grad Celsius hochgefahren, um den Verwesungsvorgang zu beschleunigen und so Hinweise zu verschleiern.

Das Mädchen Rosemarie

Wer war Rosemarie Nitribitt? Nicht unbedingt eine Schönheit. Aber blond, durchdringende Augen, gerne mit dem Pudel Joe und in verführerischer Pose unterwegs. So kannte sie das prüde, moralinsaure Nachkriegsdeutschland, und so hatte sie es als Chance gesehen.

1933 als Folge eines One-Night-Stands geboren kam sie aus ärmsten Verhältnissen in Düsseldorf. Sie wuchs im Heim auf, wurde mit elf Jahren das erste Mal vergewaltigt. Sie wollte raus aus diesem Tief und fand das richtige Leben in Frankfurt. Rosemarie lernte Englisch, Französisch, machte einen Kurs in "gutem Benehmen". Sie kaufte sich den Mercedes Cabrio 190 SL in schwarzer Lackierung, mit Weißwandreifen und rotem Polster und bot den Kunden unter Telefon Frankfurt 26 83 0 ihren Körper an.

Die Kunden waren von Rang und Namen. Viele kamen aus dem Geldadel. Wie die Brüder Gunter und Ernst Sachs, Eigentümer der Schweinfurther Kugellagerwerke. Kurt Georg Kiesinger, später Kanzler der ersten Großen Koalition, soll sie Berichten nach besucht haben, der Rennfahrer Huschke von Hanstein und der Milliardär Harald Quandt. Ein anderer Harald jedoch, Harald von Bohlen und Halbach aus Essen und Mit-Erbe des Kruppschen Imperiums, war mehr als nur ein Kunde. Er war, davon zeugen die den Vernehmungsprotokollen beigefügten Briefe im Hessischen Staatsarchiv in Wiesbaden, über einen Zeitraum von etwa einem halben Jahr vor ihrem gewaltsamen Tod ihr Geliebter.

Liebesbriefe in den Akten

"Mein Rehchen". "Mein Fohlen". So begannen seine Schreiben aus St. Moritz, aus Tirol oder aus Montreal. Er schickte ihr Lyrik: "Deiner Brüste Liebeshügel sind des Hafis schönster Traum." Er schenkte ihr Schmuck, Perlenohrringe, eine "Pferdegruppe aus Porzellan", auch mal einen Werkzeugkasten oder einen Tirolerhut. Er steckte ihr heimlich D-Mark-Scheine zu und stattete ihre Wohnung mit Bildern aus. Die Polizeiakten führen später 16 Positionen von Präsenten auf.

Doch wie zerbrechlich war die Romanze zwischen Rosemarie und Harald? Erwartete sie, die einfache Prostituierte, dass er, der reiche Stahl-Erbe, sich irgendwann offen zu der strikt geheim gehaltenen Beziehung bekannte? Wollte sie gemeinsam mit ihm verreisen? Mehr finanzielle Unterstützung? Auf all das deutet viel hin. Aber ihre geplante Begleitung auf eine seiner Dienstreisen ins Elsass ließ er kurz vor ihrem Tod unter einem Vorwand platzen. Und als sie ihn, auch das steht in den Akten, auf eine Ehe ansprach, antwortete er seiner Rosemarie brutal: wenn überhaupt, dann "auf dem Mond".

Von Bohlen und Halbach in der Vernehmung

Frankfurt, 3. November 1957, drei Tage nach dem Leichenfund. Es ist ein Sonntag. Der Mordfall wühlt die Republik auf. In den letzten 72 Stunden hat die Kripo der Mainmetropole im Appartement an der Stiftstraße Dutzende Spuren hin zur vermögenden Klientel von Nitribitt sichergestellt. Jeder der Besucher kommt als potentieller Täter, zumindest aber als Zeuge in Frage.

Die Herrschaften werden nacheinander ins Präsidium bestellt. An diesem Sonntag hat sich Harald von Bohlen und Halbach, der zwei Jahre zuvor noch prominenter Häftling in sowjetischer Kriegsgefangenschaft war, früh aus Essen auf den Weg gemacht. Keiner daheim sollte das Ziel des Ausflugs erfahren. Er ist pünktlich. "Vorgeladen erscheint der Industrielle Harald von Bohlen und Halbach, geb. 30.5.16 in Essen, wohnhaft in Essen, Berenberger Mark 10", steht in den Akten der Polizei.

