Besondere Grabstätten          Alter  Friedhof  Bonn


Der Alte Friedhof bildet mit seinem dichten Baumbestand eine der wenigen grünen Inseln der Innenstadt. Schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist er ein Ziel von Gästen aus aller Welt, die seine viel gepriesene „Schönheit und Anmuth“ besichtigen möchten.Doch die Anfänge dieses heute so berühmten Friedhofs sind äußerst bescheiden: Um 1715 wurde er vor den Toren der Stadt als Begräbnisplatz „vor gemeine Einwöhner, Paßanten und Soldaten“ angelegt. Viele Jahre reichte das kleine, dreieckige Areal als Begräbnisfläche aus, denn die Bonner Bürgerschaft hatte zunächst noch Vorbehalte gegen den schlichten Totenacker. Das isoliert gelegene Gelände mit schlechten Zugangswegen hatte keine Einfriedung. Daher beschwerten sich die Angehörigen nach den ersten Beerdigungen, dass „die Ziegen über die Gräber springen“. Zudem fehlte dem damals neuen Friedhof für lange Zeit eine eigene Kapelle.Mit der Schließung der innerstädtischen Kirchhöfe 1787 wurde der „Friedhof vor dem Sterntore“ zum alleinigen, zentralen Begräbnisplatz Bonns bestimmt. Seine Entwicklung vom ehemals Arme-Leute- und Soldatenfriedhof hin zum renommierten Begräbnisplatz vollzog sich zunächst langsam, nach der ersten Friedhofserweiterung 1819 rasant. Einen entscheidenden Anteil an der Entwicklung zur Ruhestätte bedeutender Persönlichkeiten hatte die Gründung der preußischen Universität in Bonn am 18. Oktober 1818. Ihrem Ruf folgten zahlreiche Professoren, die sich eine repräsentative Ausgestaltung ihrer Familiengrabstätten wünschten. Somit spiegeln die Grabmale des Friedhofs auch die Entwicklung Bonns von der kurfürstlichen Residenz bis hin zur bildungsbürgerlich geprägten Stadt wider. Nachdem sämtliche Möglichkeiten zur Erweiterung des Friedhofs ausgeschöpft waren, musste er 1884 geschlossen werden. 100 Jahre später, 1984, wurde er unter Denkmalschutz gestellt. Heute ist eine Bestattung nur noch möglich für Inhaber des Nutzungsrechts an einem schon bestehenden Familiengrab, für Bonner Ehrenbürger und für Grabpaten, welche die Patenschaft für ein verwaistes Grab übernehmen. Da der „Zahn der Zeit“ an zahlreichen Gittern und Grabmalen nagt, ist die Patenschaftsübernahme eine Chance, den zunehmenden Verfall aufzuhalten. Die 1975 gegründete „Gesellschaft der Freunde und Förderer des Alten Friedhofs in Bonn e.V.“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Restaurierungsmaßnahmen zur Erhaltung des Alten Friedhofs beizutragen, damit auch künftige Generationen die „Schönheit und Anmuth“ dieses besonderen Ortes genießen können.
(Autorin: Erika Zander)

Quelle: https://www.wo-sie-ruhen.de/friedhoefe?stadt=14&friedhof=26


A

Ella Adaïewsky,   06    2020

Malinconia (Melancholie)

Liebe Fotofreunde, der alte Friedhof Bonn liegt direkt vor meiner Haustüre und wenn ich mal "Ruhe" brauche, ist der Friedhof eine kleine Oase mitten in der Stadt Bonn.

Ich bin schon oft an dem Grab von Ella Adaïewsky vorbei gelaufen, aber meist ohne besondere Notiz von dem Grab zu nehmen. Dabei ist die Skulptur etwas ganz besonderes, sie erinnert an die wundervollen Skulpturen in Italien.

Antonio Dal Zotto war ein italienischer Bildhauer und hat diese wunderschöne Skulptur geschaffen. Sie heisst Malinconia (Melancholie) und wurde für Ella Adaïewsky, bekannt auch unter ihrem Geburtsnamen Elisabeth (von) Schultz bzw. Elisabeth (von) Schultz-Adaïewsky und dem Pseudonym Bertramin) geschaffen.

