Besondere Grabstätten    Melaten    Friedhof     Köln


Die Stätte „Melaten“ wird 1180 erstmals urkundlich erwähnt. Mit Sicherheit schon länger befindet sich hier eine Leprosenunterkunft. Um das Umgreifen dieser höchst ansteckenden bakteriellen Erkrankung zu verhindern, werden die Leprakranken außerhalb der Städte ohne Ansehen von Stand und Vermögen in abgeschottete Unterkünfte eingewiesen. So auch in Köln. Der Begriff „Melaten“ leitet sich vom Französischen „Malade“, also „Krank“ ab. Direkt benachbart liegt eine der Haupthinrichtungsstätten Kölns, die auch durch die Verbrennung von Protestanten und angeblichen Hexen traurige Berühmtheit erlangt. 1767 wird das Leprosenheim aufgelöst und als Landgut weiter geführt.Als Köln 1794 von den napoleonischen Truppen besetzt und in den französischen Staat integriert wird, wird auch das Friedhofswesen reformiert. Laut „Kaiserlichem Dekret über die Begräbnisse“ vom 12. Juni 1804 dürfen Tote nicht mehr innerhalb der Stadtmauern, also in Kirchen und auf Kirchhöfen beerdigt werden. Ferner wird den Kirchen das Beerdigungswesen entzogen und geht auf die Munizipalität über. An der Chaussee nach Aachen wird ein geeignetes, rd. 3 ha großes Grundstück für die Anlage eines Friedhofs gefunden. Der Universalgelehrte Ferdinand Franz Wallraf übernimmt die Planung.Der zunächst rein katholische Friedhof kann am 29. Juni 1810 geweiht werden. Die 1474 errichtete Kapelle des ehemaligen Leprosenheims wird als Friedhofskapelle übernommen. Wallraf entwirft auch die Mauer und das Friedhofsportal, dessen Gestaltung dem monumentalen französischen Revolutionsklassizismus entlehnt ist. In Folge des Wiener Kongresses fällt Köln 1815 an Preußen. 1829 wird der Friedhof auch für Protestanten geöffnet. Das bedingt 1831/32 die erste Erweiterung auf mehr als die doppelte Fläche. Mit dem Bevölkerungswachstum im Zuge von Industrialisierung und Eingemeindungen wird Melaten in mehreren Schritten erweitert. Während die neuen Teile bis 1874 additiv an den jeweiligen Bestand angefügt werden, erfolgt die fünfte Erweiterung von 1884-87 nach einem großzügigen Plan auf fast die doppelte Fläche. Im Mittelteil wird eine zweite Hauptachse von Nord nach Süd hippodromförmig aufgeweitet und schafft hier Platz für exklusive Grabstätten. Diese Nord-Süd-Achse bildet mit der Ost-West-Achse, die nach Westen verlängert wird, einen Kreuzungspunkt, sodass auch hier auf der sog. „Millionenallee“ prunkvolle Grabanlagen entstehen. Im Zweiten Weltkrieg wird Melaten durch unzählige Bomben zerstört. Um die Kriegs- und Nachkriegstoten beerdigen zu können, werden 1948 und 1956 weitere Grabfluren an den Rändern angelegt. Der Haupteingang wird zur Piusstraße und damit an den Anfangspunkt der „Millionenallee“ verlegt. Hier entsteht die großzügige, qualitätsvolle Neue Trauerhalle des Architekten Fritz Schaller.

(Autor: Gerd Bermbach)

 

Quelle: https://www.wo-sie-ruhen.de/friedhoefe?stadt=24&friedhof=27


A


B

Broichschütz  Johannes 04 / 2020

 Die Geschichte des August Broichschütz, einem Menschen, der fast immer in der Kneipe saß, ist so eine wunderbare Erzählung über einen ganz einfachen Menschen vor nunmehr etwa 150 Jahren.

August Broichschütz liebte seine Ofenecke

Im Jahre 1874 verstarb August Broichschütz mit 52 Jahren. Derjenige, der diesen Menschen wohl am Besten kannte, war sein Kneipenwirt. Denn jede freie Minute verbrachte August Broichschütz in dessen Bierlokal und trank sicherlich täglich auch mehr als nur ein Bier. August Broichschütz hatte seinen Stammplatz. Dieser befand sich in unmittelbarer Nähe zu einem großen Ofen. Seine Kneipe mit dem angenehm warmen Platz verließ August Broichschütz anscheinend nur, wenn es unbedingt sein musste.

Sein Ofen als Grabstein

August Broichschütz wurde am 25. Mai 1822 geboren. Er starb am 5. November 1874. Eine kleinere Marmorplatte lehnt an der Aussenmauer des Melatenfriedhof unmittelbar an der Aachener Straße. Hierauf ist auch zu lesen, dass August Broichschütz zumindest eine ältere Schwester Anna hatte, die hier ebenfalls beerdigt liegt. Doch diese Gedenkplatte wird leicht übersehen. Zu auffällig ist dieser komische Grabstein, der wie ein Ofen aussieht. Auf dem Stein unter dem Ofen ist nun zu lesen:

August Broichschütz ∗ 1822 † 1874

Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er in seiner Kneipe neben diesem neoklassizistischen Säulenofen worauf der Wirt diese Denkmal errichtete

Der Name des Wirtes, der ja längst verstorben ist, bleibt unbekannt. Auch über die Kneipe erfährt man hier leider nichts. Jedenfalls wollte der Wirt nicht, dass sein guter Gast und sicherlich auch Freund nun auf seinen geliebten Säulenofen verzichten sollte. Eine echt humorvoll Kölsche Bestattung wird das gewesen sein.

 

 


C


D

Michael DuMont, 08 / 2019

Michael DuMont

1818 entstand das Grabmal des Dompfarrers Michael DuMont (1741 - 1818), der acht Jahre zuvor den Friedhof Melaten eingeweiht hatte. Das von Wallraf konzipierte Grabmal zeigt eine Stele in klassizistischem Stil mit einem darauf liegenden Buch, vermutlich ein Lesebuch oder eine Bibel. Weiterhin setzte Wallraf eine aussagekräftige, christliche Symbolik ein, um das Leben und Wirken DuMonts zu verewigen:

So steht die Schlange für die Versuchung, der Löwe für die Auferstehung und der Kelch für DuMonts priesterliche Tätigkeit. Auch der Anker und das Kreuz untermalen Wallrafs Intention. Zudem zeugt auch die gewählte Bepflanzung – Efeu als Symbol der Treue und Rosen als Symbol der Liebe – von einer durchdachten Konzeption des Grabmals.

