Besondere    Grabstätten        Dorotheenstädtischer und Französischer Friedhof


Der Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden (kurz: Dorotheenstädtischer Friedhof) liegt im Berliner Ortsteil Mitte (Bezirk Mitte). Er bedeckt eine Fläche von 17.000 Quadratmetern. Der Zugang befindet sich in der Chausseestraße Nummer 126. Zahlreiche bedeutende und prominente Persönlichkeiten haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Durch die Gestaltung ihrer Grabmäler ist der Friedhof auch ein wichtiges Zeugnis für die Berliner Grabmalskunst, besonders des 19. Jahrhunderts. Die Anlage steht vollständig unter Denkmalschutz.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fehlte es in Berlin an ausreichendem Platz für Bestattungen. Die Einwohnerzahl wuchs, noch ungenutzte Flächen waren als Bauland gefragt. Überdies befürchtete die Stadtverwaltung, das Wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft von Gräbern könnte den Ausbruch von Epidemien unterstützen. Daher stellte König Friedrich II., genannt Friedrich der Große, außerhalb der Zollmauer (Akzisemauer) geeignetes Gelände zur Verfügung, vor dem Oranienburger Tor entstanden mehrere Friedhöfe. Der Charité-Friedhof bestand dort bis 1856, der St. Hedwigs-Friedhof bis 1902. Der Französische Friedhof, 1780 für die Berliner Hugenotten unmittelbar neben dem Dorotheenstädtischen Friedhof angelegt, ist bis heute erhalten.

Der Dorotheenstädtische Friedhof selbst wurde 1762 gegründet[3], seit 1770 gab es dort Bestattungen. Dorothea, die zweite Frau des Großen Kurfürsten, hatte einst der nahe gelegenen Dorotheenstadt ihren Namen gegeben. Wie die Dorotheenstädtische Kirche wurde nun auch der zu dieser gehörige Friedhof indirekt nach ihr benannt. Zunächst war er hauptsächlich ein Begräbnisplatz einfacher, oft mittelloser Bürger. Allmählich änderte sich dieser Charakter. Auf dem Gebiet der beiden zugehörigen Kirchengemeinden, Dorotheenstadt und Friedrichswerder, lagen Institutionen wie die Akademie der Künste, die Singakademie, die Bauakademie, die Akademie der Wissenschaften und die Berliner Universität. Viele der dort Beschäftigten wohnten auch in diesem Stadtviertel. Die gesellschaftliche Bedeutung derjenigen, die auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof bestattet wurden, nahm zu, es entstanden zunehmend aufwändig und künstlerisch anspruchsvoll gestaltete Grabmäler.

Zwischen 1814 und 1826 wurde der Friedhof mehrfach vergrößert. 1834 erwarben die Kirchengemeinden zusätzliches Land für Bestattungen in anderen Stadtteilen, die Dorotheenstädtische Gemeinde in Gesundbrunnen in der Liesenstraße (Liesenstraße#Dorotheenstädtischer Friedhof II), die Friedrichswerdersche Gemeinde in der Bergmannstraße in Kreuzberg. Die Gemeinden wurden nach 1945 zusammengelegt, seit 1961 trägt die Friedrichswerdersche Gemeinde die Verantwortung für die gemeinsam genutzten Friedhöfe. Der alte Friedhof musste schon gegen Ende der 1860er Jahre wegen Überbelegung geschlossen werden; nach 1869 durften Bestattungen nur noch auf schon zuvor gekauften Grabstellen durchgeführt werden.

In Zusammenhang mit der Verbreiterung der angrenzenden Hannoverschen Straße wurden 1889 Teile des Friedhofsgeländes verkauft, die dort gelegenen Grabstellen von Hegel, Fichte, Klenze und anderen zu ihren jetzigen Standorten verlagert. Später, nach Einführung der Feuerbestattung, erwies sich der Friedhof trotz der reduzierten Fläche als ausreichend groß, 1921 wurde er für neue Bestattungen freigegeben. Im Zweiten Weltkrieg erlitten die umliegenden Wohnviertel starke Zerstörungen, auch der Dorotheenstädtische Friedhof war betroffen. In den 1960er Jahren erwog der Ost-Berliner Magistrat seine Umwandlung in eine Grünanlage.

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedhof_der_Dorotheenst%C3%A4dtischen_und_Friedrichswerderschen_Gemeinden


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Borsig Johann Friedrich August,   10 2020

Johann Friedrich August Borsig (* 23. Juni 1804 in Breslau; † 6. Juli 1854 in Berlin) war ein bedeutender deutscher Unternehmer. Ergründete 1837 die Borsigwerke in Berlin.

Borsig absolvierte eine Lehre als Zimmermann und lernte währenddessen an der Kunst- und Bauhandwerksschule in Breslau. Danach besuchte er das Königliche Gewerbeinstitut in Berlin unter Leitung von Peter Christian Wilhelm Beuth. Die Ausbildung dort brach er nach anderthalb Jahren ab. Im September 1825 bewarb er sich für eine Maschinenbau-Ausbildung bei der Neuen Berliner Eisengießerei von Franz Anton Egells. Borsigs Zeugnisse bescheinigten ihm, er habe in Chemie versagt und sei als Techniker kaum zu gebrauchen; darüber hinaus war er auch beim Militär als dienstuntauglich ausgemustertworden. Dennoch stellte Egells ihn ein. Einer seiner ersten Aufträge war der Zusammenbau einer Dampfmaschine in Waldenburg in Niederschlesien. Borsig führte den Auftrag erfolgreich aus und erwarb sich damit die Anstellung (Dienstvertrag am 1. Juli 1827) als Faktor (Betriebsleiter) für acht Jahre zu für damalige Verhältnisse äußerst günstigen Bedingungen mit einem jährlichen Gehalt von 300Talern. 1828 heiratete er Louise Pahl, die ein Jahr später deren einzigem Sohn Albert das Leben schenkte.

1836 legte Borsig seine Ersparnisse in ein Grundstück an der Chausseestraße vor dem Oranienburger Tor an und gründete auf dem seiner alten Firma benachbarten Gelände eine eigene Maschinenbauanstalt (Genehmigung durch das Königliche Polizeipräsidium für den Bau eines Hüttengebäudes auf dem erworbenen Grund am Oranienburger Tor vom 7. Oktober 1836). Das Gründungsdatum wird auf den 22. Juli 1837 festgelegt – dem Tag, an dem der erste Guss (gusseiserne Schienenstühle) für den Bau der Eisenbahn Berlin–Potsdam in der Gießerei gelang.

In der Anfangszeit baute Borsig Dampfmaschinen für den eigenen Bedarf und Maschinen für andere Unternehmen, daneben Kunst- und Baugussteile, doch schon bald begann sich der Schwerpunkt auf den Lokomotivbau zu verlagern. Die erste Lok absolvierte am 24. Juli 1841 ihre Jungfernfahrt und wurde am 24. August 1841 von der Berlin-Anhaltischen Eisenbahn-Gesellschaft übernommen. Nach einem misslungenen Versuch 1816–1817 mit den beiden Dampfwagen der Königlichen Eisengießerei Berlin und der Dampflokomotive von Ludwig Kufahl (1840 ausgeliefert) war dies erst die vierte in Deutschland gebaute und die zweite hier konstruierte Lokomotive. Am Bau beteiligt war auch Friedrich Wöhlert (1797–1877), Borsigs Werkmeister und Freund aus der Zeit bei Egell.

1842 wurden acht und 1843 zehn bestellte Dampflokomotiven nach amerikanischen Vorbildern für die preußischen Bahnen fertiggestellt, und 1844 stellte Borsig auf der Berliner Industrieausstellung schon seine 24. Lokomotive, die Beuth aus. Am 15. August 1843 zog zur Eröffnung der neuen Eisenbahnstrecke Berlin–Stettin ein Borsig Fabrikat den preußische König Friedrich Wilhelm IV. und dessen Gefolge.

Borsigs Unternehmen vergrößerte sich schnell, da überall in Deutschland neue Schienenwege verlegt wurden. 1847 wurde mit dem Bau des Eisenwerks Moabit begonnen, welches 1849 in Betrieb ging. 1850 wurde die Maschinenbauanstalt und Eisengießerei in der Moabiter Kirchstraße hinzugekauft. Die drei Berliner Betriebe beschäftigten bereits 1800 Mann, was zur damaligen Zeit ein Großunternehmen war.

Borsig hatte sich Ende der 1840er Jahre schon einen Namen gemacht, so dass auch die Wirtschaftskrise von 1848 bis 1852 dem Unternehmen nicht viel anhaben konnte. Die 500. Dampflokomotive wurde 1854 ausgeliefert, anlässlich der zugehörigen Feier wurde Borsig zum Geheimen Kommerzienrat ernannt. Kurz danach starb er überraschend, wenige Tage nach seinem 50. Geburtstag, an einem Schlaganfall. Sein Sohn Albert übernahm die Geschäfte. 1854 gründete er die direkt an der Strecke der Köln-Mindener Eisenbahn gelegene Maschinenfabrik Deutschland in Dortmund mit.

 

Anlässlich der Fertigstellung der 1000. Lokomotive vom Typ Borussia fand am 21. August 1858 wiederum ein großes Fest mit vielen prominenten Gästen statt, darunter auch Alexander von Humboldt. Zu dieser Zeit hatte das Unternehmen schon 2800 Arbeiter. Auch in der Folgezeit expandierte das Unternehmen weiter. 1862 wurde ein Teil der Produktion nach Schlesien, und zwar nach Nieder- (z. B. Breslau/Wrocław) und Oberschlesien (z. B. Biskupitz/Biskupice, heute Stadtteil von Hindenburg/Zabrze), verlegt, und 1872 war das Unternehmen Borsig in Europa der größte und nach den Baldwin LocomotiveWorks in den USA weltweit der zweitgrößte Lokomotivenlieferant.

Borsig richtete für seine Arbeiter eine Krankenkasse, eine Sterbekasse und eine Sparkasse ein. Es gab einen Unterrichtsraum, einen Speiseraum und ein Schwimmbecken.

Ab 1876 wurden auch Dampftriebwagen hergestellt, ab 1880 nach Lizenz Rowan, die gemeinsam mit der französischen Société Franco-Belge de Matériel de Chemins de Fer erworben wurde. Bis 1891 entstanden bei beiden Unternehmen etwa 85 drei- und vierachsige Rowan-Straßen- und Nebenbahnen. Der erste dieser Triebwagen war ein Doppelstöcker mit vier Achsen für 98 Passagiere, davon 8 in der ersten, 30 in der zweiten und 60 in der drittenKlasse im offenen Oberstock.

Im April 1878 starb Albert Borsig im Alter von 49 Jahren an Herzversagen. Damit endete das wohl erfolgreichste Kapitel Borsigscher Tätigkeit. Das Unternehmen wurde danach von einem Kuratorium anstelle von Alberts noch minderjährigen Söhnen (Ernst Borsig, Arnold Borsig und Conrad von Borsig) geleitet, die erst 1894 die Firmenleitung übernehmen konnten.

Im Jahr 1898 wurde ein neues Werk in Tegel eingeweiht, das sowohl zu Wasser als auch per Schiene zu erreichen war. In diesem neuen Werk wurden neben Dampfmaschinen und Lokomotiven auch Kältemaschinen, Schiffsdampfmaschinen und Dampfpflüge gefertigt. Um seine Dampfmaschinen zu verbessern, arbeitete Borsig auch mit anderen Unternehmen wie beispielsweise Adolf Wagener aus Küstrin zusammen. Ab 1900 lieferte Borsig auch in großem Umfang schmalspurige Werkbahnlokomotiven, Druckluft- und Straßenbahnlokomotiven. Im Jahr 1902 wurde die 5000. Lokomotive hergestellt, die Stettin 41, eine Lok der Gattung Preußische S 3.

1908 wurde von Borsig die weltweit erste Kunsteislaufbahn für den Berliner Sportpalast gebaut.

1918 lieferte Borsig die 10.000. Lokomotive aus.

Quelle Text und Beispielbilder (Portrait, Fabrik, Lokomotive Beuth) : https://de.wikipedia.org/wiki/August_Borsig und https://de.wikipedia.org/wiki/Borsig_(Unternehmen)


Bendel Franz,   10 2020

Franz Bendel (* 23. März 1833 in Schönlinde, Böhmen; † 3. Juli 1874 in Berlin) war ein österreichischer Klaviervirtuose und Komponist.

 

Franz Bendel war der Sohn eines Volksschullehrers. Nach ersten künstlerischen Unterweisungen durch seinen Vater wurde er Schüler von Josef Proksch. Durch seinen Lehrer, der ihn sehr förderte, kam Bendel später zu Franz Liszt nach Weimar, wo er auch Wendelin Weißheimer kennenlernte.