Elisabeth von Schultz’ Vater war der deutschbaltische Arzt und Schriftsteller Georg Julius von Schultz (Pseudonym Dr. Bertram). Ihre Mutter Theodora war Schülerin Adolf Henselts und gab selbst Klavierunterricht. Auch Ella Adaïewsky wurde zunächst von ihrer Mutter unterrichtet. Später studierte sie in Sankt Petersburg bei Adolf Henselt und Nicolas von Martinoff (1813–1864). Von 1857 bis 1859 war sie in Eisenach und Weimar und erhielt Unterricht bei Martha von Sabinin (1831–1892) und auch bei Franz Liszt. Ab 1864 studierte sie am Sankt Petersburger Konservatorium Klavier bei Alexander Dreyschock, Musikgeschichte bei Alexander Faminzyn (1841–1896), Komposition bei Nikolai Saremba, Musiktheorie bei Ignaz Vojáček und Instrumentierung bei Anton Rubinstein. Adaïewsky unternahm Konzertreisen als Pianistin und ließ sich 1882 in Venedig nieder. 1909 übersiedelte sie auf Einladung der Freifrau Franziska von Loë nach Neuwied in das Segenhaus des Schlosses Monrepos. Während des Ersten Weltkriegs nannte sie sich wieder von Schultz, um nicht in Verdacht zu geraten, eine russische Spionin zu sein.

Adaïewsky schrieb Klavierkonzerte, Vokalmusik (u. a. Chöre für den russisch-orthodoxen Gottesdienst) und zwei Opern, die sie unter dem Pseudonym Adaïewsky veröffentlichte. Außerdem gab sie eine Sammlung italienischer Tanzlieder heraus und publizierte über Volksmusik und Musik im antiken Griechenland. Ihre Oper Morgenröte der Freiheit fiel 1877 der zaristischen Zensur zum Opfer und wurde nicht aufgeführt.

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Ella_Ada%C3%AFewsky

 


B

Busch Carl David Wilhelm, 06   2020

 

Natürlich möchte ich mich hier nicht mit fremden Federn schmücken, das Marmorportrait ist von J. Vogel, vom LVR-LandesMuseum in Bonn.

Aber es zeigt wie unglaublich manche Geschichten sind und wie sich manchmal die Puzzlestücke zusammenfügen.

Bei Grabungen im Bereich der Bonner Beethovenhalle kam überraschend ein unvollständiger Marmorkopf im Schutt des Zweiten Weltkrieges zutage. Der Männerkopf in klassizistischer Manier ist wohl als Büste zu ergänzen.

Auf der Suche nach der Identität der gewiss berühmten Persönlichkeit gab der Fundort einen ersten Hinweis: Auf dem Gelände zwischen Wachsbleiche und Theaterstraße standen die Universitätskliniken, die am 18.10.1944 einem Bombenangriff zum Opfer fielen. Dort befand sich wohl der Standort der Büste. Das entscheidende Kriterium für die Benennung des Dargestellten gab letztlich die charakteristische Stirnhaarfrisur. Diese findet in Kombination mit dem Backenbart ihre Entsprechung in dem Bronzebildnis des Bonner Chirurgen Carl David Wilhelm Busch (1826–1881) auf dem Alten Friedhof in Bonn. Busch übernahm 1855 das Direktorat der Chirurgischen Klinik von Bonn, war 1859/60 Dekan der Medizinischen Fakultät, 1862/63 Rektor der Universität.

Sein Grabmal von 1883 auf dem Alten Friedhof signierte der Bonner Bildhauer A. H. Küppers (1842–1926), bekannt durch zahlreiche weitere Bonner Gelehrtenporträts wie von J. Noeggerath, F. A. Kekulé, W. Nasse oder H. Nissen. 1903 schuf Küppers eine Marmorbüste des Bonner Arztes Busch für die Berliner Charité. Eine weitere aus der Hand des Künstlers von 1882 gilt als verschollen und kam möglicherweise mit dem Aushub des Kriegsschutts vor der Bonner Beethovenhalle wieder ans Licht. Zweifelsohne steht der Marmorkopf stilistisch in der Tradition des meistgefragten Bildhauers der Stadt und seiner für das 19. Jahrhundert typischen Gelehrtenporträts.

