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"Katzenfabrik"

Heusch Hoesch (Familie)

 

Die Familie Hoesch, in manchen alten Schriften auch Husche, Hoisch oder Huesch genannt, ist eine seit mehreren Jahrhunderten bestehende Unternehmerfamilie. Sie war vorwiegend in der Metallverarbeitung in den Räumen Aachen, Düren und Stolberg/Eschweiler sowie in Dortmund tätig. Ein bedeutender Zweig der Familie wird Heusch geschrieben. Beide Familienzweige gehen auf den gemeinsamen Stammvater Heinrich Hoesch († 1552) zurück.

 

Der Name Heusch/Huesch leitet sich von mittelniederländischen heufsch, heuvesch, hovesch ab und bedeutet etwa höfisch, hübsch oder höflich und bezeichnete zumeist Personen, die dem Hofe angehörten.

 

Im Kölner und Aachener Dialekt sowie in der holländischen Sprache wird das Adjektiv heusch noch heute angewendet.

 

Ursprünge

 

Die Familie Hoesch, Heusch stammt ursprünglich aus dem Ort Kettenis im Eupener Land mit Stammsitz auf Schloss Libermé, aber auch mit Besitztümern in Walhorn, Dolhain und Baelen. Der älteste nachgewiesene Ahn ist Ende des 14. Jahrhunderts ein Husche de Libermé († vor 1403), dessen Sohn Hein Husche von Kettenis († um 1459) ebenso wie Hein Husches Sohn Mays (Bartholomäus) Hoesch von Libermé und Kettenis († um 1530) als Schöffen zu Walhorn genannt werden. Mays Hoesch wird zugleich auch als Lehnsmann des Aachener Münsters erwähnt, ebenso wie sein Sohn Hein Hoesch von Kettenis (1475–1552), der der gemeinsame Ahnherr aller sich nun verzweigenden und bis heute existierenden Linien der Familien Heusch/Hoesch ist.

Zweig Peter Hoesch (Hoesch/Heusch)

 

Michael Heusch, Hamburg

 

Hein Hoesch von Kettenis hatte sechs Söhne und vier Töchter. Sein ältester Sohn Peter Hoesch († vor 1561) verzog zunächst nach Zülpich, wo er zum Schöffen gewählt wurde, wechselte aber alsbald nach Antwerpen. Dessen beide Söhne Johann (1530–1580) und Michael (1533–1596) waren in Antwerpen erfolgreiche Kaufleute und heirateten auch dort. Deren jeweilige Kinder traten dem evangelischen Glauben bei, wodurch sie im überwiegend katholischen Antwerpen erhebliche berufliche und soziale Nachteile erlitten. Aus diesem Grunde verzogen diese daraufhin nach Hamburg bzw. nach Frankfurt am Main. Deren weitere Nachkommen nannten sich nun durchweg Heusch. In Hamburg machte ein gewisser Michael Heusch (1601–1684) auf sich aufmerksam, als er von 1665 bis 1667 zum Präsidenten der Handelskammer Hamburg gewählt wurde. Der Generalleutnant in italienischen Diensten, Nicola Heusch (1837–1902), welcher nach dem Sturz von Premierminister Antonio Starabba di Rudinì am 9. Mai 1898 das Kommando der in der Toskana stationierten Belagerungstruppen zur Unterdrückung der Maiunruhen übernommen hatte, ist ebenfalls ein Nachfahre dieser Hamburger Linie.

Aachener Hauptzweig (Hoesch/Heusch)

Der zweite Sohn von Hein Hoesch von Kettenis, Bartholomäus Hoesch (1533–1596), Schöffe des hohen Gerichtshofes in Limbourg, ist der Begründer des weit verzweigten Aachener Hauptzweiges. Er nahm mit seiner Familie den evangelischen Glauben an, weswegen sie 1568 mit der Reichsacht belegt wurden. Doch nachdem sowohl Mays selbst als auch sein Sohn Hermann († 1582), welcher als Offizier im Heere von Wilhelm I. von Oranien-Nassau gedient hatte, wieder zum katholischen Glauben zurückgekehrt waren, wurden sie bereits 1574 restituiert. Seitdem sind deren weitere Nachfahren, die sich nun einheitlich Heusch nannten, mehrheitlich katholisch und bekleideten in Aachen ansehnliche Ämter.