Geehrt wird der Verstorbene zudem in Form zweier Inschriften. Die Vorderseite ist wie folgt beschriftet:

„Hier waelte sein Grab der erste Einsegner dieses Gottesackers der ehrwürdige H(err) Michael Jos(eph) DuMont, Doc(tor) beyd(er) Rechte. Seit 1806 Hauptpfarrer am Dom in Cöln u(nd) Domherr zu Aachen, (…). Ein Mann für jede Würde seines Standes. Vielseitig in Wissen, streng im Handeln, ein Priester, wie ihn Religion, Humanitaet, und seine Vaterstadt binnen den Stürmen unserer Zeit erforderten. Er erlebte kaum die Morgenröthe des neuen Völkerfriedens hinieden, da nahm ihn Gott zum Genusse der ewigen Ruhe in seine Reiche d(en) 30 Novemb(er) 1818 dem 77(ste)n seines Lebens, im 49(ste)n sein(es) Priesterthums. Allgemeine Trauer feierte seinen Leichenzug. Sein Andenken sei gesegnet.“

Die anderen drei Seiten weisen Inschriften auf, die weiteren dort beigesetzten Familienmitgliedern DuMonts gewidmet wurden.

Quelle Text:  https://wallraf.mapublishing-lab.uni-koeln.de/…/die-grabmae…

 


E

Engels, Hans-Horst 05 / 2020

Der Lappenclown auf dem Grab von Hans-Horst Engels ist für mich als "Kölsche Jung" die emotionalste Skulptur.
In der linken Hand das Trömmelchen

Denn wenn et Trömmelche jeht
Dann stonn mer all parat
Un mer trecke durch die Stadt
Un jeder hätt jesaat
Kölle Alaaf, Alaaf
Kölle Alaaf

in der rechten Hand ein paar Luftballons und dann der ängstliche Blick in Richtung Himmel.

Wer hat nicht schon mal von geträumt, mit einer riesigen Traube Luftballons in Richtung Himmel zu fliegen.

 

 


F

Frankenberg, Robert Januarius von  05 / 2020

 Nach mündlicher Überlieferung soll der Familie „halb Schlesien“ gehört haben. Doch täuschen die rund 140 Güter, die irgendwann in Frankenberg‘schen Besitz waren, weil Mitte des 18. Jahrhunderts der Niedergang der schlesischen Landwirtschaft zu häufigem Besitzerwechsel führt. Die bloße Anzahl ehemaliger Güter lässt also nur bedingt auf Wohlhabenheit schließen. Nach und nach wandeln sich auch die v.Frankenberg zum Soldatengeschlecht. So finden sich während der Befreiungskriege 1813 bis 1815 nur noch drei Söhne von Gutsbesitzern unter ihren 31 preußischen Offizieren. Trotzdem gilt sie Mitte des 19. Jahrhunderts für Schlesien als begüterte Familie. 1878 besitzt sie 28 Güter, 1887 nur noch 7. 1878 gehören ihr in Schlesien noch 28 Güter, davon fünfzehn allein den Grafen. Fünf liegen außerhalb dieser Provinz. 1887 ist der Gesamtbesitz auf sieben zusammengeschmolzen, darunter fünf gräfliche.

In Diensten der österreichischen Habsburger kämpfen ab 1525 mindestens neun v.Frankenberg gegen die Türken und Franzosen, von denen sechs fallen. Im brandenburgisch-preußischen und reichsdeutschen Militär dienen von etwa 1600 bis 1945 rund 300 Frankenbergs. Die weitaus meisten sind Offiziere, darunter zehn Träger des Ordens Pour le Mérite und siebzehn Generale. Zum Beispiel nimmt Robert-Januarius v.Frankenberg-Ludwigsdorf (1807–1873) im Jahre 1848 in Berlin am Straßenkampf gegen die Märzrevolutionäre und am Feldzug gegen Dänemark teil. Später ist er ein beliebter Gouverneur von Köln, wo er als General der Infanterie stirbt und sein Grab eine lebensgroße Statue erhält. In den Kriegen von 1701 bis 1871 kämpfen 141 Frankenbergs, im Ersten Weltkrieg 61, im Zweiten Weltkrieg 41. Vom 18. bis 20. Jahrhundert haben die Frankenbergs 46 Kriegstote zu betrauern.

 

Quelle: http://www.von-frankenberg.com/index.php?option=com_content&view=article&id=98:die-frankenbergs-im-ueberblick&catid=29&Itemid=204

 

 Bildhauer, Heinz Hoffmeister (* 24. Juni 1851 in Saarlouis; † 4. März 1894 in Berlin-Grunewald) war ein deutscher Bildhauer, Zeichner, Maler und Schriftsteller.

 

Der im preußischen Saarlouis aufgewachsene Heinz Hoffmeister begann zunächst eine Ausbildung zum Bildhauer im Atelier der Brüder Carl und Robert Cauer in Bad Kreuznach. Danach wechselte er zur Bildhauerklasse von August Wittig an der Düsseldorfer Kunstakademie, musste aber schon wenige Monate später seinen Kriegsdienst im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 antreten. Hoffmeister kam als Offizier und dekoriert mit dem Eisernen Kreuz aus diesem Krieg zurück und setzte nun seine Studien an der Berliner Kunstakademie bei Albert Wolff fort.

Ab 1873 entschied sich Hoffmann für den dauerhaften Verbleib in Berlin, wo er nun seinen Hauptwohnsitz und seine Werkstatt einrichtete. Dennoch zog es ihn zu Studienzwecken immer wieder ins nahe und ferne Ausland und er unternahm mehrere Reisen durch Spanien, Nordafrika und den Orient. Viel Zeit verbrachte Hoffmeister vor allem auf Capri, wo er als stetiger Gast in der Künstlervilla Albergo Pagano weilte und auch an der Gestaltung der dortigen Wandgemälde beteiligt war.

Nachdem sich Hoffmeister in seinen Anfangsjahren zunächst durch kleinere Bildnisse und Skulpturen bekannt gemacht hatte, schuf er später eine Reihe von teilweise monumentalen Figuren und Gruppen, die stilistisch vom Klassizismus und in ihrer Formenbehandlung oftmals stark vom Naturalismus geprägt sind. Unter seiner Leitung entstanden in der Folgezeit zahlreiche bedeutende Denkmale, Grabmale, Büsten, Bauplastiken und Medaillen für viele Städte im damaligen Preußen. Zwischendurch trat er aber auch immer wieder als Maler, Zeichner und Schriftsteller von Reiseberichten und Märchen in Erscheinung.

Quelle:
 https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Hoffmeister_(Bildhauer)

 


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Herstatt,  Iwan-David  05 / 2020

 

 

Wie einst das Herstatt Imperium, verfällt nun auch die wundervolle Grabstätte der Herstatt Familie 😥😥😥

Iwan-David Herstatt war ein Kölner Bankier. Als Inhaber und Leiter der I. D. Herstatt KGaA zeichnete er in den 1970er Jahren für eine der größten Bankenpleiten der deutschen Nachkriegsgeschichte verantwortlich.

Iwan-David Herstatt wurde am 16.12.1913 in Köln geboren. Er war das älteste Kind von Clara (1893-1980) und Johann David Herstatt (1887-1955) und hatte noch drei Schwestern. Claras Vater Viktor Schnitzler (1862-1934) war Justizrat in Köln. Als Vorsitzender der Konzertgesellschaft engagierte er sich für das Orchester im Gürzenich.