 

1848 wurde Bendel von Graf Otto von Westphal als Haus- und Musiklehrer engagiert. Dieses Amt hatte er 14 Jahre inne. Anlässlich der Cäcilienfeier 1855 in Prag wurde von seinem Lehrer Proksch eine Messe von Bendel aufgeführt. 1862 ließ Bendel sich in Berlin nieder und wurde dort Dozent an der Neuen Akademie der Tonkunst. Dort lebte und arbeitete er bis zu seinem Tode, nur unterbrochen von mehreren kleinen Konzertreisen, wie 1863 nach Prag, die in der Presse lobend erwähnt wurden.

 

Als ausübender wie als schaffender Künstler verfolgte Bendel die Richtung auf das Ernste und Gediegene, und auch seine zahlreichen, von bestem Erfolg begleiteten Kunstreisen (die letzte führte ihn sogar gelegentlich des Bostoner Musikfestes nach Amerika) vermochten der Idealität seines Strebens keinen Abbruch zu tun. Von seinen Kompositionen, darunter vier Messen, Sinfonien und andere größere Arbeiten, haben namentlich die im Salonstil gehaltenen Klavierwerke und zahlreiche Lieder weite Verbreitung gefunden.

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Bendel


Brecht Bertolt,   10 2020

Bertolt Brecht
Schriftsteller und Regisseur, war einer der bedeutendsten Autoren der Arbeiterliteratur zur Zeit der Weimarer Republik, einer der wichtigsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit und einer der einflussreichsten deutschen Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Sein Gesamtwerk umfasst mehr als 30 Theaterstücke, über 2500 Gedichte und Lieder, drei Romane, mehrere Dramen- und Romanfragmente sowie über 150 Prosaarbeiten, dazu Tagebücher und Briefe.

Er gilt als Begründer des sogenannten „Epischen Theaters“.
Eugen Bertolt Brecht wurde am 10. Februar 1898 als Sohn des kaufmännischen Angestellten Bertolt Brecht und dessen Frau Sophie, geb. Brezing, in Augsburg geboren.

Erste Publikationen erschienen von Brecht 1913 in der Schülerzeitschrift „Die Ernte“. Ab 1914 wurden Gedichte, Erzählungen, Rezensionen und Aufsätze im „Erzähler“, der literarischen Beilage der „Augsburger Neuesten Nachrichten“ und in der „ Münchner-Augsburger-Abendzeitung“ veröffentlicht.

Im Jahre 1916 machte Brecht die Bekanntschaft mit Paula Banholzer und heiratete sie. Mit ihr hatte er einen Sohn, aber die Ehe hielt nicht lange.
Wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges legte Brecht im Jahre 1917 ein Notabitur ab und wurde noch im selben Jahr an der Universität München immatrikuliert, um Medizin und Naturwissenschaften zu studieren. Allerdings studierte er nie ernsthaft, vielmehr wollte er literarisch arbeiten.
Im Oktober 1918 wurde er als Lazarettsoldat eingezogen. Nur wenig später, im November, wurde er Mitglied des Augsburger Arbeiter- und Soldatenrates.
1922 fand die Uraufführung seines kritisch-engagierten, linksorientierten Stückes „Trommeln in der Nacht" in München statt und die Buchausgabe seines ersten Dramas „Baal“ erschien. Letzteres lag bereits zwei Jahre vor, wurde aber vom Verlag nicht gedruckt, weil ein Verbot befürchtet wurde. Während der Uraufführung der Komödie „Trommeln in der Nacht“ lernte Brecht, Helene Weigel kennen.

Am 3. November 1922 heiratete Brecht die Opernsängerin Marianne Zoff. Eine Tochter wurde geboren. 1924 siedelte er nach Berlin über, wo er zusammen mit Carl Zuckmayer als Dramaturg für Max Reinhardt am „Deutschen Theater“ arbeitete. Auch andere Bekanntschaften und Freundschaften nahmen in Berlin ihren Anfang, so mit dem Theaterautor Arnolt Bronnen, dem Autorkollegen Lion Feuchtwanger, der lebenslangen Mitarbeiterin Elisabeth Hauptmann oder dem Komponisten Kurt Weill.
Ab dem Jahre 1926 wandte sich Brecht verstärkt dem Marxismus zu. Er war auf der Suche nach einer Theorie, die das Verständnis an der Gesellschaft und der Kritik an ihr begründen sollte. In sogenannten Lehrstücken erläuterte er auf der Grundlage des Marxismus die in Deutschland herrschenden Missstände. Er sympathisierte zwar mit den revolutionären Zielen der Kommunisten und stand in Kontakt mit bedeutenden sozialistischen Theoretikern, Intellektuellen und Künstlern, trat aber Zeit seines Lebens nie in die kommunistische Partei ein.

Am 3. November 1926 wurde der Sohn von Brecht und Weigel geboren. Ein Jahr später erfolgte die Scheidung von seiner Frau. So hatte er im Alter von 28 Jahren drei Kinder von drei verschiedenen Frauen: Frank mit Paula Banholzer, Hanne mit Marianne Zoff und Stefan mit Helene Weigel.
Mit großem Erfolg wurde 1928 die mit Kurt Weill bearbeitete „Beggar´s Opera“ als „Dreigroschenoper“ im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin uraufgeführt. Die „Dreigroschenoper“, die Brecht zu großer Anerkennung verhalf, wird als erstes Stück einer als „episches Theater“ bezeichneten, von Brecht als Gegenstück zum klassischen aristotelischen Drama neu entwickelten Theaterform angesehen. Brecht strebte nicht mehr die völlige Identifikation des Zuschauers mit den Helden seiner Stücke, sondern eine kritische Distanz an. Dies versuchte er durch einen Verfremdungseffekt („V-Effekt“) zu erreichen (z. B. durch Aneinanderreihung von Bildern anstelle einer geschlossenen Entwicklungshandlung oder durch Anreden der Schauspieler an das Publikum).

1929, am 10. April, heiratete er Helene Weigel. Eine Tochter wurde 1929 als zweites Kind geboren.
Die 1930 in Leipzig uraufgeführte Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ wurde zu einem Theaterskandal. Im selben Jahr wurde der Film „Die Dreigroschenoper“ gezeigt. Brecht arbeitete bereits am Drehbuch für den, die Probleme des Proletariats zeigenden Film „Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?“. 1932 verbot die Filmprüfstelle Berlin diesen Film wegen kommunistischer Agitation. Nach großen öffentlichen Protesten kam es aber im selben Jahr zur Uraufführung einer abgeänderten Fassung.

Einen Tag nach dem Reichstagsbrand, am 28. Februar, 1933 verließ Brecht zusammen mit seiner Familie Deutschland, um ins Exil zu gehen. Er emigrierte über Prag und Wien in die Schweiz und später nach Dänemark.

In dieser Zeit wurde Brecht zu einem wichtigen Autor von sozialistischer, aber gleichzeitig experimenteller Exilliteratur. Den sozialistischen Realismus lehnte er als Einschränkung seiner literarischen Möglichkeiten ab. In seiner Zeit im Exil entstanden viele, dem antifaschistischen Kampf gewidmete Gedichte. Eine enge Zusammenarbeit ergab sich mit Hanns Eisler und Walter Benjamin.

1935 wurde Brecht die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Er nahm am Ersten Internationalen Schriftstellerkongress in Paris teil.
Am 16. Oktober 1937 wurde die Erzählung „Die Gewehre der Frau Carrar“, mit Helene Weigel in der Hauptrolle, uraufgeführt.
In den Jahren 1939 bis 1941 war die Familie ständig auf der Flucht. Wegen der drohenden Kriegsgefahr verließ sie erst Dänemark Richtung Schweden und als auch Schweden nicht mehr sicher war, emigrierte sie über Finnland in die USA. Dort traf Brecht mit vielen emigrierten Intellektuellen zusammen. Er wurde Mitglied beim „Council for a Democratic Germany“. 1943 fiel sein Sohn aus erster Ehe als deutscher Soldat an der Ostfront.
1945 änderte Brecht die Konzeption für sein Werk „Galileo Galilei“. Ursache dafür war der Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki durch die USA. Es war nicht das erste und nicht das letzte Mal, dass er die Konzeption änderte. In der ersten, der dänischen Fassung, stellte Galilei den unabhängigen Wissenschaftler dar, in der zweiten, der amerikanischen Fassung, wird sein Forschertum durch politisches Versagen zu einem rücksichtslosen Laster und in der dritten, der Berliner Fassung von 1956, beklagt Galilei seine Verantwortungslosigkeit.

Nach der Uraufführung im amerikanischen Beverly Hills erhielt Brecht eine Vorladung vor das Komitee für unamerikanische Tätigkeit in Washington. Kurz danach verließ er Amerika und kehrte in die Schweiz zurück. In Zürich wurde am 11. Januar 1949 die Antikriegsdichtung „Mutter Courage und ihre Kinder“ uraufgeführt. Wieder spielte Helene Weigel die Hauptrolle. Im selben Jahr erfolgte die Übersiedlung nach Ost-Berlin, wo bereits am 12. November das „Berliner Ensemble“ mit der Aufführung von „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ seine Arbeit begann. Brecht leitete als erster die künstlerische Arbeit des „Berliner Ensembles“, das er 1949 gründete und das noch heute im „Theater am Schiffbauerdamm“ residiert, das Brecht 1954 als eigenes Schauspielhaus erhielt.

Zu den beeindruckendsten kleinen Werken seiner Buckower Zeit gehört „Der Rauch“ (Audio 1). Dieses Gedicht aus den „Buckower Elegien“ hat einen profanen Hintergrund: Der Rauch war ein Signal: Er zeigte die Anwesenheit der Schauspielerin Käthe Reichel an, die damals in einem kleinen Haus am See in Buckow wohnte.
1950 nahm Brecht an der Gründung der Deutschen Akademie der Künste teil und wurde 1954 ihr Vizepräsident. 1956 nahm er am VI. Deutschen Schriftstellerkongress teil und starb im August im Alter von nur 58 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes. Noch auf dem Totenbett diktierte er:

„Schreiben Sie, dass ich unbequem war und es auch nach meinem Tod zu bleiben gedenke."

Quelle Text: https://www.lernhelfer.de/…/deutsch-…/artikel/bertolt-brecht#

 