Die anderen Portraits und die beiden Reliefs sind natürlich von mir.

Karl David Wilhelm Busch war im Deutsch-Französischen Krieg beratender Chirurg und Generalarzt. Er war Mitglied der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. Die beiden Reliefs zeigen Szenen aus der Behandlung von Patienten, aber da möchte ich kein Patient gewesen sein.

Quelle Text:
https://bodendenkmalpflege.lvr.de/…/…/2018/fdm_2018_10.html…

 


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Johann Jacob Noeggerath, 06 2020

Liebe Fotofreunde,

wer weiß denn von Euch was ein Bonmot ist?

Ich gebe zu, ich habe auch erst mal googlen müssen, folgendes schreibt Wikipedia dazu. Ein Bonmot ist ein witziger Einfall, ein geistreiches Witzwort, eine treffende Bemerkung oder ein situationsbezogen gelungener Ausspruch. Bonmots gelten als Zeichen von Geist und sind ein Teil der Fähigkeit, sich in anspruchsvoller Gesellschaft zu bewegen.

Und nur auf Grund von einem solchen Bonmot von Johann Jacob Noeggerath, ist diese wundervolle Skulptur von Ihm entstanden.

Der Bildhauer Albert Hermann Küppers / (von Küppers) war bekannt, dass er zu Lebzeiten viele Gelehrte der Universität Bonn porträtierte. Diese Porträts dienten ihm als Vorlage für die Anfertigung von Grabmalen. So bat er auch den Geologen Johann Jacob Noeggerath, ihm Modell zu sitzen. Mit dem Hinweis, so weit sei es noch lange nicht, verweigerte der Professor den Wunsch des Künstlers.

Schließlich fügte er sich doch mit den Worten:


„Na gut, aber nur im Sitzen. Ich hab‘ keine Lust, die Ewigkeit lang zu stehen.“ 

 

Diesem Bonmot ist eines der schönsten Denkmale auf dem Alten Friedhof in Bonn zu verdanken.

1878 wur­de Küp­pers von ei­nem ei­gens da­zu ge­grün­de­ten Denk­mal­ko­mi­tee für ein Ho­no­rar von 6.600 Mark mit der Schaf­fung ei­nes Bild­nis­ses für den im Jahr zu­vor ver­stor­be­nen Bon­ner Ober­berg­haupt­mann und Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor Jo­hann Ja­cob No­eg­gerath (1788–1877) be­traut. Der Bild­hau­er ent­schied sich zu ei­ner le­bens­gro­ßen Sitz­skulp­tur aus Car­ra­ra-Mar­mor, die dem Ty­pus des Ge­lehr­ten­denk­mals folg­te. In drei­jäh­ri­ger Ar­beit schuf er da­bei ein Werk, das durch sei­ne be­son­de­re Na­tür­lich­keit ganz un­mit­tel­bar auf den Be­trach­ter wirkt. 1881 fand das Denk­mal nach ei­ni­ger Dis­kus­si­on Auf­stel­lung auf dem Al­ten Fried­hof.

1922 wur­de Al­bert Küp­pers für sei­ne Le­bens­leis­tung – als Bild­hau­er und Uni­ver­si­täts­leh­rer – mit der aka­de­mi­schen Eh­ren­dok­tor­wür­de der Uni­ver­si­tät Bonn ge­ehrt, be­vor er am 11.10.1929 im ho­hen Al­ter von 87 Jah­ren in Bonn ver­starb und auf dem Pop­pels­dor­fer Fried­hof bei­ge­setzt wur­de.

Die gro­ße Zahl sei­ner Se­pul­krakunst prägt auch heu­te noch we­sent­lich das Bild des Bon­ner Al­ten Fried­hofs, da­ne­ben schuf er Wer­ke für den Pop­pels­dor­fer Fried­hof. Sei­ne Por­trät­büs­ten be­fin­den sich zu­dem in der Samm­lung der Uni­ver­si­tät Bonn eben­so wie in der Kunst­samm­lung der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät Ber­lin und der Cha­rité. Der Nach­guss sei­ner 1921 aus Mar­mor ge­schaf­fe­nen Büs­te Lud­wig van Beet­ho­vens steht im Bon­ner Beet­ho­ven-Haus.

