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Wolfgang Anheisser

Wolfgang Anheisser

Vor 47 Jahren, am 5. Januar 1974, verstarb in der Universitätsklinik Köln ein Mann, der in Deutschland als »Stern am Opernhimmel« gefeiert wurde und dessen internationaler Durchbruch unmittelbar bevorstand. Nur 44 Jahre alt ist Wolfgang Anheisser geworden. Aus dem Leben riss ihn keine Krankheit, sondern ein Unfall auf der Bühne. Am Neujahrstag hatte er in einer Aufführung von Carl Millöckers »Der Bettelstudent« die Titelpartie singen und spielen sollen. Gleich in der ersten Szene war der Sprung von einem fast vier Meter hohen Balkon vorgesehen. Die Bühnenarbeiter hatten schlampig gearbeitet - das Halteseil hielt nicht, Anheisser stürzte in die Tiefe. Die zum Gesang mit Luft vollgepumpten Lungen wurden beim Aufprall irreparabel zerstört. Vier Tage später versagte sein Herz.

 

Geboren 1929 in Köln. Erster Gesangsunterricht von der Mutter, einer Opernsängerin. Abitur, Freiburger Musikhochschule, Ausbildung bei Prof. Fritz Harlan. Conservatorio Verdi in Mailand. Fünf Jahre Südafrika, Gesangs- und Musikwissenschaftsstudium bei Prof. Anni Hartmann. Germanistik- und Anglistikstudium, Rückkehr nach Deutschland. Engagements an der Bayerischen Staatsoper München, in Gelsenkirchen und seiner Geburtsstadt Köln.

 

 

 

Zweite künstlerische Heimat: Staatsoper Unter den Linden. Glanzrolle: der Barbier von Sevilla. Weitere Paraderollen: In den Mozart-Opern »Figaros Hochzeit, «Die Zauberflöte» und «Don Giovanni» Graf Almaviva, Papageno und Masetto, in Wagners «Tannhäuser» der Wolfram. Reiches Liederrepertoire.

Text Auszug von: Christina Matte,

 

https://www.neues-deutschland.de/artikel/919767.die-verehrer.html

Elternhaus, Ausbildung und erste Engagements

 

Den ersten Gesangsunterricht erhielt Wolfgang Anheisser von seiner Mutter Margot Menzel (1900 - 1985), die unter ihrem Mädchennamen Margot Gripekoven Karriere als lyrische Sopranistin machte. Vor einigen Jahren ist auf dem Label Myto eine Rundfunkaufnahme von Lortzings „Zar und Zimmermann“ erschienen, in der sie neben Georg Hann (Zar), Hubert Buchta (Zimmermann) und Wilhelm Strienz (van Bett) als Marie zu hören ist. Sie studierte von 1918 bis 1923 Gesang an der Hochschule für Musik in Köln und trat als Opernsängerin u. a. in Hagen, Krefeld und in Berlin auf. ..

 

Sein Vater Dr. Siegfried Anheisser, war Musikwissenschaftler und Mozartforscher, arbeitete von 1926 bis 1933 im Westdeutschen Rundfunk Köln als Oberspielleiter und Leiter der Opernabteilung sowie als Chefdramaturg und Regisseur. Am 25. März 1933  wurde er zum kommissarisch amtierenden Intendanten ernannt, doch nach dem  Amtsantritt  von Dr. Heinrich Glasmeier bereits vier Wochen später fristlos entlassen. Er zog nach Berlin, wo er seinen Lebensunterhalt nur noch in freier Mitarbeit erwerben konnte. Dort verstarb er am 16. Juni 1938 an einer Embolie, die als Folge einer Darmverschluss-Operation entstand.

                                                                                                              Wolfgang Anheisser mit seinem Vater Siegfried 1929

Willi Paul Menzel, der zweite Mann seiner Mutter, stammte aus einer wohlhabenden Familie, der u. a. die größte Tischfabrik Deutschlands in Großröhrsdorf bei Dresden gehörte. Aufgrund seiner finanziellen Unabhängigkeit war es ihm möglich, sieben Jahre in Paris zu leben und sich ganz den schönen Künsten zu widmen. Dazu gehörte auch ein Gesangsstudium. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland, setzte er den Gesangsunterricht 1937 und1938 bei Anheissers Mutter fort. Nach dem plötzlichen Ableben von Siegfried Anheisser war Menzel der Witwe eine große Hilfe; aus dieser Situation entwickelte sich eine Freundschaft und schließlich eine 46-jährige sehr glückliche Ehe.

 

Im Januar 1944 flohen Margot und Willi Paul Menzel mit dem kleinen Wolfgang von Dresden in den Schwarzwald, wo sie im Juni 1944 ihren ständigen Wohnsitz in St. Blasien fanden. Mittlerweile waren der gesamte Besitz der Familie Menzel von den Russen enteignet und die Maschinen demontiert worden. 1947 zogen sie um nach Freiburg im Breisgau. Da Menzel aufgrund seiner ausgezeichneten Französisch-Kenntnisse während des Zweiten Weltkriegs in Paris als Dolmetscher dienstverpflichtet gewesen war, wurde er von den Franzosen in Freiburg verhaftet.