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Devrient Ludwig,   10 2020

Ludwig Devrient (1784-1832) Verehrer errichteten ihm ein Grabmal: eine gusseiserne Stele, bekrönt von einer antiken Henkelvase und mit Reliefs an beiden Seiten: Masken der Komödie und Tragödie, Narrenzepter und Schwert. Devrients Geburtshaus stand in Berlin (in der Brüderstraße), seine Mutter starb, als er auf die Welt kam und sein Vater, der wohlhabende Seidenhändler Philipp Devrient, kam über diesen Verlust nie hinweg und ließ es seinen Sohn spüren. So wurde Louis, der sich später Ludwig nannte, in der Familie ein Außenseiter, ein widerspenstiges und verschlossenes Kind. Da seine schulischen Leistungen für ein Studium nicht ausreichten, musste er als Lehrling in das väterliche Geschäft eintreten, wozu er überhaupt keine Lust hatte. Denn seitdem er im Theater Fleck und Iffland gesehen hatte, träumte er davon Schauspieler zu werden. Um seinen Traum zu verwirklichen, musste er mit seiner Familie brechen und die materielle Sicherheit gegen das armselige Leben eines Wanderschauspielers tauschen. Sein erstes richtiges Engagement bekam er in Dessau. Da war er 21 Jahre alt und hatte trotz seiner Jugend schon viel gelesen, vor allem Shakespeare. Nur war Dessau nicht der richtige Ort für seinen künstlerischen Ehrgeiz und als er erfuhr, dass man in Breslau Schauspieler sucht, floh er (im Februar 1809) bei Nacht und Nebel aus Dessau. Für sein Debüt in Breslau wählte Devrient den Franz Moor und kümmerte sich weder um die Tradition noch um Schillers Regieanweisungen. Anstatt, wie üblich, schon durch Kostüm und Schminke den notorischen Bösewicht und schaurigen Intriganten zu markieren, stellte er einen honorigen Aristokraten auf die Bretter, irritierte anfangs das Publikum, triumphierte jedoch mit seiner unkonventionellen Rollenauffassung. In Breslau spielte er auch seine erste große Shakespeare-Rolle: nicht etwa (was man von einem jungen Schauspieler erwarten würde), den Hamlet, sondern den König Lear. Aber er spielte ihn nicht, er war der Lear, war der wahnsinnig gewordene Greis und brach an manchen Abenden unter Krämpfen auf der Bühne zusammen. Da Devrient sich völlig mit den Leiden und Untergängen seiner Figuren identifizierte, kam er auch im wirklichen Leben nicht von ihnen los. Um sich zu entspannen, trank er Unmengen von Alkohol, wodurch er Gesundheit und Schaffenskraft ruinierte. Er war erst 30 Jahre alt, als er nach Berlin kam, aber schon nicht mehr auf der Höhe seiner Kunst. In Breslau hatte er beachtliche Schulden gemacht und deshalb bei den Vertragsverhandlungen hoch gepokert. Schließlich wurde seine enormen finanziellen Forderungen erfüllt, aber er musste sich im Gegenzug dazu vertraglich verpflichten, alle Rollen zu spielen, die man ihm anbieten würde. Eine Vereinbarung, die sich als verhängnisvoll erweisen sollte, denn der Reichsgraf Brühl, Ifflands Nachfolger, hatte bald erkannt, dass dieser Schauspieler ihm mehr Einnahmen bringen würde als das ganze Ensemble zusammen – allerdings nur, wenn er in Possen und Lustspielen auftrat. Devrients geniale Schöpfungen, Franz Moor, Lear und Shylock, brachten dagegen deutlich weniger in die Kasse, denn das Berliner Publikum verlangte nach den schweren Jahren der französischen Besatzung und der Befreiungskriege nach unbeschwerter Unterhaltung. Auch der König fand, es gäbe im Leben schon genug Tragödien und wollte sich im Theater vor allem amüsieren. Zwar soll Preußens Staatskanzler von Hardenberg zu Brühl gesagt haben: „Machen Sie das beste Theater in Deutschland und danach sagen Sie mir, was es kostet.“ Aber in Wirklichkeit durften die königlichen Finanzen nicht allzu sehr belastet werden. So kam es, dass Ludwig Devrient in Berlin nur wenige Rollen spielte, die seinem großen schauspielerischen Können entsprachen und zum Komiker wider Willen wurde. Devrient war auf der Bühne zu Hause, im bürgerlichen Leben fand er sich nicht zurecht. Um mit seinen Gedanken, sprich: mit seinen Rollen allein sein zu können, ging er den Menschen aus dem Wege. Sein einziger Freund in Berlin war sein Wohnungsnachbar, der Dichter und Kammergerichtsrat Ernst Theodor Amadeus Hoffmann. Die beiden seelenverwandten Künstler durchzechten die Nächte im Weinhaus Lutter & Wegner und befeuerten sich gegenseitig mit ihren Geschichten und Phantasien. Hoffmann warnte Devrient eindringlich davor, seine Kunst noch länger missbrauchen zu lassen, doch der unterwarf sich weiter dem Regime des Grafen Brühl, der sich immer sehr großzügig zeigte, wenn es darum ging, seine Schulden zu begleichen. Am Ende waren nur noch die Ruinen seiner großen Schauspielkunst zu sehen. Am 1. Dezember 1832 (in Cumberlands populärem Rührstück Der Jude) jubelte ihm das Publikum noch einmal zu, trotz seiner Schwächen und Vergesslichkeiten, denn alle spürten, es würde sein letzter Auftritt sein. Text: Gerold Ducke Auszug aus ihrem Vortrag „Friedhof der Schauspieler“, gehalten Im Rahmen der Vortragsreihe des Vereins für die Geschichte Berlins am 3. September 2014 Quelle: https://www.diegeschichteberlins.de/geschichteberlins/persoenlichkeiten/persoenlichkeiteag/471-devrient.html

 


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Überschrift,   10 2020

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Hoffmann  Friedrich Eduard,   10 2020

Friedrich Eduard Hoffmann
Aufgrund der „biedermeierlichen Buntheit“ gehört die Grabstätte Hoffmann zu den herausragenden Gräbern des Dorotheenstädtischen Friedhofs. Sie ist vermutlich beim Tode der Ehefrau, Bertha Luise Amalie geb. Flügel 1875 angelegt worden. Erworben und erstmalig belegt wurde die Grabstätte jedoch schon vorher, denn bei einer Scharlach-Epidemie im Jahr 1856 verstarben vier Kinder des Ehepaars. Die Geburtsdaten der Kinder erzählen eine Tragödie, 4 von 6 Kindern innerhalb weniger Tage gestorben, Hans das jüngste Kind war noch nicht mal 1 Jahr alt.
Scharlach, der Kindstod, konnte erst sehr spät durch Penicillin geheilt werden. Erst im 2. Weltkrieg entwickelten die Amerikaner ein Verfahren, Penicillin in großen Mengen herzustellen.
Hoffmann, der als Baumeister des modernen Ziegeleiwesens, als Ringofenerfinder und Nestor der deutschen Ziegelindustrie gilt, ist in Gröningen bei Halberstadt geboren. Seine Karriere hat er 1845 beim Bau und Betrieb der Berlin-Hamburger Eisenbahn begonnen. Später wechselte er zur keramischen Industrie und entwickelte den Ringbrennofen, der die Baumaterialienindustrie revolutionieren sollte. Kurze Zeit später gründete Hoffmann den „Deutschen Verein für die Fabrikation von Ziegeln, Tonwaren, Kalk und Zement“, und es gelang ihm 1870 die königliche Prüfanstalt für Baumaterialien durch den preußischen Staat einrichten zu lassen. 1867 erhielt Hoffmann auf der Pariser Weltausstellung den Grand Prix für die Erfindung seines Ringofens. Seit 1868 war er Mitherausgeber der „Deutschen Töpfer- und Zieglerzeitung“. Hoffmann war also nicht nur Baumeister, sondern auch bahnbrechender Ingenieur und Wissenschaftler und ein höchst erfolgreicher Unternehmer. Mit dem Titel eines Königlichen Baurats und mit hohen Orden ausgezeichnet, verstarb Friedrich Eduard Hoffmann im Alter von 82 Jahren und wurde in der Familiengrabstätte beigesetzt.
Der Entwurf des in Farbe und Material auffallenden, im Stil der italienischen Hochrenaissance gestalteten Grabmals stammt vermutlich vom Architekten Friedrich Hitzig. Die Christusfigur in der zentralen Rundbogennische ist eine Kopie der Statue, die Bertel Thorvaldsen schuf. Die klassischen Formelemente der aufwendigen Grabmalarchitektur – Pfeiler, Pilaster, Kapitelle und Dreiecksgiebel – verband Hitzig mit farbigen Schmuckelementen aus Terrakotta und schuf so eine sehr spezielle Grabanlage. Das außergewöhnliche farbige keramische Material des Grabdenkmals entstand womöglich in einem schlesischen Zweigwerk Hoffmanns, andere vermuten in der bekannten Tonwarenfabrik Ernst March in Charlottenburg. Das erst in den 1960er Jahren verloren gegangene aufwendig gestaltete schmiedeeiserne Gitter konnte auf Veranlassung des im Ziegeleipark Mildenberg/ Zehdenick gegründeten Fördervereins „Friedrich Hoffmann“ durch die Gartendenkmalpflege rekonstruiert und 2013 wieder angebracht werden.
(Psalm 91 V. 14 – 16.) auf der Inschrift von Friedrich Eduard Hoffmann
„Er begehrt mein, so will ich ihm aushelfen; er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen; er rufet mich an, so will ich ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Not; ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen. Ich will ihn sättigen mit langem Leben und ihm zeigen mein Heil.“
Quelle Text teilweise: https://www.wo-sie-ruhen.de/friedhoefe?stadt=1&friedhof=10

 


Hossauer  Johann George,   10 2020

Johann George Hossauer

 

Zu den herausragenden Gold- und Silberschmieden des 19. Jahrhunderts, die die Berliner Edelmetallverarbeitung in starkem Maße belebten, gehört ohne Zweifel der in Berlin geborene Johann George Hossauer. Er erlernte ursprünglich den Klempner-Beruf, bildete sich jedoch durch die Vermittlung Peter Beuths in Paris weiter. Dort konnte er die Methode der Herstellung leichter Metallwaren, aber auch die Kunst des Versilberns und Plattierens studieren. Bei einem Besuch Friedrich Wilhelm III. in Paris im Jahr 1818 wurde der preußische König auf ihn aufmerksam und Hossauer folgte schließlich dem königlichen Ruf nach Berlin. Schon 1826 wurde er Hofgoldschmied und durfte sich „Goldschmied des Königs“ nennen.

 

Als anspruchsvoller Künstler wurde Hossauer vor allem in der Zusammenarbeit mit Karl Friedrich Schinkel bekannt. Er bekam die Gelegenheit, unter anderem Tafelsilber und Service, auch im „englischen Geschmack“, nach Schinkelschen Entwürfen anzufertigen. 1827 beteiligte er sich an Versuchen zu Nielloarbeiten, entwickelte unter anderem eine neuartige Prägemaschine für große metallene Oberflächen, parabolische Hohlspiegel für Leuchttürme, neue Kupfer-Nickel-Legierungen und 1842 gelang ihm die Technik der galvanischen Vergoldung und Versilberung. Die von ihm entwickelte Galvanoplastik wurde dann unter anderem für die Fertigung von dekorativem Schmuck bei Grabdenkmalen, so bei trauernden Genien und weiteren allegorischen Gestalten, aber auch bei Fruchtgehängen oder Engeln angewandt. Da diese Technik ungleich preisgünstiger ist als Metallvoll- oder Hohlgüsse, konnte sich die Galvanoplastik schnell zu einer einzigartigen Massenproduktion ausweiten.

 

Die für ihn und seine Familie entworfenen drei kunstgeschichtlich bedeutenden antikisierenden Marmorstelen, deren Aufsätze von je einem Palmettenakroterion mit einer allegorischen Figur im Zentrum gebildet werden, folgen dem von Karl Friedrich Schinkel entworfenen Grabmal-Typus. Schon für das Grab von Sigismund Friedrich Hermbstädt (1760-1833) – ordentlicher Professor an der Berliner Universität und Forscher auf den Gebieten der Chemie und Pharmazie – hat Schinkel erstmalig diesen Grabmaltyp, einige Gräber weiter am selben Weg stehend, im Auftrag des Vereins für Gewerbefleiß entworfen. Nicht zuletzt Schinkels eigenes Grab, an der großen Birkenallee des Dorotheenstädtischen Friedhofs gelegen, sollte dann auch diesem streng klassizistischen Grabmaltypus folgen.

 

Text: Klaus-Henning von Krosigk

Quelle Text: http://stiftung-historische-friedhoefe.de/johann-george-hossauer/


I


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Jacobi,   10 2020

Im Süddeutschen und in einigen Nachbarländern findet man diese gusseisernen Kreuze noch recht häufig, in unseren Regionen sind sie leider zur Rarität geworden. Obwohl sie technisch nichts Besonderes sind und meist industriell gefertigt wurden, spiegeln sie die Sepulkralkultur aus einer anderen Zeit wider. Leider sind viele diese wunderbaren Kreuze verfallen oder wurden in den Kriegen für Rüstungszwecke eingeschmolzen.
Vier hohe, erst 1992/93 restaurierte Eisenkreuze mit durchbrochenen Endungen des Kreuzbalkens und -Stamms fallen ins Auge. Sie stehen auf Sandsteinsockeln. Die Inschriften besagen, dass dort Louise Charlotte Friederike Jacobi (1812 bis 1865), Isabella Caroline Friederike Jacobi (1814 bis 1864), die Wirkliche Geheime Kriegsrätin Maria Friederike Jacobi geb. Andrée (1789 bis 18SS) und der Hofrat im Königlichen Ministerium des Inneren, Josef Adolf Eduard Friedländer 1788 bis 1840), »betrauert von seiner hinterbliebenen, nunmehr ganz elternlosen einzigen Tochter Antonie«. bestattet sind. Die Kreuze für die drei Frauen sind in den Winkeln von Kreuzstamm und -Balken mit Strahlenbündeln geschmückt. Am oberen Ende des Kreuzstammes für Isabella Caroline Friederike Jacobi finden wir als christliche Insignien Kreuz, flammendes Herz, Anker und Kranz sowie an seinem unteren Ende die Abbildung eines weiblichen Genius, dessen rechter Arm auf einer Urne auf hohem Sockel ruht. An den übrigen Kreuzen sind nur noch Reste oder Andeutungen solcher Dekorteile vorhanden.
Quelle teilweise: Der Dorotheenstädtische Friedhof: die Begräbnisstätten an der Berliner Chausseestraße, von Alfred Etzold, Wolfgang Türk