Als sein be­deu­tends­tes Werk kann ne­ben dem No­eg­gerath-Denk­mal vor al­lem das Krie­ger­denk­mal 1870/1871 an­ge­se­hen wer­den. Als Künst­ler war Küp­pers zwar kein Neue­rer, doch be­weg­ten sich sei­ne aus­ge­spro­chen qua­li­tät­vol­len Wer­ke künst­le­risch auf der Hö­he der Zeit oder wie­sen so­gar dar­über hin­aus, wo­bei die tech­ni­sche Qua­li­tät durch­weg ganz her­vor­ra­gend ist. Be­son­ders sei­ne sen­si­blen Por­trät­büs­ten und – re­li­efs wir­ken noch heu­te au­ßer­or­dent­lich le­ben­dig und tief emp­fun­den.

Quellen Text teilweise:

https://www.wo-sie-ruhen.de/friedhoefe?stadt=14&friedhof=26

https://www.rheinischegeschichte.lvr.de/…/albert-hermann…/DE2086/lido/57c93b5d9fc085.50173108

 


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Plücker Julius, 06 2020

 

Julius Plücker war im 19. Jahrhundert einer der bedeutendsten deutschen Geometer. Zugleich kann er als der eigentliche Begründer physikalischer Forschung an der 1818 gegründeten Universität Bonn angesehen werden. Seine Studien zur magnetischen Beeinflussung von gasförmigen Substanzen legten die Grundlage für die moderne Spektralanalyse.
Julius Plücker stammte aus einer bergischen Familie, die seit dem späten 16. Jahrhundert in Elberfeld nachweisbar ist. Ab 1784 wohnte die Familie auf Schloss Lüntenbeck im Westen von Elberfeld (heute nahe der A 535 in Wuppertal-Vohwinkel). Plücker wurde am 16.6.1801 in Elberfeld geboren. Die Familie war evangelisch-reformiert. Julius Plücker besuchte von 1816 bis 1819 das Königliche Katholische Gymnasium (das heutige Görres-Gymnasium) in Düsseldorf. Seine Studien führten den jungen Mann nach seinem Abitur nach Heidelberg, wo er sich am 26.4.1819 für Kameralistik einschrieb. Nach drei Semestern wechselte er nach Bonn. Hier schrieb er sich am 26.10.1820 erneut für das Fach „Cameralia“ ein. Trotzdem hörte er in Bonn vornehmlich Vorlesungen in Physik, Chemie und Mathematik bei den Professoren Adolf Diesterweg (1782-1835), Wilhelm Gottlob Kastner (1783-1857) und von Karl Dietrich von Münchow (1778-1836). Dieses Interesse behielt er bei, als er Bonn den Rücken kehrte und sich am 20.10.1821 in Berlin einschrieb, wo er bis zum 7.3.1823 studierte. Neben Mathematik und Physik belegte er hier auch Vorlesungen in Architektur und Hydraulik.
Speziell die Geometrie hatte es ihm angetan. Nach dem Examen im Wintersemester 1822/1823 hielt Plücker sich für einige Monate in Dresden auf, wo er wohl eine Dissertation ausarbeitete, die den Titel „Generalem analyseos applicationem ad ea quae geometriae altionis et mechanicae basis et fundamenta sunt, e serie Tayloria deducit“ trägt. Diese Arbeit reichte er im Herbst 1823 in absentia an der Universität Marburg als Dissertation ein. Der frisch Promovierte begab sich danach für 15 Monate zum weiteren Studium nach Paris. An der Sorbonne schrieb er weitere geometrische Abhandlungen, die Plücker dem Mathematik-professor Joseph Gergonne (1771-1859) überließ, der in Montpellier die einflussreichen „An-nales de mathématiques pures et appliquées“ herausgab.
1824 reiste Plücker nach Bonn, um sich an der Philosophischen Fakultät zu habilitieren. Sein lateinisches Habilitationsgesuch beurteilte der Dekan als „recht schlecht verfaßt“, aber die Fakultät war insgesamt mit der Habilitation einverstanden. Der Mathematiker von Mün-chow prüfte die Dissertation, und er bescheinigte dem jungen Habilitanden, „daß die nun vorgelegte Abhandlung des p. Plücker von Nachdenken und recht guter Kenntniß der höheren Mathematik zeugt, obgleich sich in derselben eingie Behauptungen finden, denen sich man-cherlei würde entgegnen lassen.“ Am 15.8.1825 fand die feierliche Antrittsvorlesung als Privatdozent statt.