Johann David Herstatt stammte aus einer Bankiersfamilie, die seit dem 18. Jahrhundert in Köln ansässig war. Dessen Vater Friedrich Johann David Herstatt (1831-1888) führte das 1782 gegründete Bankhaus Herstatt in der dritten Generation. Die Familie Herstatt beschloss nach dessen plötzlichem Tod 1888, die Bankgeschäfte auf das Bankhaus J. H. Stein zu übertragen, zu dem mehrfache verwandtschaftliche Ver-bindungen bestanden.

Es sollte nicht abgewartet werden, ob der gerade geborene Johann David Herstatt die Nachfolge antreten würde. Dieser engagierte sich nach dem Jurastudium im Versicherungsgeschäft und war für die Allianzversicherung in Köln tätig.

Iwan-David Herstatt besuchte das Kölner Realgymnasium in der Kreuzgasse. Nach dem Abitur trat er 1931 in die Deutsche Bank ein und absolvierte zunächst eine Lehre. Zwischen 1940 und 1944 leitete er in Metz die Kreditabteilung eines Bankhauses, das von der Deutschen Bank übernommen worden war. In den Jahren 1947 bis 1949 ließ er sich beurlauben und sammelte als Referent Erfahrungen bei der Hessischen Bankenaufsicht in Wiesbaden. 1950 kehrte er mit seiner Familie - 1948 hatte er Ilse Gerstenberg (geboren 1921) aus Wiesbaden geheiratet, das Paar hatte insgesamt vier Kinder - nach Köln zurück. Zunächst leitete er die neu gegründete Kölner Niederlassung der Bank für Gemeinwirtschaft.

Nach dem Tod des Inhabers stand 1955 die Kölner Privatbank Hocker & Co. zum Verkauf. Iwan-David Herstatt konnte unter anderem seinen Jugendfreund Hans Gerling, der den gleichnamigen Versicherungskonzern leitete, überzeugen, sich am Kauf der Bank zu beteiligen. Beide kannten sich seit ihrer gemeinsamen Schulzeit am Realgymnasium. Neben Hans Gerling, dem ersten Verwaltungsratsvorsitzenden der Bank und späteren Hauptaktionär, beteiligte sich unter anderen noch Emil Bührle (1890-1956), der Inhaber des schweizerischen Maschinenbauunternehmens Oerlikon. Die Bank erhielt den Namen I. D. Herstatt KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien). Iwan-David Herstatt leitete die Bank und agierte als einer von zwei persönlich haftenden Gesellschaftern.

Herstatt führte die Bank auf Expansionskurs; das Bankhaus entwickelte sich unter seiner Leitung zu einem überregional tätigen Unternehmen. Die Mitarbeiterzahl wuchs von ursprünglich 15 Beschäftigten auf 850 Mitarbeiter in den 1970er Jahren. Herstatt selbst legte großen Wert auf Repräsentativität. 1956 bezog die Bank ein neu errichtetes Gebäude in Köln an der Straße Unter Sachsenhausen 6. Es entstanden 30 Zweigstellen in Köln und Bonn. Herstatts Geschäftsmodell bestand darin, als Privatbank das Angebot einer Universalbank zu bieten.

Mit der Einführung flexibler Wechselkurse zu Beginn der 1970er Jahre gewann der Devisenhandel im Bankengeschäft an Bedeutung, so auch bei der Herstatt-Bank. Iwan-David Herstatt wies 1972 in einem Rundschreiben alle Mitarbeiter darauf hin, Geschäfte am Devisenmarkt tätigen zu können. Das Volumen des Einzelabschlusses begrenzte er willkürlich auf 10 Millionen Deutsche Mark. Es herrschte eine Art Goldgräberstimmung; Herstatt selbst nutzte die Möglichkeiten, das eigene Vermögen zu vergrößern. Die Kontrollmechanismen über die Tätigkeit der Devisenabteilung waren jedoch wenig ausgeprägt. Intern machte zwar ein Revisor mehrfach auf die Risiken dieses Geschäftsfeldes aufmerksam, jedoch blieben alle Hinweise unberücksichtigt.

Nach der Ölkrise 1973 spekulierten die Mitarbeiter der Devisenabteilung auf einen steigenden US-Dollar. Doch ab Anfang 1974 sank der Dollarkurs stetig; die bankeigenen Devisenhändler versuchten, die dadurch entstehenden Verluste durch risikoreichere Transaktionen aufzufangen. Bereits am 16.6.1974 betrug das Defizit zwischen 450 und 520 Millionen Deutsche Mark. Die Großbanken Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank lehnten es am 26.6.1974 ab, die Herstatt-Bank mit der Übernahme von Bürgschaften zu retten. Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen ordnete noch am selben Tag die Schließung der Schalter in Köln und Bonn an; am darauffolgenden Tag beantragte die Bank wegen Überschuldung die Eröffnung eines Vergleichsverfahrens. Am Hauptsitz in Köln kam es daraufhin zu regelrechten Tumulten. Der Zusammenbruch war die bis dahin größte Bankenpleite der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Klärung zog sich noch über Jahrzehnte hin. Insgesamt konnten Banken und Kommunen 73,5 Prozent sowie privaten und sonstigen Gläubigern 83,5 Prozent ihrer Forderungen erfüllt werden. Als Folge des Zusammenbruchs gründeten die deutschen Banken einen Einlagensicherungs-fonds, um Sparer vor den Folgen einer Banken-Insolvenz zu schützen.

1976 kam Iwan-David Herstatt wegen des Verdachts auf Untreue, Betrug und Bilanzfälschung gemeinsam mit weiteren Managern der Bank vorübergehend in Untersuchungshaft. 1984 wurde er zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Wegen des Revisionsverfahrens trat er die Strafe jedoch nicht an, und im Oktober 1985 hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf. Bei einem erneuten

Gerichtserfahren, das 1987 begann, verkürzte das Gericht die Strafe auf zwei Jahre Haft auf Bewährung und erklärte Herstatt im Jahr 1991 für verhandlungsunfähig. Als persönlich haftender Gesellschafter trug er im Vergleichsverfahren zwölf Millionen Deutsche Mark zur Entschädigung bei.

Im Verlauf der Verfahren konnte deutlich gemacht werden, dass bereits 1972 im internationalen Bankgewerbe Informationen über ungewöhnliche Devisentermingeschäfte der Herstatt-Bank ausgetauscht wurden. Herstatt musste bei diesbezüglichen Gesprächen mit Vertretern des Bundesamts für Kreditwirtschaft Kenntnis von der Schieflage der Bank gehabt haben. Die Bilanz des Jahres 1973 war durch Tarn-geschäfte manipuliert worden. Iwan-David Herstatt selbst sah sich als Opfer eines verschwörerischen Betruges. Seiner Ansicht nach habe der damalige Leiter der Abteilung Devisenhandel Daniel (Dany) Dattel (geboren 1939) die Schieflage verschleiert und verharmlost.