Von Bohlen und Halbach, den der deutsche Boulevard für den reichsten Mann Deutschlands hält, erzählt dem vernehmenden Oberkommissar Details seiner Love-Story. Wie sie ihn in der Nähe des Hotels Frankfurter Hof aus ihrem Cabrio heraus angesprochen hat. Wie man in einer nahe liegenden Pension zum ersten mal intim geworden ist. Wie er sich an der Rezeption als Gatte eintragen und sie "Rebecca" nennen musste.

Die Akten geben auch her: Das erste Date hat Harald von Bohlen und Halbach mit 200 D-Mark bezahlt. Danach? Es wurde enger. Die liebevollen Briefe. Die Geschenke. Der Geschlechtsverkehr sei "durchaus normal" abgelaufen, berichtet der Zeuge dem Kommissar. Für die Kondome habe er gesorgt. Dabei sei man nicht bei jedem der etwa zehn Treffen in ihrer Wohnung miteinander im Bett gewesen. "Ich habe sie freundschaftlich auch als Kerl gemocht."

Wo er von Dienstag, 29., bis Donnerstag, 31. Oktober gewesen sei?, fragt ihn der Hauptkommissar. Er habe in dieser Zeit Essen nicht verlassen, sagt der Zeuge.

Die verräterische Spur in der Wohnung

Die Polizei weiß zu diesem Zeitpunkt etwas mehr. Der Erkennungsdienst hat in Nitribitts Wohnung neben zahlreichen Spermaresten, Notizbüchern und Tonbändern eine angebrochene Flasche Beaujolais gefunden. Daran haften Finger- und Handabdrücke. Das ist eine verräterische Spur, denn Nitribitt war für ihre Ordnungsliebe bekannt. Sie hätte nach einem Herrenbesuch kaum eine Weinflasche offen stehen lassen. Die Handabdrücke könnten vom letzten Besucher stammen – und damit vom Mörder der jungen Frau. Als Harald das Frankfurter Präsidium verlässt, hat man ihm nichts davon erzählt. Das Labor hat noch kein Ergebnis.

Knappe drei Wochen später, am 22. November, liegt das vorläufige "daktyloskopische Gutachten" vor. Zur Nummer 9 der Asservate heißt es: "Die an der o.a. Flasche 'Beaujolais' (...) gesicherten Teilhandflächenspuren sind ohne jeden Zweifel mit dem oberen linken Teil der linken Handfläche (...) von Herrn Harald von Bohlen und Halbach (...) identisch." Das gleiche gelte für die gesicherten Teilfingerspuren.

War der Krupp-Erbe zur Tatzeit in Frankfurt? Hat es in der Wohnung eine Auseinandersetzung um eine gemeinsame Zukunft gegeben? Wurde Harald von Bohlen und Halbach dabei zum Mörder?

Neben der belastenden Tatort-Spur gibt es eine Zeugenaussage, die von Hassi Borsedi. Die eine Etage tiefer wohnende Nachbarin von Rosemarie Nitribitt will am 31. Oktober gegen 15.30 Uhr einen hellen Schrei gehört haben, dem ein schweres dumpfes Geräusch eines auf den Boden fallenden Menschen folgte.

Hauspersonal stützt das Alibi

Von Bohlen und Halbach hat der Polizei für jeden einzelnen in Frage kommenden Tattag eine überprüfbares Alibi vorgelegt – ausgerechnet für diesen Donnerstag vor Allerheiligen aber sind seine Angaben eher vage: Er glaube, "vorwiegend zu Hause gewesen zu sein". Mutter Bertha, die Patriarchin der industriellen Dynastie, war kurz zuvor gestorben. Er habe Kondolenzschreiben beantworten müssen. Das Hauspersonal rund um den Familiensitz Villa Hügel stützt ihn. Die Haushälterin, die Küchenhilfen, der Fahrer. Die Haushälterin versichert der Essener Kriminalpolizei: "Nach dem Tode seiner Mutter fühle ich mich verantwortlich. Ich würde es verspüren, wenn er längere Zeit abwesend wäre."

