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Die Sprengstoff-Fabrik

Die Sprengstoff-Fabrik

Es begann mit einem Besuch aus Pommern. Am 1. November 1858 erreicht der aus Stettin kommende Hermann Julius Grüneberg Köln. Dem Dom fehlen noch beide Türme, und die erste Brückenverbindung zwischen Deutz und der anderen Rheinseite wird erst ein Jahr später eröffnet. Also muss Grüneberg mit dem Schiff übersetzen. In der Rheingasse 13 trifft der Apotheker und Chemiker den Kaufmann Julius Vorster, mit dem er zuvor schon in Briefkontakt gestanden hatte.

 

 

 

 

Quelle Bild CFK 1892:  http://gw-kalk.de/kalk-im-aufbruch-industrie-in-kalk/

 

Vorster betreibt eine, wie es seinerzeit heißt, „Drogenhandlung“. Dort verzeichnet er für seinen Bengalsalpeter eine seit Jahren steigende Nachfrage. Dieses Kaliumnitrat wird in Sprengmitteln eingesetzt, die beim boomenden Bergwerks-, Zechen- und Tunnelbau benötigt werden. Doch es gibt Engpässe. Mitte der 1850er Jahre verhängen die Engländer im Zuge des Krim-Kriegs für ihre südasiatische Kolonie ein totales Ausfuhrverbot von Salpeter. Vor diesem Hintergrund ist Grüneberg für Vorster ein hochinteressanter Mann. Schließlich weiß der Chemiker aus Pommern, wie man Kaliumnitrat selber herstellen kann.

 

„Schon seit 1854 hatte Grüneberg in Stettin eine kleine Fabrik betrieben, in der er Kalisalpeter gewann“, so der Historiker Fritz Bilz, der sich seit mehr als zehn Jahren mit der Geschichte Kalks beschäftigt. Gleich bei ihrer ersten Begegnung an jenem 1. November 1858 fassen die beiden den Entschluss, gemeinsam eine Fabrik zu gründen: „Vorster & Grüneberg“. Die Wahl des Standorts fällt auf „Kalk bei Deutz“ - zu jener Zeit noch ein Vorort von Köln mit knapp tausend Einwohnern, einigen Höfen, ein paar Ziegeleien und Kiesgruben - und einem Eisenbahnanschluss mit Verbindungen ins rechtsrheinische Hinterland. Das Unternehmer-Duo ersteigert eine stillgelegte Eisengießerei, und schon im Februar 1859 beginnt mit zehn Mitarbeitern die Produktion von Kalisalpeter und, als Nebenprodukt, Soda.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                        https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Vorster#/media/Datei:Julius_Vorster.jpg

Die Firma erlebt einen raschen Aufstieg. „Aus 5500 Zentnern Kalisalpeter im Jahr 1859 wurden innerhalb von fünf Jahren mehr als 48 000 Zentner“, so Fritz Bilz. Schon 1860 kaufen die Firmengründer weitere Grundstücke dazu. Das Kaliumnitrat findet nicht nur Verwendung in Sprengstoffen, sondern auch als Dünger. Der inzwischen promovierte Grüneberg sowie Vorster erkennen, dass die Landwirtschaft auch Phosphat- und Stickstoff-Dünger benötigt. 1865 nehmen sie entsprechende Produkte ins Programm.

 

 

 

Grabstätte der Familie Vorster auf dem Melaten - Friedhof Köln, Bildhauer unbekannt

 

Das Kalker Unternehmen wird das erste überhaupt in Deutschland, das Kalium-, Stickstoff- und Phosphorverbindungen für die Düngung herstellt - und damit die drei wichtigsten Pflanzennährstoffe. Die späteren Mehrstoffdünger Kamp und Kampka sind viele Jahre lang Klassiker.

Am 1. Juli 1892 wird aus Vorster & Grüneberg die Chemische Fabrik Kalk GmbH (CFK). „Als Kalk 1910 eingemeindet wurde, hatte es 27 639 Einwohner, und die CFK war mit über 1000 Mitarbeitern dort längst der zweitgrößte Arbeitgeber nach der Maschinenbauanstalt Humboldt“, so der Historiker Bilz. Im Ersten Weltkrieg schrumpft die Zahl der Mitarbeiter von 800 auf 70, der Zweite Weltkrieg bringt so große Schäden, dass die Produktion erst 1948 wieder in Gang kommt. Die 50er Jahre bescheren dem Unternehmen Rekordzahlen. 1820 Arbeiter und 540 Angestellte weist die Chronik für 1958 aus.