Der Kölner Herstatt engagierte sich intensiv im gesellschaftlichen Leben seiner Heimatstadt. Über 20 Jahre organisierte er die Finanzierung des Rosenmontagszugs als Schatzmeister. Es gelang ihm, nicht nur bekannte Kölner, wie den Erzbischof Joseph Höffner oder den Verleger Alfred Neven-DuMont (geboren 1927), als Kunden zu gewinnen. Auch andere Banken und sogar der Kölner Stadtkämmerer richteten Konten bei der Herstatt-Bank ein. Seine Aktivitäten im Kölner Vereinsleben können als intensive und erfolgreiche Marketingtätigkeit für seine Bank interpretiert werden. Nach der Insolvenz im Jahr 1974 zog sich Iwan-David Herstatt aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Er starb am 9.6.1995 in Köln und wurde im Familiengrab auf dem Melaten Friedhof beigesetzt.

Werk

Die Vernichtung: Glanz und Ende des Kölner Bankhauses I.-D. Herstatt oder wie ich um mein Lebenswerk betrogen wurde, Berlin 1992

Literatur

Blei, Reinhard, Früherkennung von Bankenkrisen dargestellt am Beispiel der Herstatt-Bank, München 1984.

Kaserer, Christoph, Der Fall der Herstatt-Bank 25 Jahre danach – Überlegung zur Rationalität regulierungspolitischer Reaktionen unter besonderer Berücksichtigung der Einlagensicherung, in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 87 (2000), S. 166-193.

Nicke, Jacob, Die Familie Herstatt – Insbesondere das Haus Johann David Herstatt in Köln, 2. Auflage überarbeitet von Robert Steimel, Köln 1957.

Scheuch, Erwin / Scheuch, Ute, Herstatt, Die Bank als Spielcasino, in: Erwin Scheuch / Ute Scheuch, Manager im Größenwahn, Hamburg 2003, S. 112-128.

Steimel, Robert, I. D. Herstatt – Das alte und das neue Bankhaus, Köln, 1963.

Zitationshinweis

Wilczek, Annette, Iwan-David Herstatt, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/…/57c82e26688727.27… (abgerufen am 27.05.2020)

 

Hochzeit, Tod im Bunker  05 / 2020

Tod im Bunker unter dem Melaten-Friedhof

English below

Sie sind erst seit wenigen Stunden verheiratet. Den Abend will das Paar mit etwa 100 Freunden und Verwandten in einer Gaststätte an der Aachener Straße in Lindenthal ausklingen lassen. Eine Hochzeitsfeier mitten in Kriegszeiten. Es ist Montag, der 30. Oktober 1944, als um 20.37 Uhr plötzlich Sirenen losheulen. Fliegeralarm.

Hastig verlässt die Gesellschaft das Lokal. Männer, Frauen und Kinder flüchten über die Straße auf den Friedhof Melaten. Sie finden Zuflucht in einem Tiefbunker neben der kleinen Kapelle, gleich hinter der Friedhofsmauer – ein so naheliegender wie fataler Entschluss. Denn wenig später schlägt eine Bombe genau vor dem Eingang auf. Sie zerstört den Luftschacht – die Schwachstelle des Bauwerks. Es ist ein unglaublich tragischer Zufall.

Eine Druckwelle fegt durch die 50 Meter lange unterirdische Röhre. Sie lässt den Menschen, die sich auf niedrigen Holzbänken Schulter an Schulter aneinander gekauert haben, keine Chance. Ihre Lungen platzen. Die gesamte Hochzeitgesellschaft ist auf der Stelle tot.

Heute erinnert nur noch eine kleine Gedenkstätte neben der Kapelle an das dramatische Ereignis vor 71 Jahren. Der Eingang zum Bunker liegt ein paar Meter weiter, in der Nähe des Verwaltungsgebäudes.

Eine enge Treppe führt drei Meter hinab bis vor eine schwere, rostige Eisentür. Der Eingang ist erst nach dem Krieg angelegt worden, um den Bunker zugänglich zu machen. Der ursprüngliche Zugang, den die Bombe verwüstet hat, ist von oben nicht mehr zu sehen.

Kaum einer kann sich erinnern
„Eine ganz schlimme Geschichte“, sagt Friedhofschef Peter Lejeune und dreht den Schlüssel im Schloss. Eine Geschichte, die nahezu in Vergessenheit geraten ist. Die Namen der Opfer sind nicht bekannt, Hinterbliebene nicht aufzutreiben.

In keiner Chronik ist das Ereignis erwähnt, auch im Internet finden sich nur spärliche Hinweise. Selbst alteingesessene Kölner, die ihre Kindheit während des Zweiten Weltkriegs in Ehrenfeld oder Lindenthal verbracht haben, reagieren überrascht, wenn sie von der Existenz eines Bunkers unter Melaten erfahren. An das Schicksal der Hochzeitsgesellschaft kann sich niemand mehr erinnern.

Friedhof von Bomben verwüstet
Zwischen 20.37 Uhr und 22.18 Uhr gingen 4000 Sprengbomben und 200.000 Brandbomben auf Köln nieder, notiert Peter Simon in seiner Statistik „Köln im Luftkrieg 1939-1945“. Fast eintausend Bomber flogen über die Stadt hinweg, 554 Menschen starben – etwa drei Prozent aller 20 000 Kölner, die im Zweiten Weltkrieg umkamen.

Fast 5000 Wohnhäuser wurden in knapp zwei Stunden beschädigt, die meisten in Ehrenfeld, Lindenthal, Klettenberg, Braunsfeld und Sülz. Ein Sprengsatz zerstörte St. Mechtern in Ehrenfeld, das Universitätsviertel wurde nahezu ausgebombt, ebenso das Dreifaltigkeitskrankenhaus und die ehemalige Wehrmachtskommandatur in der Heliosstraße.

Auch Melaten wurde schwer verwüstet. Der Bunker war offenbar nicht der einzige Ort, in dem Menschen Zuflucht suchten. „Es war damals in der Nachbarschaft bekannt“, erzählt eine alteingesessene Ehrenfelderin, „dass sich in den großen Familiengruften entlang der Millionenallee Juden versteckt hielten.“ Im Schutz der Dunkelheit hätten Anwohner sie mit Essen und Trinken versorgt. So absurd es klingen mag – aber womöglich hat der Friedhof in jener Nacht auch einigen Menschen das Leben gerettet.

 


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Leuffen, Dr.  med  Franz  05 / 2020

Dr. Franz Leuffen, Arzt und Freimaurer

Dr. Franz Leuffen wurde im Jahr 1821 geboren und verstarb im Jahr 1900. Dr. Leuffen war als approbierter königlicher Physikus sowie als Stadt-, Kreis-, und Wundarzt in Köln tätig. Er war auch als Geburtshelfer approbiert.
Er war aber nicht nur Arzt und hochrangiger deutscher Freimaurer, er verfasste mehrere maßgebliche Texte und das preußische Regulativ zur Durchführung von gerichtlichen Leichen-Untersuchungen.