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Luther Martin,   10 2020

Liebe Freunde von Orte der Stille, die Martin Luther Statue auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin, ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen natürlich Martin Luther selber, dann die Geschichte wie sie auf den Friedhof gelangt ist und die Bildhauerarbeit von dem bedeutendsten Bildhauer des deutschen Klassizismus, Johann Gottfried Schadow. Aber lest selber 😉
Geschichte der Martin Luther Statue
In den 1860er Jahren wurde die barocke Dorotheenstädtische Kirche oberirdisch durch einen Neubau ersetzt, der 1904 umgebaut und in der Folgezeit vielfach neue Ausstattungsstücke und Ausstattungen erhielt, etwa eine neue Chorausmalung, eine von Ernst Waegener geschaffene bronzene Jubiläumstafel anlässlich der Gründungsfeierlichkeiten 1912 und eben 1909 eine Marmorausführung nach Johann Gottfried Schadows 1821 in Wittenberg auf dem Marktplatz enthüllten Lutherstandbild aus Bronze, geschaffen von Ernst Waegener. Die Lutherfigur wurde gesockelt rechts vor dem Triumphbogen zum Chor vor der geschlossenen Wand aufgestellt. Bei der Beschädigung der Kirche im Zweiten Weltkrieg blieben einige Ausstattungsstücke erhalten, da sie - teilweise zumindest - durch Abdeckungen geschützt worden waren. Bevor die Dorotheenstädtische Kirche in der Nachkriegszeit abgerissen wurde, konnten die erhaltenen Ausstattungsstücke geborgen und deponiert werden, darunter das Grabdenkmal für den Markgrafen Alexander von der Mark von Johann Gottfried Schadow (heute Alte Nationalgalerie Berlin, Museumsinsel), ein Teil der neubarocken Jubiläumstafel von 1912 von Waegener (heute Berlin, Privatbesitz) und das Lutherdenkmal von Waegener nach Schadow. Aus dem Depot gelangte das Lutherdenkmal 1974 auf den Alten Dorotheenstädtischen Friedhof, wo es 1975 seinen heutigen Platz an der Ostseite des Mausoleums der Familie Otto Stargardt westlich des Vorplatzes der 1927-1928 errichteten und 2015 mit einer bedeutenden Lichtkunstinstallation von James Turell (realisiert durch das Planungsbüro von Perdo Moreira und Nina Nedelykov) neu gestalteten Trauerkapelle erhielt. Anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 konnte in der Nähe zum Lutherdenkmal ein Apfelbäumchen der Hochstamm-Sorte "Martin Luther" - einer von 95 im Reformationsjahr 2017 an verschiedenen Orten in die Erde gebrachten Bäumen - gepflanzt werden (Jörg Kuhn).
Martin Luther (* 10. November 1483 in Eisleben, Grafschaft Mansfeld; † 18. Februar 1546 ebenda), ein Augustinermönch und Theologieprofessor, war der Initiator der Reformation. Er fand in Gottes Gnadenzusage und der Rechtfertigung durch Jesus Christus allein das Wesen des christlichen Glaubens. Auf dieser Basis wollte er damalige Fehlentwicklungen der Römisch-katholischen Kirche beseitigen und sie in ihrer ursprünglichen evangelischen Gestalt wiederherstellen („re-formieren“). Entgegen Luthers Absicht kam es zu einer Kirchenspaltung, aus der evangelisch-lutherische Kirchen und im Lauf der Reformation weitere Konfessionen des Protestantismus entstanden. Die Lutherbibel, Luthers Theologie und Kirchenpolitik trugen zu tiefgreifenden Veränderungen der europäischen Gesellschaft und Kultur in der frühen Neuzeit bei.
Johann Gottfried Schadow
Johann Gottfried Schadow (* 20. Mai 1764 in Berlin; † 27. Januar 1850 ebenda) war ein preußischer Grafiker und der bedeutendste Bildhauer des deutschen Klassizismus. Seine Hauptwerke sind das Grabmal des Grafen von der Mark (1790), die Quadriga auf dem Brandenburger Tor (1793) und die Prinzessinnengruppe, das Doppelstandbild der Prinzessinnen Friederike und Luise von Mecklenburg-Strelitz (1797). Schadow gilt als Begründer der Berliner Bildhauerschule. Zu seinen Schülern gehörten Christian Friedrich Tieck, Christian Daniel Rauch, Ridolfo Schadow, Emil Wolff und Theodor Kalide.
Karriere in Berlin
Nach der Rückkehr nach Berlin 1787 konvertierte Schadow wieder zum Protestantismus, nicht zuletzt um im preußischen Staatsdienst eine Anstellung bekommen zu können. Zunächst wurde er Porzellanmaler bei der königlichen Porzellanmanufaktur. Schadows Lehrer Tassaert starb im Januar 1788. Daraufhin übernahm Schadow auf Anordnung des Königs Tassaerts letzten Auftrag: das Grabmal des im Jungenalter verstorbenen Grafen von der Mark in der Dorotheenkirche. Dabei setzte er die strengere, an die Antike angelehnte Formgebung an die Stelle der nun oberflächlich wirkenden Kunst des Rokoko. Ebenfalls im Januar 1788 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste berufen. Er wurde Lehrer der Bildhauerkunst und einer der fünf Rektoren. Im Februar starb sein Vater. Im September wurde der zweite Sohn Friedrich Wilhelm geboren, der ein bekannter Maler wurde. Im Herbst 1788 trat Schadow die Nachfolge Tassaerts an. Er wurde zum Leiter der Hofbildhauerwerkstatt und zum Direktor der Skulpturen beim Oberhofbauamt ernannt. Aus der Zusammenarbeit mit Carl Gotthard Langhans, dem Direktor des Oberhofbauamtes, entstanden viele gemeinsame Schöpfungen.
1793 modellierte Schadow die Quadriga für das neu errichtete Brandenburger Tor, die von Emanuel Ernst Jury in Potsdam in 2 mm Kupfer getrieben wurde. Für die 1798–1800 erbaute Berliner Münze am Werderschen Markt schuf er den 36 Meter langen sogenannten Münzfries. Im Oktober 1802 besuchte Schadow Goethe in Weimar, um eine Plastik von ihm vorzubereiten. Dieser Besuch hatte aber nicht den gewünschten Erfolg. Bei der Gelegenheit schuf Schadow eine Büste von Christoph Martin Wieland.
Im April 1805 wurde er Vizedirektor der Akademie der Künste. Im Juni bezog er mit seiner Familie sein neues Wohnhaus in der heutigen Schadowstraße 10/11 in Berlin-Mitte, das ein unbekannter Baumeister auf Kosten des Staates für ihn errichtet hatte. Das klassizistische Gebäude ist als eines der wenigen Bürgerhäuser aus dieser Zeit erhalten geblieben.
1814 gründete er den Berlinischen Künstlerverein und wurde dessen Vorsitzender. Nachdem man Schadow 1816 zum Direktor der Königlich Preußischen Akademie der Künste ernannt hatte, blieb er in Berlin. 1815 war Schadow Witwer geworden. 1817 heiratete er in Berlin Caroline Henriette Rosenstiel (1784–1832), Tochter des Friedrich Philipp Rosenstiel. Mit ihr hatte er vier Kinder, die zwischen 1818 und 1824 geboren wurden. In den folgenden Jahren unternahm er Reisen nach Dresden (1820), nach Wittenberg zur Enthüllung seines Lutherdenkmals (1821), nach Wittenberg (1822) und mit seinem Bruder Rudolf nach Hamburg und Lübeck (1823). Nach der Geburt seines jüngsten Kindes Julius (1824) begann er sich auch politisch mehr zu engagieren und wurde 1827 zum Abgeordneten von Berlin gewählt.
Mit seinem Sohn Felix unternahm er einige Reisen nach Leipzig (1835). 1836 musste Schadow sich einer Augenoperation unterziehen. Die Einschränkung des Augenlichtes war für den malenden und mit den Augen arbeitenden Schadow ein bitterer Einbruch in sein künstlerisches Schaffen. Er konnte nur noch zeichnen und war nur noch wenig als Bildhauer tätig.
Quellen Text: https://bilder.erzbistum-koeln.de/.../oekumene-Foto_B... https://bildhauerei-in-berlin.de/bildwerk/martin-luther/ https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottfried_Schadow

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Rau Johannes, Bundespräsident,   10 2020

Johannes Rau

Also für einen Bundespräsidenten und für ein „Ehrengrab“ der Stadt Berlin, hätte ich mir die Grabstätte von Johannes Rau, etwas „schöner“ vorgestellt. Irgendwie war ich enttäuscht von dem kühlen grauen Grabstein und dem nicht wirklich schönen Relief, aber vielleicht war vielleicht war das ja der Wunsch des Verstorbenen.

Johannes Rau (* 16. Januar 1931 in Wuppertal; † 27. Januar 2006 in Berlin) war ein deutscher Politiker (SPD) und von 1999 bis 2004 der achte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

Rau war von 1969 bis 1970 Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal und anschließend Wissenschaftsminister in Nordrhein-Westfalen. Von 1977 bis 1998 war er Landesvorsitzender der SPD und von 1978 bis 1998 der sechste Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, womit er beide Ämter länger als bisher jeder andere innehatte. Bei der Bundestagswahl 1987 war er Kanzlerkandidat der SPD. Im Jahre 1993 führte er nach dem Rücktritt von Björn Engholm kommissarisch den Vorsitz der SPD-Bundespartei.

Jugend und Beruf

Rau war Sohn des Kaufmanns und Blaukreuzpredigers Ewald Rau (* 1. April 1898; † 15. Dezember 1953) und von Helene Rau, geb. Hartmann (* 27. März 1901; † 1. August 1988). Nach dem Besuch der Volksschule Schützenstraße in Wuppertal-Barmen trat er 1942 in das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Wuppertal-Elberfeld ein, das Ende Juni 1943 bei dem Luftangriff auf Elberfeld zerstört wurde. Später besuchte Rau das Humanistische Gymnasium in Barmen, das heutige Ganztagsgymnasium Johannes Rau. Nachdem er zum Verdruss seines Vaters dem Unterricht mehrfach ferngeblieben war, musste er auf dessen Drängen im September 1948 die Schule nach der Obertertia abbrechen. Am 5. Oktober 1948 begann er eine Lehre als Verlagsbuchhändler beim Wuppertaler Verlagshaus Emil Müller. Nebenher war er ab 1949 freier Mitarbeiter der Westdeutschen Rundschau in Wuppertal.

Nach beendeter Lehre arbeitete er ab Juni 1952 als Verlagsgehilfe in Wuppertal und wurde 1953 Lektor bei einem kleineren Verlag in Witten. Ab 1954 arbeitete er als Geschäftsführer des Jugenddienst-Verlages; 1962 wurde er Mitglied des Vorstandes und 1965 Direktor dieses Verlages.

Privates

Johannes Rau ehelichte am 9. August 1982 Christina Delius (* 1956), eine Enkelin des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann und Nichte der Theologin Uta Ranke-Heinemann. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, Anna Christina (* 19. Dezember 1983), Philip Immanuel (* 28. Januar 1985) und Laura Helene (* 10. November 1986). Die standesamtliche Trauung fand in London statt, die kirchliche hingegen am 22. August 1982 in der Neuen Evangelischen Inselkirche zu Spiekeroog. Auf der Nordseeinsel wurden auch die Kinder getauft. Spiekeroog war jahrzehntelang das Urlaubsziel der Familie Rau, die dort ein Ferienhaus besaß. Im Sommer 2000 wurde Rau hier Ehrenbürger.

Rau kam sein Leben lang mit drei Wohnsitzen aus: Er wuchs zwischen Barmer Nordpark und Klingelholl in der Wohnung seiner Eltern auf und blieb dort bis Ende der siebziger Jahre. Während der Zeit als Ministerpräsident bewohnte er ein Eigenheim im Briller Viertel im Stadtteil Elberfeld. Erst mit dem Amtsantritt als Bundespräsident musste er in Berlin wohnen; das Schloss Bellevue stand wegen Umbaumaßnahmen nicht zur Verfügung. So wurde auf die 1911–1912 erbaute „Dienstwohnung des Bundestagspräsidenten“ (Miquelstraße 66–68 in Dahlem) ausgewichen, die dieser selbst nicht nutzte.

Seine Art, den evangelisch-christlichen Glauben öffentlich zu leben, trug Rau die Bezeichnung „Bruder Johannes“ ein, aber auch eine satirische Wertung als „gefürchteter Kirchentagsschwätzer“. Sein Lebensmotto „Teneo, quia teneor“ entlehnte er der Bekennenden Kirche, in der er in der Jugend selbst aktiv war.

Seit 1995 wusste Rau von seinem gefährlichen Aneurysma in der Bauchschlagader, lehnte aber aus Rücksicht auf seine Ämter und die bevorstehende Wahl zum Bundespräsidenten eine Operation immer ab, bis er sich am 23. Juli 2000 in der Universitätsklinik Essen operieren ließ. Am 18. August 2004 musste er sich einer schweren Herzoperation unterziehen, bei der ihm eine künstliche Herzklappe eingesetzt wurde. Nur zwei Monate später (19. Oktober 2004) musste ein Bluterguss im Bauchraum in der Universitätsklinik Essen operativ entfernt werden.

Die letzten öffentlichen Auftritte von Johannes Rau waren die Preisverleihung des deutsch-türkischen Freundschaftspreises in Solingen (29. Mai 2005) und die Einweihung der Frauenkirche in Dresden (30. Oktober 2005). An einem Empfang des Bundespräsidenten zu seinem 75. Geburtstag am 16. Januar 2006 im Schloss Bellevue in Berlin konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr teilnehmen.