 

                                                                                                                                                                                                                        Grabstätte der Familie Vorster auf dem Melaten - Friedhof Köln, Bildhauer unbekannt

Die brauchen einen großen Speisesaal. „Dieser wurde auch für viele Großveranstaltungen, etwa im Karneval, genutzt und hieß im Volksmund Kalker Gürzenich“, wie Bilz anmerkt. Zur gleichen Zeit beginnt auch die Umwandlung von einem Familienunternehmen zu einer Aktiengesellschaft. Die Salzdetfurth AG übernimmt schrittweise bis 1960 die gesamte CFK. Das beflügelt zunächst das Geschäft, bauen die neuen Inhaber doch die Düngemittelpalette weiter aus und nehmen auch Tierfutterprodukte auf Phosphatbasis ins Programm auf. 1970 schließt sich die Salzdetfurth mit der Kali und Salz AG (K+S) zusammen, die wiederum eine mehrheitliche BASF-Tochter ist.

 

Der Niedergang beginnt in Schüben. 1985 wird die Produktion der Bromchemikalien eingestellt, aus denen Kunden Flammschutzmittel für Kunststoffe produzieren. 1988 folgt der Stopp der Düngerproduktion, 1993 der von Soda und Calciumchlorid, und am 31. März 1993 heißt es im „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Chemische macht dicht.“ In den sechs Jahren zuvor war der Umsatz um die Hälfte zurückgegangen. Die letzten 600 Mitarbeiter können noch bis zum Frühjahr 1994 bleiben. So lange läuft noch die Produktion von Futterphosphat. Danach verbleibt nur noch eine kleine Vertriebsgesellschaft mit wenigen Mitarbeitern, die einige ehemalige CFK-Kunden weiterhin mit zugekauftem Soda beliefern. Sie existiert bis heute. Einige CFK-Anlagen werden anderswo weiterbenutzt, etwa in Polen und Brasilien. Als Letztes fällt im März 2001 die 1894 errichtete, einst denkmalgeschützte, 200 Meter lange Düngemittelhalle, deren Halleninnerem Werner Strodthoff in einem Beitrag für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ noch im Dezember 1996 eine „atemberaubende Raumwirkung“ bescheinigte. Danach bleibt nur noch der 1904 errichtete Wasserturm. Ein letztes, 42 Meter hohes Wahrzeichen der „Chemischen“.

 

 

Den heutigen Besuchern der 2005 eröffneten Köln-Arcaden dürfte er zwischen Parken und Shoppen vielleicht noch auffallen, aber seine Geschichte und die des Grundstücks wird vielen kaum bekannt sein. Gut einen Kilometer weiter, am Beginn der Olpener Straße, sind die Büros der letzten verbliebenen CFK-Mitarbeiter. Soda gehört nach wie vor zum Verkaufsprogramm, Kaliumnitrat, dessen Produktion die einstige Geschäftsidee von Julius Vorster und Hermann Grüneberg war, dagegen nicht mehr. Seit Ende September zählt K+S, der Eigentümer der CFK, zur ersten deutschen Börsenliga, dem Dax. Die Gründer immerhin haben ihre ewige Ruhe an prominenter Stelle gefunden. Beide liegen, jeweils in Familiengräbern, in der Mittelallee auf dem Melaten-Friedhof. Vorster starb 1876, Grüneberg 1894. In Kalk erinnern bis heute die Namen zweier Straßen an die beiden Industriellen.

Julius Vorster

 

Friedrich Julius Vorster (* 29. April 1809 in Hamm; † 10. Oktober 1876 in Kalk bei Cöln) war ein deutscher Unternehmer der Chemieindustrie und Mitgründer der Chemischen Fabrik Kalk.