Es gibt keine zweite Vernehmung des 45-Jährigen. Die Ermittler der Endfünfziger haben, aus welchen Gründen auch immer, keinen verstärkten Verdacht geschöpft. Sie haben die Spur 31 im Mordfall Nitribitt, die zu Harald von Bohlen und Halbach, nach der Übernahme der Sache durch die Essener Polizei nach nur drei Tagen fallen lassen. In deren Schlussbilanz heißt es reichlich unterwürfig: Im Hause Krupp von Bohlen und Halbach herrsche bekanntermaßen "eine strenge und solide patriarchalische Lebensführung vor". Es sei "kaum glaubhaft", dass Harald von Bohlen und Halbach "in den kritischen Nächten von Essen nach Frankfurt und zurück gefahren ist", ohne, dass dies bemerkt worden wäre.

Als die Akte in Essen zugeklappt wird, haben sich die Frankfurter Kripo-Kollegen längst auf Heinz Pohlmann als Hauptverdächtigen konzentriert, den schwulen Hausfreund des Opfers. Hatte er nicht wenige Tage nach dem Mord seine Bankschulden getilgt? Hatte er sich nicht einen teuren Mercedes gekauft? Gegen ihn kommt es schließlich zur Anklage. Raubmord. Doch demütigender kann eine Niederlage der Staatsanwälte vor dem Richtertisch nicht ausfallen. Nach kurzer Verhandlungsdauer wird Pohlmann am 13. Juli 1960 freigesprochen. Es gibt keinerlei Beweise für seine Schuld. Der Schlussstrich.

Mordfall wird zum Stoff für Filme

In den Jahrzehnten nach dem Urteil ist aus dem ungelösten Mordfall Nitribitt die Gesellschaftsgeschichte vom Mädchen Rosemarie geworden, aus dem Krimi ein Unterhaltungsstoff, der die Kaufzeitungen, Illustrierten und Frauenhefte beschäftigte. Polizei und Justiz schützten die Identität der Kunden der ermordeten Prostituierten und die der Zeugen, so lange es ging, darunter auch Harald von Bohlen und Halbach.

Dass Hausfreund Pohlmann die Krupps mit der Nennung von Haralds Namen in einer Illustrierte erpresst hat, dass der Generalbevollmächtigte des Konzerns, Berthold Beitz, nach einem "Beichtgespräch" mit Harald wohl zumindest mit einem kleinen Betrag auf die Erpressung eingegangen ist und die Nennung vielleicht so verhindern konnte? Auch das wurde erst viel später bekannt.

Harald von Bohlen und Halbach heiratete und starb 1983 im Alter von 67 Jahren an einer Infektion, die er sich bei einer Auslandsreise zugezogen hatte. Heinz Pohlmann lebte, finanziell gut ausgestattet, bis zu seinem Tod 1995 in München. Berthold Beitz – möglicherweise der letzte Wissende um das Drama in der Stiftstraße – ist am 31. Juli 2013, acht Wochen vor seinem 100. Geburtstag, in Kampen auf Sylt verstorben. Nur wenig später tauchten die verschwundenen 22 Polizeiakten auf.

Rosemarie Nitribitts auffälliges, schlankes Grab im Gräberfeld 95 des Düsseldorfer Nordfriedhofs ist 2008 noch einmal geöffnet worden. Man fügte auf nachdrückliches Verlangen der Angehörigen den sterblichen Überresten des Körpers den Kopf des Mordopfers hinzu. Zuvor hatte er ein halbes Jahrhundert im Frankfurter Kriminalmuseum gelegen und dort – wegen der gut sichtbaren schweren Schädelverletzungen – als Lehrmaterial für den Kripo-Nachwuchs gedient.

 

Quelle Text: https://www.t-online.de/…/ungeklaerte-kriminalfaelle-neue-s…

 

 


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Poetter Heinrich, 06 / 2020

Ich habe mich verliebt,

 

in die knieende / sitzende Frau auf dem Grabsockel der Familie Heinrich Poetter, 1925 geschaffen vom Bildhauer und Künstler August Bauer, auf dem

Nordfriedhof in Düsseldorf.

 

Heinrich Poetter war "Hütteningenieur" und hat einige grundlegende Verfahren in der Eisenproduktion entwickelt. Über die Frau auf dem Sockel ist leider nichts bekannt. Es könnte sich um Sophie Poetter handeln, die ebenfalls im Jahr 1925 verstorben ist. Allerdings gibt es dazu nur Vermutungen und keine Bilder oder Aufzeichnungen.