Ich habe einige Zeit gebraucht, das Wort über dem Strahlenkranz zu entziffern.

γνῶσις (Gnosis)

Bedeutet so viel wie Erkenntnis, es wird heute eher mit dem Gnostiker in Verbindung gebracht, also jemandem der eine besondere Kenntnis hat.
Der Olivenzweig und die Schlange sind modernisierte Symbole des Stabes des Asklepios, also dem Zeichen der Ärzte.

Das Auge der Vorsehung (auch allsehendes Auge, Auge Gottes oder Gottesauge) ist ein Symbol, das gewöhnlich als das Auge Gottes interpretiert wird, das alles sieht. Dargestellt wird es als ein von einem Strahlenkranz umgebenes Auge und ist meist von einem Dreieck umschlossen, das auf die Trinität verweist.

Aber wenn man hier genauer hinschaut ist das Pentagramm auf den Kopf gestellt, das Pentagramm steht normalerweise auf zwei Spitzen. Beim umgekehrten Pentagramm bzw. Drudenfuß weist eine Spitze zur Erde. Es ist schon auf zahlreichen altgriechischen Münzen als Symbol des Geheimnisses, der Vollkommenheit oder des Weltalls, bei den alten Druiden, Pythagoreern, Gnostikern und Neuplatonikern abgebildet. Auch wird es als Abzeichen von geheimen Gesellschaften verwendet, sind damit die Freimaurer gemeint?
Die Freimaurerei, auch Königliche Kunst genannt, versteht sich als ein ethischer Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt. Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität.
Um Freimaurer ranken sich viele Mythen, vor allem die Zeichen und Symbole sorgen für viel Interesse an der Geschichte der Freimaurer.
Das Pentagramm wird nicht nur von Satanisten, sondern auch von Freimaurern und einigen Religionen verwendet. Bei den Freimaurern steht der fünfzackige Stern für einen fünffach gebrochenen Lichtstrahl, dessen Anfang zu seinem Ende zurückkehrt.
Das "Auge der Vorsehung" wird ebenfalls nicht nur von den Freimaurern verwendet. Bekannt ist es vor allem von dem Dollar-Schein und wird häufig, aber fälschlicher Weise, mit den Illuminaten in Verbindung gebracht. Für die Freimaurer fordert das Symbol in erster Linie zur Weisheit auf steht für die Wahrheit und das Gewissen.

Der rauen Kanten des Grabsteins ähnelt der Oberfläche einer Walnuss. Sie stehen für die unvollkommene Persönlichkeit der Menschen, mit all ihren Ecken und Kanten. Der viereckige kubische Stein steht hingegen für das Idealbild des Menschen. Auf die geraden Steine kann die Gesellschaft sprichwörtlich bauen.
Unter am Sockel fast unscheinbar hinter dem Efeu finden sich weitere Freimaurer Symbole „versteckt“
Das bekannteste Symbol der Freimaurer sind der Zirkel und das Winkelmaß. Es gibt generell keine einzig richtige Deutung der Freimaurer-Symbole, oft werden sie in mehreren Weisen gedeutet. Der Zirkel steht für den Kreislauf des Lebens, für Unendlichkeit, die Unsterblichkeit, aber auch für die Gemeinschaft.
Das Winkelmaß steht mit seinem rechten Winkel für das Führen eines aufrechten Lebens, angelehnt an ein Zitat von Platon, nachdem es "eine königliche Kunst [sei], (auf)recht zu „Leben". Werte wie Geradlinigkeit und Ehrlichkeit werden dadurch ebenfalls symbolisiert.
Nun bleibt noch die spannende Frage nach dem Löwen.
Auf griechisch heißt der Löwe λέων (Léōn), in Latein Leo in und in Hebräisch arjeh. Er ist ein Sinnbild der Unerschrockenheit, der Großmut, der Macht und gelassenen Standhaftigkeit.
Von den Trieben her betrachtet kann er Ausdruck für hohe Energie, Tatkraft und Aggressivität sein. Der Löwe steht als Symbol für die Sonne und die Auferstehung, aber auch als Sinnbild für imperiale Macht.
Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, ob das Gesicht des Löwen, Dr. Franz Leuffen darstellt, oder welcher Bezug das Gesicht zu dem Löwen hat. Es könnten aber auch die Gesichtszüge von Asklepios sein, auch Zeus hatte ähnliche Gesichtszüge.

Noch eine persönliche Anmerkung:

Ich finde es sehr schade, das dieser wundervolle Grabstein gereinigt wurde, ein Bild aus dem Jahr 2019 zeigt die Schlange mit einer wundervollen Patina aus Moos.

 

 


M

Moest Josef,  05 / 2020

Die Grablegung

Das Grabmal von Josef Moest trägt den Titel
"Die Grablegung". Der Entwurf stammt wahrscheinlich von Moest selbst und entstand 1912. In der Literatur wird es meist als "Pietà" bezeichnet.

 

Das Motiv der Pietà ist in der Bildhauerkunst seit dem frühen 14. Jahrhundert gebräuchlich und wird von der älteren Forschung in Verbindung mit der Entstehung des Andachtsbildes gebracht. Der frömmigkeitsgeschichtliche Ursprung ist in der verstärkten Hinwendung zum Leiden Christi am Kreuz und des Mitleidens seiner Mutter mit ihrem Sohn zu sehen. Der formale Ursprung der Vesperbilder in mehrfigurigen Beweinungsdarstellungen wird immer wieder behauptet, ist aber nicht bewiesen. Die Pietà zählt zu den bekanntesten ikonographischen Darstellungen des Mittelalters.

Auffallend an dieser Pietà ist der ausgezehrte Leib des Toten. Hat der Künstler mit den Augen eines Totkranken gesehen?
"Bereits 2 Jahre vor seinem Tod 1914 hatte Moest einen Entwurf für das eigene Grabmal gefertigt, dessen Darstellung eines ausgezehrten Toten auf merkwürdige Weise an seine Zeichnungen aus Jugendtagen erinnert"

1956 gestaltete der Bonner Bildhauer W.H.P. Simon nach diesem Entwurf die Grabplastik auf dem Grab Moest. Vermutlich sind außer ihm selbst, seine Schwester und deren Sohn bestattet. Heute ist die Grabstelle in Patenschaft übernommen, die Familie Moest ist ausgestorben.

Quelle Text teilweise: https://de.wikipedia.org/wiki/Piet%C3%A0

 


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Rodenkirchen Heinrich,  05 / 2020

Der Grabengel

Nach altem Glauben behüten und begleiten sie die Toten auf ihrem letzten Weg in die jenseitige Welt und bewachen ihre Grabstelle. Sie dienen dabei als Grabschmuck und spenden den Hinterbliebenen Frieden, Geborgenheit und Trost. Besonders häufig findet man sie auf Gräbern von Kindern. Die Grabengel oder Friedhofsengel schlagen sinnbildlich eine Brücke zwischen dem Verstorbenen und seinen Angehörigen, Freunden und Verwandten.

