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Das Testament des Herrn Berger-Schippers

Berger – Schippers

 

Am 16. Februar 1900 beschloss die Aachener Stadtverordnetenversammlung die Annahme des Vermächtnisses von Ernest Berger, der im Testament vom 30.06.1888 die Stadt Aachen zur alleinigen Erbin seines Vermögens von über einer halben Million eingesetzt hatte, dessen Nutznießung aber zunächst dem in Aachen lebenden Bruder zustehen sollte.

 

Nach dessen Tod war nach dem Willen des Testators eine Erziehungsanstalt unter dem Namen „Ernest Berger`sches Kinderheim“ zu errichten, das hilfsbedürftigen verwaisten Kindern christlicher Eltern nach Möglichkeit das Elternhaus ersetzen sollte. Ferner bestimmte das Testament, dass die Stadt Aachen wie der Bruder gehalten seien, für das bisherige Familiengrab der Familie Berger ein neues, massives Grabmal mit einem Kostenaufwand von mindestens 20.000 Mark zu errichten.

 Die Stadt Aachen kam Ihren Verpflichtungen nach; dass neben dem Josephinischen Institut in der Pontstraße errichtete Kinderheim, dessen Leitung Borromäer-Schwestern anvertraut wurde, konnte schon 1904 eröffnet werden und die aufwendige, im Einverständnis mit dem Bruder in Verbindung mit der neuen Friedhofskapelle errichtete Grabanlage war wohl schon 1902 fertiggestellt.

 

 

 

 

 

 

Der „Privatier“Ernest Viktor Hubert Berger - Schippers (1830 – 1899) war ein Sohn des Regierungshauptkassenbuchhalters Philipp Jakob Berger (1795 – 1854) und dessen Ehefrau Wilhelmine (geb. Kellenter). Der Urgroßvater Ernest Bergers stand in brabantischen Diensten. Als Henricus Berger alias Schepers hatte er die Aachener Bürgertochter Maria Gertrudis Dautzenberg geheiratet. Auf seine Aachener Mutter berief sich der in Brüssel geborene spätere Goldschmied Gerard Joseph Berger alias Schippers, als er sich 1781 um das Aachener Bürgerrecht bewarb.

 

Aus der belgischen Herkunft erklärt sich, dass die Familie stets Wert darauflegte, ihren Namen französisch auszusprechen. Die letzte Inschrift gilt Philipp Berger (1837 – 1902) der in den Aachener Adressbüchern als „Reisender“ ausgewiesen wurde. Wie anscheinend auch sein Bruder Ernest starb er unvermählt.

Die Steinmetzarbeiten für die Reliefplatte der Grabanlage Ernest Victor Hubert Berger – Schippers entstanden zwischen 1900 –1902 und stammen von Johannes Baecker nach einem Entwurf von Stadtbaumeister Joseph Laurent (1853–1923). Die monumentale Grabstätte wurde von den Bildhauern Wilhelm Pohl und Carl Esser geschaffen. 

 Bildhauer

Wilhelm Pohl (* 7. Februar 1841 in Aachen; † 18. Oktober 1909 ebenda) war ein deutscher Bildhauer des Historismus. Er führte ab ca. 1872 eine Bildhauerwerkstatt in Aachen, ab 1891 in Gemeinschaft mit Carl Esser.

 

 

 

 

 

Leben und Wirken

 

Pohl war der Sohn des Klavierbauers und Pianoforte-Fabrikanten Bernhard Pohl in Aachen. Spätestens ab 1872 war er als Bildhauer tätig. Im Jahr 1878 erhielt er für seine bildhauerische Leistung eine Bronzemedaille auf der Aachener Gewerbe-Ausstellung. Ab 1889 spezialisierte sich Pohl auf sakrale Kunst und inserierte unter der Bezeichnung Atelier für christliche Kunst. Zu den Gehilfen seiner Bildhauerwerkstatt zählte von 1872 bis 1877 Gustav Angelo Venth.

 

Im Jahr 1891 nahm Pohl den 15 Jahre jüngeren Aachener Bildhauer Carl Esser als Teilhaber auf, die gemeinsame Firma lautete Pohl & Esser, Bildhaueratelier für christliche Kunst, Inhaber Wilhelm Pohl und Carl Esser.

 

Aus dem Jahr 1893 stammt die „romanisierende“ Darstellung des Kalvarienbergs auf dem Platz gegenüber dem Linse-Bau der St.-Jakob-Kirche in Aachen nach Plänen von Heinrich Wiethase, die an andere zeitgenössische Denkmäler erinnert.

 

Ein wichtiger Tätigkeitsbereich war die Grabmalkunst, der die damit verbundene kunstgeschichtliche Entwicklung aufzeigt. Die Autoren Schild und Janssen unterteilen ihr Werk in drei Schaffensperioden. Die erste charakterisieren Skulpturen; Pohl und Esser rezipierten mittelalterliche, gotische und Renaissance-Kunstwerke. Die Vollendung des Kölner Doms sowie die Restaurierung des Aachener Doms und des Aachener Rathauses beeinflussten ihre Schöpfungen. Zwölf Skulpturen der Rathaus-Fassade stammen aus ihrer Werkstatt.

 

In der zweiten Periode überwiegen gemäß dem Zeitgeschmack Grabmale ohne Statuen. Bei den Skulpturen nahmen sie sich Bertel Thorvaldsens Christusfigur aus dem Jahr 1821 der Frauenkirche in Kopenhagen zum Vorbild. Die dritte Phase repräsentiert Carl Essers Trauernde und seine idealisierte Rezeption der griechischen Klassik.

 

Pohl war Mitglied des „Vereins für Kunde aus Aachener Vorzeit“ und des „Aachener Museumsvereins“.

 

 

Quellen Text: Aus dem Buch „Der Aachener Ostfriedhof“ von Ingeborg Schild und Elisabeth Janssen.
und https://www.wikiwand.com/de/Wilhelm_Pohl_(Bildhauer)

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