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Lehrlinge fuhren Porsche

Unternehmensgeschichte

Die Herstatt-Bank besaß ein Vorläuferinstitut, das auf eine mehr als 100-jährige Historie zurückblicken konnte.

 

Vorläuferinstitut 1792–1888

 

Die Familiendynastie Herstatt begann in Köln mit Isaak Herstatts (* 21. August 1697 in Eschweiler, † 28. April 1761 in Köln) Antrag auf Aufenthaltserlaubnis am 21. März 1727. Der streng protestantische Hugenotte stammte aus dem flandrischen Valenciennes. Er und seine Nachfahren betrieben Handelshäuser, insbesondere mit Seide.

 

Auch das von den beiden nachfolgenden Brüdern Johann David Herstatt (* 13. Oktober 1740 in Köln, † 2. Januar 1809 ebenda) und Jakob Herstatt (* 29. Januar 1743 in Köln, † 25. März 1811 ebenda) gegründete Bankhaus I. D. Herstatt (Köln, Hohe Pforte 25–27) ging 1782 aus einer Seiden- und Florettbandweberei hervor, wobei die Brüder in den Gründerjahren krisenbedingt das Seidengeschäft sukzessive zugunsten das Kommissions- und Bankgeschäfts zurückdrängten.

 

Johann David Herstatt führte das Unternehmen ab 1782 ohne seinen Bruder weiter. Als Bankier wird Johann David Herstatt erstmals im Ratsprotokoll der Stadt Köln vom 27. Januar 1792 erwähnt.

 

 

Die Herstatt-Bank war zusammen mit dem A. Schaafhausen’schen Bankverein während der französischen Besatzungszeit in Immobiliengeschäfte aus Säkularisation involviert. Sie verfügte 1796 über ein Eigenkapital von 100.000 Reichstalern, das im Jahr 1810 auf 260.000 angewachsen war. Erst ab 1815 wurden ausschließlich Bankgeschäfte betrieben, und zwar insbesondere das Warenwechselgeschäft und der Kontokorrentkredit. Bankkunden waren die Montan-, eisenverarbeitende und Textilindustrie in der Region. Seit 1818 bestand eine Kooperation der Herstatt-Bank mit den Kölner Privatbanken J. H. Stein und A. Schaafhausen’scher Bankverein.

 

 

In der dritten Generation führte Friedrich Peter Herstatt (* 25. September 1775 in Köln, † 7. Mai 1851 ebenda) die Bankgeschäfte, der sich als Teilhaber 1798 seinen Schwager Ludwig Gottfried von den Westen (* 13. August 1766, † 1. September 1845 Köln) und ab 1837 Heinrich Ziegler holte.

 

Zusammen mit den Kölner Bankhäusern Stein,             A. Schaafhausen und Sal. Oppenheim gründete die Herstatt-Bank 1818 die Rheinschifffahrts-Assekuranz-Gesellschaft, aus der 1845 die Agrippina-Versicherung hervorging.

 

 

Spätestens seit 1834 gehörte Friedrich Krupp zu den Bankkunden, als die Herstatt-Bank einen Kontokorrentkredit von 8.000 Talern zur Verfügung stellte und zur Hausbank emporstieg. Auch Felten & Guilleaume gehörte zu den Bankkunden. Auch an den Gründungen der kapitalintensiven Eisenbahnen war die Herstatt-Bank beteiligt; es begann 1837 mit der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft und setzte sich mit der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft 1841 fort.

 

Als am 5. März 1839 die Kölnische Feuer-Versicherungs-Gesellschaft ihre Konzession erhält, gehören Simon Oppenheim (Sal. Oppenheim), Heinrich Ziegler (Herstatt-Bank), Wilhelm Ludwig Deichmann (Teilhaber bei A. Schaafhausen) und zwei andere Kölner Bankiers zu den Gründern. Aus ihr ging die Colonia-Versicherung und die heutige AXA Versicherungen hervor.

 

Im März 1843 hat Herstatt auch an der Gründung der ersten deutschen Rückversicherung, der Kölnische Rückversicherungs-Gesellschaft, mitgewirkt. Ab 1849 ist eine Emissionstätigkeit für Anleihen belegt, als die Herstatt-Bank sich an einer Kölner Stadt-Anleihe beteiligte; 1856 folgten Aktienemissionen wie die der Vulkan AG für Hüttenbetriebe und Bergbau, jedoch schien sich Herstatt bei größeren Emissionen im Gegensatz zu den anderen Kölner Privatbankiers zurückzuhalten.

