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Das Blei für den Kölner Dom

Die Bilder zeigen die Grabstätte Lindgens (Muschelkalk), auf dem Südfriedhof in Köln. Die großen bepflanzbaren Seitenflächen führen dramaturgisch auf die Mittelwand hin. Der zentrale Konsolstein stellt eine weibliche Figur dar, die mit ihrer linken ein Kind schützend umfängt und in ihrer rechten eine "ewige Lampe" hält (circa 1918).

Begraben liegen hier unter anderen

 

 

Adolf Lindgens Kommerzienrat (1856 bis 1941),

 

Hans Lindgens (1892 bis 1946),

 

 

Clara Lindgens geborene v. d. Zypen (1869 bis 1945).

 

Firmengeschichte

 

Die früheste Werksgründung erfolgte durch den geradezu legendären Chemiefabrikanten Dr. Christian Wöllner. Schon dessen Vater hatte in Dünnwald eine Chemische Fabrik gegründet, von der eine bemerkenswert frühe Arbeitersiedlung von 1825 in Fachwerkbauweise erhalten ist. Der promovierte Sohn gründete Fabriken in Riehl und 1834 in Mülheim. Es war die erste Mennigefabrik Deutschlands, die 1851 von Carl Anton Lindgens und seinen Söhnen Adolf und Carl übernommen wurde und als Mennige- und Bleiweissfabrik kräftig weiterentwickelt wurde.

Carl Anton Lindgens 1800 bis 1862 Kolonialwarenhändler, Bank- und Speditionskaufmann in Antwerpen und Köln

 


Adolf Lindgens * 1.5.1825 Antwerpen, † 6.1.1913 Wiesbaden.

 

Leben

 

Nach dem Besuch des Kölner Gymnasiums erwarb Adolf Lindgens kaufmännische Fachkenntnisse als Lehrling im Bank- und Speditionsgeschäft seines Vaters Carl Anton Lindgens. Daneben betrieb er chemische Studien. Durch Aufenthalte in Frankreich und England, besonders in Le Havre und London, machte er sich mit den chemischen und technischen Grundlagen der damals aufstrebenden Industrien vertraut. In Newcastle on Tyne, dem Hauptort der engl. Mennigeindustrie, eignete er sich die industriellen Verfahren der Mennigeherstellung an.

Quelle Bild: https://www.muelheimerhafen.com/gestern/via-industrialis/

 

In der Firma „Lindgens & Söhne“, vormals „C. A. Lindgens“, zu Mülheim am Rhein gelang es ihm, 1851, zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder Carl, die Produktion von Bleimennige in Deutschland einzuführen. Nach geglückter Raffination von Weichblei stellte die Firma Mennige direkt aus Blei her. Im ersten Jahr betrug die Produktion 25 Tonnen. Der Erzeugung von Mennige und Bleiglätte schloss sich die Herstellung von Bleiweiß, Bleirohr und Walzblei sowie von Bleidraht für die preußischen Munitionsfabriken an.

 

Die Fa. Lindgens lieferte auch das Walzblei für die Dachflächen und Abdeckungen des Kölner Doms. Mennige oder richtigerweise Bleimennige war eine hervorragende Rostschutzfarbe mit der auch die Kölner Brücken gestrichen wurden. Es gibt nahezu kein Stahlbauteil, welches in dieser Zeit nicht mit Mennige gestrichen wurde, denkt nur mal an die ganzen Schachtanlagen und Hochöfen im Ruhrgebiet

Der Kölner Raum bot für die Fabrikation von Mennige und Bleiweiß günstige Standortsvoraussetzungen. Das Ausgangsprodukt, der Bleiglanz, wurde in den Bergwerken des Aachener, Oberbergischen und Mittelrheinischen Reviers gefördert, das Blei selbst wurde in den Stolberger, Braubacher und Bensberger Hütten gewonnen. Eine starke Konkurrenz für das Bleiweiß war die Weißfarbe Lithopone, die auf der Grundlage von Schwerspat von der belg. Firma Soudain-Boullet in Courtrai hergestellt wurde.

 

                                                                                                                                                                                                                    

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        Quelle Bild ca. 1905: https://www.muelheimerhafen.com/gestern/via-industrialis/

 

Adolf Lindgens baute seine Firma zum bedeutenden Handelsgeschäft aus, indem er sich 1878 in richtiger Voraussicht kommender Entwicklung das langjährige Verkaufsrecht für Deutschland sicherte. Er traf mit anderen Firmen Abkommen über die Herstellung und regte dadurch die deutsche Lithopone-Produktion an. 1881 begann das Unternehmen mit der Herstellung von Nitrit, das in der organischen Farbenindustrie Verwendung fand. Zwischen 1890 und 1900 umfasste das Fabrikationsprogramm Bleiweiß, Bleiglätte, Mennige, Bleisuperoxyd, salpetersaures Bleiweiß, Walzblei, Blei- und Zinnrohr, nach dem Bau einer weiteren Fabrik 1899 auch Zinkweiß. Bei seinem 50jährigen Bestehen 1901 hatte das Unternehmen über 400 Beschäftigte.

 

 

 

Adolf Lindgens war stellvertretender Vorsitzender der Handelskammer Köln und Vorstandsmitglied wirtschaftlicher und öffentlicher Gremien wie des Bleiweiß-Verkaufskontors, der deutschen Mennige- und Glätte-Konvention und der Deutschen Verkaufsstelle für gewalzte und gepresste Bleifabrikate. Er war Stadtverordneter und Beigeordneter der Stadt Mülheim. 