Dieser wundervolle Grabengel sitzt auf dem Grab von Heinrich Rodenkirchen, einem Fabrikanten aus Köln. Er war zweiter Eigentümer der Eisen- und Metallgusswerke Gebrüder Rodenkirchen.

Ende des Jahres 1919 erwarb der Fabrikant Heinrich Rodenkirchen die heutige Villa Malta im Kölner Stadtteil Rodenkirchen. Die Villa entstand 1904/05 unter dem Namen „Villa Antonia“ für den Bauherrn Eduard Steisel, damaliger Bürgermeister der Gemeinde Rondorf (später „Rodenkirchen“), nach einem Entwurf des Architekturbüros Gebrüder (Fritz und Karl) Schauppmeyer.

Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus in „Villa Maria“ umbenannt. Nach 1963 war hier das seinerzeit gegründete Institut für angewandte Arbeitswissenschaft ansässig, bevor die Villa mehrere Jahre leer stand. 1971 ging sie in den Besitz des Malteserordens über, der ihr den heutigen Namen verlieh.

Quelle Text teilweise: Wikipedia


S

Schier, Christian Samuel  05 / 2020

Das erste Kölner Karnevalslied hat seinen Ursprung in Thüringen!

Diese wundervolle Harfe hat mich neugierig gemacht und den Namen habe ich schon mal irgendwo gelesen.

Christian Samuel Schier
(* 31. März 1791 in Erfurt, † 4. Dezember 1824 in Köln) brachte 1823 in Köln zur Inthronisierung des „Helden Karneval“ (heute: „Prinz Karneval“) die Cölner Melodie heraus, die als erstes Karnevalslied Kölns gilt.

Die Historie der Kölner Karnevalslieder beginnt - geschichtlich belegt in Köln, von dem gebürtigen Erfurter Christian Samuel Schier.

Schier wurde als Handwerkersohn in Erfurt geboren. Nach der Militärzeit als Leutnant in den Befreiungskriegen ging er an die Universität Jena. Dort wurde er zum begeisterten Burschenschafter und nahm seine schriftstellerische Tätigkeit auf. Wohl in Jena wurde er zum Dr. phil. promoviert. Er war Teilnehmer des Wartburgfestes, sah sich jedoch 1817 in Deutschland so unsicher, dass er sich zur Flucht nach New York City in die USA entschied. Der musikalisch begabte Schier, der unter anderem als Chorknabe ausgebildet war und Harfe spielen konnte, hatte dadurch die Möglichkeit, sich dort durch seine Unterhaltungsgabe zu verdingen.

Schier kehrte 1820 nach Deutschland zurück und ließ sich in Köln als Privatgelehrter nieder. Er wurde abermals für seine Unterhaltungsgabe und Geselligkeit bekannt, daneben aber auch für die Umgestaltung des Kölner Karnevals. Er erkrankte bereits kurz nach seiner Rückkehr und verstarb 1824.

 


Sensenmann, Johann Müllemeister  , 03 / 2018

Der Sensenmann und sein Fröschlein

English below

Zwischen den aufwendig verzierten Grabmälern findet man auch Skulpturen, die sogar für Melaten außergewöhnlich sind. Das Berühmteste ist wohl die Grabstätte mit dem über zwei Meter großen Sensenmann, der dem Besucher verdeutlicht, dass man sich immer noch auf einem Friedhof befindet und der Tod allgegenwärtig ist. Die Statue ist ein weiteres Beispiel für die teilweise recht ungewöhnlichen Figuren und Schicksale auf dem Melatenfriedhof. Der dargestellte Tod wurde Ende des 19. Jahrhunderts für den wohlhabenden Kaufmann Johann Müllemeister hergestellt. Für die Bewahrung des instabilen Sensenmanns hat in diesem Fall die Steinmetzfamilie mit dem passenden Namen Steinnus gesorgt. Vor über 30 Jahren hat Johann Steinnus die Patenschaft für die berühmte Skulptur übernommen. Wendet man seinen Blick vom schaurigen Skelett ab, erblickt man neben dem Sensenmann einen kleinen Gedenkstein, der nachträglich hinzugefügt wurde. Johann Steinnus Sohn Martin starb mit nur elf Jahren. Ein Frosch wurde auf dem Kindergrab platziert, denn der Junge wurde "Fröschlein" genannt.

Between the elaborately decorated tombs, there are also sculptures that are exceptional even for Melaten. The most famous is probably the tomb with the more than two-metre tall Grim Reaper, which makes it clear to visitors that they are still in a cemetery and that death is omnipresent. The statue is another example of the sometimes quite unusual figures and fates in the Melatenfriedhof. The depicted death was made at the end of the 19th century for the wealthy merchant Johann Müllemeister. In this case, the stonemason family with the appropriate name Steinnus took care of the preservation of the unstable Grim Reaper. More than 30 years ago Johann Steinnus took over the sponsorship of the famous sculpture. If you turn your gaze away from the eerie skeleton, you will see a small memorial stone next to the Grim Reaper, which was added later. Johann Steinnus son Martin died when he was only eleven years old. A frog was placed on the child's grave, because the boy was called "Froggy".

Quelle Text: https://koelner-denkmaeler.online-redakteure.com/html/oberkalkofen_melatenfriedhof.html

 


Steingass Toni, 05 / 2020

Toni Steingass wurde am 13.4.1921 in Köln in der Nähe des Friesenplatzes geboren und war durch seine Familie schon musikalisch vorbelastet. Sein Urgroßvater Mütterlicherseits war der Stabstrompeter Reinhold Fellenberg, der von Schlesien nach Köln versetzt wurde und vom Kölner Karneval gleich begeistert war. Er wurde in dieser Zeit zum bedeutendsten Karnevalsmusiker. Einige seiner Werke sind auch heute noch jedem bekannt, so z.B. der Marsch der Roten Funken (Ritsch Ratsch de Botz kapott) , der Marsch der blauen Funken und den Mariechentanz.