Der Bildhauer August Bauer war Mitglied im Malkasten und im heutigen Verein zur Förderung der Bildhauerkunst in Nordrhein-Westfalen. Sein Lebenswerk umfasst öffentliche Denkmäler wie z.B. das Bismarck Denkmal in Düsseldorf, baugebundene Plastiken und eine Vielzahl an Grabmonumenten, aber auch etliche Kleinskulpturen, zumeist aus Bronze.  Als Anfang des 20. Jahrhunderts die Girardet-Brücke über dem Stadtgraben an der Königsallee baufällig geworden war, wurde diese 1905/1906 erneuert. August Bauer übernahm die künstlerische Gestaltung an der steinernen Brückenkonstruktion mit unterschiedlichen Wasserspeiern.


Poensgen Albert, 06 / 2020

 

Albert Poensgen gehörte zu einer Industriellen-Familie, die ihren Ursprung im Raum Schleiden in der Eifel hatte und dort erste Aktivitäten entfaltete. Die Familienmitglieder waren großenteils schon früh in der Eisen-, Stahl- und Röhrenproduktion tätig. Sie hatten den Eifeler Raum verlassen, da der Preußische Staat sich lange weigerte, eine Eisenbahnlinie in diese Region bauen zu lassen. So sahen sie sich von Expansionsmöglichkeiten, vom Bezug von Rohstoffen und dem Vertrieb ihrer Produkte abgeschnitten. Und sie fanden wie andere Unternehmer in Düsseldorf günstige Voraussetzungen für neue Produktionsstätten. Der Düsseldorfer Ortsteil Oberbilk war, umgangssprachlich ausgedrückt, seit etwa 1860 „Poensgen-Land“ geworden. Später gingen die alten Röhren- und Walzwerke in der „Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb“ auf. Mit anderen Unternehmen, darunter der Thyssen AG und der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, wurden sie 1926 zu den „Vereinigten Stahlwerken AG“ verbunden.

Alberts Enkel Ernst Poensgen spielte darin eine bedeutende Rolle als Vorsitzender. Straßennamen erinnern an sie alle, auch an Alberts Vettern Gustav und Rudolf. Sie waren in Düsseldorf nicht weniger bekannt als Albert und ruhen in einem großen Grab mit ihren Familien auf dem „Millionenhügel“ genannten Teil des Nordfriedhofs. Albert Poensgens Grabstelle ist recht groß, mit reichlich Platz für weitere Nachkommen in unserer Zeit. Gestaltet hat das Grabmal der Düsseldorfer Großbildhauer Karl Janssen, der häufig in den Kreisen der Industriellen verkehrte, nicht zuletzt durch die Einheirat seiner Tochter in die Familie Henkel, und so manchen lukrativen Auftrag gewann. Dieses Bildwerk wurde schon für das erste Grab von Albert Poensgen auf dem Golzheimer Friedhof geschaffen und nach dessen Schließung an die heutige Stelle umgesetzt. Den Unterbau des Marmor-Grabmals bildet ein Podest, dessen Wangen Kandelaber zieren. Mittig in das Podest sind Stufen eingelassen, die zu einem stelenförmigen Grabstein hinaufführen. Vor der Stele sitzt auf den Stufen die Figur einer jungen, in ein fein gefaltetes Gewand gehüllten Frau, die einer antiken Griechin nachempfunden ist. In der linken Hand hält sie einen Lorbeerkranz, das Symbol der Bürgerkrone, und neben ihr liegen Palmzweige als Hinweis auf die Auferstehungshoffnung. Insgesamt ist die Gestaltung der Grabanlage aber weniger an der christlichen Tradition als an der klassischen griechischen Antike orientiert. Die Beschäftigung mit dieser Epoche gehörte zum Kanon der humanistisch geprägten Gedankenwelt des damaligen Bürgertums. Das Grabmal Poensgen ist damit ein beredtes Zeugnis des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

 

 

 

Quelle Text: https://www.wo-sie-ruhen.de/friedhoefe?stadt=25&friedhof=28

 

 


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Schiess / Pfeiffer, 04 / 2020

 

"Wiedersehen", von Friedrich Coubillier

English below

Die Plastik auf der Grabstätte der Familien Pfeiffer und Schiess (Schieß) heisst "Wiedersehen" und wurde 1903 von Friedrich Coubillier geschaffen.

Nach alten Zeitungsartikel heisst die Plastik aber "richtig":

"Das Wiedersehen nach dem Tode, auf dem anderen Ufer, auf der grünenden Insel, in dem reinen Meere!"

Das Kunstwerk zeigt das "Wiedersehen" einer Mutter mit Ihrem Kind. Emotionaler kann man dieses Wiedersehen aus meiner Sicht nicht darstellen.