Obwohl Plücker sich intensiv mit Geometrie beschäftigte, war sein Habilitationsgesuch von Anfang an auf die beiden Fächer Mathematik und Physik gerichtet. Das entsprach durchaus den Bonner Verhältnissen. Hier hatte es von Anfang an das Fach Physik gegeben, aber es war nie von einem reinen Physiker vertreten worden. Zunächst hatte der Chemiker Wilhelm Gottlob Kastner die Physik mit vertreten. Nach dessen Weggang 1821 hatte der Mathematiker und Astronom Karl Dietrich von Münchow die Physik in sein Repertoire aufgenommen. Trotz seines Habilitationsgesuches las Plücker in seiner ersten Bonner Phase ausschließlich Mathematik, wobei er auch Astronomie oder „physikalische Theorien mit mathematischen Entwicklungen“ einbezog, aber er war in keinem Vorlesungsverzeichnis unter „Naturwissen-schaften“ aufzufinden, wo Münchow weiterhin jedes Semester die Vorlesung „Experimental-physik“ anbot.
Plückers Forschungen galten ganz der analytischen Geometrie. In zwei Bänden erschienen 1829 und 1831 die „Analytisch-geometrischen Entwicklungen“. Sein Interesse galt der Geometrie der Linien und der Ebene. Die „Plückerschen Formeln“, die „Plücker-Matrix“ oder die „Plücker-Koordinaten“ zeugen heute noch von der Bedeutung seiner Forschungen für die
Geometrie. 1828 honorierte der preußische Staat Plückers Leistungen in Forschung und Lehre mit der Ernennung zum außerordentlichen Professor. Nach fünf weiteren Jahren in Bonn ging Plücker 1833 nach Berlin. Da ein außerordentlicher Professor in der damaligen Zeit außerordentlich schlecht bezahlt wurde, nahm er gleichzeitig eine Stelle als Mathematiklehrer am Königlichen Friedrich-Wilhelms-Gymnasium an. Berlin war aber nur Zwischenstation. 1834 erlangte Julius Plücker endlich ein Ordinariat, und zwar den Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Halle. Nur zwei Jahre später starb der Karl Dietrich von Münchow, und Plücker konnte nun nach Bonn zurückkehren. Münchow hatte noch die beiden Fächer Astronomie und Physik im Nebenamt vertreten. Nun wurde die Astronomie abgetrennt und an den Königsberger Astronomen Friedrich Wilhelm Argelander vergeben. Mathematik und Physik blieben aber in einer Hand, und da sich Plücker in Bonn für beides habilitiert hatte, schien er der richtige Mann für dieses Amt zu sein.
In Bonn fand Plücker auch sein privates Glück. Am 4. September 1837 heiratete er Antonie Altstätter, die Tochter eines Bonner Landgerichtssekretärs. In seiner ersten Bonner Zeit von 1824 bis 1833 hatte Plücker im Haus der Altstätters zur Miete gewohnt. Das Paar bekam einen Sohn namens Albert. Er ist nicht identisch mit dem späteren Chefarzt des Evangelischen Krankenhauses in Wolfenbüttel, der aus dem Elberfelder Zweig der Familie stammte.
Plücker verstand sich weiterhin als Geometer. 1839 erschien eine „Theorie der algebrai-schen Kurven“ und 1842 das „System der Geometrie des Raumes in neuer analytischer Be-handlungsweise“. Damit hatte er seinen Forschungsbereich von der Geometrie der Ebene mit Linie und Punkt auf die Geometrie des Raumes erweitert. Seine Arbeiten brachten ihm vor allem in Frankreich und England Ruhm ein. Mit seinen Veröffentlichungen zur analyti-schen Geometrie kam Plücker aber immer mehr in Konflikt mit der so genannten „Berliner Schule“ um den Mathematiker Jakob Steiner (1796-1863), der eine synthetische Geometrie vertrat. Ihre auf Axiomen und Theoremen beruhende Methode wollte Plückers Ansätze nicht gelten lassen.