 

Johannes Rau verstarb am 27. Januar 2006 gegen 8:30 Uhr in Berlin im Kreise seiner Familie. Die Beisetzung erfolgte am 7. Februar im Anschluss eines Trauerstaatsaktes auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof zu Berlin im engsten Familien- und Freundeskreis.

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Rau


Ravené Peter Louis,    10 2020

Louis Ravené entstammte einer Familie, die selbst einmal aus einem anderen Land vertrieben worden war. Sie fand 1685 nach ihrer Flucht aus Metz in Berlin eine neue Heimat. In der preußischen Residenzstadt begann sein Urgroßvater Jacob eine kaufmännische Ausbildung in der Eisenhandlung von Samuel Gottlieb Butzer. Er heiratete dessen Tochter, übernahm die Firma und gab ihr dann 1775 seinen Namen. Sein Nachfolger Peter Louis baute das Geschäft weiter aus und lieferte unter anderem 1838 die ersten Eisenbahnschienen für die Potsdamer Bahn.

Im Privatleben hatte er weniger Glück.

Seine unglückliche Ehe soll Theodor Fontane zu seinem Roman Adultera animiert haben. Bekannt ist Peter Louis außerdem durch seine Sammlung zeitgenössischer deutscher Kunst geworden, die er der Öffentlichkeit zugänglich machte. Mit einer solchen Kombination aus sozialem und kulturellem Kapital war Peter Louis Ravené ein natürlicher Kandidat für das Ältestenkollegium der Berliner Kaufmannschaft. Er gehörte dem Gremium zwischen 1855 und 1860 an, sein Sohn Jacob Friedrich Louis vertrat die Familie dort noch einige Jahre länger, von 1864 bis zu seinem Tod 1879.

Als der Vater starb, war der junge Louis August erst 13 Jahre alt. Sein Vormund wurde der Schwager des Vaters, Adolph von Hansemann, die bestimmende Figur der Disconto-Gesellschaft. In der Bank, bei Woermann in Hamburg und bei der Dortmunder Union, erhielt der junge Ravené seine Ausbildung und übernahm im Alter von nur 21 Jahren bestens vorbereitet die Leitung des Familienunternehmens. Als dessen Inhaber zeigte er sich, so der preußische Handelsminister im Jahr 1900, den ihm gestellten vielseitigen Aufgaben vollkommen gewachsen. Er würde das „Welthaus“ mit hervorragender Umsicht und Tüchtigkeit leiten. Ein Jahr zuvor war Louis Ravené in das Ältestenkollegium gewählt worden. Mit gerade einmal 33 Jahren war er damit sogar noch drei Jahre jünger als Franz von Mendelssohn bei seiner Wahl. Aber beide entstammten eben Familien mit hohem sozialem Alter. Sie hatten die übliche Ochsentour in der Korporation nicht nötig. Warum das so war, verdeutlicht ein Bericht des Handelsministers von 1906, als Louis Ravené ebenfalls vergleichsweise früh dir den Titel des Geheimen Kommerzienrats in Vorschlag gebracht wurde: Seine Ernennung glaube ich trotz seines verhältnismäßig noch jugendlichen Lebensalters mit Rücksicht auf die außergewöhnliche Bedeutung, welche die Firma Ravené und ihr Inhaber in der Geschäftswelt besitzen, befürworten zu dürfen.

Bezeichnenderweise wurde Ravené im gleichen Jahr zum zweiten und 1914 schließlich zum ersten Vizepräsidenten der Berliner Handelskammer gewählt. Für die Gründung der letzteren hatte er sich schon im Ältestenkollegium eingesetzt und war dabei heftig mit Johannes Kaempf aneinandergeraten. Ravené vertrat im Kollegium eindeutig die Interessen des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller. Mit Ludwig Max Goldberger teilte er nicht nur die Sympathie für die Nationalliberale Partei, sondern arbeitete seit 1898 mit ihm auch im Präsidium der Zentralstelle für die Vorbereitung von Handelsverträgen und nach 1900 im Deutschen-Flotten-Verein zusammen. In gewisser Weise kann man Ravené deshalb als den rechten Flügelmann der Berliner Kaufmannsvertretungen bezeichnen. Er gehörte sowohl dem Präsidium des Flottenvereins und dem CDI -Ausschuss als auch dem Spitzengremium des liberalen Hansa-Bundes an. Dass er als Stahlhändler Kontakte zur Schwerindustrie hatte, erscheint dabei ökonomisch genauso einleuchtend wie seine Mitarbeit im Flotten-Verein.

Neben seiner Arbeit in den Verbänden der Berliner Wirtschaft setzte sich Ravené wie schon seine Vorfahren für soziale Belange ein. Das Berliner Polizeipräsidium berichtete 1906, dass er in 80 Wohltätigkeitsvereinen Mitglied war. Zusammenfassend schrieb der Handelsminister im selben Jahr.

Für gemeinnützige und wohltätige Zwecke bekundet er sein lebhaftes Interesse durch regelmäßige Zahlung bedeutender Beiträge und Unterstützungen (über 30.000 Mark jährlich) sowie durch namhafte Schenkungen; auch für seine Arbeiter und Angestellten sorgt er in weitgehender Weise. In einer großen Zahl Vertrauens- und Ehrenämtern ist er im Dienste des Gemeinwohls tätig.

Bis 1919 blieb Ravené Vizepräsident der Berliner Handelskammer. In den zwanziger Jahren wandte er sich dann anderen Aufgaben zu, übernahm etwa die Führung des Reichsverbandes des Deutschen Groß- und Überseehandels. Nach 1933 geriet er mit den Nationalsozialisten in Konflikt. Die Partei hatte ein Auge auf das Bild „Friedrich der Große auf Reisen“, ein Meisterwerk der Ravené'schen Sammlung geworfen. Das Gemälde wurde unter „Nationalschutz“ gestellt, was einen möglichen Verkauf ins Ausland verhinderte. Später musste Ravené das Bild für einen Spottpreis an Hitlers Münchener Führerresidenz abgegeben, wo es im Zweiten Weltkrieg beschädigt wurde. Sein ehemaliger Besitzer hat den Krieg nicht überlebt. Er kam am 20. Januar 1944 zusammen mit seinem Sohn bei einem Bombenangriff auf Berlin ums Leben.

Quelle Text aus: Das "Bollwerk des Bürgertums": die Berliner Kaufmannschaft 1870-1920


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Sarre  Theodor,   10 2020

Theodor Sarre Grabstätte von Theodor Sarre auf dem Französischen Friedhof in Berlin Theodor André Sarre (* 1. Dezember 1816 in Berlin; † 24. Februar 1893 ebenda) war ein deutscher Kaufmann und Unternehmer sowie Stadtältester von Berlin.
Leben
Theodor Sarre stammte aus einer Berliner Hugenottenfamilie. Sein Vater war der Kaufmann Jean Henri Sarre (1786–1863), seine Mutter Caroline Friederike Wilhelmine geb. Pöhn (1789–1863). Er besuchte das Gymnasium zum Grauen Kloster, musste es jedoch auf Grund eines Augenleidens 1832 verlassen. Er absolvierte eine vierjährige kaufmännische Lehre im Kolonialwarengeschäft von Ferdinand Dannenberg. 1848 trat er in das Kupfer- und Messingwerk von Carl Justus Heckmann (1786–1878) ein, in dem er rasch Karriere machte. 1853 heiratete er Heckmanns älteste Tochter Mathilde (1830–1879). 1869 teilte sein Schwiegervater seinen Besitz auf. Theodor Sarre erhielt die Zuckerfabriken in Herzershof im Küstriner Vorland und Stralsund sowie die dazugehörigen Güter Devin und Voigdehagen bei Stralsund und das Bankgeschäft C. J. Heckmann mit Sitz in der Heckmann-Villa in der Schlesischen Straße 18/19, das vor allem der Verwaltung des Familienbesitzes diente und das Sarre bis 1878 leitete.
Nachdem er bereits vorher Stadtverordneter und Bezirksvorsteher gewesen war, war er ab 1869 als unbesoldeter Stadtrat im Magistrat von Berlin tätig. Im Herbst 1891 erlitt er einen Schlaganfall und zog sich daraufhin zum 1. Januar 1892 aus allen öffentlichen Ämtern zurück. Am 12. Februar 1892 wurde er ehrenhalber Stadtältester von Berlin, bereits ein Jahr darauf verstarb er. Sein Grab mit einer Statue von Karl Cauer befindet sich auf dem Friedhof der Französisch-Reformierten Gemeinde an der Chausseestraße. Theodor Sarre hatte vier Kinder: den Verwaltungsgerichtsdirektor Carl Sarre (1856–1924), Gustav Sarre (1860–1906), der das Landgut Herzershof erbte, Margarete Sarre (1861–1928) und den Kunsthistoriker und Museumsdirektor Friedrich Sarre (1865–1945).
Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Sarre

 


Schadow Albert Dietrich,   10 2020

Albert Dietrich Schadow,

 

Albert Dietrich Schadow, Architekt, ist der Sohn des Hofbaurats Friedrich Gottlieb S. und dessen Gattin Charlotte geb. Schielkert, geboren am 2. Mai 1797 zu Potsdam. Er besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt bis 1812, darnach die Akademie der Künste in Berlin, wo ihm Joh. Erdmann Hummel und Joh. Gottfried Niedlich Unterricht erteilten. In den Feldzügen von 1813—16 diente er als Freiwilliger und nahm als Offizier seinen Abschied, um seine künstlerischen Studien fortzusetzen. Nach einem längeren Aufenthalt in Süddeutschland und in Oberitalien bestand er im J. 1822 die Feldmesserprüfung und hatte das Glück, bis 1826 unter Schinkel's Anleitung, insbesondere als Conducteur beim Bau des neuen Schloss Pavillons zu Charlottenburg beschäftigt zu sein. Er reiht sich dem Kreise der preußischen Architekten an. welche in der Schule jenes Meisters gebildet, ihre Kräfte der vom Könige Friedrich Wilhelm IV. angeregten Bautätigkeit widmeten.

 

Ohne die hervorragende Bedeutung seiner Zeitgenossen Persius, Stüler und Strack zu erzielen, hat S. neben diesen durch gediegene Leistungen eine achtungswerte Stellung sich in der Baugeschichte erworben. 1826 zum Hofbauconducteur ernannt, wurde er im folgenden Jahre nach Ablegung der Baumeisterprüfung Hofbauinspector und war alsdann in Potsdam tätig bei den Neubauten auf der Pfaueninsel, namentlich des Palmenhauses nach Schinkel's Entwürfen (1831). — Nachdem er die Pläne zu der gemeinsam mit Stüler erbauten St. Petri- und Paulskirche zu Nikolskoë bei Potsdam entworfen hatte (Architektonisches Album, Heft IV), war es ihm vergönnt, die Zeit vom September 1838 bis Juli 1839 zum Aufenthalte in Italien zu verwenden. Im Sinne seines Lehrers Schinkel lieferte er einen Beitrag zur architektonischen Verschönerung Potsdams durch den im J. 1841 ausgeführten Umbau eines älteren Hauses zur Villa der Fürstin Liegnitz, dicht am Eingange von Sanssouci gelegen, ein Werk von edler Gliederung, das seinen Namen in weitere Kreise trug.

 

Seine Haupttätigkeit entwickelte er seit 1843 als Baumeister des Berliner Schlosses, in dessen Festräumen unter seiner Leitung umfassende Änderungen getroffen wurden. Im J. 1844 erbaute er die Terrasse an der Lustgartenseite mit den stattlichen Gruppen der Rossebändiger des Baron v. Clodt. In Gemeinschaft mit Stüler und Wäsemann bewirkte S. in den Jahren 1845—53 den Ausbau des Weißen Saales und nach einem Entwurfe Schinkel's den Kuppelbau der reich ausgestatteten Schloßkapelle über dem großen, triumphbogenartig gestalteten Hauptportal an der Schloßfreiheit, wodurch dem Königspalaste die wirkungsvolle Krönung verliehen ward. Außer dieser amtlichen Tätigkeit hat S. noch zahlreiche Entwürfe und Pläne für Privatbauten geliefert und auch als Zeichner sich bewährt. Im J. 1847 zum Hofbaurat ernannt, gehörte er seit 1849 der Akademie der Künste an, wurde 1854 Mitglied der technischen Baudeputation und 1859 Oberhofbaurat. Seiner verdienstvollen Tätigkeit, die auch dem Architektenvereine vielfach von Nutzen gewesen, wurde in den letzten Jahren seines Lebens durch Erblindung ein Ziel gesetzt. Er starb zu Berlin am 5. September 1869 und wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhofe vor dem Oranienburger Thore beigesetzt. — Mit der Familie des Bildhauers Johann Gottfried S. steht er in keiner verwandtschaftlichen Beziehung.