Friedrich Coubillier studierte nach einer praktischen Ausbildung ab 1894 an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Karl Janssen. Nach einem mehrjährigen Studienaufenthalt in Rom kehrte er nach Düsseldorf zurück.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts schuf er zahlreiche Statuen, Reliefs, Grabmale und Denkmäler in Düsseldorf und Umgebung. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen dort die Figuren des Tritonenbrunnens am Stadtgraben und des Industriebrunnens am Fürstenplatz.

Coubillier war noch keine neunzehn Jahre alt, als im Jahre 1888 beide Eltern starben. Um sich und seine acht Geschwister versorgen zu können, nahm er eine Anstellung in Köln an. Zwei Jahre arbeitete er in "Schülters religiöser Kunstanstalt", wo er hauptsächlich Heiligenfiguren modellierte. die dann serienmäßig hergestellt wurden. Sein Weg nach Köln war der Beginn seines Eintauchens in die künstlerische Mentalität des Rheinlandes Er fand zu dem seit 1865 in Köln wirkenden bekannten Denkmalplastiker Prof. Wilhelm Albermann. der in der alten Rheinmetropole ein renomiertes Atelier besaß. Albermann. 1835 in Werden a. d. Ruhr geboren, schuf in jenen Jahren viele Arbeiten für das rheinischiwestfälische Gebiet und ist heute hauptsächlich noch durch sein „Jan von Werth-Denkmal" auf dem Alter Markt in Köln bekannt.

Die Schrift auf dem "Sockel bzw. auf der Insel" stammt aus dem Evangelium nach Johannes - Kapitel 5 - Vers 28

"und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens"

Der Rest von dem Vers ;-)

"die aber Übles getan haben, zur Auferstehung des Gerichts"

Ernst Schiess (Schieß) (1840 - 1915) war ein deutscher Ingenieur und Unternehmer. Er war langjähriger Düsseldorfer Stadtverordneter, Vorsitzender der Handelskammer zu Düsseldorf und Gründer des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken.

Wilhelm Pfeiffer jun. (1861–1934), war Bankier und Kommerzienrat, Stadtabgeordneter in Düsseldorf und gemeinsam mit Max Trinkaus in der Leitung der Düsseldorfer Trinkausbank, sowie im Kunst-Ausschuss und Delegierter der Internationalen Kunstausstellung Düsseldorf, 1904

 

Quellen Text:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Schiess

https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Pfeffer

https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Coubillier

https://bgv-remscheid.de/…/1969_9_Die_Heimat_spricht_zu_Dir…


Schulte Eduard, 06 / 2020

Der Whistleblower gegen die Nazis

 

Bereits 1942 warnte der deutsche Industrielle Eduard Schulte als Erster vor den Vernichtungslagern der Nazis. Doch kaum jemand glaubte ihm: Die Nachricht über den Holocaust sollte zu den Akten gelegt werden.