 

Sohn Johann David Herstatt (* 28. Mai 1805 in Köln, † 31. Januar 1879 ebenda) führte die Bankgeschäfte nunmehr in der vierten Generation weiter und war 1831 bis 1879 Präsident der Kölner Handelskammer. Dessen Sohn Friedrich Johann David Herstatt (* 29. September 1831 in Köln, † 17. Januar 1888 ebenda) starb früh an Lungenentzündung, sein einziger Sohn Johann David (* 27. März 1887 in Köln, † 4. November 1955 ebenda) war erst knapp 1 Jahr alt – die familiäre Übertragungskette auf den jeweils ältesten Sohn hatte nicht mehr funktioniert.

 

Mangels Nachfahren wurde deshalb am 15. März 1888 das Bankhaus I. D. Herstatt nach über 100-jähriger Geschäftstätigkeit vom Bankhaus J. H. Stein übernommen und nachfolgend im Namen vom Bankhaus Stein liquidiert. Damit endete vorerst die Existenz des Bankhaus I. D. Herstatt. Es residierte bis 1888 in einem repräsentativen Gebäude in der Hohe Pforte 25–27/Ecke Sternengasse, das 1929 abgebrochen wurde.

Der Aufstieg und Fall des neuen Bankhauses Iwan David Herstatt

 

Die Geschichte des steilen Aufstiegs und tiefen Falls des Bankhauses I.D. Herstatt beginnt 1955, als Iwan David Herstatt mit seinem Jugendfreund, dem Versicherungserben Hans Gerling, die kleine Kölner Privatbank Hocker übernimmt. Fünf Millionen Mark Bilanzsumme hat sie und ist vor allem dafür bekannt, die Inhalte der Klingelbeutel Kölner Kirchen zu verwahren.

 

Herstatt sieht seine Bestimmung erfüllt: Er entstammt einer Bankiersfamilie, die nur mangels Nachfolger ihr Institut 1888 verkauft hatte. Er selbst machte eine Lehre bei der Deutschen Bank und baute nach dem Krieg die Kölner Filiale der BFG auf.

 

Die winzige Bank I.D. Herstatt wächst rasant: Nur ein Jahr nach der Übernahme weist ihre Bilanz 72 Millionen Mark aus, 1973 sind es zwei Milliarden Mark. Das freut Hans Gerling: Ihm gehören über 80 Prozent der Bank. Insbesondere zwei Gründe hat das Wachstum: den Patriarchen Herstatt und die Devisenabteilung.

 

 

 

 

 

 

Als Vatertyp beschreiben ehemalige Mitarbeiter den 1,96 Meter langen Herstatt. Und als geborenen Verkäufer. Er ist bissig, er kann klüngeln. Seine Konditionen sind immer einen Tick besser als die der Konkurrenz. In über 80 Vereinen ist er aktiv. Im Karneval ist der Bankier omnipräsent: Mehrere Sitzungen an einem Abend sind kein Problem.

Vielleicht ist der 16. Dezember 1973 der Höhepunkt im Berufsleben des Iwan David Herstatt. Er feiert seinen 60. Geburtstag mit über 1 000 Gästen. Es gibt Kölner, die eröffneten extra ein Konto, um noch eine Einladung zu bekommen. Eigentlich herrscht Fahrverbot an jenem Tag, die Ölkrise. Doch die Gäste halten eine Sondergenehmigung in Händen. Als die Kapelle spät abends aufhören will, sagt Herstatt: "Spielt weiter." Und sie spielt weiter.

 

 

Niemand weiß, ob das Geburtstagskind sich da schon sorgt um die Bank. Vermutlich nicht. Wahrscheinlicher ist, dass er Warnzeichen ignoriert. Denn die Rolle des Patriarchen liebt er, die tägliche Morgenkonferenz gleicht oft genug einer Stammtischrunde. Kritik? Nicht erwünscht.

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Längst aber brennt es in jenem Dezember 1973 auf der "Raumstation Orion". So nennen die Herstatt-Mitarbeiter den Devisen-Handelsraum mit seinem futuristischen Tisch in Form einer abgeschnittenen Pyramide. In der Mitte flackern Daten über Monitore, flapsig werfen Händler mit Kauderwelsch um sich: "Zehn Kisten für die Comba Frankfurt" oder "90 für Opidüss" heißt es da. Was so viel heißt wie: zehn Millionen für die Frankfurter Commerzbank und einen Kurs von 90 für Sal. Oppenheim in Düsseldorf.

 

Das Geschäft mit Währungen ist relativ neu: Erst 1971 schwanken die Wechselkurse europäischer Währungen zum Dollar wieder. Und es ist ein für damalige Verhältnisse schwer zu durchblickendes und Nerven aufreibendes Treiben. Für Herstatt ist das Dollar-Kaufen und-Verkaufen das entscheidende Wachstumsdoping. 24 Milliarden Mark setzt die Bank 1973 im Devisenhandel um - 12-mal mehr als ihre Bilanzsumme.