 

Leben

Vorster eröffnete nach einer kaufmännischen Lehre in Köln eine florierende Chemikalienhandlung. Nach dem Eintritt des Teilhabers Harhaus firmierte sie unter Vorster & Harhaus. Später hieß sie dann Julius Vorster. Einen bedeutenden Teil seines Umsatzes machte Vorster mit Salpeter, das er aus Bengalen einführte, und das für Sprengstoff im Bergbau und im Tunnelbau benötigt wurde. Mitte der 1850er Jahre stoppte Großbritannien wegen des Krimkrieges die Ausfuhr dieser Chemikalie. Der so entstandene Engpass war ein Motiv, 1858 zusammen mit Hermann Grüneberg die Chemische Fabrik Kalk zu gründen. Grüneberg brachte das Know-how mit, wie man Pottasche als Ersatz für Salpeter im industriellen Maßstab herstellen kann.

 

 

Vorster war mit Wilhelmine geb. Röhrig (1818–1883) verheiratet. Beide hatten mehrere Kinder. Er war Stifter des Evangelischen Krankenhauses in Köln. Begraben ist er auf dem Melatenfriedhof. Nach ihm wurde in Kalk die Vorsterstraße benannt.

Grabstätte der Familie Vorster auf dem Melaten - Friedhof Köln, Bildhauer unbekannt

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Hermann Grüneberg

Hermann Julius Grüneberg (* 11. April 1827 in Stettin; † 7. Juni 1894 in Köln) war ein deutscher Apotheker, Chemiker und Unternehmer, der als Pionier der deutschen Kaliindustrie und Wegbereiter der mineralischen Düngung in der Landwirtschaft gilt. Grüneberg war das zweite von sechs Kindern des Orgelbaumeisters August Wilhelm Grüneberg und dessen Frau Caroline Henriette geb. Breslich aus Cammin; einer seiner Brüder war Barnim Grüneberg, der die väterliche Orgelbauwerkstatt fortführte.

 

 

 

Hermann Grüneberg besuchte die Elementarschule an der Johanniskirche und später das Gymnasium und die Friedrich-Wilhelm-Schule in Stettin. Sein Berufsleben begann mit der Ausbildung zum Apotheker und der Lehre in der Apotheke Zum Pelikan in Stettin. In dieser Apotheke – einer der größten des Landes – arbeitete Grüneberg längere Zeit im Laboratorium unter der Leitung des Chemikers G. Garbe.

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             Quelle Bild: Von Autor unbekannt - (Originaltext: Lithographie von 1894)1994(14. Januar 2008 (original upload date)),                                                                                                                                                                                                                           Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7900583

 

Nach geleistetem Militärdienst erhielt Grüneberg im September 1850 das königlich preußische Patent auf eine Vorrichtung zur Zuleitung und Vertheilung der zur Bleiweißherstellung erforderlichen Substanzen. Der Aufbau einer Fabrik zur Herstellung von Bleiweiß nach seinem Verfahren in Schweden wurde erfolgreich, so dass er ein ähnliches Werk in Alt-Damm bei Stettin errichtete.

 

Nach dem Studium in Berlin bei Eilhard Mitscherlich und Gustav Rose, sowie in Paris bei Boussignault und Georges Ville folgten Studienreisen durch Deutschland, in die Schweiz, durch Frankreich, England und Schottland, wobei er Erfahrungen in circa 130 Betrieben sammelte und notierte. 1860 wurde Grüneberg in Leipzig über die Theorie der Bleiweißproduktion promoviert. Durch seine Forschungen und Experimente erzielte er wesentliche Verbesserungen in Qualität und Eigenschaften von Bleiweiß.

 

Der durch den Krimkrieg ausgelöste Mangel an Salpeter zur Herstellung von Schwarzpulver veranlasste Grüneberg, erstmals künstlichen Kalisalpeter durch Zersetzen von Natronsalpeter mit Pottasche in einer von ihm erbauten großen Anlage in Bredow bei Stettin zu produzieren. Durch seine Erfindung wurde ein Fabrikationszweig in Deutschland eingeführt, der den ausländischen Bengalsalpeter fast gänzlich ersetzte.

 

Quellen Text:

https://www.ksta.de/traditions-fabrik-die-sprengstoff-fabrik-13085082
https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Vorster

https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Gr%C3%BCneberg

 

 

Heruntergeladen am 18.03.2021

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