 

 

 

 

Die Mutter Sopranistin Margot Gripekoven 1900-1985

 

In der Haft bekam er Kehlkopf- und Lungen-TB, und nach seiner Entlassung erlitt er einen Schlaganfall. Dadurch erwerbsunfähig, lastete der Lebensunterhalt der Familie fortan auf der Mutter: mit Gesangsunterricht versuchte sie, die Familie über Wasser zu halten, doch wurde ihre Gesundheit durch den ständigen Existenzkampf derart angegriffen, dass sie 1951 einen totalen Zusammenbruch erlitt.

Der Sensenmann von Johann Müllemeister, in Patenschaft der Steinmetzfamilie Steinus, ist sicherlich das Wahrzeichen vom Melaten Friedhof in Köln.

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Wolfgang Anheisser, inzwischen volljährig, war nun ganz auf sich selbst gestellt und musste von nun an seinen Lebensunterhalt allein bestreiten. Neben diversen studentischen Gelegenheitsarbeiten verkaufte er u. a. „Die Abendpost", außerdem trat er als Sänger in einer Jazzband auf.

 

Als musikalisch und stimmlich außerordentlich begabt eingestuft, erhielt Anheisser ein Stipendium von der Musikhochschule in Freiburg: ab Wintersemester 1953/54 war er Mitglied der Meisterklasse bei Prof. Fritz Harlan, der mit ihm auch privat in seinem Hause arbeitete. In den Nebenfächern hatte er Unterricht in Tonsatz und Gehörbildung, Musikgeschichte und Klavier.

 

                                                                                                    Henriette und Wolfgang Anheisser mit Einzi und Robert Stolz im Aufnahmestudio

 

Erste Bühnenerfahrungen erwarb er sich am 21. und 23. Juli 1954 als Priester in Aufführungen von Mozarts „Zauberflöte“ im Paulussaal der Hochschule. Den Tamino sang damals ein immens begabter Schüler aus der Meisterklasse von Frau Prof. Margarethe von Winterfeldt: Fritz Wunderlich. In einem Gesangswettbewerb, der 1954 von der amerikanischen Armee in Stuttgart ausgerichtet wurde, errang Anheisser einen Preis, der u. a. zu dem Angebot führte, bei einer Konzerttournee in Südwest- und Südafrika mitzuwirken. Die Tournee fand von November 1954 bis Mai 1955 unter der musikalischen Leitung von Ernst Scherer statt, dem ehemaligen Leiter der Freiburger Singgemeinschaft, und stand unter der Schirmherrschaft der Südwest- und Südafrikanischen Kunstvereinigung. Über dieses Engagement war Anheisser sehr glücklich, da es ihn zunächst von bedrückenden materiellen Sorgen befreite.

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Nach Ende der Tournee erwog Anheisser gründlich, ob er überhaupt nach Deutschland zurückkehren sollte. Zwar war ihm das Stipendium in Freiburg nach wie vor sicher, doch die materiellen Verhältnisse zu Hause erschienen ihm nach wie vor als sehr unsicher. Nachdem er in Johannesburg seine künftige Gesangslehrerin Prof. Anni Hartmann kennen gelernt hatte, beschloss Anheisser für einige Zeit in Südafrika zu bleiben. Ab Mitte Juli 1955 erhielt er fast täglich Gesangsstunden bei Anni Hartmann, die seine Stimme ausschließlich im Bereich des Kunstliedes ausbildete.

 

Parallel absolvierte Anheisser an der University of Witwatersrand von 1956 bis 1960 ein musikwissenschaftliches Studium einschließlich Harmonie und Kontrapunkt, Germanistik, Anglistik und Afrikaans. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich in diesen Jahren zunächst als kaufmännischer Angestellter in einer deutschen Firma. Von der South African Broadcasting Corporation (SABC), wo er regelmäßig als Sänger Aufnahmen machte, wurde ihm 1958 eine Ausbildung als „Presentation Assistent" angeboten.

 

Wolfgang Anheisser Köln 1971

 

Begeistert nahm er das Angebot an, musste jedoch zu seinem Bedauern feststellen, dass sich die Ausbildung im Rundfunk zeitlich nicht mit seinem Universitätsstudium vereinbaren ließ, da sie im Wechseldienst stattfand. Von Frühjahr 1959 bis zu seiner Rückkehr in Deutschland im November 1960 verdiente sich Anheisser seinen Lebensunterhalt im Vertrieb einer Stahlfirma.