Es ist oft vermutet worden, dass die beständige Kritik der „Berliner Schule“ der Grund dafür war, dass Plücker in seinem wissenschaftlichen Streben 1847 eine radikale Kehrtwendung vollzog. Hatte er seit seiner Berufung nach Bonn zwar die pflichtgemäße Physikvorlesung gehalten, sich aber ausschließlich mit Geometrie beschäftigt, so wandte er sich nun ebenso radikal der Physik zu. Seine bis dahin einzige physikalische Arbeit, eine Studie über Licht-wellen, war 1839 in Crelles „Journal für die reine und angewandte Mathematik“ erschienen und widmete sich noch Fragen der Optik, aber erst seit 1847 konzentrierte Plücker seine ganze wissenschaftliche Energie auf die Physik. Er war der erste, der das gleichartige Sätti-gungsverhalten und die Magnetisierungskurven von Kobald und Nickel untersuchte. Damit war er auf dieselbe Forschungsrichtung eingeschwenkt wir Michael Faraday (1791-1867) in England. Parallel zu diesem beobachtete er den Paramagnetismus von Sauerstoff und Was-ser, was zu einem lebenslangen Briefwechsel führte. Wieder zeigte sich, dass Plücker im Ausland weit mehr geschätzt wurde als in Deutschland. Vor allem die Studien zum magneti-schen Verhalten von Kristallen verbanden die beiden. Plückers Interesse richtete sich dann auf die magnetischen Eigenschaften der Gase. Ab 1858 ging er dazu über, zusammen mit seinem Schüler Johann Wilhelm Hittorf (1824-1914) Entladungen von Gasen zu untersu-chen, die der Glasbläser des Bonner Physikalischen Instituts, Heinrich Geißler (1814-1879), in perfekt gebauten Glaszylindern mit je einer Anode und einer Kathode an ihren Enden ein-schließen konnte (so genannte „Geißlersche Röhren“). Diese Untersuchungen ergaben, dass jedes Gas bei Anlegen einer bestimmten Spannung zu einer Entladung gebracht wer-den konnte, die ein je spezifisches Lichtspektrum aufwies. 1865 beschrieben Plücker und Hittorf ihre Forschungsergebnisse in den Publikationen der Royal Society in London. Die Re-sultate waren wegweisend für die künftige Erforschung der Atome und der Entwicklung der Spektralanalyse. Hittorf entdeckte in diesem Zusammenhang kurz nach Plückers Tod 1869
die Kathodenstrahlen, die einen wichtigen Schritt in Richtung auf die Entdeckung der Rönt-genstrahlen bedeuteten.
Ebenso plötzlich, wie Plücker sich der Physik zugewandt hatte, verließ er sie auch wieder. Seit 1863 befasste sich Julius Plücker wieder ausführlich mit Geometrie. Es war das Jahr, in dem sein Widersacher Steiner verstorben war. 1868, im Jahr seines Todes, erschien der ers-te Teil eines Buches über die „Neue Geometrie des Raumes, gegründet auf die Betrachtung der geraden Linie als Raumelement“ (Leipzig 1868). Einen zweiten Band konnte er nicht mehr selber herausbringen, er wurde 1869 von seinem Assistenten Felix Klein (1849-1925) publiziert.
Am 22.5.1868 starb Julius Plücker in Bonn; sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof. Seit Mitte 1867 hatte ihn eine lang andauernde Krankheit gepackt. Seine Ehefrau und sein Sohn pflegten ihn bis an sein Lebensende.
Die Royal Society, in die er 1855 berufen worden war, hatte ihm zwei Jahre vorher die Cop-ley-Medaille verliehen, die nur sehr selten an Ausländer vergeben wird. Die Bayerischen Akademie der Wissenschaften hatte ihn 1859 zu ihrem auswärtigen Mitglied gewählt. Deutschland hat ihm erst nach seinem Tode die Anerkennung zukommen lassen, die ihm so-wohl als Mathematiker als auch als Physiker gebührt. Der Asteroid (29643) Plücker wurde nach ihm benannt. In Bonn und Remscheid tragen Straßen seinen Namen.