 

 

Der Kapitän der Orion heißt Dany Dattel, offizieller Titel: Leiter der Devisenhandelsabteilung. Fotos aus jener Zeit zeigen einen etwas fülligen Mittdreißiger mit hoher Stirn, Wuschelkopf und großer Nase. 1958 beginnt er als Lehrling bei Herstatt. Früh entdeckt er den Devisenhandel - und steigt auf. "Goldjunge" nennt ihn der alte Herstatt. Eine Zeit lang läuft es glänzend.

 

 

Bald zockt jeder in der Kölner Zentrale mit und pumpt zusätzlich Geld in den Währungshandel - sogar der Pförtner. Lehrlinge fahren Porsche.

 

1973 aber ist das Jahr, in dem der Dollar hin und her zuckt: 3,15 D-Mark, 2,28, 2,70. Und im Ausland fragen sich erstmals Händler der Großbanken, ob die kleine Privatinstitution in Köln nicht ein "zu großes Rad dreht" - erst durch die Herstatt-Pleite wird der Begriff zum sprachlichen Allgemeingut. Immer schwerer wird es für Dattel, Geschäfte abzuschließen, um die enormen Schwankungen auszugleichen. Sein Team greift zum Betrug: Eine Abbruchtaste an den Computern sorgt dafür, dass zwar Belege ausgeworfen werden, Verlustgeschäfte aber nicht in die Buchhaltung kommen. "Mein Vater hat erst am 10. Juni von diesen Geschäften erfahren", berichtet Iwan Davids Sohn Johann David Herstatt später. Es ist der Tag, an dem Dattel beichtet.

Ein Nachrechnen ergibt: Der Bank droht ein Verlust von 470 Millionen Mark. Hans Gerling verspricht Hilfe, allein aber kann er das Loch nicht stopfen. Während Herstatt die WestLB in letzter Minute zu Hilfe rufen will, pocht Gerling auf Gespräche mit den Konkurrenten Deutsche, Dresdner und Commerzbank - ein Fehler. Sie fordern Sicherheiten von Gerling, er soll Aktien verpfänden. Doch der Schulfreund beugt sich nicht dem Willen der Großbanken - das Aus für Herstatt.

 

 

 

 

Wilde Szenen spielen sich in Köln ab. Vor den Herstatt-Filialen versammeln sich die um ihr Geld bangenden Kunden. Im Dezember kommt es zur größten Gläubigerversammlung der Nachkriegsgeschichte: Die Kölner Sporthalle ist prall gefüllt, bis weit nach Mitternacht wird diskutiert.

 

Das Erstaunliche: 82 Prozent der Gelder werden von den Insolvenzverwaltern gerettet, eine fast sensationelle Quote. Heute gilt es als sicher, dass Herstatt hätte überleben können - wenn die Großbanken ein Interesse daran gehabt hätten. So aber veränderte der Fall der Goldjungen die Bankenlandschaft auf immer: Privatbanken haben es in den folgenden Jahren erheblich schwerer, der Einlagensicherungsfonds wird als Rettungsboot gegründet, die Bankenaufsicht verändert.

 

"Ab dem Tag hat mein Vater eigentlich nicht mehr gelebt", sagt Johann David Herstatt über den 26. Juni 1974. Nur eines ließ ihn weitermachen: der Kampf um die Familienehre. Erst wird er zu einer Haftstrafe verurteilt, ebenso wie Dattel. Gegen beide werden aber die Revisionsverfahren aus gesundheitlichen Gründen später eingestellt: Dattel leide unter einem KZ-Syndrom, sagen seine Ärzte - als Vierjähriger verbrachte er einige Monate in Auschwitz, diese Erinnerung sei wieder aufgebrochen. Herstatt attestierten die Fachleute ein "Pickwick-Syndrom": Wurde er geistig nicht gefordert, schlief er ein. Am Ende bleibt es bei zwei Jahren Haft auf Bewährung für Herstatt.

 

In seinem Buch "Der Untergang" stellt er später seine Sicht der Dinge dar. "Die Bank ist zum Teufel. Mir ist nichts geblieben. Ich lebe von meinen Kindern, die mich das aber nicht fühlen lassen", sagte er 1994 in seinem letzten Interview dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Iwan David Herstatt stirbt mit 81 Jahren am 9. Juni 1995. Was ihn bis zuletzt traf: "Der Dattel läuft frei herum."

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Herstatt-Bank

Handelsblatt

https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/banken/hintergrund-der-aufstieg-und-fall-des-bankhauses-i-d-herstatt-seite-2/3111138-2.html

Heruntergeladen am 04.04.2021

 

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