Musikalisch angehaucht war auch Tonis Vater, der einen Pianohandel betrieb und seinem Sohn eine musikalische Ausbildung ermöglichte.
Den Krieg überlebte Toni, dank seiner künstlerischen Fähigkeiten, in der Etappe. Durch diese „Vorbildung“ konnte er sich nach dem Krieg , als er sich in Nippes niederließ, über Wasser halten. Anfangs verdiente er sich in Niehl als Kneipenmusiker sein Geld, bevor er von 1947 bis 1953 regelmäßig im Sommer in Borkum in der Tusculum Bar musizierte. Daneben hatte er eine Anstellung in der St. Pauli Bar auf dem Eigelstein, die aber für einen Alleinunterhalter zu groß war. Toni sah sich gezwungen noch zwei Kollegen zu arrangieren, woraus schon 1946 das Steingass Terzett entstand, welches bis 1971 bestand. Als zweiter Mann fungierte während der gesamten Zeit Franz-Josef Schmitz, der dritte Mann wechselte dagegen dreimal. Der erste, Bernd Sperl wanderte nach Amerika aus, der zweite, Heinz Oepen setzte neben der Musik sein Studium fort, erlangte den Dr. Titel und brachte es später bis zum Programmdirektor beim ZDF. Der dritte war Karl Heinz Virnich, welcher bis zum Schluß dabei blieb.
Wie gesagt hielt sich Toni Steingass in den Sommermonaten in Borkum auf, doch zur Winterzeit und speziell zu Karneval eroberte er, neben den Kneipen, auch die ersten wiedereröffneten Säle in Köln. So war er im Sartory und im Tazelwurm als musikalischer Alleinunterhalter angestellt. Sein 1950 vorgestelltes Schunkellied „Der schönste Platz ist immer an der Theke“ brachte nicht nur den Durchbruch und wurde nicht nur in Köln ein Erfolg, sondern verbreitete sich, dank Rundfunk, in die ganze Welt. Der Text wurde in viele Sprachen übersetzt, darunter sogar ins Japanische. Weil kein Verlag dieses Lied, wegen zu wenig Anspruch, übernehmen wollte, gründete Steingass seinen eigenen Verlag. Durch den Erfolg des „Theke“ Lieds schuf er in Folge einen Titel nach dem anderen, bis es bis zu seinem Tot 419 waren. Jedem im Ohr dürften unter anderem die Lieder „ Hura Hura der liebe Jung ist wieder da“ oder „Leckerchen Zückerchen“ sein. Für mich eines seiner schönsten Lieder, in dem die ganze Ausdruckskraft der Kölschen Sprache zum Ausdruck kommt ist „Dä Kölsche Explezier“ in der die Atmosphäre der Markthalle beschrieben wird.

Toni Steingass kämpfte, teils vergebens, gegen den Verfall des Kölschen Kulturguts. Die Entwicklung der neudeutschen Gesellschaft verdrängte immer mehr die Kölsche Volkskunst, bis nur noch der Karneval übrig blieb.
Toni wurde schon früh für den Rundfunk entdeckt. Seit 1950 spielte er für den WDR 40 Kindersendungen ein, welche etwas von der Kölschen Eigenart und Tradition vermittelten. Ab 1958 entstand bei Radio Luxemburg das musikalische Wechselspiel mit Camillo Felgen.
Ab 1963 lief, wieder auf dem WDR, die Sendung „Kölsche Leedcher – Kölsche Verzällcher“.
Seiner Überredungskunst ist es ebenfalls zu verdanken, das bei EMI Kölsche Langspielplatten herausgegeben wurden, die zu einem nicht unerheblichen Erfolg führten.
Ab 1968 strahlte der WDR die Sendung „So klingt´s bei uns im Rheinland“ aus, welche Steingass sechs Jahre lang moderierte.
Ebenfalls 1968 machte Steingass auch eine Tournee durch Amerika und er hatte bei den dortigen Auswanderern einen riesen Erfolg.
Seit 1965 wirkte Toni auf dem Altermarkt zur Karnevalseröffnung am 11.11. bei der Ostermann Gesellschaft immer mit. 1972 wurde auf seine Idee hin das erste Funken Biwak der roten Funken auf dem Neumarkt veranstaltet, welches auch heute noch am Karnevalsamstag stattfindet. Ebenfalls seiner Idee verdanken wir den Weihnachtsmarkt auf dem Altermarkt.
Als Anerkennung seiner Leistungen für das Kölner Brauchtum erhielt er 1977 die goldene Ostermannmedaille.
Von 1972 an, nach dem Ende des Steingass Terzett, trat er bis zu seinem plötzlichen Tot 1987 mit seinem Sohn Heli noch als „Die Steingässer, die Lebenskünstler aus Köln“ auf.

 

Quelle Text:
https://332542.forumromanum.com/member/forum/forum.php?action=ubb_show&entryid=1099045058&mainid=1099045058&USER=user_332542&threadid=1122458946


Seydlitz von, Friedrich Anton Florian ,    05 / 2020

Friedrich Anton Florian von Seydlitz

Königlich Preußischer General-Major

„Ich bin ein General, holt mich hier raus“ mag Anton von Seydlitz entsprechend dem leicht abgewandelten Titel von Dirk Bachs „Dschungelcamp“, gedacht haben, als dieser neben ihm bestattet wird. Ein größerer Gegensatz ist kaum denkbar: Hier der hochdekorierte preußische Generalmajor, dort der schrille, rheinisch-gemütvolle Komödiant. Anton Florian Friedrich Freiherr von Seydlitz entstammt schlesischem Uradel. Sein Vater ist Forstmeister zu Aken, nahe Magdeburg. Nach Pagenzeit am preußischen Hof, Kadettenausbildung und Mitgliedschaft in einem Feldjägerregiment wird er von Oberst Yorck zum persönlichen Adjutanten erwählt. An seiner Seite kämpft er im 4. Koalitionskrieg 1806/07 gegen Frankreich und im Russlandfeldzug 1811/12 zunächst an der Seite Napoleons. Das verbindet - zwischen Yorck und von Seydlitz entwickelt sich eine persönliche Freundschaft. Nach mehreren Jahren als Oberst im besetzten Frankreich kehrt er nach Preußen zurück.
Bemerkenswert ist, dass von Seydlitz für seine militärischen Verdienste sowohl die höchsten preußischen Auszeichnungen „Pour le Mérite“ und das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhält, als auch, 1817, das Französische Offizierskreuz der Ehrenlegion für die schonende Behandlung der Bevölkerung während der Besatzung. Bereits schwer erkrankt, zieht von Seydlitz mit dem IV. Armeekorps an den Rhein, wo er 1832 stirbt. Er wird als „vollendet schöner Mann“ beschrieben, dessen „äußerer Erscheinung auch sein Inneres entspricht.“
Letzteres verbindet ihn mit Dirk Bach, der für sein karitatives Engagement z. B. für die Aidshilfe oder Amnesty International, nicht nur in Köln, geehrt und geliebt wird. Sicherlich ist es dem seit je her offen schwul lebenden Dirk Bach auch nicht unangenehm, neben einem „vollendet schönen Mann“ seine letzte Ruhe gefunden zu haben. Dirk Bach, der nie eine Schauspielschule besucht hat, erhält seine erste Rolle in „Prometheus“ am Kölner Schauspielhaus, wo er über Jahre Ensemblemitglied ist. Bühnenerfahrung sammelt er bei freien Theatern in ganz Europa. Schließlich gelingt der Durchbruch mit der „Dirk Bach Show“. Es folgen Serien, wie „Lukas“, die Rolle als „Pepe“ in der Sesamstraße und immer wieder tragische und komische Rollen auf der Bühne und im Fernsehen. Über viele Jahre gehört Bach zu den beliebtesten Komikern im deutschsprachigen Raum. Er stirbt 2012 an Herzversagen. Eine 1832 gepflanzte, fast 200-jährige Platane überragt als ältester und dickster Baum Melatens die Gräber von Dirk Bach und Anton von Seydlitz. Dessen Grabmal ist ein mächtiger Steinzylinder, der mit einem korinthischen Prunkhelm mit Schweif und Schwert aus Bronze bekrönt ist.