 

Einer dieser Nachkommen war Aegidius Heusch (1629–1685), der als Erster aus diesem Familienzweig nach Aachen kam, wo er eine Stelle als Badearzt übernahm und Gründer der Hirsch-Apotheke, der zweitältesten Apotheke Aachens, wurde. Sowohl dessen Sohn Gerhard (1678–1759) als auch sein Enkel Franz Aegidius (1712–1780) wurden zum Stadtphysicus Aachens berufen. Ein Enkel von Franz Aegidius, Gerhard Heusch (1744–1829), übernahm 1784 das verfallene Schloss Rahe und ließ es aufwändig und repräsentativ renovieren.

 

 

Wer bis hierhin gelesen hat, wird nun die Auflösung zur Katzenfabrik finden. 

 

Kratzen, auch Karden genannt, dienen dem Aufrauen von Geweben aus Wolle und Baumwolle, insbesondere in der Tuchmacherei. Es handelt sich um einen abschließenden Veredelungsprozess in der Textilindustrie, durch den die Ware einen weicheren Griff und eine größere Wärmeisolierfähigkeit erhält. Seit etwa dem Beginn des 20. Jahrhunderts bestehen sie aus Drahthäkchen, die auf Lederbändern montiert sind. Davor und z. T. auch heute noch (z. B. im Unternehmen Lodenwalker) wurden die Fruchtstände der Weberdistel verwendet. Aufgrund dieser Verwendung war die sogenannte Weberkarde (Kardendistel, Weberdistel) das Zunftzeichen der Tuchmacher.

 

 

 

Mit dessen Enkel August (1807–1875) begann schließlich eine erfolgreiche Zeit als Nadel- und Kratzenfabrikanten. Im Jahre 1825 gründete er die erste und damit die älteste Aachener Kratzenfabrik, die zunächst unter dem Namen August Heusch & Kern, später unter August Heusch & Söhne firmierte und ihren Sitz ab 1861 in das Wylre’sche Haus in Aachen verlegte. Dieses wird deshalb zuweilen auch Palais Heusch genannt und befindet sich noch heute in Familienbesitz. Der letzte bedeutende und bekannte Vertreter dieser Linie ist der Urenkel von August Heusch, der ehemalige Aachener Oberbürgermeister Hermann Heusch. Nach dessen Tod wurde das erhaltene und unter Denkmalschutz stehende Vorderhaus im Jahre 1996 innerhalb der Familie meistbietend versteigert und befindet sich auch heute noch in Familienbesitz. Die Kratzenfabrik einschließlich Anlagen und Achterhaus waren bereits Jahre zuvor aufgegeben worden.

Ein Vetter zweiten Grades von August Heusch, Severin Heusch (1827–1873), begann im Jahr 1859 zusammen mit dem Schlosser Wilhelm Oebel Tuchscherermesser auf maschinellem Wege herzustellen. Mit dieser Innovation war ihr Unternehmen die erste Tuchscherermesserfabrik Deutschlands, aus dem heutzutage das führende Spezialunternehmen für Hochleistungsmesser und Schersysteme Heusch GmbH & Co. KG geworden ist.

 

Die Neffen und Großneffen von August Heusch stiegen ebenfalls in die Nadelfabrikation ein und gründeten nach dem Ankauf der ehemaligen Nadelfabrik von Laurenz Jecker die Nadelfabrik Heusch & Butenberg, welche später in Hugo Heusch & Co. umfirmierte und die ab 1908 ihre Fabrikation und ihren Sitz in der von Rudolf Lochner übernommenen und liquidierten Tuchfabrik Lochner am Karlsgraben in Aachen hatte. Im Jahr 1955 floss dieses Unternehmen in die Rheinische Nadelfabrik AG ein.

 

 

Majorica-Perlen der Firma Heusch

 

Mit Eduard Friedrich Hugo Heusch (1865–1937) begann darüber hinaus eine erfolgreiche Unternehmertätigkeit der Familie in Spanien. Im Jahre 1902 gründete dieser in Barcelona zunächst die Nadelfabrik La Metalurgica Espanola, die bis zur Schließung 1978 in Familienbesitz blieb, sowie zwei Jahre später in Manacor auf Mallorca die edle mallorquinische Kunstperlenfabrik Industria Espanola de Perlas Imitacion S. A., die sein Sohn Alberto Carlos (1932–2007) im Jahre 1997 in die Alpha Invest Holding überführte.

 

Quelle Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Hoesch_(Familie)

Heruntergeladen am 25.02.2021

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