 

Quelle Text: https://www.deutsche-biographie.de/sfz77890.html

Schadow Johann Gottfried,   10 2020

Johann Gottfried Schadow Johann Gottfried Schadow (* 20. Mai 1764 in Berlin; † 27. Januar 1850 ebenda) war ein preußischer Grafiker und der bedeutendste Bildhauer des deutschen Klassizismus. Seine Hauptwerke sind das Grabmal des Grafen von der Mark (1790), die Quadriga auf dem Brandenburger Tor (1793) und die Prinzessinnengruppe, das Doppelstandbild der Prinzessinnen Friederike und Luise von Mecklenburg-Strelitz (1797). Schadow gilt als Begründer der Berliner Bildhauerschule. Zu seinen Schülern gehörten Christian Friedrich Tieck, Christian Daniel Rauch, Ridolfo Schadow, Emil Wolff und Theodor Kalide. Kindheit und Jugend Schadow wurde in der Lindenstraße in Berlin in der Nähe des Halleschen Tores geboren. Er war der Sohn des Schneidermeisters Gottfried Schadow, geb. am 21. Januar 1738 in Saalow, Kreis Teltow († 1788), und der Anna Katharina Nilles, geb. am 20. März 1740 in Mellen, Kreis Teltow († 1797). Die Vorfahren waren märkische Bauern im Kreis Teltow. Der Vater, körperlich schwach in der Kindheit, wurde Schneider in Zossen und zog später nach Berlin. Johann Gottfried Schadow hatte vier Geschwister, er war der älteste Sohn. Schadow besuchte mit seinen Brüdern zunächst das Gymnasium zum Grauen Kloster. Als der Vater das Zeichentalent seines Sohnes erkannte, ließ er ihm ab 1776 Zeichenunterricht bei Giovanni Battista Selvino erteilen. Selvino konnte damit eine schon längere Zeit bestehende Werklohnschuld für Schneiderarbeiten gegenüber Schadows Vater abtragen. 1777 verließ Schadow die Schule, um von Madame Tassaert im Zeichnen unterwiesen zu werden. Im Herbst 1778 entschied er sich für den Beruf des Bildhauers und wurde Schüler des preußischen Hofbildhauers Jean Pierre Antoine Tassaert, bei dem er die gesamte bildhauerische Technik erlernte. Im Jahr 1778 begann er seine Ausbildung an der Akademie der Künste und den Besuch der Aktklasse. Italienreise Tassaert war seinem begabtesten Schüler sehr zugetan; er suchte daher auch die familiäre Bindung Schadows durch Verheiratung seiner Tochter; zugleich stellte ihm Tassaert dessen Nachfolge als Hofbildhauer in Aussicht. Schadow ging hierauf nicht ein; im Februar 1785 brannte er mit seiner Geliebten Marianne Devidels nach Wien zu seinem zukünftigen Schwiegervater durch. Auf der Reise wohnte er im April 1785 in Dresden bei dem Porträtmaler Anton Graff. Mit dem Geld seines Schwiegervaters reiste Schadow weiter nach Italien. Im Juni 1785 kam er nach Venedig, im Juli erreichte er Florenz und schließlich Rom. Hier trat er für kurze Zeit der Werkstatt Alexander Trippels bei, widmete sich dann aber lieber dem Studium der Antike. Im folgenden Jahr erhielt er mit der Tongruppe Perseus befreit Andromeda den Preis der römischen Akademie. Mit dem deutschen Maler Heinrich Füger, dem österreichischen Bildhauer Franz Anton von Zauner sowie mit dem italienischen Bildhauer Antonio Canova war er befreundet. Am 25. August 1785 heiratete er in Prag die jüdisch erzogene Marianne („Mattel“) Anna Augustine Devidels (geboren am 17. Dezember 1758 in Prag, gestorben am 9. November 1815 in Berlin), Tochter des Wiener Juwelenhändlers Samuel Devidels (1731–1790). Angeblich hatte Schadow seine Frau im Salon der Henriette Herz in Berlin kennengelernt. In Rom trat Schadow zum Katholizismus über, seine Frau war schon seit 1779 katholisch. 1786 wurde der Sohn Karl Zeno Rudolf (Ridolfo) Schadow in Rom geboren, der sein Schüler und später selbst ein erfolgreicher Bildhauer wurde. Karriere in Berlin Nach der Rückkehr nach Berlin 1787 konvertierte Schadow wieder zum Protestantismus, nicht zuletzt um im preußischen Staatsdienst eine Anstellung bekommen zu können. Zunächst wurde er Porzellanmaler bei der königlichen Porzellanmanufaktur. Schadows Lehrer Tassaert starb im Januar 1788. Daraufhin übernahm Schadow auf Anordnung des Königs Tassaerts letzten Auftrag: das Grabmal des im Jungenalter verstorbenen Grafen von der Mark in der Dorotheenkirche. Dabei setzte er die strengere, an die Antike angelehnte Formgebung an die Stelle der nun oberflächlich wirkenden Kunst des Rokoko. Ebenfalls im Januar 1788 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste berufen. Er wurde Lehrer der Bildhauerkunst und einer der fünf Rektoren. Im Februar starb sein Vater. Im September wurde der zweite Sohn Friedrich Wilhelm geboren, der ein bekannter Maler wurde. Im Herbst 1788 trat Schadow die Nachfolge Tassaerts an. Er wurde zum Leiter der Hofbildhauerwerkstatt und zum Direktor der Skulpturen beim Oberhofbauamt ernannt. Aus der Zusammenarbeit mit Carl Gotthard Langhans, dem Direktor des Oberhofbauamtes, entstanden viele gemeinsame Schöpfungen. 1793 modellierte Schadow die Quadriga für das neu errichtete Brandenburger Tor, die von Emanuel Ernst Jury in Potsdam in 2 mm Kupfer getrieben wurde. Für die 1798–1800 erbaute Berliner Münze am Werderschen Markt schuf er den 36 Meter langen sogenannten Münzfries. Im Oktober 1802 besuchte Schadow Goethe in Weimar, um eine Plastik von ihm vorzubereiten. Dieser Besuch hatte aber nicht den gewünschten Erfolg. Bei der Gelegenheit schuf Schadow eine Büste von Christoph Martin Wieland. Im April 1805 wurde er Vizedirektor der Akademie der Künste. Im Juni bezog er mit seiner Familie sein neues Wohnhaus in der heutigen Schadowstraße 10/11 in Berlin-Mitte, das ein unbekannter Baumeister auf Kosten des Staates für ihn errichtet hatte. Das klassizistische Gebäude ist als eines der wenigen Bürgerhäuser aus dieser Zeit erhalten geblieben. 1814 gründete er den Berlinischen Künstlerverein und wurde dessen Vorsitzender. Nachdem man Schadow 1816 zum Direktor der Königlich Preußischen Akademie der Künste ernannt hatte, blieb er in Berlin. 1815 war Schadow Witwer geworden. 1817 heiratete er in Berlin Caroline Henriette Rosenstiel (1784–1832), Tochter des Friedrich Philipp Rosenstiel. Mit ihr hatte er vier Kinder, die zwischen 1818 und 1824 geboren wurden. In den folgenden Jahren unternahm er Reisen nach Dresden (1820), nach Wittenberg zur Enthüllung seines Lutherdenkmals (1821), nach Wittenberg (1822) und mit seinem Bruder Rudolf nach Hamburg und Lübeck (1823). Nach der Geburt seines jüngsten Kindes Julius (1824) begann er sich auch politisch mehr zu engagieren und wurde 1827 zum Abgeordneten von Berlin gewählt. Mit seinem Sohn Felix unternahm er einige Reisen nach Leipzig (1835). 1836 musste Schadow sich einer Augenoperation unterziehen. Die Einschränkung des Augenlichtes war für den malenden und mit den Augen arbeitenden Schadow ein bitterer Einbruch in sein künstlerisches Schaffen. Er konnte nur noch zeichnen und war nur noch wenig als Bildhauer tätig. Alter Der 75-jährige Schadow stellte 1839 den Antrag, ihn aus Altersgründen in den Ruhestand zu versetzen. Das wurde zwar abgelehnt, man stellte ihm aber einen Vizedirektor an die Seite. Schadow beschäftigte sich nun auch mit Geschichte und wurde deshalb 1840 Mitglied des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Besonders stolz war Schadow, als sein Sohn Wilhelm – erst sein Schüler, später ein bedeutender Maler – in den erblichen preußischen Adelsstand erhoben wurde. 1846 reiste Schadow wieder nach Dresden. Schadow war auch im hohen Alter noch produktiv. Gegen Ende seines Lebens schrieb er seine Memoiren. 1849 brachte er die Kunst-Werke und Kunst-Ansichten heraus. Schadow starb friedlich im Kreise seiner Kinder am 27. Januar 1850 im Alter von 85 Jahren in Berlin. Er wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte begraben. Die Ehrengrabstätte der Stadt Berlin befindet sich in der Abteilung CAL G2. Quelle Text und Portrait: https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottfried_Schadow

 