 

 

 

1901 feierte man 50 Jahre erfolgreiche Firmengeschichte. Eine Nitritfabrik wird errichtet, ein Bleiwalzwerk kommt hinzu. Man steigt in die Fabrikation von Zinkweiß ein. Das Werksgelände umfasst jetzt eine Fläche von 4 Hektar (40.000 qm).

1902 zog sich Adolf Lindgens nach Wiesbaden zurück und übertrug die Leitung des Unternehmens seinen Söhnen Adolf und Emil.

1912 Neubau einer der weltgrößten Mennigefabriken. 1922 wird die größte europäische Mennigefabrik in Betrieb genommen.

 

 

 

 

1932 streiken u. a. die Beschäftigten bei Lindgens & Söhne wegen massiver Lohnsenkungen. Der Neubau für die Zinkweißproduktion führte zu einer Verdoppelung der Kapazitäten. Dr. Max Graeff, Schwiegersohn von Kommerzienrat Adolf Lindgens, tritt in die Geschäftsführung ein. Werner Lindgens und Robert Wahlen, Sohn und Schwiegersohn von Emil Lindgens, treten in die Geschäftsführung ein. Die Geschäfte wachsen trotz der Auswirkungen des Ersten Weltkriegs und der weltweiten Rezession.

Max Graeff war ein Sohn des Tabakwarenfabrikanten Roman Anton Graeff und dessen aus Krefeld stammenden Ehefrau Maria Josefine geb. Thomas (1863–1899). Graeff besuchte in Krefeld das Gymnasium und legte dort im Jahre 1914 seine Reifeprüfung ab. Danach begann er im I. Weltkrieg eine Karriere als Offizier beim Schleswig-Holsteinischen Fußartillerie-Regiment Nr. 9 im II. Bataillon der Garnison Festung Ehrenbreitstein in Koblenz. Nach Ende des Kriegs führte er ab 1919 sein Studium der Rechtswissenschaften fort, promovierte im Jahre 1922 mit seiner Dissertationsschrift Wertbegriffe und Wertermittelungsgrundsätze im Reichs-Privat- und Vermögenssteuerrecht zum Dr. jur. und wurde dann als Rechtsanwalt in Köln tätig.

 

 

Graeff war seit dem 31. März 1928 mit Thea Lindgens, welche die geschiedene Ehefrau seines Kriegskameraden Jostenhans und eine Tochter des Bleifarbenfabrikanten Adolf Lindgens junior (1856–1941) war, verheiratet. In Mülheim am Rhein trat er in die chemische Fabrik seines Schwiegervaters Lindgens & Söhne als persönlicher haftender Gesellschafter und Teilhaber der Firma ein. Die Eintragung in das Kölner Handelsregister hierzu war am 21. August 1934 erfolgt. Die chemische Firma, die Graef als Repräsentant für 36 Jahre leitete und internationales Ansehen genoss, war die erste Produktionsstätte in Deutschland die Bleimennige produzierte.

Zweiter Weltkrieg

Während der Bombenangriffe 1944 auf Köln-Mülheim wird das Werksgelände zu 85 % zerstört.

 

1945 nach Kriegsende beginnt man einen Notbetrieb und startet, dank des unter den Trümmern verbliebenen Rohbleis, mit der Herstellung von Bleirohren zur Wasserversorgung. Als neues Betätigungsfeld kommt 1948 die Herstellung von Druckfarben hinzu.

 

Quelle Bild: http://www.rheinische-industriekultur.de/objekte/koeln/Lindgens%20Bleiweissfabr/lindgens_bleiweiss.html

Bild ca. 2008, Fotograf unbekannt 

 

1951 feiert man die 100-Jahr Feier Lindgens & Söhne – Wirtschaftswunder 300 Beschäftigte.

 

1951 - 1956 Bau der Druckfarbenfabrik nach Entwurf des Architekten Heinrich May.

 

Das Lindgens-Areal lag über viele Jahre in großen Teilen brach. Der letzte Teil von produzierendem Gewerbe, die Firma Penox, hat Ihren Standort in 2020 aufgegeben. Durch die industrielle Vergangenheit besitzt die Fläche einen attraktiven Bestand an zum Teil denkmalwerten Hallen.

 

Nach der Sanierung der bestehenden, teils denkmalgeschützten Hallen und Büroflächen, sind bereits neue Unternehmen eingezogen. Dazu gehören namhafte Betriebe wie der größte Grillfachbetrieb der Welt, Santos Grill, oder die Dock.One Veranstaltungshalle für bis zu 1.000 Personen. Der dazugehörige Harborclub Köln ist bekannt aus verschiedenen Fernsehformaten wie z. B.  "Bares für Rares". Der ehemalige Lockschuppen ist eine prachtvolle und beliebte Location für Hochzeiten geworden.

 

Auf dem Grundstück entstehen in Zukunft zusätzlich ca. 50.000 m² Wohn- und Gewerbeflächen. Dazu eine Kindertagesstätte, verschiedene Restaurants, ein Hotel mit 250 Zimmern, Büroflächen, Parkhäuser und ca. 300 Wohnungen.

 

Quellen: Klett, Manfred, "Lindgens, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 601 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136725775.html#ndbcontent

https://www.rheinische-industriekultur.com/seiten/objekte/orte/koeln/objekte/lindgens.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Graeff

 

https://hamacher-immobiliengruppe.de/referenz-lindgens-areal.html

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