Während dieser Studienjahre in Südafrika entstanden am dortigen Rundfunk zahlreiche Lied-Aufnahmen mit Anheisser, auch war er immer wieder als Solist bei öffentlichen Kammerkonzerten zu hören, die die SABC veranstaltete und übertrug. Außerdem sang er in Kirchenkonzerten der Deutschen Evangelischen Kirche in Johannesburg. Im Auftrag der „South African Federation for Opera“ sang er 1958 in sechs Aufführungen die Hauptrolle in der Oper „In die Droogte" („In the Drought“) des südafrikanischen Komponisten John Joubert. In der Opernfestspielsaison 1960 folgte die Partie des Sprechers in der „Zauberflöte".

In einem Gesangswettbewerb, den die bekannte südafrikanische Koloratur-sopranistin Mimi Coerste veranstaltete, gewann Anheisser ein Stipendium in Höhe von 400 engl. Pfund, mit der Auflage, nach Beendigung des Studiums in Europa ein Gratiskonzert in der Aula der Universität Pretoria zu singen (diese Auflage löste er im Juni 1963 ein).

 

 

 

 

 

 

 

Wolfgang Anheisser mit Wim Thoelke in „Drei mal Neun“ 1972

 

Die Abschlussprüfung für Sologesang im Jahre 1960 an der Universität Pretoria bestand Anheisser mit höchster Auszeichnung ("hoogste toekenning").

Während seines Aufenthalts in Südafrika hatte sich Anheisser nicht nur als Sänger, sondern auch mit seinen anderen beruflichen Aktivitäten eine glänzende Existenzgrundlage aufgebaut, die ihm dort ein sorgloses Leben ermöglicht hätten. Doch die Sängerlaufbahn stand nach wie vor im Mittelpunkt: dafür hatte er hart gearbeitet und sehr viele Entbehrungen auf sich genommen. Jetzt endlich war der Weg soweit geebnet, sich ausschließlich auf den Sängerberuf zu konzentrieren, und so beschloss er, nach Abschluss des Studiums nach Europa zurückzukehren. Ursprünglich beabsichtigte er, noch ein weiteres Jahr in Wien zu studieren, da seine Lehrerin Anni Hartmann 1960 nach Wien zurückgekehrt war; ihr Ehemann Prof. Fritz Hartmann war als Vize-Präsident an die Wiener Musikakademie berufen worden. Am 12. November 1960 flog Wolfgang Anheisser von Johannesburg nach Düsseldorf.

 

Doch es kam alles anders als geplant. Durch Vermittlung der bekannten Theateragentur Robert Schulz / Harry Schmidt erhielt Anheisser einen Vor-singtermin an der Bayerischen Staatsoper in München. Danach erhielt er sofort einen Anfängervertrag für den Rest der Spielzeit 1960/61. Es folgte ein zweiter erweiterter Vertrag mit der Bayerischen Staatsoper bis zum Ende der Spielzeit 1962/63.

Zu jener Zeit war Prof. Karl Schmitt-Walter Gesangspädagoge an der Hochschule für Musik in München und Mitglied der Bayerischen Staatsoper. Bei ihm vervollständigte Anheisser seine Ausbildung als Opernsänger. Die langjährige Zusammenarbeit erwies sich als sehr glücklich, nicht nur beruflich, sondern auch privat: Anheisser wurde im Hause Schmitt-Walters wie ein Sohn aufgenommen, und die herzliche Verbindung zu ihm und seinen Söhnen blieb über die Jahre bestehen.

Später nahm Anheisser auch den Kontakt zu seinem Freiburger Lehrer Prof. Harlan wieder auf: in den Jahren 1969 und 1970 hat er mit ihm an verschiedenen Opernpartien gearbeitet.

 

Diese website ist dem Andenken an Wolfgang Anheisser gewidmet, der nach einem Bühnenunfall während einer Aufführung von Millöckers "Bettelstudent" am 1. Januar 1974 verunglückte und an den Folgen seiner Verletzungen vier Tage später verstarb. Dank der vielen Aufnahmen, die mein Mann in den 14 Jahren seiner Bühnen-Karriere machte, ist er in den Köpfen vieler Musikliebhaber nach wie vor präsent: immer wieder erreichen mich Anfragen bezüglich seiner Opern- und Konzert-Aufführungen. Um Interessierten einen direkten Zugang zu den Daten zu ermöglichen, habe ich beschlossen, das mir vorliegende Material peu a peu auf dieser website zu veröffentlichen. Da mir in einigen Fällen Informationen fehlen - zum Beispiel gibt es bei der Aufstellung seiner Opern- und Konzert-Aufführungen noch manche Lücke - bin ich für ergänzende Hinweise sehr dankbar.

 

Henriette Anheisser, 1.12.2012

 

Henriette Anheisser, vielen Dank für die wunderbare Erinnerung
Quelle Text und Bilder: http://wolfgang-anheisser.com/Anheisser/Home.html

Heruntergeladen am 16.04.2021

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