Quelle Text: https://www.wo-sie-ruhen.de/friedhoefe?stadt=24&friedhof=27


Schanzleh  (roter Stein)  Heckmann (schwarzer Stein)     07 / 2020

Grabstätte der Familie Schanzleh, roter Stein

(Friedhof Melaten)

und

Grabstätte der Familie Heckmann / Zaum, schwarzer Stein
Alter Friedhof Viersen Löh

 

Der Sohn des promovierten Gymnasiallehrers und Historikers Friedrich zur Bonsen und dessen Frau Maria Elisabeth, geborene Hömberg,[3] wurde in Fredeburg geboren. Rudolf zur Bonsen schloss das Studium der Rechtswissenschaften mit der Promotion ab. Er wurde 1909 Gerichtsreferendar in Hamm, später in Haltern und Münster. 1914 wurde er zum Gerichtsassessor befördert und im selben Jahr zum Kriegsdienst eingezogen. Er wurde bis zum Ende des Ersten Weltkriegs bei der Zivilverwaltung in Belgien eingesetzt.
Ab 1919 arbeitete er bei der Regierung und anschließend beim Oberpräsidenten in Königsberg (Preußen). Danach wechselte er im September 1919 als Regierungsassessor zum Regierungsbezirk Köln. Dort wurde er 1922 unter Vizepräsident Karl Budding zum Regierungsrat ernannt, dessen rechte Hand er im Verkehr mit den Besatzungsmächten war. Später wurde er als Beisitzer und schließlich dann Vorsitzender im Bezirksausschuß Köln. Am 1. Mai 1932 trat er in die NSDAP ein. Am 22. Februar 1933 wurde er als Regierungsvizepräsident, am 24. April 1933 als kommissarischer und am 15. Juni 1933 Regierungspräsident berufen. Im Frühjahr 1934 wurde er nach persönlicher Auseinandersetzung mit Hermann Göring über Kultur- und Kirchenpolitik, zunächst in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Aufgrund scharfer Kritik in ausländischer Presse wurde er acht Tage später, am 20. April 1934 zum Regierungspräsidenten des Regierungsbezirks Stettin ernannt. In Stettin wurde er in scharfem Widerspruch zur Partei am 16. Oktober 1934 mit sofortiger Wirkung erneut in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Im Oktober 1936 wurde von Bonsen zum kommissarischen Präsidenten der Bau- und Finanzdirektion Berlin berufen. Bereits im Dezember 1936 erfolgte zum dritten Mal die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand. Ende 1940 ging er in den endgültigen Ruhestand. Er lebte von 1937 bis 1952 zurückgezogen in Grainau/ Oberbayern.

Rudolf zu Bonsen wurde als NSDAP-Mitglied im Verfahren der Spruchkammer Garmisch-Partenkirchen als „entlastet“ eingestuft. Er gehörte von 1933 bis 1936 dem Ausschuss des Kölnischen Kunstvereins an.

Beigesetzt wurde er im Familiengrab seiner Frau Olga geb. Schanzleh

Die von Heinrich Stockmann erschaffenen Grabmäler für bedeutende Familien zeigen ein Zusammenspiel von monumentalen steinernen Anlagen und bronzenen, lebensgroßen Figuren.

Auf dem Melatenfriedhof in Köln schuf er für die Familie Schanzleh die gleiche Grabsteinanlage wie für die Familie Joseph Heckmann. Einzig der rote Granit unterscheidet die beiden Grabdenkmäler. Es ist nicht auszuschließen, dass die Familie Heckmann die Grabanlage auf einem Spaziergang über den Friedhof Melaten wahrgenommen hat. Es gab familiäre Kontakte durch Leopold Heckmann sen., der in Köln geboren und aufgewachsen war.
Heinrich Stockmann gehörte zu den Künstlern, die überregional tätig waren. Er verstand es den Zeitgeist in seinen klassizistisch geprägten Entwürfen einzubringen. Dabei traf er in seiner Sepulkralkunst den Geschmack der zu Reichtum gekommenen Oberschicht.
Heinrich Stockmann starb im Jahr 1906 in Bonn.

Quelle Teilweise: https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_zur_Bonsen#mw-head


T

Tuluweit , Elke, Danke für jede Stunde    05 / 2020

Danke für jede Stunde

Eine wundervolle Skulpturen-Gruppe des Kölner Künstlers Hannes Helmke.

Leben

 

Nach einer Holzbildhauer-Lehre absolvierte Hannes Helmke, geboren 1967 in Heidelberg, an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter ein Aufbaustudium freie Kunst, das er im Sommer 1998 abschloss. Seitdem lebt und arbeitet Hannes Helmke als freischaffender Bildhauer in Köln. Die Sommermonate verbringt er auf der Insel Spiekeroog; die dort herrschende Ursprünglichkeit und Freiheit im täglichen Leben, das in der Natur-Sein sind wichtige Kraft- und Inspirationsquellen. Alle Entwürfe entstehen auf Spiekeroog und werden in Köln in Bronze umgesetzt.

Werk

Das künstlerische Thema von Hannes Helmke ist der Mensch und dessen Standpunkt in der Welt. Der Körper ist dabei Ausdruck des Ich-Seins und der Eigenwahrnehmung. Helmkes ursprüngliche Inspiration waren die langgezogenen Abendschatten der menschlichen Gestalt. Die Arbeiten mit extrem überlängten Gliedmaßen und sehr großen Füßen der ersten Schaffensjahre haben sich inzwischen zu naturalistischer proportionierten Figuren entwickelt. Der Grundgedanke ist aber nach wie vor: Wie stehen Menschen im Leben? Wie präsentiert sich der Mensch der Welt, in beobachteten und unbeobachteten Momenten, alleine und in der Gruppe bzw. Masse? Füße und Beine stehen bei Hannes Helmke für den Lebensmenschen, der Körper darüber für den Geistmenschen. Die plastischen Ohren sind Sinnbild der Verbindung mit der Welt, des Wahrnehmens; ebenso die großen handelnden Hände. Im Verzicht auf ein Gesicht wird Helmkes Wunsch nach größtmöglicher Assoziation des Betrachters deutlich.

Mehr zu dem Künstler und den wunderschönen Arbeiten findet Ihr auf der Webseite

https://hannes-helmke.de

 

 Quelle Text: https://www.wikiwand.com/de/Hannes_Helmke

 


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