Quelle text: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/…/57c95b03ac7dc1.4…



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Schumann   Clara und Robert , 06 2020

Clara und Robert Schumann

 

Robert Schumann ist neben Ludwig van Beethoven der zweite weltberühmte Musiker und Komponist, der den Ruf der Musikstadt Bonn begründet. Seine Frau Clara - ebenfalls eine bekannte Komponistin und berühmte Pianistin - ist mit ihm auf dem Alten Friedhof in einem Ehrengrab beigesetzt.

 

1875 begann der Bildhauer Adolf von Donndorf mit der Arbeit, fünf Jahre später wurde Schumann umgebettet und das Grab enthüllt. An ihn und seine Frau erinnert die knapp zweieinhalb Meter hohe Stele aus carrarischem Architekturmarmor mit einem Porträtmedaillon an der Spitze. Getragen wird es von einem fliegenden Schwan.

 

Musik ist die höhere Potenz der Poesie. (Robert Schumann) 

 

Ab dem Frühjahr 1854 verbrachte Schumann seine letzten Lebensjahre in einer Nervenheilanstalt in Endenich, wo er nach quälender Krankheit am 29. Juli 1856 starb. Robert Schumann ist auf dem Alten Friedhof in Bonn beerdigt und erhielt auf Veranlassung des damaligen Oberbürgermeisters Leopold Kaufmann ein Ehrengrab. Dort wurde auch seine Frau Clara beigesetzt, die 1896, also 40 Jahre nach ihm, verstorben ist. Ein kunstvoller Grabstein wurde rd. 25 Jahre nach dem Tod Robert Schumanns enthüllt.

Exponate im Stadtmuseum Bonn, im Stadtarchiv Bonn sowie vor allem zwei kleine als Gedenkräume eingerichtete Patientenzimmer im Schumannhaus (der früheren Heilanstalt) erinnern an das Musikerehepaar. Seit 1998 würdigt jährlich das Schumannfest das künstlerische Schaffen von Robert und Clara Schumann. Das Stadtmuseum Bonn erinnert mit Veranstaltungen sowie einer Reihe von renommierten Ausstellungen und Publikationen an die beiden Musiker. 2005 wurde das Stadtmuseum Bonn vom Staatsminister für Kultur und Medien mit der Projektleitung des alle nationalen und internationalen Einrichtungen und Veranstalter einschließenden Schumann-Netzwerks beauftragt.

Den Anlass für einen ersten Kontakt Robert Schumanns zu Bonn gab übrigens Ludwig van Beethoven: Schumann unterstützte 1836 mit einem flammenden Appell in der von ihm herausgegebenen "Neuen Zeitschrift für Musik" den Spendenaufruf für das Beethovendenkmal auf dem Bonner Münsterplatz. Sein Versuch, durch die Herausgabe einer eigenen Komposition einen finanziellen Beitrag zu leisten, scheiterte jedoch am Desinteresse des Verlegers und gesundheitliche Gründe hielten Schumann 1845 vom Besuch des ersten Beethovenfestes ab.

 

Adolf Donndorf, ab 1889 von Donndorf, (* 16. Februar 1835 in Weimar; † 20. Dezember 1916 in Stuttgart) war ein deutscher Bildhauer.

 

Donndorf war der Sohn des Tischlermeisters Martin Gottlieb Adolf Donndorf (auch Tonndorf) und der Caroline geb. Bäßler. Adolf Donndorf war 1853 bis 1861 als Schüler Ernst Rietschels in dessen Atelier in Dresden tätig und führte nach dessen Tod gemeinsam mit Gustav Adolph Kietz das Lutherdenkmal für Worms zu Ende. Seine Begabung als Bildhauer wurde bereits am 12. November 1864 mit der Ernennung zum Ehrenmitglied der Dresdner Kunstakademie anerkannt. In der Nachfolge Theodor Wagners war Donndorf von 1876 bis 1910 Professor der Bildhauerei an der Königlichen Kunstschule (ab 1901 Akademie der bildenden Künste) in Stuttgart.

 

Quellen Text:

https://www.bonn.de/bonn-erleben/kunst-kultur/clara-und-robert-schumann.php
https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_von_Donndorf

 

 


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