Der Mann, der Millionen Menschen retten wollte, war breitschultrig, gut gekleidet, höflich und diskret. Der erfolgreiche Unternehmer hinkte, sonst war er unauffällig, sogar mit seinem Allerweltsnamen: Eduard Schulte.
Ein persönliches Tagebuch führte er nicht. Nur wenn er zur Jagd ging, hielt er unverfängliche Erlebnisse fest. So auch im Sommer 1942, als er vor Aufregung den kapitalsten Hirsch verfehlte, den er je gesichtet hatte. Ironisch notierte er: "Es lebe die Enthaltsamkeit".
Vier Wochen später, am 29. Juli 1942, durfte Schulte keine Nerven zeigen, als er hastig nach Zürich aufbrach: Es war der Moment, in dem der reiche Industrielle, Sohn einer großbürgerlichen Familie aus Düsseldorf, sein sorgenfreies Leben riskierte - und den NS-Staat verriet.
Zwölf Tage zuvor war der erste Judentransport aus dem niederländischen Lager Westerbork in Auschwitz eingetroffen. Heinrich Himmler hatte persönlich die Vergasung von 449 Verschleppten beobachtet, bevor er zum Abendessen in die Residenz des Gau-Leiters von Oberschlesien kam. Die Villa mit Golfplatz und Swimmingpool gehörte zum Besitz jenes Bergbauimperiums, in dem Eduard Schulte als Generaldirektor seit 17 Jahren das Sagen hatte: den deutsch-polnischen Giesche Werken mit Sitz in Breslau.
Der Himmler-Besuch hatte Schulte erst beunruhigt. Wollte er die Werke, die kriegswichtiges Zink produzierten, verstaatlichen? Als Himmler aber den Werken fernblieb, wurde Schulte neugierig: Was wollte er in Auschwitz?
Warnung vor dem Massenmord
Schulte ließ seine Kontakte spielen - und war bestürzt. Wer ihm von den Vernichtungsplänen erzählte, ist nicht ganz klar. Eine Quelle war wohl sein Produktionsdirektor Otto Fitzner, ein SA-Mitglied. Fitzner ahnte nicht, dass sein Chef Schulte den Nationalsozialismus verabscheute; einer seiner engsten Freunde war sein Jagdgefährte Ewald von Kleist-Schmenzin, ein unerbittlicher Nazi-Gegner, der vom Regime nach dem 20. Juli 1944 hingerichtet wurde.
Dennoch hätte Schulte wegschauen können. Er hatte viel zu verlieren.
Trotz eines schlimmen Unfalls hatte er eine steile Karriere gemacht: 1909 war ein Bahnwaggon über seinen linken Fuß gerollt. Schulte war damals Azubi bei einer auf geologische Bohrungen spezialisierten Firma. Beim Versuch, einen Waggon auf ein Nebengleis zu schieben, stürzte er und geriet unter ein Rad. Tagelang kämpfte er um sein Leben, sein Bein wurde amputiert: Schulte war 18 - und Krüppel.
Die Behinderung entfachte womöglich seinen Ehrgeiz: Mit Anfang 20 war Schulte Wirtschaftsjurist bei einer renommierten Bank, im Ersten Weltkrieg arbeitete er im Beschaffungsamt des Kriegsministeriums, zuständig für die kriegswichtige Erzeugung von Fetten. Mit erst 35 Jahren wurde er 1925 neuer Leiter der Giesche-Werke mit 30.000 Mitarbeitern - laut "New York Times" eines der "wertvollsten Unternehmen in Europa".
Das alles setzte er an diesem 29. Juli 1942 aufs Spiel, als er zu seiner vermeintlichen Dienstfahrt aufbrach: Doch der nette Herr Generaldirektor wurde problemlos an der Grenze durchgewinkt, oft hatte er in der Schweiz Geschäftspartner besucht.
Einer davon war der jüdische Anlageberater Isidor Koppelmann, dem Schulte nun alles verriet, was er gehört hatte: den Bau eines riesigen Krematoriums, die Pläne, Blausäure als Mordmittel einzusetzen, um vier Millionen Juden zu töten. Eindringlich riet Schulte, so berichtete Koppelmann, zu "folgenschweren Maßnahmen" - sonst würden sich die Nazis "durch nichts beeindrucken" lassen.
Jenseits der Vorstellungskraft
Das Gespräch löste eine Kettenreaktion aus: Koppelmann weihte den gut vernetzten Journalisten Benjamin Sagalowitz ein, der Gerhart Riegner kontaktierte, den Vertreter des Jüdischen Weltkongresses in Genf.
Bis dahin hatten selbst gut informierte Menschen wie Riegner das Ausmaß der geplanten Judenvernichtung nicht geahnt. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion hatten sich zwar Berichte von Massenerschießungen gehäuft; dass die Nazis bis Ende 1941 schon etwa 500.000 Juden im Osten erschossen hatten, war zunächst nicht bekannt, auch wenn in der britischen Presse im Frühjahr 1942 hohe Todeszahlen kursierten. Im Juni 1942 erfuhr die Welt von den Massendeportationen. Es gab auch erste Berichte von Vergasungen in Lastwagen.
Doch von einem riesigen Lager zur fabrikmäßigen Ermordung hatte Riegner nie gehört. Schultes Information passte zwar ins Bild. Und überstieg doch die Vorstellungskraft. "Sagalowitz und ich haben stundenlang darüber debattiert, ob Menschen beschließen können, Millionen Mitmenschen zu ermorden", erinnerte sich Riegner später.
Log der Deutsche? Ging es um Desinformation? Riegner wägte ab. Einem Vertrauten, den Rechtsberater des Jüdischen Weltkongresses, schrieb er: "Auf den ersten Blick klingt die Sache völlig fantastisch. Aber man darf die Möglichkeit nicht ausschließen, dass diese Maßnahmen in der inneren Logik des Regimes wurzeln und diese Leute überhaupt keine Skrupel haben."
Schließlich glaubte Riegner der Schreckensnachricht. Am 8. August 1942 verfasste er ein Telegramm, das über das US-Konsulat in Bern an die Zentrale des Jüdischen Weltkongresses in New York gesendet werden sollte:
Erhielt alarmierenden Bericht, im Führerhauptquartier sei Plan diskutiert und erwogen, dass in deutsch besetzten und kontrollierten Ländern alle Juden, Anzahl dreieinhalb bis vier Millionen, nach Deportation und Konzentration im Osten mit einem Schlag ausgerottet werden sollen, um ein für alle Mal die Judenfrage in Europa zu lösen Stop (...�) Blausäure in Diskussion Stop (...�)
Auf Rat seines Anwalts hatte Riegner das Telegramm nüchtern verfasst und auf den womöglich unrealistisch wirkenden Hinweis eines riesigen Krematoriums verzichtet. Zudem warnte er, der Informant habe zwar "Verbindungen zu höchsten deutschen Stellen". Die Nachricht sei aber mit "aller gebotenen Vorsicht" zu behandeln, da ihre "Richtigkeit" nicht zu überprüfen sei.
Zu den Akten gelegt
Das Riegner-Telegramm hätte ein politisches Erdbeben auslösen müssen: Erstmals hatten nicht Opfer, sondern ein Deutscher in hoher Position detailliert über die Judenvernichtung berichtet.
Doch lange tat sich: nichts.
"Das waren die schlimmsten Wochen meines Lebens", erinnerte sich Riegner nach dem Krieg im SPIEGEL. "Ich wohnte an der Grenze zum besetzten Frankreich. Die Hölle begann also vier Kilometer von meinem Haus entfernt. Ich wusste, was dort vor sich ging, und niemand glaubte mir."
Die Schreckensnachricht versickerte zunächst folgenlos bei Diplomaten in Washington, von denen einige laut Riegner selbst Antisemiten gewesen sein sollen. Das Ganze sei nur "ein wildes, von jüdischen Ängsten inspiriertes Gerücht", hieß es etwa in einer Einschätzung für das Office of Strategic Services (OSS), den Geheimdienst des US-Kriegsministeriums. Besonders der Hinweis auf Blausäure wurde als unglaubwürdig eingestuft - zu Unrecht, wie die Welt später lernte: Zyklon B, das Gas in den KZ, war eine kristalline Form von Blausäure.
Ursprünglich sollte Riegners Telegramm an Rabbi Stephen Wise, den Gründer des Jüdischen Weltkongresses, weitergeleitet werden. Doch Beamte im US-Außenministerium erachteten das angesichts "der fantastischen Natur der Behauptung" als "nicht ratsam", wie es in einer Aktennotiz hieß. Solange sie nicht selber die Information bestätigen könnten, wäre es "unfair gegenüber der amerikanischen Öffentlichkeit" wenn "Berichten dieser Art Publizität gegeben würde".
Schultes Warnung vor dem Holocaust - sie sollte zu den Akten gelegt werden.
Sie erreichte nur ihr Ziel, weil Riegner sein Telegramm auch an das britische Außenministerium geschickt hatte, das die Information nach kurzem Zögern an den Parlamentarier Sidney Silverman weitergab, den britischen Vertreter des Jüdischen Weltkongresses. Silverman informierte sofort Rabbi Stephen Wise in New York. Mit drei Wochen Verspätung erfuhr Wise, was Riegner ihm hatte mitteilen wollen.
Doch auch der Rabbi konnte wenig bewegen. Er kontaktierte Staatssekretär Sumner Welles, einen engen Vertrauten von US-Präsident Franklin D. Roosevelt. Welles forderte die US-Diplomaten in Bern auf, Riegner erneut anzuhören. Ende Oktober 1942 legte der ihnen einen Bericht vor, in dem er alle ihm verfügbaren Informationen über den Holocaust zusammengefasst hatte. "Vier Millionen Juden stehen am Rande der Vernichtung", schrieb er und warnte vor der "totalen Vernichtung".
Und wieder passierte: nichts.
Späte Reaktion
Bis heute ist unklar, ob Roosevelt dem Telegramm und dem Bericht keinen Glauben schenkte oder beides aus politischem Kalkül ignorierte: Wahlen standen im Herbst 1942 bevor, sein Land litt unter einer Wirtschaftskrise, und gegen eine massenhafte jüdische Einwanderung gab es großen Widerstand. Roosevelt vorrangigstes Ziel war es daher, den Krieg schnell zu beenden - und damit alle Kriegsverbrechen. Die Frage, ob man Auschwitz hätte bombardieren können, ja müssen, stellte sich Roosevelt nicht. Darüber wurde erst nach dem Krieg gestritten.
Entnervt wandte sich Rabbi Wise im November 1942 an die Nachrichtenagentur AP. Jetzt war Schultes Nachricht in der Welt. Das Außenministerium beklagte die "Flut von Post", der Präsident konnte nicht mehr schweigen. Mitte Dezember verurteilten die USA mit elf anderen Staaten öffentlich "die bestialischen Vernichtungsmethoden aufs Schärfste" und prangerte die "kaltblütigen, massenweisen" Morde an. Fünf Monate waren verstrichen, seit Schulte davor gewarnt hatte.
Seinen Einsatz hätte der Deutsche fast mit dem Leben bezahlt: Ende 1943 wurde er verraten, konnte aber rechtzeitig in die Schweiz fliehen. Dort arbeitete er fortan für den US-Geheimdienst OSS und den späteren CIA-Chef Allen Dulles, der beeindruckt war von Schultes "Hass auf das Nazi-System".
Dulles schlug ihn daher nach dem Krieg für "Spitzenpositionen" in der US-Militärregierung vor: "Es sind wenig genug Deutsche übriggeblieben, die einen Kern bilden können, um in Deutschland etwas Besseres aufzubauen. Er war ein Anti-Nazi, als der Rest der Welt Hitler zu beschwichtigen suchte." Schulte aber war Wehrwirtschaftsführer gewesen. Seine Entnazifizierung verlief schleppend, nicht alle Stellen wussten von seiner Geheimdienstarbeit. Also ging er 1946 endgültig in die Schweiz - und wurde bald vergessen.
Erst 40 Jahre später gelang es den Historikern Walter Laqueur und Richard Breitmann in ihrem Buch "Breaking The Silence" ein detailliertes Porträt Schultes zu zeichnen.
Für eine Ehrung war es nun zu spät. Der Mann mit dem Allerweltsnamen war schon 1966 unbemerkt in Zürich gestorben.
Die Gedenkstätte Yad Vashem hat ihn 1988 posthum zum „Gerechten unter den Völkern“ erhoben.