Schinkel Carl Friedrich,   10 2020

Karl Friedrich Schinkel (* 13. März 1781 in Neuruppin; † 9. Oktober 1841 in Berlin) war ein preußischer Baumeister, Architekt, Stadtplaner, Maler, Grafiker, Medailleur und Bühnenbildner, der den Klassizismus und den Historismus in Preußen entscheidend mitgestaltete. Als Leiter der Oberbaudeputation unterstand ihm eine Revisionsabteilung, die fast alle staatlichen Bauvorhaben für das Königreich Preußen in ökonomischer, funktionaler und ästhetischer Hinsicht überprüfte. Schinkel war Oberlandesbaudirektor und Architekt des Königs. Seine Bauwerke prägen heute noch das Stadtbild der Mitte Berlins. Nach ihm wurde die Schinkelschule benannt, bei der es sich um mehrere Generationen von Architekten handelt, die unter seinem stilbildenden Einfluss standen. Wer derzeit die Berliner Werke Schinkels bewundern will, muss sich auf eine Odyssee vorbei an zahlreichen Baustellen und über provisorische Gehwege einstellen. Durch den Bau des Berliner Stadtschlosses und die Erweiterung der U5 bleibt die Straße Unter den Linden auch in Zukunft eine Baustelle. Wann der Prachtboulevard vollständig in altem bzw. neuem Glanz erstrahlen wird, ist ungewiss. Vor allem ein Bauwerk ist von den Maßnahmen betroffen: Die 1824 fertig gestellte Schlossbrücke, die die Museumsinsel mit dem westlichen Teil der Straße verbindet, dient derzeit als Stellplatz für Container, Betonmischmaschinen und Rohre. Sie ist Teil der Schinkel-Achse, die sich vom Lustgarten bis zum Gendarmenmarkt erstreckt und insgesamt fünf Bauten umfasst. Neben der Brücke gehören das Alte Museum, die Neue Wache, die Friedrichswerdersche Kirche und das Konzerthaus am Gendarmenmarkt dazu. Schinkel wurde 1781 in Neuruppin geboren und studierte an der Berliner Bauakademie und der Akademie der schönen Künste. In relativ kurzer Zeit stieg er zum Leiter der preußischen Oberbaudeputation auf. Ihm unterstanden fast alle Bauvorhaben des Königreichs. Neben seiner Arbeit als Gutachter verwirklichte Schinkel außerdem bedeutende Staatsbauten wie die Neue Wache, das Alte Museum und das Schauspielhaus. Die Gruppe seiner Schüler und Mitarbeiter wird heute “Schinkelschule“ genannt. Altes Museum Das Alte Museum im Lustgarten ist das wahrscheinlich bekannteste Gebäude Schinkels und stellt einen Höhepunkt in seinem Schaffen dar. Mit 18 ionischen Säulen, der weitläufigen Vorhalle und der Rotunde, ein künstlerischer Rückgriff auf das Pantheon in Rom, gehört es zu den bedeutendsten Klassizismus-Bauten überhaupt. Bei seiner Fertigstellung im Jahr 1830 trug es den Namen ‘Neues Museum‘, die Umbenennung erfolgte erst 1855, als der Schinkel-Schüler Friedrich August Stüler den Bau eines weiteren Museums auf der Spreeinsel abschloss. Während des Dritten Reichs nutzten die Nationalsozialisten das Gebäude für Propagandaveranstaltungen und den Lustgarten als Aufmarschplatz. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Alte Museum weitestgehend zerstört. Zu DDR-Zeiten folgte der Wiederaufbau, 1966 wurde es neueröffnet. Heute beherbergt das Museum eine Dauerausstellung zur Kultur der Griechen, Etrusker und Römer. Schloßbrücke Die im Jahr 1824 fertiggestellte Brücke gilt als ein Prestige-Projekt Schinkels. Zuvor führte eine Art hölzerner Steg, genannt ‘Hundebrücke‘, über die Spree. Ihr Abriss und die Errichtung einer Steinbrücke beinhaltete eine komplette Umgestaltung des Areals zwischen Stadtschloß und dem heutigen Bebelplatz. Die neue Brücke war nach Abschluss der Bauarbeiten ebenso breit wie die Straße Unter den Linden, was das Gebiet zwischen Brandenburger Tor und Schloß zu einem homogenen Straßenzug machte. Hauptelemente der Schloßbrücke sind acht überlebensgroße Statuen, die Götter der griechischen Mythologie darstellen. Neue Wache Die Neue Wache entstand zwischen 1816 und 1818 als Wachhaus für die preußische Königsgarde und sollte gleichzeitig als Gedenkstätte für die Gefallenen der Befreiungskriege dienen. Bis zum Ende der deutschen Monarchie im Jahr 1918 waren hier Soldaten stationiert, danach wurde es zu einem Ehrenmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs umfunktioniert. Heute ist die Neue Wache die zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland. Im Inneren erinnert eine vergrößerte Kopie der Skulptur ‘Mutter mit sterbendem Sohn‘ von Käthe Kollwitz an alle Menschen, die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wurden. Friedrichswerdersche Kirche Als Schinkel diese Kirche 1831 vollendete, war sie der erste neugotische Sakralbau der Stadt. Im 18. Jahrhundert stand hier ein Gotteshaus, das sowohl von der deutschen Gemeinde der Lutheraner und Calvinisten als auch von der französisch-reformierten Gemeinde genutzt wurde. Schinkels Neubau knüpfte an diese Tradition an undbeherbergte bis 1872 eine preußisch-unierte und eine französisch-reformierte Gemeinde. Im Zweiten Weltkrieg war der Bau einer Reihe von Bombenangriffen ausgesetzt. Die Ruine wurde erst in den 1980er Jahren vollständig restauriert. Konzerthaus Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt wurde 1821 als „Königliches Schauspielhaus“ eingeweiht. Vorher stand hier das “Französische Komödienhaus“, das 1817 ausbrannte. Als Schinkel den Auftrag bekam, das neue Schauspielhaus zu entwerfen, musste er eine Reihe von Auflagen berücksichtigen. Alle verwendbaren Teile des alten Gebäudes sollten verbaut werden. Als Vorlage für die Fassade diente dem Architekten das Thrasyllos-Monumentin Athen. Während der Weimarer Republik und im Dritten Reich war das Preußische Staatstheater im Schinkel-Bau untergebracht. Auch das Schauspielhaus wurde während des Zweiten Weltkriegs stark beschädigt und erst 1984 wiedereröffnet. 2001 wurde der zentrale Bau des Gendarmenmarkts in „Konzerthaus“ umbenannt, da hier mittlerweile das Berliner Sinfonie-Orchester ansässig ist. Krankheit und Tod Schinkels Grab in Berlin Seit den späten 1830er Jahren gesundheitlich geschwächt, minderte Schinkel sein enormes Arbeitspensum dennoch kaum. In einem Brief an Prinzessin Marianne erwähnte er 1839 seinen schlechten Gesundheitszustand. Als er im Frühjahr 1840 mit der Eisenbahn nach Potsdam fuhr, befiel ihn eine Lähmung der rechten Hand. Im Juli war er in Bad Gastein zur Kur und stellte erschrocken fest, dass sein Geruchssinn immer schlechter wurde und am Ende ganz erlosch. Nach dem Tod des Königs versäumte er die Krönungsfeierlichkeiten Friedrich Wilhelms IV., was dieser als Kränkung auffasste. Bei einem letzten Zusammentreffen fielen einige sarkastische Worte, nach denen der König ihn einfach stehen ließ.[19] In Berlin erlitt Schinkel im September 1840 wahrscheinlich mehrere Schlaganfälle mit einer Halbseitenlähmung rechts sowie einer Seh- und Sprachstörung. Nach einjährigem Siechtum starb er in seiner Dienstwohnung in der Berliner Bauakademie. Die Obduktion ergab eine schwere Arteriosklerose der Hirngefäße als Ursache seines Schlaganfalls.[20] Am 12. Oktober 1841 wurde er beigesetzt. Sein Ehrengrab auf dem Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden befindet sich in der Abteilung CAL G1. Es trägt als Schmuck ein von August Kiß gefertigtes Porträtmedaillon. König Friedrich Wilhelm IV. kaufte 1842 den künstlerischen Nachlass für ein Museum an. In seiner Wohnung im zweiten Obergeschoss der Berliner Bauakademie wurde auf Initiative des Königs das erste Schinkel-Museum eingerichtet, das dort von 1844 bis 1873 bestand und als Vorläufer späterer Künstlermuseen gilt. Heute ist als Schinkelmuseum die von ihm erbaute Friedrichswerderschen Kirche bekannt, in der sich unter anderem eine Ausstellung zu seinem Leben und Werk befindet. Schinkels stilbildendes Wirken in Preußen führte über seine berühmten Schüler Ludwig Persius und Friedrich August Stüler zu einer gestalterischen Tradition, die man rückblickend als Schinkelschule bezeichnet hat. Quellen Text: https://www.qiez.de/die-wichtigsten-schinkel-gebaeude-in-berlin/ https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Friedrich_Schinkel

 


Schwartzkopff Louis,   10 2020

Schwartzkopff, Louis Louis Schwartzkopff zum 150. Geburtstag Von Kurt Pierson Schwartzkopff kam 1842 als Student nach Berlin, arbeitete danach in den Werken von August Borsig vor dem Oranienburger Tor. Einige hundert Meter nördlich kaufte er 1851 ein Grundstück an der Chausseestraße, wo er zusammen mit einem Teilhaber die "Eisenbahngießerei und Maschinenfabrik Schwartzkopff und Nitsche" gründete. Hier wurden in den Folgejahren Lokomotiven gebaut, die Fabrik expandierte in den Wedding (Acker- und Scheringstraße). Schwartzkopff war einer der ersten Berliner Unternehmer, die sich finanziell an karikativen Projekten beteiligte, wie am Bau des Lazarus-Krankenhauses. Schon zu Beginn des Eisenbahnzeitalters in Preußen bestand die Möglichkeit, von Berlin aus auf der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn über Frankfurt, Sommerfeld, Kohlfurt und Görlitz und von dort über die Sächsisch-Schlesische Eisenbahn nach Dresden zu gelangen - ein umständlicher Weg von 354 Kilometern. Etwas später bot die Berlin-Anhaltische Eisenbahn nach Fertigstellung ihres Streckenabschnitts Herzberg-Riesa einen wesentlich kürzeren Schienenweg über Jüterbog von nur 191 km an, der 25 Jahre hindurch den Verkehr zwischen der preußischen und der sächsischen Hauptstadt bewältigte. Nach dem Kriege 1870/71 wurde die Forderung in der Öffentlichkeit immer dringender, die junge Reichshauptstadt auf direktem Wege mit der sächsischen Metropole zu verbinden. Es kam zur Gründung der Berlin-Dresdener Eisenbahngesellschaft, die sich bei Konzessionsverhandlungen verpflichten mußte, den Bahnkörper zwischen Berlin und Zossen so breit auszubauen, daß auf ihm ein drittes Gleis für die vom Chef des preußischen Generalstabes, Graf v. Moltke, geplante Militäreisenbahn verlegt werden konnte, die von Schöneberg über Zossen und dem Schießplatz Kummersdorf zum Truppenübungsplatz Jüterbog führen sollte. Vor genau hundert Jahren, am 17. Juli 1875, konnte der Betrieb auf der 180 km langen Strecke Berlin-Elsterwerda-Dresden aufgenommen werden. Hierfür hatte der Fabrikbesitzer und Kommerzienrat Louis Schwartzkopff in Berlin 14 dreiachsige Personenzug-Lokomotiven geliefert und weitere zwei gleichartige an die im selben Jahr eröffnete Militäreisenbahn, die den Namen "Moltke" bzw. den des damaligen Kriegsministers "Kameke" trugen. Dieser Louis Schwartzkopff war einer der "drei Großen" vor dem Oranienburger Tor, die in der Chausseestraße Lokomotiven bauten und er war, wie August Borsig und Friedrich Wöhlert, ebenfalls kein Berliner. Er wurde vielmehr vor nunmehr 150 Jahren in Magdeburg im väterlichen Gasthof "Zum Goldenen Schiff" geboren und hatte dort das Gymnasium sowie die Gewerbeschule besucht. Gemeinsam mit seinem Freund Wilhelm Siemens nahm er bei dessen Bruder, dem Artillerieoffizier Werner Siemens, morgens von fünf bis sieben Uhr Mathematikunterricht. Mit siebzehn Jahren ging Louis Schwartzkopff nach Berlin, um an dem von Beuth ins Leben gerufenen Gewerbeinstitut sein Studium aufzunehmen. Im Anschluß daran erfolgte seine praktische Ausbildung bei Borsig, die mit einer sechsmonatigen Tätigkeit als Lokomotivführer bei der Berlin-Hamburger Eisenbahn endete. Inzwischen war seine Heimatstadt Magdeburg zu einem Eisenbahn-Knotenpunkt geworden. Eine der von dort ausgehenden Bahnlinien war die Magdeburg-Wittenbergische Eisenbahn, die dem aus der Geschichte bekannten freisinningen Regierungsrat Victor v. Unruh unterstand. Dieser suchte einen tüchtigen Maschinenmeister und fand ihn in Schwartzkopff, den er durch Borsig kennengelernt hatte. Der Bau einer Eisenbahnbrücke großer Spannweite bei Wittenberge über die Elbe machte im Jahre 1848 eine Studienreise nach England erforderlich, zu der v. Unruh seinen neuen Maschinenmeister, den Brückenspezialisten Benda und den Hersteller der Brückenbauteile, August Borsig, mitnahm. Drei Jahre später trat Schwartzkopff allein eine zweite Englandreise zur Londoner Weltausstellung an. Nach seiner Rückkehr verließ er den Einsenbahndienst und kaufte 1851 mit Unterstützung durch seine Familie in der Chausseestraße zu Berlin das Grundstück Nr. 20, das nach Süden zu an die Invalidenstraße und nach Osten an die Berlin-Stettiner Eisenbahn grenzte. Schwartzkopff hatte sich einen der damals tüchtigsten Berliner Gießereimeister, Nitsche, als Teilhaber genommen, mit dem er am 3. Oktober 1852 die "Eisengießerei und Maschinenfabrik Schwartzkopff und Nitsche" gründete, den Firmennamen jedoch bald auf seinen Namen allein ändern ließ. Um die Jahreswende 1852/53 floß zum ersten Mal das glühende Eisen in die Pfannen. Aufträge lagen zur Genüge vor: Siemens & Halske überzogen gerade Rußland mit einem Netz von Telegrafenlinien und ließen die eisernen Isolatorenstützen bei Schwartzkopff gießen; die damals größte Eisenbahnwaggonfabrik in Deutschland, F.A. Pflug in der Chausseestraße 8, benötigte ständig Achslager und Puffer. Der Kunstguß, von dem Nitsche hergekommen war, bedeutete zu jener Zeit einen Schwerpunkt für jede Gießerei. Doch gerade hier schieden sich die Geister. Schwartzkopff zahlte seinen Teilhaber aus und wandte sich vor allem dem Maschinenbau zu. Neben Dampfsägen, Holzbearbeitungsmaschinen und Kreiselpumpen wurde der Bau von Dampfhämmern und Walzmaschinen aufgenommen. Als der Absatz in diesen Bereichen nachließ, begann die Fabrik um 1860 mit der Fertigung spezieller Werkzeugmaschinen für den Heeresbedarf sowie aller Art von Eisenbahnmaterial für den Strecken- und Bahnhofsbau. In diesem Zusammenhang half Louis Schwartzkopff der Berlin-Stettiner Eisenbahn in besonders schwierigen Fällen beim Brückenbau über die Oder. Der Dank hierfür wurde ihm von der Bahnverwaltung in großherziger Weise abgestattet, als die Schwartzkopffsche Fabrik 1860 durch einen Großbrand auf dem entlang dem Bahngelände gelegenen Teil zerstört wurde. Durch einen umfangreichen Auftrag für den Bau der Vorpommerschen Eisenbahn gelang es, über die ersten Schwierigkeiten hinweg zu kommen. Die Leistungen des Unternehmens waren höheren Ortes nicht unbemerkt geblieben. Der preußische König Wilhelm I. verlieh dem Fabrikherrn persönlich den Titel "Kommerzienrat"; der preußische Handelsminister, Graf v. Itzenplitz, ermunterte ihn zum Bau von Lokomotiven. Im Jahr 1867 verließen die ersten zwölf Güterzuglokomotiven das Werk, die für die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn bestimmt waren. Es lag auf der Hand, daß ein sich von nun an immer mehr ausweitender Fabrikationszweig die engen Räumlichkeiten zu sprengen drohte. Louis Schwartzkopff hatte rechtzeitig ein genügend großes Gelände in der Ackerstraße erworben und auf ihm ein neues, modernes Werk errichtet, das vornehmlich dem allgemeinen Maschinenbau dienen sollte. Dieses Werk, im letzten Krieg zerstört, wurde 1952 erneuert und birgt in seinem Grundstein die Gründungsurkunde sowie Lokomotivzeichnungen und -Lieferlisten aus der alten und aus neuerer Zeit. Die inzwischen in "Berliner Maschinenbau AG vorm. L. Schwartzkopff" umgewandelte Firma hatte das Stammwerk in der Chausseestraße durch schrittweisen Zukauf der Grundstücke 19 und 23 zu einer allen Ansprüchen genügenden Lokomotivfabrik erweitert. Louis Schwartzkopff war es vergönnt, noch zwei Jahrzehnte lang Generaldirektor des von ihm geschaffenen Werkes zu sein. Die preußische Regierung berief ihn in den Staatsrat und würdigte damit das vielseitige Wirken dieses Mannes, der bis zu seinem Tode am 7. März 1892 seinem einstigen Lehrherrn August Borsig ein dankbares Andenken bewahrt und ihm zu Ehren unter dem Fenster seines Arbeitszimmers ein Relief mit dem Porträt des "Lokomotivkönigs" hatte anbringen lassen. Als das Stammwerk im Jahre 1900 seine Pforten schloß und fünf Jahre später der Abbruch dieser historischen Fabrik erfolgte, fiel auch das alte, abseits der Straße gelegene Verwaltungsgebäude, in dem Louis Schwartzkopff vierzig Jahre seines Lebens verbracht hatte, der Spitzhacke zum Opfer. Nur eine kleine Seitenstraße der nördlichen Berliner Industriemagistrale erinnert noch an den letzten Lokomotivbauer vor dem Oranienburger Tor. Quelle Text: https://www.diegeschichteberlins.de/geschichteberlins/persoenlichkeiten/persoenlichkeitenot/399-schwartzkopff-louis.html