Quelle Text:
https://www.spiegel.de/…/holocaust-eduard-schulte-der-verge…

https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Schulte_(Industrieller)

Autor: Christoph Gunkel

 

 


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Vorfeld Auguste, 04 / 2020

 

Das Eifelkreuz

ich möchte Euch heute etwas ganz Besonderes zeigen.

Ich habe nun fast 2 Tage damit verbracht, Teile der Passionsgeschichte zu lesen und die Bedeutung der vielen Symbole auf dem Grabstein zu entschlüsseln. Einige von ihnen sind recht einfach, aber ich entdecke immer wieder neue Passionswerkzeuge, Passionswaffen und Objekte.

Ihr könnt ja mal versuchen, den Text zu entziffern, ich habe es fast geschafft. Leider sind die unteren ein oder zwei Wörter nicht mehr lesbar 

Ich habe bis jetzt gefunden:

  • die Säule, an die Jesus bei der Auspeitschung gefesselt war
  • die Peitschen auf der rechten Seite mit Morgenstern
  • die Dornenkrone
  • der Hammer und die drei Nägel, mit denen Jesus ans Kreuz genagelt wurde
  • die Lanze, die seine Seite durchbohrt hat
  • die Zange zum Entfernen der Nägel
  • die drei Würfel, mit denen um das Gewand gewürfelt wurde
  • der Geldbeutel des Judas
  • Jesus sagte während des letzten Abendmahls bzw. auf dem Weg zum Ölberg voraus, das Petrus ihn 3 x verleugnen würde bevor der Hahn der 3 mal krähte
  • Krug und Wasserschüssel
  • Pilatus, gewaschene Hände der Unschuld
  • der Stock mit dem Schwamm, um den Durst Jesus zu stillen
  • die Leiter, um Jesus ans Kreuz zu nageln
  • und natürlich das Kreuz und die Inschrift INRI

Unter die Figuren könnten Maria, Maria Magdalena und Johannes sein, aber ich bin mir nicht sicher.

Jetzt bleibt nur noch die Frage wie das typische Eifelkreuz nach Düsseldorf kam?

 

 


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