 


Stüler Friedrich August,   10 2020

Friedrich August Stüler Friedrich August Stüler (* 28. Januar 1800 in Mühlhausen/Thüringen; † 18. März 1865 in Berlin) war ein deutscher Architekt, der als hochrangiger preußischer Baubeamter zu den maßgebenden Baumeistern seiner Zeit gehört. Als seine bedeutendste Schöpfung gilt das Neue Museum in Berlin. Auch der Kuppelbau auf dem Triumphbogen des Hauptportals des Berliner Schlosses mit der Schlosskapelle ist sein Werk. Friedrich August Stüler stammte aus einem alten Patriziergeschlecht. Seine Vorfahren waren einflussreiche Kaufleute und Senatoren und Ratsherren der Stadt Mühlhausen in Thüringen. Der lutherische Kirchenlieddichter Ludwig Helmbold zählt ebenfalls zu seinen Vorfahren. Seine Eltern waren Johann Gottfried Stüler (1753–1821) und Johanna Friedericke Henriette Stüler geb. Reinhold (1773–1827).

 

Stüler studierte ab 1818 in Berlin und gehörte zu den Schülern Karl Friedrich Schinkels. 1829 und 1830 bereiste er zusammen mit dem befreundeten Eduard Knoblauch und dem Dresdner Architekten Woldemar Hermann (1807–1878),[1] den er in Berlin kennengelernt hatte, Frankreich und Italien. Mit Heinrich Strack reiste er 1831 nach Russland. Er wurde dann Hofbauinspektor und 1832 preußischer Hofbaurat und Direktor der Schlossbaukommission. 1837 fertigte er Pläne zum Wiederaufbau des Winterpalasts in Sankt Petersburg an. Diese wurden aber nicht ausgeführt, weil Zar Nikolaus I. anstatt des von Stüler geplanten romantischen Neorenaissance-Neubaus das ursprünglich barocke Schloss wiederaufbauen ließ. Unter König Friedrich Wilhelm IV. eröffnete sich ihm ein bedeutender Wirkungskreis, 1842 wurde er von ihm zum Architekten des Königs ernannt. Er gehört zu den Gründern des Architektenvereins zu Berlin. In Gesamtkonzeption seiner Kirchenbauten (etwa in der Ausformung von Basilika und Campanile) ging Stüler auf die Vorstellungen Friedrich Wilhelm IV. ein, der durch Beschäftigung mit der Architektur Italiens, geprägt von seiner ersten Italienreise 1828 und angeregt vom 1822–1828 von Johann Friedrich Cotta in München herausgegebenen Stichwerk Denkmale der christlichen Religion, aufgenommen von den Architecten J. G. Gutensohn und J. M. Knapp, Formen der Antike und Renaissance im „Preußischen Arkadien“ umzusetzen suchte.

 

Auch in der Rückbesinnung auf frühchristliche Motive, die Urkirche und ihre Liturgie sah der König einen Ausweg aus (kirchen)politischen Problemen. Wie der Campanile der römischen Kirche Santa Maria in Cosmedin für die Potsdamer Friedenskirche als direktes Vorbild fungierte, gibt es auch andere Beispiele nach dieser Art. Stüler übernahm bei der Ausführung der Friedenskirche nach dem Tod von Ludwig Persius die Oberbauleitung. Auch durch seine gemeinsame Reise mit Friedrich Wilhelm IV. nach Italien im Winter 1858/1859 (ebenso wie mit Eduard Knoblauch bereits 1829/1830) war Stüler selbst geprägt von den Bauten des italienischen Mittelalters und Quattrocento. Ideen für gusseiserne Säulen (etwa in der Kapelle des Domkandidatenstifts eingesetzt) oder die im Neuen Museum angewandten Techniken dürften dabei eher auf seine vom König initiierte Studienreise 1842 nach Großbritannien zurückgehen. Die klassische Form der altchristlichen Basilika mit erhöhtem Mittelschiff und niedrigeren Seitenschiffen, der halbrunden Apsis im Osten und einem am Narthex im Westen vorgelagerten Atrium ist zum Beispiel beim Berliner Domkandidatenstift an der Oranienburger Straße im Wesentlichen umgesetzt.

 

Vorbilder mehr oder weniger frei variierend, findet sich die Form des abgesetzten Glockenturms bei Stüler an einigen seiner Kirchenbauten für Berlin, unter anderem bei der 1844–1845 erbauten St.-Jacobi-Kirche an der Oranienstraße. Mit Pfarr- und Schulhaus am Atrium entlang der Straße gelegen, gibt der Ziegelbau auch einen vagen Eindruck vom Erscheinungsbild des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Domkandidatenstifts. Nur äußerlich wiederhergestellt, vermittelt der in den 1950er Jahren durch Paul Emmerich und dessen Sohn Jürgen Emmerich neugestaltete Innenraum nicht mehr den „frühchristlichen Geist“, der der Gestaltung nach Vorbild von Santi Quattro Coronati in Rom ursprünglich zugrunde lag.

 

Vergleichbar, da nach dem Krieg von denselben Architekten umgestaltet, ist die St.-Matthäus-Kirche am heutigen Kulturforum in Berlin-Tiergarten, die Stüler im selben Jahr wie die St.-Jacobi-Kirche in Angriff nahm. Direkt durch einen Kirchenbauverein der Nachbarschaft beauftragt, löste sich Stüler dort etwas von puristischen Vorbildern, orientierte sich in der Dachform eher an Danziger Kirchen und gliederte den Turm, auch aufgrund begrenzten Raums, in das Mittelschiff ein.

 

Weitere Kirchenbauten Stülers sind, neben der zerstörten und für den Bau der Stalinallee abgetragenen Markuskirche, die 1854–1858 am Königstor in Nähe des Friedrichshains errichtete St.-Bartholomäus-Kirche (äußerlich mit nicht mehr dreigeteiltem Dach erhalten), die Kirche St. Peter und Paul auf Nikolskoe (bereits 1834–1837 mit Albert Dietrich Schadow), die 1860 eingeweihte Trinitatiskirche in Köln und zahlreiche Dorfkirchen wie die am Stölpchensee (1858–1859). Gerade die neogotisch geprägte Kirche St. Bartholomäus zeigt, dass Stüler auch als Architekt des Übergangs bezeichnet werden kann, nämlich zwischen Klassizismus und Historismus. Bei seinen 1844–1856 entstandenen Erweiterungsbauten für die Johanniskirche in Berlin-Moabit (Portikus, Pfarr- und Schulhaus mit Arkadenverbindung und freistehendem Glockenturm) als Ergänzung einer der Berliner Vorstadtkirchen Schinkels, zeigte Stüler erneut das vom König favorisierte Prinzip und erwies sich als „würdiger Nachfolger“ seines Lehrers, wobei er selbst das bis heute übliche Etikett des Schülers ablehnte. Nicht verwirklicht hingegen wurden die Pläne Stülers für den Neubau des Berliner Doms, neben dem Weiterbau des Kölner Doms auch eine der „Herzensangelegenheiten“ Friedrich Wilhelms IV. Nach ersten klassischen Basilika-Entwürfen 1842 stand am Ende ein Entwurf mit Kuppel, dessen Finanzierung und Ausführung, so der Apsisfundamentierung in der Spree, bereits begonnen war, bevor Wilhelm I. die Planungen seines nun umnachteten Bruders nach ersten Stockungen infolge der Revolution 1848 zehn Jahre später einstellen ließ.

 

Über die Zusammenarbeit mit dem König sagte Stüler 1861 in einer Rede auf dem Schinkelfest: „Bei … den meisten Bauten begnügte sich der König nicht damit, dem Künstler nur Aufgaben zu stellen und die Bearbeitung seinem Talent zu überlassen, es drängte ihn zur lebendigsten Teilnahme an der Bearbeitung, wenn nicht zur Leitung derselben. So liebte er, die Grundidee der auszuführenden Bauwerke, mehr oder minder ausgearbeitet, in kleinem Maßstab selbst zu skizzieren und die weitere Ausarbeitung dem Architekten zu übertragen.“ Als besonderes Prestigeobjekt kann der Wiederaufbau der Burg Hohenzollern bei Hechingen ab 1850 betrachtet werden. Den Auftrag dazu erteilte ihm König Friedrich Wilhelm IV. 1844, die Planung und Ausführung legte Stüler in einer eigenen Schrift 1867 nieder. Es handelt sich dabei um die Stammburg des gleichnamigen Fürstengeschlechts, aus dem auch die preußischen Könige hervorgegangen sind. Die Auftraggebung und Finanzierung erfolgten zu zwei Dritteln durch das preußische Königshaus und zu einem Drittel durch das Haus Hohenzollern-Sigmaringen. Parallel zu diesen Arbeiten fertigte Stüler auch die Pläne für die evangelische Pfarrkirche St. Johannes in Hechingen (vollendet 1857) an.

 

Weitere Berliner Profanbauten in Stülers Werk sind die üblicherweise als „Stülerbauten“ bezeichneten Gardekasernen des Gardes-du-Corps-Regiments gegenüber dem Schloss Charlottenburg, das im Rahmen seiner Gesamtplanungen für die Museumsinsel entstandene Neue Museum und die nach seinem Tod durch Johann Heinrich Strack ausgeführte Alte Nationalgalerie – in den Worten Friedrich Wilhelms IV. eine „ästhetische Kirche“. Als Architekt des Königs entwarf Stüler auch die Kuppel des Stadtschlosses.

 

Einer der engsten Mitarbeiter Stülers war der „Hof-Zimmermaler“ Georg Sievers, Schwiegersohn von Schinkels bevorzugtem Hoftischler Karl Wanschaff und Großvater des bekannten Schinkel-Forschers und Kunsthistorikers Johannes Sievers.

 

Andere Bauten Stülers sind die Alte Börse am Paulsplatz in Frankfurt am Main (1843), mehrere Prachtanlagen im Park von Sanssouci, die Nikolaikirche zu Potsdam, das Lutherhaus in Wittenberg, die Vollendung des großherzoglichen Schlosses zu Schwerin, der Neubau der Albertus-Universität Königsberg am Paradeplatz, der Turm der Marienkirche in seiner Heimatstadt Mühlhausen sowie der neugotische Turmhelm des Schlossturms in Königsberg, das Schwedische Nationalmuseum in Stockholm und die Ungarische Akademie der Wissenschaften in Budapest. Außerdem lieferte er eine Menge dekorativer Zeichnungen für Gusswerke, Porzellangefäße, Silberarbeiten und andere kunsthandwerkliche Arbeiten.

 

Neben seiner Auszeichnung mit der Royal Gold Medal des Royal Institute of British Architects (RIBA) im Jahr 1858[3] wurde Stüler am 17. August des gleichen Jahres Mitglied des preußischen Ordens Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste. 1864 wurde er als auswärtiges Mitglied in die Pariser Académie des Beaux-Arts aufgenommen. Stüler war von 1849 bis zu seinem Tod einer der Direktoren der Berliner Bauakademie. Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_August_St%C3%BCler


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